Gegenwärtig spielt der Islam eine große Rolle rund um die Thematik Integration und Zuwanderung und taucht in zahlreichen Diskursen auf. Dabei ist die Linie zwischen der Islamkritik und dem, was als „Islamfeindlichkeit“ bezeichnet wird oft nicht klar abgegrenzt. Das sogenannte „Feindbild Islam“ existiert jedoch nicht erst seit geraumer Zeit, vielmehr wird hier kulturgeschichtlich auf eine lange Tradition der Bipolarität zwischen Europa und dem Orient zurückgeblickt. Der US-amerikanische Literaturtheoretiker und -kritiker Edward Said beschreibt in seinem 1978 erschienen Werk den eurozentrischen, westlichen Blick auf die Gesellschaft des Nahen Ostens als einen „Stil der Herrschaft, Umstrukturierung und des Autoritätsbesitzes über den Orient“.
Spätestens mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington geriet der Islam noch weiter in den weltweiten Fokus.
Auch momentane Ereignisse, wie die Ein- und Durchreise vieler Flüchtlinge im Jahr 2015 und 2016 verschärften die Auseinandersetzung mit dem Thema. Islamfeindliche Diskurse werden verstärkt durch Gewalt von Terrororganisationen, wie dem „islamischen Staat“ und jüngsten Anschlägen mit islamistischen Hintergrund. Ob und inwiefern der islamische Glauben mit der westlichen, demokratischen Kultur vereinbar ist wird Thema diverser Diskussionen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Die ablehnende Haltung gegenüber Personen, die sich zum Islam bekennen ist zum Alltag geworden, die Angst vor dem „Fremden“ oder einer anderen Kultur lassen Menschen differenzieren, sogar klassifizieren. Zusätzlich zum Begriff „Islamfeindlichkeit“ treten die Bezeichnungen „Islamophobie“, „Muslimfeindlichkeit“, „Muslimphobie“ etc. auf, die dieses Phänomen zum Ausdruck bringen sollen. Im wissenschaftlichen Diskurs wird immer häufiger der Begriff „Antimuslimischer Rassismus“ herangezogen, zumal die Voreingenommenheit gegenüber Muslimen geradezu als eine Form des Rassismus, in der die Menschen angesichts ihrer Kultur und ihres Glaubens „rassifiziert“ werden, angesehen werden kann.
Durch Migration erfolgt eine Umgestaltung der Gesellschaft, wodurch dem Rassismus neue Antriebskräfte gegeben werden und die Kultur in den Mittelpunkt dieser Debatte gerückt wird. Doch wie kann nun festgelegt werden, ob dadurch ein neuer Rassismus entstanden ist und inwiefern lässt dieser sich im Alltag beobachten?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Definition Rassismus
Ursprünge des antimuslimischen Rassismus
Argumentationslinien im antimuslimischen Rassismus
Die Rassifizierung der Muslime
Antimuslimische Diskurse
Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Ausprägung eines neuen Rassismus, der sich spezifisch gegen Muslime richtet, und analysiert, inwieweit der Islam in aktuellen gesellschaftlichen Diskursen als Feindbild konstruiert wird.
- Kulturgeschichtliche Herleitung der Bipolarität zwischen Europa und dem Orient
- Analyse der Mechanismen der Rassifizierung von Minderheiten
- Untersuchung von Argumentationsmustern in antimuslimischen Diskursen
- Darstellung der Wahrnehmung von Muslimen durch empirische Studien
- Reflektion über die gesellschaftliche Funktion von Vorurteilen und Ausgrenzung
Auszug aus dem Buch
Die Rassifizierung der Muslime
Mit der Rassifizierung der islamischen Religion wird ebenfalls eine Rassifizierung der Muslime geschaffen, da ihr soziales Verhalten auf ihre Kultur bzw. Religion zurückzuführen ist. Andere Eigenschaften, wie Beruf, Geschlecht, Bildung, Schichtzugehörigkeit etc. werden vollkommen außer Acht gelassen.
Die Reduzierung auf bestimmte Merkmale, wie z.B. das „muslimische Aussehen“, aber auch bestimmte religiöse Kleidung, darunter vor allem das Kopftuch bei Frauen führen zur Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Die „kopftuchtragende Frau“ wird demnach oft als unterdrückt und nichtemanzipiert abgestempelt.
