In dieser Seminararbeit wird die Figur der Marquise von O... mit dem allgemeinen Frauenbild um 1800 und Kleist persönlichem Frauenbild verglichen und die folgende Frage stringent und konsequent beantwortet: Ist die Marquise von O.... eine typische Frau ihrer Zeit?
1. Einleitung
2. Der Familienbegriff im Wandel
2.1 Der Familienbegriff vor 1800
2.2 Der Familienbegriff ab 1800
2.3 Der Familienbegriff in Bezug auf Kleist
3. Die Rolle der Frau um 1800
3.1 Die Geschlechtscharaktere
3.2 Die Bedeutung der Ehe um 1800
3.3 Kleists Frauenbild und seine Erwartungen an die Ehe
4. Die Marquise von O… - eine Analyse des Frauenbilds
5. Fazit
5.1 Inwiefern ist es wichtig, das Frauenbild dieser Zeit zu kennen, um die Marquise von O… richtig verstehen zu können?
5.2 Ist die Marquise von O… eine typische Frau ihrer Zeit?
6. Literaturverzeichnis:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Frauenbild in Heinrich von Kleists Novelle "Die Marquise von O…" vor dem Hintergrund der soziokulturellen Veränderungen um 1800. Ziel ist es, das Handeln der Hauptfigur durch eine Analyse der zeitgenössischen Geschlechterrollen und Familienmodelle zu deuten und die Frage zu beantworten, inwiefern die Marquise ein typisches Frauenbild ihrer Zeit verkörpert.
- Wandel des Familienbegriffs und der Geschlechterrollen um 1800
- Kleists persönliches Frauenbild und seine Erwartungen an die Ehe
- Die Analyse der Marquise von O… als literarische Frauenfigur
- Untersuchung von Abhängigkeitsverhältnissen und emanzipatorischen Ansätzen
- Vergleich von individuellen Handlungsweisen mit gesellschaftlichen Normen
Auszug aus dem Buch
Die Marquise von O… - eine Analyse des Frauenbilds
Zu Beginn der Novelle entspricht die Marquise durchaus dem typischen Idealbild einer Frau zu ihrer Zeit. Sie kehrt nach dem Tod ihres Mannes, dem Marquis von O…, „dem sie auf das innigste und zärtlichste zugetan war“ auf den Wunsch ihrer würdigen Mutter in ihr Elternhaus zurück. In der damaligen Gesellschaft war es für eine Witwe durchaus üblich, nach dem Tod des Ehegatten zu ihren Eltern zurückzugehen, womit der Vater automatisch wieder die rechtliche und finanzielle Vormundschaft übernahm. Auch wenn Julietta „im Gegensatz zu ihren verheirateten Geschlechtsgenossinnen- nicht unbedingt auf einen männlichen Beistand angewiesen [war],“ da sie finanziell abgesichert war, hat sie ihren Witwenstand aufgegeben, denn wenn sie alleine lebte, war sie in höchstem Maße verletzbar, weil sie dadurch ihre Selbstständigkeit gegen den Schutz eines männlichen Familienoberhaupts eintauschte.
Demnach verfällt sie, obwohl sie in der Zwischenzeit selbst Mutter zweier Töchter ist, wieder die Rolle der Tochter. Sie ist psychisch von ihren Eltern abhängig und lebt in größtem Kontakt mit diesen, was daran deutlich wird, dass sie sich sehr stark von diesen bevormunden lässt.
Sie nimmt die Rolle der fürsorglichen, liebevollen Tochter ein. Ihre Zeit verbringt sie mit „Kunst, Lektüre, mit Erziehung und ihrer Eltern Pflege.“ Mit ihrer Rückkehr und ihrer Wiedereingliederung in die sozialen Hierarchien ihrer Familie ist „die alte Ordnung der Dinge“, die ihr Vaterhaus repräsentiert, wieder hergestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Novelle ein und skizziert die Relevanz des historischen Wandels des Familienbegriffs um 1800 für das Verständnis der Hauptfigur.
2. Der Familienbegriff im Wandel: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung von der patriarchalisch geprägten Großfamilie vor 1800 hin zum modernen bürgerlichen Familienmodell sowie Kleists eigene Prägung durch ältere Strukturen.
3. Die Rolle der Frau um 1800: Hier werden die zeitgenössischen Geschlechtscharaktere, die soziale Bedeutung der Ehe sowie Kleists spezifische Erwartungen an eine zukünftige Gattin untersucht.
4. Die Marquise von O… - eine Analyse des Frauenbilds: Dieser Abschnitt analysiert das Verhalten der Marquise im Kontext der Novelle, insbesondere ihre Reaktion auf die Vergewaltigung und ihren Ausbruch aus dem elterlichen Schutzraum.
5. Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Fragestellung, indem es das Verhalten der Marquise als typisch für eine Frau ihrer Zeit einordnet, die trotz emanzipatorischer Momente den gesellschaftlichen Konventionen verhaftet bleibt.
6. Literaturverzeichnis:: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Die Marquise von O…, Frauenbild, Familienbegriff, 18. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Geschlechtscharaktere, Ehe, Patriarchat, Emanzipation, Literaturanalyse, Gesellschaftsnormen, Aufklärung, Rolle der Frau, Novelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Frauenbild in Kleists Novelle "Die Marquise von O…" vor dem Hintergrund der historischen Umbruchszeit um 1800.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind der Wandel des Familienbegriffs, die theoretischen Geschlechterrollen der Zeit sowie Kleists eigene Vorstellungen von Ehe und Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Marquise von O… als typische Frau ihrer Zeit betrachtet werden kann und wie ihr Handeln in diesem Kontext zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die literarische Textstellen mit historischen Quellen und zeitgenössischen Theorien abgleicht.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Einordnung der Geschlechterrollen, Kleists privatem Frauenbild und der detaillierten Analyse der Handlungen der Marquise in der Novelle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Frauenbild, Familienbegriff, Geschlechterrollen, Kleist und Literaturanalyse definieren.
Wie reagiert die Marquise konkret auf ihre ungewollte Schwangerschaft?
Anfangs versucht sie, ihre Lage metaphysisch zu erklären, und zieht sich später auf ein Landgut zurück, wo sie eine Zeit lang emanzipiert und selbstständig lebt, bevor sie sich wieder in das patriarchale System einfügt.
Warum ordnet sich die Marquise am Ende der Novelle doch wieder den traditionellen Strukturen unter?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass dies aus Verantwortungsbewusstsein für ihr Kind und aufgrund des starken gesellschaftlichen Drucks geschieht, um den sozialen Status und die moralische Ordnung zu wahren.
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- Christina Kienlen (Autor), 2013, Ist die Marquise von O... eine typische Frau ihrer Zeit? Eine Analyse der Frauenfigur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437040