Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einem umfassend erforschten Thema: der Gastarbeit in der Bundesrepublik Deutschland zwischen den späten 1950er und frühen 1970er Jahren. Das Thema war Bestandteil des Seminars „historische Migrationsforschung“. So begründet sich das Interesse an einem weniger berücksichtigtem Thema der Gastarbeit: Der Arbeitsmigration von Frauen.
Der Fokus dieser Arbeit liegt darin, sich mit den Gastarbeiterinnen, also Frauen, die nicht im Rahmen des Familiennachzuges, sondern als Arbeitsmigrantinnen nach Deutschland immigriert sind, zu beschäftigen. Es wird, wie in der Titelfrage aufgeworfen, dargestellt, in welcher Weise die Anwerbung verlief und warum es nötig war, verschiedene Anwerbestrategien zu nutzen.
Der weitere Verlauf der Arbeit konzentriert sich auf die daraus entstehenden Folgen für die Familienstrukturen und das Familienleben von Gastarbeiterinnen. Erst durch die extreme Ausweitung der Gastarbeit erhöhte sich das Phänomen lokal getrennter Familien und wurde im Nachhinein wissenschaftlich erforscht.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Klärung der Termini
3.Die Anfänge der „Gastarbeit“
3.1. Anwerbung und zögerlicher Beginn der Rekrutierung weiblicher Arbeitskräfte
3.2.Schwierigkeiten bei der Anwerbung ausländischer Arbeiterinnen
3.3.Erfahrungen der deutschen Firmen und Behörden während des Ausländerinneneinsatzes
4.Innerfamiliäre Strukturen während der Arbeitsmigration
4.1.Die Szenarien möglicher neuer Konstellationen
4.1.1.Immigration des Mannes
4.1.2.Immigration der Frau
4.1.3.Immigration beider Partner
5.Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die geschlechterspezifische Anwerbung von Frauen als Arbeitsmigrantinnen in der Bundesrepublik Deutschland zwischen den späten 1950er und frühen 1970er Jahren und analysiert deren Auswirkungen auf die innerfamiliären Strukturen. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen gezielten Anwerbestrategien und der notwendigen Umstrukturierung von Familienleben infolge der Migration aufzuzeigen.
- Historische Anwerbepolitik und Geschlechterrollen in den 50er bis 70er Jahren
- Herausforderungen und Strategien bei der Rekrutierung weiblicher Arbeitskräfte
- Veränderung innerfamiliärer Strukturen bei unterschiedlichen Migrationskonstellationen
- Der Einfluss von Migration auf Rollenbilder und Identität
- Die Rolle der Arbeitsverwaltung und industrieller Großkonzerne bei der Integration
Auszug aus dem Buch
3.2. Schwierigkeiten bei der Anwerbung ausländischer Arbeiterinnen
Gerade zu Beginn der Anwerbung speziell weiblicher Arbeitskräfte gab es Schwierigkeiten, die gewünschte Anzahl zu rekrutieren: Die Anwerbung von Frauen erforderte vermehrten Zeit- und Verhandlungsaufwand, da in den Herkunftsländern die Verhandlungsauflagen teilweise sehr strikt waren. Geschlecht wurde somit ein zentraler Moment der gesamten Anwerbepolitik, da sich sowohl die Praxis der Anwerbung als auch die ganze Struktur der weiblichen Arbeitsmigration von der der Männer unterschieden.
So waren beispielsweise Italienerinnen unter 21 Jahren grundsätzlich von der Anwerbung ausgeschlossen und Spanierinnen bis 25 Jahre benötigten die Erlaubnis ihrer Familie. Als Hauptschwierigkeiten werden folgende Faktoren angesehen: Da wäre zunächst die enge Bindung der Frau an ihre Familie, sowohl bei verheirateten Frauen speziell an ihre Kleinfamilie, als auch bei ledigen Frauen an ihre Gesamtfamilie. Außerdem herrschte die „Angst“ der schwerwiegenden Folgen für ihren Lebensweg und über „verpasste Heiratschancen“ der Frauen vor. Diese Ängste gingen nicht nur von der Frau, sondern auch von ihrer Familie aus. Viele junge Frauen waren ihrem Heimatland eng mit ihrer Familie vernetzt und stark eingebunden. Zusätzlich wurde oft jung geheiratet. Diese beiden Faktoren waren oft ein Grund, auch für Familie und speziell für Väter, eine Arbeitsmigration abzulehnen.
