Feindbild Islam. Gibt es einen neuen Rassismus und inwieweit spielt der Islam dabei eine Rolle?


Hausarbeit, 2018
12 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition Rassismus

Ursprünge des antimuslimischen Rassismus

Argumentationslinien im antimuslimischen Rassismus

Die Rassifizierung der Muslime

Antimuslimische Diskurse

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Gegenwärtig spielt der Islam eine große Rolle rund um die Thematik Integration und Zuwanderung und taucht in zahlreichen Diskursen auf. Dabei ist die Linie zwischen der Islamkritik und dem, was als „Islamfeindlichkeit“ bezeichnet wird oft nicht klar abgegrenzt. Das sogenannte „Feindbild Islam“ existiert jedoch nicht erst seit geraumer Zeit, vielmehr wird hier kulturgeschichtlich auf eine lange Tradition der Bipolarität zwischen Europa und dem Orient zurückgeblickt (Al-Radwany, 2007). Der USamerikanische Literaturtheoretiker und -kritiker Edward Said beschreibt in seinem 1978 erschienen Werk den eurozentrischen, westlichen Blick auf die Gesellschaft des Nahen Ostens als einen „Stil der Herrschaft, Umstrukturierung und des Autoritätsbesitzes über den Orient“ (Said,1981).

Spätestens mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington geriet der Islam noch weiter in den weltweiten Fokus.

Auch momentane Ereignisse, wie die Ein- und Durchreise vieler Flüchtlinge im Jahr 2015 und 2016 verschärften die Auseinandersetzung mit dem Thema. Islamfeindliche Diskurse werden verstärkt durch Gewalt von Terrororganisationen, wie dem „islamischen Staat“ und jüngsten Anschlägen mit islamistischen Hintergrund. Ob und inwiefern der islamische Glauben mit der westlichen, demokratischen Kultur vereinbar ist wird Thema diverser Diskussionen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene (Foroutan,2012). Die ablehnende Haltung gegenüber Personen, die sich zum Islam bekennen ist zum Alltag geworden, die Angst vor dem „Fremden“ oder einer anderen Kultur lassen Menschen differenzieren, sogar klassifizieren. Zusätzlich zum Begriff „Islamfeindlichkeit“ treten die Bezeichnungen „Islamophobie“, „Muslimfeindlichkeit“, „Muslimphobie“ etc. auf, die dieses Phänomen zum Ausdruck bringen sollen. Im wissenschaftlichen Diskurs wird immer häufiger der Begriff „Antimuslimischer Rassismus“ herangezogen, zumal die Voreingenommenheit gegenüber Muslimen geradezu als eine Form des Rassismus, in der die Menschen angesichts ihrer Kultur und ihres Glaubens „rassifiziert“ werden, angesehen werden kann (Shooman,2014). Damit ist nicht nur die spezifische Angst vor der muslimischen Bevölkerung gemeint, sondern zugleich auch die mit der Angst „verbundenen Praktiken als Folge rassistischer Stereotypen“ (Eickhof,2010).

Durch Migration erfolgt eine Umgestaltung der Gesellschaft, wodurch dem Rassismus neue Antriebskräfte gegeben werden und die Kultur in den Mittelpunkt dieser Debatte gerückt wird. Doch wie kann nun festgelegt werden, ob dadurch ein neuer Rassismus entstanden ist und inwiefern lässt dieser sich im Alltag beobachten?

