Was ist Inklusion? Bildung und Hintergrund des Inklusionsgedankens


Hausarbeit, 2015
5 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Inklusion?
2.1 Hintergrund des Inklusionsgedankens
2.3 Inklusion und Bildung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sowohl während der Vorlesungen an der Hochschule als auch beim besichtigen der PRISMA Einrichtung, sowie der Kita „ Sulzbacher Haus“ ergaben sich für mich zwei zentrale Fragen: Was bedeutet Inklusion und welche Idee steckt hinter Inklusion. Deshalb erkläre ich im ersten Teil des Portfolios damit auseinandergesetzt was Inklusion ist, wie der Begriff entstand und wie sich die aktuelle Situation zeigt. Im zweiten Teil werde ich auf das bereits geführte Interview mit Pauls Mutter im Rahmen eines Seminares an der Hochschule eingehen. Im dritten Teil ziehe ich ein Fazit und weise auf die notwendigen Folgerungen hin, die zur erfolgreichen Umsetzung nötig sind.

2. Was ist Inklusion?

Es existieren viele verschiedene Definitionen für den Begriff der Inklusion. Doch besonders interessant ist die Frage, was den Reichtum einer Gesellschaft ausmacht. Geht es dabei um wirtschaftliche Macht, um politische Sicherheit oder doch um kulturelle Vielfalt? Die Antwort auf diese Frage ist kurz, aber prägnant: „Eine Gesellschaft besteht aus Menschen. Und sie sind es, die das Wohl einer Gesellschaft prägen - und zwar in allen wichtigen Lebens- Bereichen“[1] Aktion Mensch[2] betont, dass es bei der Gesellschaft um Menschen geht. Inklusion meint, jeder Mensch hat das Recht sich an allen gesellschaftlichen Prozessen gleichberechtigt zu beteiligen. Dieses Recht besteht von Beginn an und ist unabhängig von der ethnischen und sozialen Herkunft, des Alters und des Geschlechts sowie der individuellen Fähigkeiten eines Einzelnen. Inklusion stellt kein Expertenthema dar, sondern ein Thema, dass jeden Menschen betrifft und eine Bedeutung für die gesamte Gesellschaft hat. Andreas Hinz definiert Inklusion als „...allgemeinpädagogische[n] Ansatz, der auf der Basis von Bürgerrechten argumentiert, sich gegen alle gesellschaftliche Marginalisierung wendet und somit allen Menschen das gleiche volle Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse zugesichert sehen will“[3]. Der Begriff Inklusion ist aus dem Lateinischen „inclusio“ abgeleitet und bedeutet in der deutschen Sprache „Einschluss, Dazugehörigkeit.“[4]

Bei der Inklusion geht es nicht um die Wahrnehmung von Unterschieden und um deren Vereinigung, also einer Eingliederung von bisher „ausgeschlossenen“ Menschen, sondern vielmehr geht es bei Inklusion darum die Verschiedenheit im Gemeinsamen anzuerkennen, d.h.: der Individualität und den Bedürfnissen aller Menschen Rechnung tragen. In diesem Konzept werden die Menschen nicht mehr in Gruppen eingeteilt z.B. hochbegabt, behindert, anderssprachig eingeteilt.[5] Inklusion ist laut Krög eine Vision einer Gesellschaft, die aus vielen verschiedenen Menschen besteht, die an allen Lebensbereichen selbstverständlich teilnehmen und deren individuelle Bedürfnisse ebenso selbstverständlich beachtet und einbezogen werden. Somit darf jeder Mensch selbst mitgestalten und mit-bestimmen, ohne Ausnahme.[6] Entscheidend ist, dass Inklusion seit der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit März 2009 in Deutschland in Kraft getreten ist, ein Menschenrecht und keine Gnade ist. Aichele spricht von der Verwirklichung der Nichtdiskriminierung der Menschen, von der Verpflichtung des Aufbaus eines inklusiven Bildungs- und Erziehungssystems. Er betont, Inklusion sei kein Akt der Fürsorge, sondern ein Menschenrecht.[7]

2.1 Hintergrund des Inklusionsgedankens

In Deutschland war der Begriff und das Thema der Inklusion lange größtenteils unbekannt und wurde erst in den letzten Jahren publik. Schon in den 1970-er Jahren entstand der Begriff Inklusion in den USA. Dabei ging es um die politische Aktivität der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung einschließlich deren Angehörigen. Seit den 1990-er Jahren findet der Begriff Inklusion internationale Berücksichtigung im Zusammenhang mit Internationaler Bildungspolitik.[8] Der wesentliche Punkt ist dabei die Schulbildung, die allen Kindern ermöglicht werden soll, es heißt in der Erklärung: „Bildung für Alle“.[9] Im Dezember 2006 folgte ein weiteres internationales Dokument, das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“.[10] Deutschland war 1994 bei der Salamanca-Erklärung involviert, die UN- Behindertenrechtskonvention trat in Deutschland jedoch erst 2009 in Kraft.

