Frühföderung für Familien mit Migrationshintergrund


Hausarbeit, 2016

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einbettung in den Kontext

2. Begriffsklärung

3. Frühförderung mit Migrantenfamilien
3.1 Positive Aspekte der Frühförderung
3.2 Herausforderungen und Probleme für die Frühförderung

4. Der Empowerment-Ansatz
4.1 Umsetzung des Empowerment-Ansatzes in der Frühförderung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In fachlichen Diskussionen besteht mittlerweile Einigkeit darüber, dass Eltern im Sinne des Kooperationsmodells gleichberechtigt und partnerschaftlich an der Frühförderung ihrer Kinder beteiligt werden sollten. Dies war jedoch nicht immer so. Obwohl die Beteiligung der Eltern an der Frühförderung mittlerweile als Selbstverständlichkeit gilt, und obwohl in der Bundesrepublik Deutschland derzeit ca. 20,5 % aller hier lebenden Menschen einen Migrationshintergrund haben (Statistisches Bundesamt Mai 2013), wurden die spezifischen Erfordernisse an die Elternarbeit mit Migrantenfamilien bisher vergleichsweise wenig thematisiert. Es war bislang kaum Diskussionsthema, in welcher besonderen Situation sich Migrantenfamilien mit einem Kind welches eine Behinderung hat bzw. einem von einer Behinderung bedrohten Kind befinden und wie die Frühförderung sich darauf einstellen und damit umgehen kann (Vgl. Schartner, 2004, S.69).

Daher soll ein Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit darauf liegen, welche besonderen Herausforderungen sich in der Frühförderung mit Migrantenfamilien stellen und wie mit den Eltern kooperationsorientiert zusammengearbeitet werden kann. In Folge dieser Fragestellung wird ein noch relativ neuer Ansatz zur Gestaltung der Zusammenarbeit mit Migrantenfamilien, nämlich der Empowerment- Ansatz vorgestellt.

1.1 Einbettung in den Kontext

Im Modul MA 1/2 Bildung und Beratung hatten die Studierenden die Aufgabe erhalten anhand eines Vortrages ein Themengebiet, welches zum Überbegriff Beratung passt, im Rahmen eines Seminares vorzustellen. Der Verfasser dieses Portfolios entwarf gemeinsam mit drei weiteren Kommilitoninnen eine Präsentation zum Thema Frühförderung. Zum Einstieg wurden die Begriffe der Beratung, sowie Frühförderung definiert. Im Anschluss erfolgte ein Überblick über sozialpädiatrische Zentren und interdisziplinäre Frühförderung. Einen großen Schwerpunkt der Präsentation nahmen die frühen Hilfen ein. Anhand zweier praktischer Einrichtungen, nämlich dem Kompetenzzentrum Freiburg und den frühen Hilfen im Ortenaukreis wurde die Komplexität der Frühförderung dargestellt.

Da innerhalb der Präsentation der Schwerpunkt unserer Gruppe auf Frühförderung und Frühe Hilfen gelegt wurde, wurden Themenblöcke wie Frühförderstellen oder Familien mit Migrationshintergrund in der Frühförderung etwas vernachlässigt. Aus diesem Anlass werde ich mich in dem nun folgenden Portfolio einem dieser Bereiche widmen und vorstellen.

2. Begriffsklärung

Um den weiteren Verlauf dieses Portfolios verständlich zu machen soll zunächst einmal der zentrale Begriff der Frühförderung genauer definiert und erklärt werden. Unter Frühförderung…

„wird ein komplexes System der Beratung, Anleitung und Unterstützung für Eltern verstanden,

deren Kinder in den ersten Lebensjahren auf Grund individuell und sozial bedingter

Entwicklungsauffälligkeiten und –gefährdungen (Risiken, Behinderungen) spezialisierter

pädagogischer und therapeutischer Hilfen bedürfen.“ (Speck, 2001, S.373)