Definition Rassismus

Der Begriff „Rassismus“ tauchte vergleichsweise erst sehr spät in der deutschen Forschung auf. Er ist aus der naturwissenschaftlichen Kategorienbildung des 18. Jahrhunderts unter dem Begriff „Rassenhass“ bekannt und wurde im 20. Jahrhundert in Bezug auf den Nationalsozialismus erneut aufgegriffen und von diesem Zeitpunkt an, als „Rassismus“ verstanden. Im Zuge dieses Rassismus wurden Minderheiten, wie die Juden im Dritten Reich, durch ein zu sehr ausgeprägtes Nationalverständnis diskriminiert, von der sozialen Umwelt ausgeschlossen, was bis hin zur Vernichtung führte. Es herrschte die Überzeugung, dass Anhand von körperlichen Merkmalen, auf die Wesensart der Menschen und ihrer politischen Einstellung geschlossen werden konnte. Der deutsche Journalist, Autor und Migrationsforscher Mark Terkessidis unterteilt die Definition des Rassismus in drei Komponenten: 1. Die Rassifizierung, 2. Die Ausgrenzungspraxis und 3. Die differenzierende Macht. Als Rassifizierung wird ein Prozess beschrieben, in dem eine spezielle Gruppe von Menschen mit bestimmten Merkmalen als eine „natürliche“ Gruppe vermerkt wird und im Verhältnis zur eigenen Gruppe gesetzt wird (Terkessidis,2004). Merkmale müssen in dem Kontext nicht ausschließlich biologischer Natur sein. Guillaumin differenziert in vier verschiedene Kennzeichen, als Unterscheidungsmerkmal einer so genannten „Rasse“: 1. Morpho- physiologische Kennzeichen (bestimmte körperliche Merkmale), 2. Soziologische Kennzeichen (Gewohnheiten, Sprache, Kleidung etc.), 3. Symbolische und geistige Kennzeichen (Kultur, politische Praktiken, religiöse Verhaltensweisen, Einstellungen etc.) und 4. Imaginäre Kennzeichen (Guillaumin,1991).

Mit dem zweiten Punkt, der Ausgrenzungspraxis wird die Ungleichbehandlung bei der Zuteilung von Ressourcen oder Dienstleistungen einer bestimmten Gruppe beschrieben.

Die Darstellung der Unterdrückung einer gewissen Gruppe und das Sichtbarmachen bestimmter Machtverhältnisse bringt den dritten Aspekt der differenzierenden Macht ins Spiel.

Durch die gegenwärtige Situation, dem Zusammenrücken der Völker, ist es schlicht unmöglich, Menschen anhand ihrer äußerlichen Merkmale zu unterscheiden. Daher spielen immer mehr kulturspezifische Merkmale eine Rolle, um eine Differenzierung vornehmen zu können.

Ursprünge des antimuslimischen Rassismus

Bereits seit dem Mittelalter in Zeiten der Kreuzzüge, die von der christlichen Bevölkerung gegen den islamischen Glauben geführt wurden besteht eine Rivalität zwischen beiden Religionen. Folglich wurde der muslimische Glauben als rückständig und brutal dargestellt, eine Gefahr für das Christentum. Der Prophet Mohammed wurde beschuldigt Lügen und falsche Botschaften weiterzuverbreiten. Damit bekam die muslimische Bevölkerung die Rolle des „äußeren Feindes“ zugeschrieben und Muslime wurden als „die Anderen“ dargestellt (Shooman,2014). Dies änderte sich im Zuge des Postkolonialismus mit der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte nach Deutschland und dem damit einhergehenden Wachstum der muslimischen Gesellschaft. Von diesem Zeitpunkt an, bekam die Rolle des „Anderen im Inneren“ einen Ausdruck (Shooman,2014). Weitere Geschehnisse, wie die islamische Revolution im Iran 1979, der Ost-West-Konflikt 1990 und die Terroranschläge vom 11. September 2001, sowie zahlreiche weitere Terroranschläge in den vergangenen Jahren spielen bei der Entwicklung des antimuslimischen Rassismus eine entscheidende Rolle.

Argumentationslinien im antimuslimischen Rassismus

Ein Paradebeispiel des aktuellen antimuslimischen Rassismus stellte das 2010 von dem ehemaligen Politiker Thilo Sarrazin erschienene Buch „Deutschland schafft sich ab - Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ dar. Deutschlands auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ und die „BILD-Zeitung“ veröffentlichten in diesem Zusammenhang vorab folgende Passagen:

„ Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dortüber weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. ( … ) Ich möchte nicht, dass wir Fremde im eigenen Land werden. “

- Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab)

Zahlreiche Rassismus Vorwürfe nach der Erscheinung des Buches wies Herr Sarrazin zurück und erklärte, dass er nicht mit ethnischer Zugehörigkeit, sondern nur mit dem Merkmal der Kultur argumentiere („Mögen Sie keine Türken, Herr Sarrazin?“ Interview mit Thilo Sarrazin, in: WELT am Sonntag vom 29.08.2010.) .