Vor allem werden die Geschlechterverhältnisse im orientalistischen Diskursen oft zum Kritikthema. In nicht-orientalistischen Gesellschaften ist dies hingegen nicht der Fall, obwohl die Geschlechterverhältnisse hier auch umkämpft sind (Merz, 2011). Die Legitimierung der rassistischen Praxen durch emanzipative Diskurse ermöglicht es darüber hinaus den eigenen Sexismus auf die „Anderen“ zu externalisieren. Indem es bei den „Anderen“ als übertrieben dargestellt wird, kann es bei der eigenen Gruppe leichter bagatellisiert werden (Shooman, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Integration und Zuwanderung sowie die Begriffsklärung von Islamfeindlichkeit und antimuslimischem Rassismus im Kontext aktueller gesellschaftlicher Spannungen.
Definition Rassismus: Theoretische Herleitung des Rassismusbegriffs und Erläuterung der Komponenten Rassifizierung, Ausgrenzungspraxis und differenzierende Macht.
Ursprünge des antimuslimischen Rassismus: Historischer Rückblick auf die Rivalität zwischen dem Islam und dem Christentum seit dem Mittelalter bis hin zur Etablierung des Bildes vom „Anderen im Inneren“ im Postkolonialismus.
Argumentationslinien im antimuslimischen Rassismus: Analyse der Diskursverschiebung hin zur Kultur als unveränderbare Größe, exemplifiziert an Thesen wie denen von Thilo Sarrazin.
Die Rassifizierung der Muslime: Untersuchung der Reduktion von Individuen auf das „muslimische Aussehen“ und der Externalisierung gesellschaftlicher Probleme auf die muslimische Bevölkerung.
Antimuslimische Diskurse: Darstellung der Ausmaße der Ablehnung gegenüber Muslimen in Deutschland und Europa anhand empirischer Befragungsdaten.
Schlussfolgerung: Zusammenfassende Bewertung, dass der antimuslimische Rassismus ein drängendes gesellschaftliches Problem darstellt, das aus stereotypem Schubladendenken resultiert und aktiven Handlungsbedarf erfordert.
Schlüsselwörter
Antimuslimischer Rassismus, Islamfeindlichkeit, Rassifizierung, Integration, Diskriminierung, Vorurteile, Kultur, Stereotype, Identität, Entfremdung, Islamophobie, gesellschaftliche Ausgrenzung, Orient, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die aktuelle gesellschaftliche Problematik der Islamfeindlichkeit und untersucht, warum der Islam zunehmend als Feindbild in westlichen Diskursen konstruiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Schwerpunkte sind die Definition von Rassismus, die historische Entwicklung antimuslimischer Ressentiments sowie die Analyse aktueller gesellschaftlicher Diskurse und Einstellungen gegenüber Muslimen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit fragt danach, ob ein neuer Rassismus entstanden ist, inwieweit der Islam hierbei eine Rolle spielt und wie sich dieser Rassismus im gesellschaftlichen Alltag manifestiert.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Studien zur Wahrnehmung von Muslimen basiert.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Rassismus, den historischen Wurzeln des Feindbildes Islam, der Strategie der „Rassifizierung“ von Muslimen und der Präsentation von Daten über die öffentliche Meinung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Antimuslimischer Rassismus, Rassifizierung, Diskriminierung, Integration und gesellschaftliche Vorurteile beschreiben.
Welche Rolle spielt das Kopftuch in der Argumentation der Autorin?
Das Kopftuch wird als ein Beispiel für die Reduzierung muslimischer Frauen auf äußere Merkmale genannt, was oft zur Stigmatisierung und zum Stempel der „Unterdrückung“ führt.
Wie erklärt die Autorin den Prozess der „Entfremdung“?
Die Entfremdung wird als ein Prozess beschrieben, bei dem Individuen, die in Deutschland aufgewachsen sind, durch ständige Fragen nach ihrer Herkunft oder aktive Diskriminierung das Gefühl vermittelt bekommen, nicht zur Gesellschaft dazuzugehören.
- Citation du texte
- Nadine Ozeir (Auteur), 2018, Feindbild Islam. Gibt es einen neuen Rassismus und inwieweit spielt der Islam dabei eine Rolle?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437106