Lebenswelten und Lebensstile. Kinderarmut in Deutschland


Hausarbeit, 2015
18 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Daten und Fakten
2.1 Armutsdefinitionen
2.1.1 Relative Armut
2.1.2 Absolute Armut
2.1.3 Definition eines Kind zentrierten Armutsbegriffs
2.2 Armut in einem reichen Land

3 Armutskonzepte
3.1 Lebenslagenkonzept
3.1.1 Armutsdimensionen
3.1.1.1. Materielle Dimension:
3.1.1.2. Soziale Dimension:
3.1.1.3. Kulturelle Dimension:
3.1.1.4. Emotionale Dimension:
3.2 Subjektives Armutskonzept

4 Kinderarmutsbetroffenheit in den Entwicklungsländern

5 Ursachen der Kinderarmut in Deutschland

6 Folgen der Kinderarmut in Deutschland
6.1 Auswirkungen der Armut auf die Gesundheit
6.2 Auswirkungen der Armut auf die schulische Laufbahn
6.3 Auswirkungen der Armut auf das Selbstwertgefühl

7 Schlussbetrachtung

8 Literaturverzeichnis

Internetquellen

1 Einleitung

„Es ist unbestritten, dass Kinderarmut eines der drängendsten und gravierendsten Probleme unserer Zeit ist.“ (Renate Schmidt, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) (vgl. http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Presse/pressemitteilungen,did=21484.html).

Die UNICEF Studie vom 1. März 2005 „Child Poverty in Rich Countries 2005“ zeigt, dass die Zunahme der Kinderarmut in Deutschland mit 2,7 Prozentpunkten seit 1990 höher ist als in den meisten Industrienationen. (vgl. https://www.unicef.de/informieren/infothek/-/unicef-studie--kinderarmut-in-reichen-laendern/17706).

Diese Tatsache kann ich selbst auch durch meine Beobachtungen in meinem letzten Praktikum im Kindergarten bestätigen, und ich konnte dort beobachten, dass zwei Kinder des Öfteren sowohl zum Frühstück als auch später zum Mittagessen nur ungesundes Essen zur Verfügung hatten. Es handelte sich in der Regel nur um Brote mit Nutellaaufstrich oder um Süßigkeiten. An manchen Tagen brachten sie nichts zum Essen mit und hofften, von dem Essen ihres Freundes etwas zu erhalten. Auch berichtete die Erzieherin aus der Kindertageseinrichtung, dass es immer wieder Fälle gibt, dass z.B. Eltern den Mittagsessenbeitrag nicht bezahlen können, da es Eltern gibt, die nicht erwerbstätig sind, und sogar auch solche Eltern, die noch nie gearbeitet haben.

Auch wenn man es in Bezug auf einen Wohlstandsstaat nicht für möglich hält, so ist es dennoch eine Tatsache, dass Kinder heute in Deutschland Armut leben und deshalb von anderen wohlhabenden Kindern ausgegrenzt und diskriminiert werden. Doch eigentlich sollten sie die Möglichkeit erhalten, zu spielen, sich zu bilden und sich auf das spätere Leben vorzubereiten, da sie für Deutschland die Zukunft bedeuten. Die Gesellschaft muss sich bewusst werden, dass aus gesundheitlichen und psychischen Schäden in der Kindheit später Folgen für das ganze Leben der Kinder resultieren können.

Wenn man diese Kinder beobachtet, stellt man fest, dass sie für die Winterzeit nicht ausreichend ausgestattet sind, dass sie mit einer dünnen Jacke den gesamten Winter überstehen müssen und häufig auch krank werden. Auch fallen diese Kinder aufgrund ihrer mangelnden Hygiene auf. Beim Mittagsessen zeigen sie ein hungriges Essverhalten, das dadurch deutlich wird, dass sie sich den Teller mit Essen vollladen, da sie befürchten, dass sonst nichts mehr für sie übrig bleibt.