2.3 Inklusion und Bildung

Im deutschen Schulsystem kommt Inklusion nur begrenzt voran. Nach vier Jahren der Verpflichtung, Schüler mit und ohne Behinderungen gemeinsam zu unterrichten, stieg „...der Inklusionsanteil bundesweit von 18,4 auf 25,0 Prozent...“.[11] Somit besucht jeder vierte Schulbesucher mit Förderbedarf eine reguläre Schule. Im Jahr 2009, als die UN- Konvention ratifiziert wurde, waren es noch nicht mal jedes fünfte Schulkind. Durch diese Zahlen wird ersichtlich, dass sich die Idee und die Umsetzung des „Gemeinsamen Lernens“ im deutschen Schulsystem entwickeln. Bei diesem Anstieg von 35 Prozent könnte man positiv in die Zukunft schauen; doch wichtig zu erwähnen ist, dass die Rate der Förderschüler, die weiterhin in einer Sonderschule unterrichtet werden, nahezu konstant geblieben ist. Sie liegt bei 4,8 Prozent und ist im Vergleich zu den Vorjahren von 4,9 Prozent nur um 2 Prozent gesunken[12]. Klaus Klemm stellt fest, „...dass das vermehrte inklusive Unterrichten nicht zu einem Rückgang des Unterrichtens in Förderschulen geführt hat“ (ebd). Die Gründe dieser widersprüchlichen Auswirkungen (Fortschritt und Stagnation) können damit begründet werden, dass vermehrt Schüler ein Attest mit Förderbedarf erhalten: 2008/09 waren es 485.155 Förderschüler (6,0%), im Schuljahr 2011/12 487.718 (6,4%), obwohl die Schülerzahlen insgesamt rückläufig waren. Zusammenfassend kann man sagen, dass Schüler mit besonderem Förderbedarf nicht mehr automatisch in Sondereinrichtungen gehen müssen, dennoch viele Förderschulen weiterbestehen aufgrund der gestiegenen Förderquote. Inklusion mit Regelschule auf der einen, und Förderschule auf der anderen Seite zu verwirklichen ist schwierig, „...solange dieses Doppelsystem jedoch im heutigen Umfang weiterhin besteht...“. (ebd) Immerhin werden jene Ressourcen für Inklusion benötigt, die die Förderschule zu bieten hat. Klemm berechnete in einer Studie, dass alle Mittel der Förderschule bei einer Umschichtung zur Regelschule nicht ausreichen. Er geht davon aus, dass für 9.300 zusätzliche Lehrer jährlich 600 Millionen Euro benötigt werden, um Inklusion qualitativ angemessen umzusetzen. Wichtig, um gemeinsames Lernen zu ermöglichen, ist vor allem die Unterstützung von Schulen durch gut ausgebildete Fachkräfte. Handlungsbedarf sieht Klemm auch bei den einzelnen Ländern. So konnte er prägnante Unterschiede feststellen beispielsweise bei dem Besuch einer regulären Schule bei Kindern mit Förderbedarf. Sind es in Nieder-sachsen nur 11,1 Prozent der Förderschüler, die inklusiv unterrichtet werden, sind es in Bremen 55,5 Prozent. Auch die Zahlen über Schüler, die als besonders förderbedürftig gelten, gehen in den Bundesländern weit auseinander und liegen zwischen 4,9 und 10, 9 Prozent. Dräger und Kober fassen zusammen, dass Inklusion eine nationale Herausforderung darstellt für das gesamte Schulsystem in Deutschland und beklagen, dass immer noch drei Viertel der Schüler mit Förderbedarf in Sonderschulen keinen Abschluss erlangen. Sie plädieren deshalb für eine Veränderung dieser Missstände und appellieren an Politik und Gesellschaft Inklusion voranzutreiben und nicht nachzulassen in dem Bemühen darum.[13]

[...]


[1] Vgl. http://www.aktion-mensch.de/inklusion/was-ist-inklusion.php?et_cid=28&et_lid=86206

[2] Die Aktion Mensch e.V. (ehemals Aktion Sorgenkind) ist eine deutsche Sozialorganisation, die 1964 durch die Initiative des ZDFs entstand und durch Lotterieeinnahmen finanziert wird. Ihr Ziel ist die Aufklärung und Umsetzung von Inklusion „der gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft (http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Mensch)

[3] Hinz 2006, S.98

[4] Anderlik 2011, S.24

[5] Vgl.Krög, 2005, bidok.uibk.ac.at/library/mim-broschuere.html

[6] Vgl. Kobelt Neuhaus, 2012

[7] Vgl.Aichele, 2010, S.13ff

[8] vgl.echo-ev.de/inklusion

[9] vgl.unesco.at/bildung/basisdokumente/ salamanca _erklaerung.pdf

[10] http://echo-ev.de/inklusion/

[11] http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_115622.htm

[12] Vgl. http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_115622.htm

[13] http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_115622.htm

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Details

Titel
Was ist Inklusion? Bildung und Hintergrund des Inklusionsgedankens
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg  (Pädagogik der frühen Kindheit)
Veranstaltung
Sozialmanagement
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
5
Katalognummer
V437005
ISBN (eBook)
9783668781023
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inklusion, bildung, hintergrund, inklusionsgedankens
Arbeit zitieren
Fabian Titsch (Autor), 2015, Was ist Inklusion? Bildung und Hintergrund des Inklusionsgedankens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437005

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