Demzufolge wird die Kultur als ein unveränderbarer Zustand angesehen, der auf das Vorhandensein eines konstanten Wesens zurück zu führen ist. Menschen dieser Kultur werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die auf eine „natürliche Substanz“ der Kultur verweisen(Merz,2011). Auch vorurteilbelassene Rückschlüsse auf das soziale Verhalten der Muslime werden bspw. aufgrund des Korans gezogen, wodurch unterstellt wird, dass das Handeln in erster Linie auf ihre Religion und dessen Kultur zurückzuführen ist. Oftmals wird der islamische Glauben im Gegensatz zu den westlichen Prinzipien, Demokratie, Freiheit, Individualität und Moderne eher als traditionell, rückständig und patriarchisch betitelt(Merz,2011).

Diese konstruierte Trennung der beiden Religionsrichtungen und die damit verbundenen Unterschiedlichkeiten lässt Sarrazin zu dem Fazit kommen „ Die meisten islamischen Glaubensrichtungen haben den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess noch vor sich, den die Richtungen des Christentums in den letzten 500 Jahren mehrheitlich hinter sich gebracht haben. “

- Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab)

Diese Äußerung zeigt deutlich eine wichtige Funktion des antimuslimischen Rassismus, und zwar wie sehr die Diskreditierung des Anderen, der Aufwertung des Eigenen dient (Shooman,2014). Die negativen Merkmale des „Anderen“ werden in diesem Zusammenhang zu positiven Merkmalen des „Selbst“ (Merz,2011).

Die Frage, ob der Islam zu Europa gehöre wurde verstärkt auf Ebene der Politik diskutiert. Am 03. Oktober 2010 äußerte sich der damalige Bundespräsident Christian Wulff im Hinblick auf diverse Äußerungen von Thilo Sarrazin:

„ Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. “

- Christian Wulff (Rede zum 20.Jahrestag der Deutschen Einheit am 03. Oktober 2010)

Diese Äußerungen lösten eine Lawine an Kritik, sowie zahlreiche politische Debatten aus, in denen die deutliche Mehrheit zum Entschluss kam, dass der Islam nicht zur Bundesrepublik gehöre, da dieser mit den gesellschaftlichen Wertevorstellungen unseres Landes nicht vereinbar sei.

Die Rassifizierung der Muslime

Mit der Rassifizierung der islamischen Religion wird ebenfalls eine Rassifizierung der Muslime geschaffen, da ihr soziales Verhalten auf ihre Kultur bzw. Religion zurückzuführen ist. Andere Eigenschaften, wie Beruf, Geschlecht, Bildung, Schichtzugehörigkeit etc. werden vollkommen außer Acht gelassen.

Die Reduzierung auf bestimmte Merkmale, wie z.B. das „muslimische Aussehen“, aber auch bestimmte religiöse Kleidung, darunter vor allem das Kopftuch bei Frauen führen zur Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Die „kopftuchtragende Frau“ wird demnach oft als unterdrückt und nichtemanzipiert abgestempelt.

Vor allem werden die Geschlechterverhältnisse im orientalistischen Diskursen oft zum Kritikthema. In nicht-orientalistischen Gesellschaften ist dies hingegen nicht der Fall, obwohl die Geschlechterverhältnisse hier auch umkämpft sind (Merz,2011). Die Legitimierung der rassistischen Praxen durch emanzipative Diskurse ermöglicht es darüber hinaus den eigenen Sexismus auf die „Anderen“ zu externalisieren. Indem es bei den „Anderen“ als übertrieben dargestellt wird, kann es bei der eigenen Gruppe leichter bagatellisiert werden (Shooman,2014).

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Feindbild Islam. Gibt es einen neuen Rassismus und inwieweit spielt der Islam dabei eine Rolle?
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,4
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V437106
ISBN (eBook)
9783668802384
ISBN (Buch)
9783668802391
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rassismus, islam, antimuslimisch, neuer rassismus, rassifizierung, antimuslimischer rassismus
Arbeit zitieren
Nadine Ozeir (Autor), 2018, Feindbild Islam. Gibt es einen neuen Rassismus und inwieweit spielt der Islam dabei eine Rolle?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437106

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