Frühförderung richtet sich an „behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder von der Geburt bis zum Übergang in eine andere dem Kind angemessene Form der Förderung“ (BMGS, 2005, S.5), sowie an deren Eltern, bzw. Familien. Darunter werden auch Kinder verstanden welche unter verschiedenen Entwicklungsrisiken- oder Auffälligkeiten, wie z.B. Armutslagen oder sozialen Benachteiligungen aufwachsen. Anhand dieser grundlegenden Definition der Frühförderung lässt sich bereits erkennen, dass die Prävention ein besonderes Aufgabengebiet und Ziel der Frühförderung darstellt. Darunter fallen konkret die Früherkennung, Frühdiagnostik und die frühe pädagogische Förderung. Diese verfolgen die Ziele Auffälligkeiten oder Behinderungen möglichst früh zu erkennen, Folgen von eingetretenen Behinderungen zu mildern oder ihr Auftreten gar zu vermeiden. Eine wichtige Rolle spielt auch, dass Betroffenen die Chance gegeben wird zur Entwicklung selbstbestimmten Lebens und eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe aufzubauen (Vgl. BMGS, 2005, S.5f)

In der Bundesrepublik Deutschland wird die Frühförderung einerseits von interdisziplinären Frühförderstellen, von denen die meisten mobil und ambulant arbeiten angeboten. Hinzukommen jedoch überregionale sozialpädiatrische Zentren, welche unter einer ärztlichen Leitung stehen. Insgesamt gibt es aktuell etwa 850 Frühfördereinrichtungen (Vgl. Sohns, 2000, S.40).

3. Frühförderung mit Migrantenfamilien

Zu Beginn dieser Thematik muss erwähnt werden, dass ca. 9 % der Familien mit Migrationshintergrund die in Deutschland leben in der Frühförderung anzutreffen sind. Diese Zahl erhebt jedoch keinen Anspruch auf Genauigkeit, da sie aus Rückschlüssen aus Einzeluntersuchungen abgeleitet wurde (Vgl. BMFSFJ, 2003, S.51). Mit speziellem Blick auf den Aufgabenbereich der Frühförderung erscheint es als besonders interessant, dass Familien mit ausländischen Wurzeln tendenziell mehr Kinder haben als deutsche Familien. Ausländische Mitbürger leben zu 71,6% in Familienhaushalten mit Kindern, Deutsche hingegen nur zu 53,5% (Vgl. ebd. S.53). Hohmeier befragte im Jahr 1994 15 Frühförderstellen, welche sich in Nordrhein-Westfalen befanden, wie hoch der durchschnittliche Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund an den insgesamt betreuten Kindern darstellt. Etwa 14,3% alle betreuten Kinder hatten einen Migrationshintergrund (Vgl. Hohmeier, 1996, S.242). Ob ein Kind, bei dem bereits eine Entwicklungsauffälligkeit diagnostiziert wurde, eine Therapie oder Frühförderung erhält, erwies sich in einer Analyse im Großraum Stuttgart als signifikant von der Nationalität abhängig. Faktoren wie Geburtsgewicht, Sozialraumtyp, Geschlecht oder Geschwisteranzahl hatten kaum einen Einfluss darauf, jedoch kristallisierte sich die Nationalität als entscheidender Prädikator für die Chance eines Kindes Frühförderung zu erhalten (Vgl. Werner, 2004, S.26). Verglichen mit Kindern, welche die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, erhält nur etwa jedes fünfte Kind mit Migrationshintergrund die Chance auf Frühförderung. Aus diesen Fakten lässt sich zusammenfassen, dass Migrantenkinder mit Frühförder- oder Therapiemaßahmen „nicht ihrem Bedarf entsprechend erreicht werden“ (ebd.).

