Ist die Kritik am deutschen Einkommensteuer-Splitting wirklich berechtigt und welche Kritikpunkte verstecken sich dahinter? Kann eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag das Steuersystem revolutionieren? Wie steht das deutsche Steuersystem im internationalen Vergleich da? Die Antworten auf diese Fragen werden versucht bestmöglich in dieser Arbeit zu geben. Besonderes Augenmerk wird auf die Anreizwirkungen und Verteilungseffekte des deutschen Einkommensteuer-Splittings gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Einkommensteuer-Splitting?
2.1 Funktionsweise
2.2 Prinzipien
3 Verteilungseffekte
3.1 Der Splittingeffekt
3.1.1 Die Rolle der Familien
4 Anreizwirkungen
4.1 Arbeitsanreizwirkungen für ZweitverdienerIn
4.1.1 Empirische Aussagen
4.2 Vorteile bei Höchstbeträgen
4.2.1 Vorsorgeaufwendungen
4.2.2 Freibeträge
4.2.3 Außergewöhnliche Belastungen
4.3 Interpersonelle Verrechnung
5 Problematik mit dem Einkommensteuer-Splitting
5.1 Weitere Kritikpunkte
5.1.1 Ungerechtigkeiten zwischen Ost und West
5.1.2 Gesellschaftliche Veränderungen
5.2 Internationaler Vergleich
5.2.1 EUROMOD
5.2.2 Vergleich Deutschland – Großbritannien
6 Alternativen und deren potenzielle Effekte
6.1 Realsplitting
6.2 Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag
6.2.1 Kritikpunkte
6.2.2 Auswirkungen auf Arbeitsanreize
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das deutsche Ehegattensplitting, analysiert dessen Anreizwirkungen sowie Verteilungseffekte und evaluiert potenzielle Reformalternativen, wie die Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag, im Hinblick auf deren Tauglichkeit und internationale Vergleichbarkeit.
- Funktionsweise und historische Genese des Ehegattensplittings
- Analyse der Anreizstrukturen für Zweitverdiener
- Verteilungswirkungen zwischen verschiedenen Einkommensgruppen
- Internationaler Vergleich des Steuersystems (Deutschland vs. Großbritannien)
- Diskussion von Reformmodellen wie dem Realsplitting
Auszug aus dem Buch
4.1 Arbeitsanreizwirkungen für ZweitverdienerIn
Hier werden im Folgenden die Arbeitsanreizwirkungen für die ZweitverdienerIn genauer betrachtet, wobei mehrheitlich die Werke von Bonin et al. (2013) und von Steiger (2016) zur Hand genommen wurden.
In medialer Diskussion wird sehr oft darüber berichtet, dass die derzeitige Form des Einkommensteuer-Splittings keine Anreize schafft, dass beide Eheleute am Arbeitsmarkt aktiv sind bzw. werden. Daher soll hier ein genauerer Einblick gegeben werden, ob an dieser Diskussion etwas Wahres dran ist.
Wenn man sich die Abbildung 3 aus dem Kapitel 3 nochmals in Erinnerung ruft, dann kann man erkennen, dass der Splittingeffekt abnimmt, sobald die ZweitverdienerIn einen größeren Anteil am Gesamteinkommen beisteuert. Somit kann der maximale Splittingvorteil bzw. die größtmögliche Entlastung für die Ehepaare nur erreicht werden, wenn eine der beiden Ehegatten erwerbstätig ist und der andere zu Hause bleibt bzw. nur geringfügig tätig ist. Und genau dies schafft negative Arbeitsanreizwirkungen für die ZweitverdienerIn in einem Haushalt. Steiger (2016) unterstellt, dass es sich bei der ZweitverdienerIn zumeist um die Ehefrau handelt.