Nun möchte ich dieses Problem aufgreifen und mich in meiner Hausarbeit im Modul 3 „Lebenswelten und Lebensstile - Kooperationen mit Familien“ mit dem Thema „Arme Kinder im reichen Deutschland“ auseinandersetzen. In meiner Hausarbeit werde ich die derzeitige Armutssituation von Kindern in Deutschland darstellen. Ich habe mich bewusst für dieses Thema entschieden, da ich schon mehrmals in verschiedenen Einrichtungen, wie z.B. im Kindergarten, in der Nachhilfe oder auch im Mehrgenerationenhaus der Diakonie, mit Kindern und Jugendlichen in Verbindung gekommen bin, die am Rande des Existenzminimums leben. Auch möchte ich mich später in diesem Bereich noch intensiver engagieren und auch tätig werden. Deshalb möchte ich mit dieser Hausarbeit den Anfang für meine spätere Arbeit setzen. Daher soll es auch der Zweck dieser Arbeit sein, sich Gedanken über die pädagogischen Lösungswege zu machen, wie man den Kindern, die von der Armut betroffen sind, eine Hilfestellung anbieten kann. Später als Kindheitspädagogin werde ich mit dem Problem in sehr vielen Einrichtungen, sei es im Kindergarten oder in Beratungsstellen, konfrontiert werden. Ich werde mich am Ende der Arbeit mit der Frage auseinandersetzen, wie die Kinderarmut beseitigt werden kann.

Als Erstes werde ich im Kapitel zwei – „Daten und Fakten“ im ersten Unterpunkt „relative und absolute Armut“ die entsprechenden Begrifflichkeiten definieren, um sie dabei auch voneinander abzugrenzen. Dazu werde ich auf die Kind zentrierte Armutsdefinition detailliert eingehen. Im weiteren Unterpunkt „Armut in einem reichen Land“ werde ich mich mit der Situation in Deutschland beschäftigen. Da kein einheitlich anerkannter Armutsbegriff zur Verfügung steht, werde ich zum besseren Verständnis im Kapitel drei „Armutskonzepte“ drei Konzepte erläutern, nämlich das Ressourcenkonzept, das Lebenslagenkonzept und das subjektive Armutskonzept. Im Ressourcenkonzept werde ich auf das politische Armutskonzept und auf die relative Einkommensarmut zu sprechen kommen. Im Lebenslagenkonzept werde ich näher auf die Armutsdimensionen eingehen, also die materielle, die soziale, die kulturelle und die emotionale Dimension. Im Kapitel vier „Kinderarmut in den Entwicklungsländern“ werde ich den Blick auf die Entwicklungsländer, wie z.B. Afrika, richten. Im darauffolgenden Kapitel werde ich auf die Ursachen zu sprechen kommen. In einem weiteren Punkt werde ich dann explizit auf die Folgen der Armut für die Kinder eingehen. Hierbei beschränke ich mich auf die Auswirkungen der Armut auf die Gesundheit der Kinder, die schulische Laufbahn, den Aufbau und den Erhalt der sozialen Beziehungen und auf das Selbstwertgefühl. Als Letztes werde ich eine Schlussbetrachtung vornehmen und mich dabei auf meine Ausgangsfrage beziehen, wie gegen die Kinderarmut vorgegangen werden kann.

2 Daten und Fakten

Wenn man sich mit dem Thema Kinderarmut in Deutschland auseinandersetzen möchte, so muss man zunächst definieren, was unter Armut genau zu verstehen ist. Was bedeutet es, arm zu sein? Ist ein Mensch arm, dem weniger als 100 Euro im Monat zur Verfügung stehen? Der sich kein Auto leisten kann? Der nur im Secondhand-Laden oder auf dem Flohmarkt einkaufen kann? Der über keinen Internetzugang zu Hause verfügt? Der obdachlos unter Brücken schlafen muss? Der seine Lebensmittel in der Organisation „Die Tafel“ einkaufen muss?

In diesem Kapitel werde ich als Erstes näher auf die Armutsdefinitionen eingehen. Im Folgenden werden dann Begriffe wie relative und absolute Armut erläutert. Als Nächstes folgt die Darstellung der Kinderarmut in Deutschland, die mit Zahlen belegt wird.

2.1 Armutsdefinitionen

Armut ist eine extreme Form sozialer Ungleichheit. Der Armutsbegriff hat sich für Deutschland in den letzten Jahren gewandelt, da sich die Gruppe der von Armut betroffenen gewandelt hat. Nicht mehr Randgruppen, chronisch Kranke, Behinderte oder alte Menschen sind vornehmlich von Armut betroffen, sondern Arbeitslose, allein Erziehende und kinderreiche Familien (vgl. Chassé, Zander, Rasch 2003, S. 11).

Umstritten ist, wann aus sozialer Ungleichheit Armut wird und wie die Armut gemessen werden kann (vgl. Hölscher 2003, S. 15).