In diesem Kontext soll jedoch auch erwähnt werden, dass Kinder mit Migrationshintergrund auffallend häufiger über ihren Kindergarten oder die Kindertagesstätte direkt für eine Frühfördermaßnahme angemeldet werden als deutsche Kinder. Nur etwa 5% der betrachteten Familien kamen aus Eigeninitiative zur Frühförderung (Vgl. Schartner, 2004, S.72). Aus dieser Aussage lässt sich schließen, dass die Notwendigkeit niedrigschwelliger Angebote um Familien aus anderen Kulturen zu unterstützen erforderlich ist. Die Zugangswege zu erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen müssen vereinfacht werden, damit die Frühförderung auch Eltern, welche nicht der deutschen Sprache mächtig sind, angeboten werden kann. Ebenfalls sollte die Zusammenarbeit zwischen den pädagogischen Fachkräften sowie den Eltern weiter intensiviert werden, da ihr eine sehr große Bedeutung zukommt (Vgl. ebd., S.79).

3.1 Positive Aspekte der Frühförderung

Die Arbeit mit Migrantenfamilien in der Frühförderung sieht sich verschiedenen spezifischen Problemen und Herausforderungen ausgesetzt. Vergleichsweise selten werden dabei die Blicke auf das besondere, angenehme oder positive in der Zusammenarbeit mit diesen Familien gerichtet. Als zentrale Punkte, die die Zusammenarbeit mit Migrantenfamilien in der Frühförderung positiv und angenehm gestalten, werden die Aufgeschlossenheit, Kontaktbereitschaft sowie die ausgeprägte Gastfreundschaft genannt. Zudem zeigen die betreuten Familien eine besondere Dankbarkeit für die erbrachte Hilfeleistung (Vgl. Hohmeier, 1996, S.243). Beobachtet werden jedoch auch immer wieder Emotionen und Gefühle, wie Misstrauen, hohe Hemmschwellen und Ängste gegenüber der Frühförderstelle und deren Mitarbeiter. Der Autor merkt jedoch explizit an, dass die Ängste in der Regel nur zu Beginn der Frühförderung bestanden und im weiteren Verlauf recht schnell abgebaut wurden von den Klienten (Vgl. ebd., S.246). Die eben getroffenen Aussagen passen auch zur Untersuchung von Schartner, welcher herausfand, dass sich der Zugang zu Migrantenfamilien häufig als eher schwierig gestaltet; sobald jedoch ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis besteht zeigen sich die meisten Familien kooperationsbereit und engagiert (Vgl. Schartner, 2004, S.74). Insbesondere zwischen den Müttern der betreuten Familien und weiblichen Mitarbeiterinnen der Frühförderung kann eine ausgeprägte starke Bindung entstehen im Laufe der Zeit (Vgl. Merz-Atalik, 1997, S.18). Als weitere besonderer Punkt, welcher als hilfreich und unterstützend für die Frühförderung von Migrantenkindern gesehen wird, sind sowohl die häufig auftretende enge Mutter-Kind Beziehung sowie ein ausgeprägter familiärer Zusammenhalt (Vgl. Schartner, 2004, S.75). Dadurch, dass das Kind über mehrere Bezugspersonen verfügt, wie sie in den unter Migrantenfamilien recht häufig anzutreffenden Großfamilien vorhanden sind bestehen höhere Chancen soziale Kompetenzen zu entwickeln. Außerdem stellt ein großer Verwandtenkreis ein hilfreiches Unterstützungssystem dar (Vgl. Hohmeier, 1996, S.245). Nicht selten berichten Familien nach einem Urlaub in ihrem Heimatland, dass sie ihr (behindertes) Kind von einer völlig anderen Seite erleben konnten als in Deutschland (Vgl. Werner, 2004, S.30).

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Details

Titel
Frühföderung für Familien mit Migrationshintergrund
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg  (Bildung und Erziehung im Kindesalter)
Veranstaltung
Wahlbereich Beratung
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V436995
ISBN (eBook)
9783668780965
ISBN (Buch)
9783668780972
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frühföderung, familien, migrationshintergrund
Arbeit zitieren
Fabian Titsch (Autor:in), 2016, Frühföderung für Familien mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436995

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