Eine weitere Schwierigkeit bildeten die Interessen der Herkunftsländer, junge Frauen im eigenen Land weiterhin im Niedriglohnsektor zu halten.
So unterschied sich die gezielte Anwerbung der Frauen deutlich von der „Massenanwerbung“ der Männer. Es wurde mehr Aufwand bei weniger Erfolg betrieben. Bis zur Rezession 1966/67 konnte die große Nachfrage nie vollständig gedeckt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der weiblichen Arbeitsmigration in der BRD und steckt das Ziel ab, die Verbindung zwischen geschlechterspezifischer Anwerbung und familiärem Strukturwandel zu untersuchen.
2.Klärung der Termini: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Verwendung von Begriffen wie „Gastarbeit“ und „Arbeitsmigrant/in“ im Kontext der Arbeit.
3.Die Anfänge der „Gastarbeit“: Es wird der Bedarf an weiblichen Arbeitskräften während des wirtschaftlichen Aufschwungs analysiert sowie die Hürden und Strategien bei der Anwerbung durch Behörden und Firmen beleuchtet.
4.Innerfamiliäre Strukturen während der Arbeitsmigration: Hier werden die Auswirkungen der Migration auf das Familienleben in verschiedenen Szenarien (Mann allein, Frau allein, beide Partner) untersucht und die resultierenden Rollenkonflikte dargestellt.
5.Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, unterstreicht die Notwendigkeit der geschlechterspezifischen Anwerbung und reflektiert den Perspektivwechsel in der historischen Migrationsforschung weg vom passiven Frauenbild.
Schlüsselwörter
Gastarbeiterinnen, Arbeitsmigration, Anwerbepolitik, Geschlechterrollen, Familienstrukturen, Bundesrepublik Deutschland, Wirtschaftsaufschwung, Migration, Arbeitskraft, innerfamiliäre Dynamik, Erwerbstätigkeit, Rollenverständnis, Fremdbestimmtheit, Selbstbestimmung, Migrationsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der „Gastarbeiterinnen“ in der Bundesrepublik Deutschland zwischen den späten 1950er und frühen 1970er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die geschlechterspezifische Anwerbepolitik durch Behörden und Firmen sowie die Auswirkungen der Arbeitsmigration auf das Familienleben und die traditionellen Rollenbilder der betroffenen Frauen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die geschlechterspezifische Anwerbung und die daraus resultierende Umstrukturierung innerfamiliärer Verhältnisse miteinander in Bezug zu setzen und als zusammenhängende Prozesse zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Standardwerke zur Gastarbeit sowie spezifische Publikationen zur weiblichen Beschäftigung und biographieforscherische Beiträge heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Anwerbestrategien und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung weiblicher Arbeitskräfte sowie eine detaillierte Untersuchung der Auswirkungen auf Familienstrukturen in verschiedenen Migrationsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Anwerbepolitik, Gastarbeiterinnen, Geschlechterrollen, Arbeitsmigration und innerfamiliäre Strukturen.
Warum war eine geschlechterspezifische Anwerbung notwendig?
Sie war aufgrund des massiven Bedarfs an Arbeitskräften in spezifischen, niedrig entlohnten Branchen wie der Textilindustrie und dem Dienstleistungssektor notwendig, da eine Mobilisierung einheimischer deutscher Frauen aus gesellschaftspolitischen Gründen erschwert war.
Welche Rolle spielten Firmen wie Bahlsen bei der Anwerbung?
Großkonzerne entwickelten eigene, erfolgreiche Strategien, um gezielt junge, ledige Frauen anzuwerben, indem sie durch spezielle Lohnanreize und Arbeitsbedingungen ihre Wanderungsbereitschaft erhöhten.
Wie wirkte sich die Migration auf die soziale Position der Frau innerhalb der Familie aus?
Die Migration konnte einerseits zu einer Überforderung und Isolation führen, bot andererseits jedoch auch Chancen für eine neue, selbstbestimmtere Rolle innerhalb der Familie, da traditionelle patriarchale Strukturen in Frage gestellt wurden.
- Citation du texte
- Marlene Schulze (Auteur), 2015, Gastarbeiterinnen zwischen den 50er und 70er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437163