Wenn wir heute bezogen auf Deutschland vom Begriff Armut sprechen, ist dieser nicht verbunden mit Hunger und Elend. Diese „absolute Armut“ herrscht in den Ländern der Dritten Welt vor und meint die Nichtgewährleistung von Grundbedürfnissen des physischen Existenzminimums (vgl. Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung 2005, S. XV).

2.1.1 Relative Armut

„Die relative Armut bezeichnet Personen oder Familien (Haushalte), die über nur so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in der Bundesrepublik als unterste Grenze des Akzeptablen annehmbar ist.“( Klocke / Hurrelmann 2001, S. 12). In Industrienationen, wie in Deutschland, ist die Rede von der relativen Armut. Die Armut wird diesem Fall anhand des Verhältnisses des individuellen Einkommens zum Durchschnittseinkommen im jeweiligen Land definiert. Als arm gelten deshalb diejenigen, die einen festgelegten Prozentsatz des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens der bundesdeutschen Bevölkerung unterschreiten. Um die Armut feststellen zu können, wird somit das Einkommen der Familienhaushalte untersucht. Der Armutsgrad liegt heute auf der 60 Prozent-des Äquivalenzeinkommens. Die 60 Prozent gelten als die Armutsrisikogrenze. (Vgl. http://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/relative-kinderarmut-in-deutschland/)

2.1.2 Absolute Armut

Die lebensbedrohende Armut, die aus den Entwicklungs- und Schwellenländern bekannt ist, wird als absolute Armut bezeichnet. Diesen Menschen aus den Dritte-Welt-Ländern fehlt es an Grundbedarfsgütern, wie Nahrung, Wasser, Kleidung, Wohnung und Gesundheitsversorgung. Somit ist das physische Existenzminimum nicht mehr garantiert. (Vgl. Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung 2005, S. XV). Die Definition der absoluten Armut hängt von den landesspezifischen, soziokulturellen, geografischen und klimatischen Bedingungen ab. (Vgl. Taibi 2010, S.49).

2.1.3 Definition eines Kind zentrierten Armutsbegriffs

Im weiteren Verlauf kommen wir somit zu unserem eigentlichen Hauptthema. In diesem Fall sprechen wir dann von der „Kinderarmut in Deutschland“, wenn Kinder von diesen oben näher beschriebenen Arten der Armut betroffen sind.

Gerhard Beizenherz definiert die Begrifflichkeit Kinderarmut als die Nichtteilhabe von Kindern am kulturellen Leben sowie als den Ausschluss aus dem materiellen und kommunikativen Transfer in der Gesellschaft. Im Weiteren schränkt er die Kinderarmut nicht nur auf das Materielle ein, sondern geht auch auf die Isolation der Kinder in der Gesellschaft ein. (Vgl. Beizenherz 2002, S.137). Nach Gerda Holz gelten für die Definition der Kinderarmut die folgenden Faktoren: Die Definition muss die Entwicklungs- und Teilhabechancen der Kinder berücksichtigen und Aussagen über ihre Entwicklung tätigen. Auch sollte sich die Definition auf die Perspektive der Kinder stützen und deren Lebenssituation und die Entwicklungschancen in den Blick nehmen. (Vgl. Hock et al. 2000, S.28).

Die Kinderarmut ist laut den Wissenschaftlern vom Einkommen der Eltern abhängig. Da die Kinder in ihren Lebenslagen in engem Kontakt mit ihren Eltern stehen, ist daraus zu schlussfolgern, dass die Lebensumwelten der Kinder mehrdimensional sind. Nach Holz ist erst dann von Armut die Rede, wenn eine materielle Mangellage der Eltern nach der definierten Armutsgrenze vorliegt, und sie behauptet, dass nur dann die Rede von Kinderarmut sein könne. (Vgl. Holz 2008, S.72).

