Die „Amphitryon“- Werke Kleists und Plautus´ werden beide unter dem Genre „Tragikomödie“ verbucht. Obwohl knapp 2000 Jahre zwischen den Entstehungszeiten liegen, werden sie beide zu ein und derselben Gattung gezählt. Nun stellt sich natürlich die Frage: Repräsentieren die beiden Bühnenstücke wirklich die gleiche Art der Tragikomödie, oder stellen sie vielleicht Vertreter verschiedener Auffassungen der Tragikomödie dar?
Im Laufe meiner Hausarbeit werde ich dieser Streitfrage nachgehen. Auf die Definition, was eine Tragikomödie überhaupt ist, folgt eine analytische Betrachtung der beiden Schlussszenen und ihrem Beitrag zur Zuordnung zu diesem Genre. Unter Einbeziehung des kleistschen und plautinischen Weltbilds schließt ein Vergleich der beiden Aufzüge an und abschließend werde ich mithilfe einer Zusammenfassung versuchen das Problem zu klären.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Merkmale der Tragikomödie
3. Eine Analyse der kleistschen Schlussszene
3.1 Inhaltsangabe
3.2 Analytische Betrachtung
3.3 Kleists Weltbild
4. Eine Analyse der plautinischen Schlussszene
4.1 Inhaltsangabe
4.2 Analytische Betrachtung
4.3 Plautus Weltbild
5. Vergleich der beiden Schlussszenen
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Heinrich von Kleists „Amphitryon“ und Plautus‘ „Amphitruo“ trotz ihrer Zugehörigkeit zum selben Genre der Tragikomödie unterschiedliche Auffassungen dieser Gattung repräsentieren, und analysiert hierzu insbesondere die jeweiligen Schlussszenen sowie die zugrunde liegenden Weltbilder der Autoren.
- Definition und historische Entwicklung der Tragikomödie
- Analyse der Schlussszene in Kleists „Amphitryon“
- Analyse der Schlussszene in Plautus‘ „Amphitruo“
- Vergleichende Untersuchung der dramaturgischen Gestaltung und Konfliktlösungen
- Gegenüberstellung des kleistschen und plautinischen Weltbildes
Auszug aus dem Buch
3.2 Analytische Betrachtung
In der Szene 3, 11 wird die anfangs heitere Nacht zur Höllennacht. Es herrscht eine tragische Stimmung, die durch die Feldherren, Amphitryon und Alkmene, deren Rolle sowieso als potenzielle Tragödienfigur angelegt wurde, sehr deutlich zum Ausdruck gebracht wird. Und ohne die derb- drastischen Wortspiele des Sosias bleiben auch die komischen Auflockerungen aus. Für die besondere Tragik sorgt die Figur des Amphitryon, des tragikomischen Getäuschten, der als ein Charakter mit Ehre und Tiefe angelegt ist. Wenn die Welt eines solch edlen Mannes zusammenzubrechen droht, ist das eine richtige Katastrophe. Die Komik der Szene beruht auf der Hervorhebung der Parallelsituation Amphitryons und Sosias´ und auf der Identität Jupiters und Amphitryons, die zu Irrtümern führt, die die Hahnreischaft schüren. Kleist legt viel Wert darauf, dass das Komische auch in Szenen und Situationen bewusst gemacht wird, in denen es nicht offensichtlich ist.
Amphitryon fällt dem Sklaven Sosias in die Arme, womit sehr deutlich gemacht wird, dass die beiden Schicksalsgenossen sind, denen beiden der Verlust ihrer Identität droht. Anschließend wendet sich Amphitryon an Alkmene, beginnt mit ihr einen Dialog und versucht ihr klar zu machen, dass er der wahre Amphitryon ist. Doch selbst diese ausgefeilten Verse, die „ein Wunder kleistscher Sprachkraft“ sind, vermögen es nicht, Alkmene zu überzeugen. Anschließend probiert Amphitryon seine Geliebte mit flehentlichen Fragen und mit von persönlicher Aufrichtigkeit erfüllten Erinnerungen für sich zu gewinnen, die seine Verzweiflung und seine Niedergeschlagenheit sehr deutlich zum Ausdruck bringen. Jupiter beschleunigt mit seiner Aufforderung „Gib der Wahrheit deine Stimme, Kind“ anknüpfend an den kryptischen Infinitiv zur „Sammlung und Selbstüberwindung“ Alkmenes Entscheidungsprozess. Daraufhin besiegt Alkmene ihre Unsicherheit und beschimpft Amphitryon mit den Worten: „Nichtswürd´ger! Schändlicher!“. Indirekt trifft sie damit Jupiter und gleichzeitig entscheidet sie sich damit für den falschen Amphitryon.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Kleist und Plautus trotz der Gattungszugehörigkeit zur Tragikomödie unterschiedliche künstlerische Auffassungen verfolgen.
2. Merkmale der Tragikomödie: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Begriffs der Tragikomödie, von der antiken Mischform bei Plautus bis zur Erweiterung durch Kleist.
3. Eine Analyse der kleistschen Schlussszene: Hier wird die letzte Szene bei Kleist detailliert inhaltsanalytisch und unter Berücksichtigung des kleistschen Weltbildes untersucht.
4. Eine Analyse der plautinischen Schlussszene: Dieses Kapitel widmet sich der Struktur der plautinischen Schlussszene und beleuchtet das Weltbild des römischen Autors.
5. Vergleich der beiden Schlussszenen: Der Vergleich stellt die dramaturgischen Unterschiede und die verschiedenen Ansätze zur Konfliktlösung in den beiden Werken gegenüber.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass beide Autoren das Genre der Tragikomödie individuell und auf ihre jeweils eigene Weise interpretieren.
Schlüsselwörter
Amphitryon, Kleist, Plautus, Tragikomödie, Schlussszene, Identität, Weltbild, Gott-Mensch-Verhältnis, Drama, Literaturanalyse, Mythos, Komik, Tragik, Konfliktlösung, Gattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der „Amphitryon“-Dramen von Heinrich von Kleist und Plautus im Hinblick auf ihre Einordnung als Tragikomödie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die dramaturgische Gestaltung der Schlussszenen, das Verständnis von Identität, das Götterbild und die Funktion der Tragikomödie als literarische Gattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die beiden Bühnenstücke wirklich die gleiche Auffassung der Tragikomödie vermitteln oder ob sie unterschiedliche Ansätze repräsentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie einen komparatistischen Vergleich, um die Dramentexte und deren zeitgenössische Kontexte zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Schlussszenen beider Autoren analysiert, ihre Weltbilder gegenübergestellt und ein direkter Vergleich der dramaturgischen Ansätze vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Amphitryon, Tragikomödie, Identität, Kleist, Plautus, Drama, Mythos und Konfliktlösung.
Warum ist das "Ach" am Ende von Kleists Werk so bedeutsam?
Das „Ach“ wird als unendlich auslegbar beschrieben, das den Zugang zu Alkmenes Innerem verschließt und die ambivalente, tragische Entzweiung der Eheleute unterstreicht.
Wie unterscheidet sich die Konfliktlösung bei Plautus von jener bei Kleist?
Plautus nutzt eine eher abrupte und wenig psychologisch motivierte Lösung durch den Gott, während bei Kleist eine tiefere Auseinandersetzung und innere Evolution der Charaktere stattfindet.
- Arbeit zitieren
- Christina Kienlen (Autor:in), 2015, Plautus und Kleists Amphitryon. Zwei Arten der Tragikomödie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437053