Der Grund warum es zu diesen negativen Anreizen kommt ist, dass der Grenzsteuersatz im Falle der Zusammenveranlagung für die ZweitverdienerIn höher ist, als wenn die Einzelveranlagung gewählt wird. In der Theorie wird zuerst das höhere Einkommen herangezogen und dann die Einkünfte der ZweitverdienerIn hinzugerechnet. Daraus kann man ableiten, dass ein zusätzlicher verdienter Euro der ZweitverdienerIn den gleichen Grenzsteuersatz wie beim Einkommen der ErstverdienerIn aufweist. Da das deutsche Steuersystem bekanntermaßen einen progressiven Steuertarif hat, steigt pro zusätzlichen verdientem Euro die Steuerbelastung. Zählt man in weiterer Folge noch die zu leistenden Sozialbeiträge hinzu, so kann man durchaus auf einen Grenzsteuersatz von über 50% kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung sowie die aktuelle Debatte um das deutsche Ehegattensplitting ein und benennt die zentralen Problemfelder sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Was ist Einkommensteuer-Splitting?: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen und Funktionsmechanismen der gemeinsamen steuerlichen Veranlagung von Ehepaaren nach deutschem Recht.
3 Verteilungseffekte: Das Kapitel analysiert die steuerlichen Vorteile des Splittingverfahrens und diskutiert die Kritikpunkte hinsichtlich der horizontalen und vertikalen Steuergerechtigkeit.
4 Anreizwirkungen: Hier werden die negativen Auswirkungen des Splittings auf die Arbeitsmotivation von Zweitverdienern untersucht und empirisch unterlegt.
5 Problematik mit dem Einkommensteuer-Splitting: Dieses Kapitel vertieft weitere Kritikpunkte wie regionale Ungerechtigkeiten, gesellschaftlichen Wandel und stellt das deutsche System dem britischen Modell gegenüber.
6 Alternativen und deren potenzielle Effekte: Es werden alternative Besteuerungsmodelle, namentlich das Realsplitting und die Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag, auf ihre Wirkungen hin geprüft.
7 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Ergebnisse der Analyse und bewertet die Reformfähigkeit des aktuellen Systems unter Berücksichtigung verfassungsrechtlicher Gegebenheiten.
Schlüsselwörter
Einkommensteuer-Splitting, Ehegattensplitting, Zusammenveranlagung, Individualbesteuerung, Arbeitsanreize, Verteilungseffekte, Grenzbelastung, Zweitverdiener, Leistungsfähigkeitsprinzip, Steuerreform, EUROMOD, Grundfreibetrag, Familienbesteuerung, Steuergerechtigkeit, Haushaltsbesteuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des deutschen Einkommensteuer-Splittings, seiner Auswirkungen auf Verteilung und Arbeitsanreize sowie der Prüfung von Reformalternativen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der steuerlichen Begünstigung von Ehepaaren, den negativen Anreizeffekten für Zweitverdiener und dem Vergleich mit dem britischen Steuersystem.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob die Kritik am Ehegattensplitting berechtigt ist und ob eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag als adäquate Alternative dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender finanzwissenschaftlicher Studien und Gutachten (u.a. DIW, Bonin et al., Niemeier) sowie die empirische Auswertung von Steuerbelastungs-Simulationen.
Welche Inhalte werden schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Funktionsweise, die empirische Analyse der Grenzbelastung für Zweitverdiener, den internationalen Vergleich mittels EUROMOD und die Evaluation von Reformkonzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Kernbegriffe sind Einkommensteuer-Splitting, Arbeitsanreize, Steuergerechtigkeit, Individualbesteuerung und Zweitverdiener.
Wie unterscheidet sich die Grenzbelastung für Zweitverdiener in Deutschland?
Aufgrund des progressiven Tarifs und der Zusammenveranlagung führt ein zusätzliches Einkommen des Zweitverdieners oft zu einer überproportionalen Grenzbelastung, was die Erwerbsanreize im Vergleich zur Individualbesteuerung mindert.
Welche Rolle spielen Kinder bei der Bewertung des Splittingverfahrens?
Die Arbeit stellt fest, dass das aktuelle Ehegattensplitting bei der Bemessung der Steuerlast nicht zwischen kinderlosen Ehepaaren und Familien mit Kindern unterscheidet, was von Kritikern als familienpolitisches Defizit gewertet wird.
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- Christian Grübler (Author), 2018, Anreizwirkungen und Verteilungseffekte des Einkommensteuer-Splittings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437150