2.2 Armut in einem reichen Land

Der zweite Armut– und Reichtumsbericht der Bundesregierung vom März 2005 verdeutlicht, dass die Kinderarmut zunehmend immer mehr Relevanz in der politischen Diskussion in der Bundesrepublik Deutschland gewinnt. (Vgl. http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/-DE/PDF-Publikationen/forschungsprojekt-a332-). Weiterhin belegt auch die UNICEF-Studie vom 1. März 2005 „Child Poverty in Rich Countries 2005“, dass die Zunahme der Kinderarmut in Deutschland mit 2,7 Prozentpunkten seit 1990 höher liegt als in den meisten Industrienationen. ( Vgl. http://www.mbjs.brandenbur.de/sixcms/media.php/5527/Kinderarmut_-begegnen.pdf). Der Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerks berichtet über die Tatsache, dass 14 Prozent der deutschen Kinder arm sind. Die Experten fanden heraus, dass sich der Anteil innerhalb von zehn Jahren von 10 auf 14 Prozent erhöht hat. Laut Untersuchungen leben 11,5 Millionen Deutsche unterhalb der Armutsgrenze. (Vgl. http://-www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/media.php/5527/Kinderarmut_begegnen.pdf).

Einige Jahre zuvor waren eher die älteren Senioren von dem Armutsrisiko betroffen, doch heute sind es die Kinder und Jugendlichen, die darunter leiden. (Vgl. Chasse 2003, S.53). Jedes 14. Kind ist auf die Hilfe des Sozialamts angewiesen, behauptet eine Untersuchung. (Vgl. Holz, S.3). Obwohl Deutschland zu den wirtschaftlich am weitesten entwickelten Ländern gehört, sind dennoch die Zahlen der darunter leidenden Kinder sehr umfangreich. In Deutschland ist nicht die Rede von einer Hungersnot wie in den Entwicklungsländern. Den in Deutschland lebenden Kindern steht in der Regel genug zum Essen und Trinken zur Verfügung und ein Haus, in dem sie mit ihrer Familie wohnen. In einem Wohlfahrtsstaat wird die Armut von einem ganz anderen Sichtwinkel betrachtet. Es geht in diesem Fall nicht um das Hungern von Kindern, sondern um die aus der relativen Armut resultierenden Benachteiligungen der Kinder. Relative Armut ist dann zu konstatieren, wenn sich Menschen erheblich vom Wohlstand der Gesellschaft in den Bereichen Einkommen, Bildung, Gesundheit und Wohnen differenzieren. Diejenigen Menschen, die von der relativen Armut betroffen sind, sind unterhalb des soziokulturellen Existenzminimums angesiedelt. Dies wird durch die Tatsache deutlich, dass die davon betroffenen Menschen sich aufgrund dessen nicht an gesellschaftlichen Aktivitäten beteiligen können und somit isoliert von der Gesellschaft leben müssen. (Vgl. Fischer/ Merten 2010, S.136).

Dieses Faktum wiederum wirkt sich sehr negativ auf das Alltagsleben der Kinder aus und bereitet ihnen große Probleme. Die Kinder, die in relativer Armut aufwachsen, werden oftmals sozial ausgegrenzt und müssen auf sehr vieles verzichten, so können sie sich zum Beispiel keine Kinobesuche oder Theaterbesuche leisten. Sie können auch nicht an Klassenfahrten teilnehmen und keine große Geburtstagsfeste feiern und ihre Freunde einladen, da solche Vorhaben für ihre Familie einfach zu kostenaufwendig wären. Auch können die meisten Kinder aus armen Familien nicht an Kindergeburtstagen teilnehmen, da sie nicht über Geld für ein Geschenk verfügen und sich daher vor den anderen Kindern schämen. Außerdem dürfen solche Kinder zum Beispiel kein Instrument erlernen, da den Eltern das Geld für den Unterricht und für die Bücher fehlt. (Vgl. Fischer/ Merten 2010, S.136).

3 Armutskonzepte

Nach Hölscher werden die Definitionen der relativen Armut drei Konzeptarten zugeordnet:

- Armut als Unterschreitung des materiellen Existenzminimums (Ressourcenkonzept)
- Armut als Unterversorgung in mehreren wichtigen Lebensbereichen (Lebenslagenkonzept)
- Vorliegen von Armut, wenn jemand weniger als das zum Leben Notwendige zur Verfügung hat (subjektives Armutskonzept) (Vgl. Hölscher 2003, S.16).

Im weiteren Verlauf möchte ich die Armutskonzepte nun kurz vorstellen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Lebenswelten und Lebensstile. Kinderarmut in Deutschland
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V437133
ISBN (eBook)
9783668772724
ISBN (Buch)
9783668772731
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lebenswelten, lebensstile, kinderarmut, deutschland
Arbeit zitieren
Esma Dursun (Autor), 2015, Lebenswelten und Lebensstile. Kinderarmut in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437133

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