Kaiser Augustus erließ während seiner Herrschaft mehrere Ehegesetze, die massiv in das Privatleben vornehmlich der Senatoren eingriffen. So wurde eine Ehepflicht für Erwachsene eingeführt und mit harten Sanktionen durchzusetzen versucht. Erbstrafen bei Ehebruch und Privilegien für Kinderreichtum sollten die oberen Stände zu den guten alten Sitten der Vorfahren zurückführen und die Gesellschaft stabilisieren.
Ob dies tatsächlich Augustus' Absicht war oder ob er sich mit den überharten Gesetzen ein Machtinstrument schuf, mittels welchem Geld für die Fiskus gesichert und Eingriffe in die oberen Klassen gerechtfertigt werden konnten, erörtert diese Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 HISTORISCHER KONTEXT
1.2 THEMENBEREICH UND FRAGESTELLUNG
1.3 METHODIK UND FORSCHUNGSSTAND
2 HAUPTTEIL
2.1 QUELLENKRITIK ZU CASSIUS DIO 56,1-10
2.2 QUELLENINTERPRETATION
2.3 DIE DREI EHEGESETZE
2.3.1 Die leges Iuliae und die lex Papia Poppaea
2.3.2 Bestimmungen und Sanktionen
2.3.3 Auswirkungen der Gesetze
2.4 LÖSUNG VON SITTENVERFALL UND DEMOGRAPHIE-PROBLEMEN?
3 FAZIT
4 BIBLIOGRAPHIE
4.1 QUELLENVERZEICHNIS
4.2 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die augusteischen Ehegesetze unter kritischer Betrachtung des 56. Buches der «Römischen Geschichte» von Cassius Dio, um die primären Motive hinter diesem massiven Eingriff in die Privatsphäre der römischen Aristokratie zu ergründen.
- Historischer Kontext der augusteischen Ära und des Prinzipats
- Quellenkritische Analyse der Darstellung durch Cassius Dio
- Inhaltliche Untersuchung der leges Iuliae und der lex Papia Poppaea
- Evaluation der demographischen und moralpolitischen Zielsetzungen
- Analyse der gesellschaftlichen Widerstände und Umgehungstaktiken
Auszug aus dem Buch
2.1 Quellenkritik zu Cassius Dio 56,1-10
Cassius Dio (Cocceianus) (ca. 164 – 230 n. Chr.) ist der Urheber der hier behandelten Primärquelle. Als Sohn eines römischen Senators und einer Griechin wuchs er im griechischen Asia Minor, genauer Bithynien, auf. In den Quellen lässt sich sein Leben erst seit seiner Ankunft in Rom, ca. 180 n. Chr., verfolgen. Er stieg unter Commodus zum Senator auf und bekleidete im Verlauf seines Lebens viele Ämter, darunter ein Konsulat und eine Statthalterschaft ausserhalb Roms. So darf man ihn berechtigterweise der römischen Aristokratie zurechnen. Nichtsdestotrotz war Griechisch seine Muttersprache. Sein Lebenswerk, die Ῥωμαϊκὴ ἱστορία, verfasste er dementsprechend in griechischer Sprache. Es ist umstritten, wie lange Cassius Dio an dem Gesamtwerk schrieb. Mindestens 22 Jahre müssten es aber schon gewesen sein. Das Geschichtswerk setzt sich insgesamt aus 80 Büchern zusammen, beginnend mit der Ankunft von Aeneas in Italien. Heute sind vor allem die ersten 35 Bücher nur fragmentarisch, die Bücher 36-60 vollständig erhalten. Von den Büchern 61-80 sind gekürzte Abschriften überliefert.
Dio wird in eine Reihe mit Fabius Pictor, Sallust, Tacitus et al. – alles geschichtsschreibende Politiker – gestellt. Als sein stilistisches Vorbild scheint jedoch eindeutig Thukydides fungiert zu haben. Dass Dio sowohl Grieche, wie auch römischer Amtsträger war, sein Werk auf Griechisch verfasste, jedoch die Geschichte Roms beschrieb, macht ihn und sein Werk besonders interessant. Unter diesem Aspekt muss auch immer berücksichtigt werden, dass er sich wegen seiner griechischen Prägung und dem östlichen Publikum in gewisser Weise von rein römischen Geschichtsschreibern abheben könnte. Beispielsweise könnte es eine Rolle spielen, dass die Griechen schon lange bei den Institutionen und Gesetzen die Pflicht sahen, die Bevölkerung zu «erziehen». Gegenteiliger Ansicht waren die Römer, denen vielleicht deshalb die «züchtigenden» Ehegesetze des Augustus widerstrebten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in den historischen Kontext der augusteischen Zeit und Darstellung der Fragestellung hinsichtlich der augusteischen Ehegesetze.
2 HAUPTTEIL: Kritische Untersuchung der Primärquelle Cassius Dio, Analyse der drei Ehegesetze sowie deren Bestimmungen, Sanktionen und Auswirkungen auf die römische Gesellschaft.
3 FAZIT: Synthese der Forschungsergebnisse, die aufzeigt, dass die Gesetze primär bevölkerungspolitisch motiviert waren und die Stabilisierung der aristokratischen Schichten anstrebten, jedoch weitgehend scheiterten.
4 BIBLIOGRAPHIE: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Augustus, Ehegesetze, Cassius Dio, Römische Geschichte, Prinzipat, leges Iuliae, lex Papia Poppaea, Sittenpolitik, Aristokratie, mos maiorum, Demographie, Familienpolitik, antike Gesetzgebung, Sozialgeschichte, römische Nobilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die augusteischen Ehegesetze und deren Darstellung in der antiken Literatur, insbesondere im 56. Buch der «Römischen Geschichte» von Cassius Dio.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Sittenpolitik des Augustus, der Eingriff in die Privatsphäre der römischen Oberschicht, die demographischen Zielsetzungen und die tatsächliche Wirksamkeit dieser gesetzlichen Reformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Arbeit zielt darauf ab herauszuarbeiten, aus welchen Gründen Augustus trotz erheblicher Widerstände der Aristokratie an seinen konservativen Ehevorstellungen festhielt und diese mit Nachdruck durchsetzen wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine quellenkritische Analyse von Cassius Dios Werk sowie eine vergleichende Untersuchung der modernen Forschungsliteratur, um historische Absichten und gesellschaftliche Auswirkungen zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Quellenkritik an Cassius Dio, eine detaillierte Interpretation der Ehegesetze (leges Iuliae und lex Papia Poppaea) inklusive Sanktionen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage nach Sittenverfall und Demographie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Augustus, Ehegesetze, Sittenpolitik, aristokratische Familie, mos maiorum und die antike Demographie.
Wie bewertet der Autor Cassius Dios Darstellung von Augustus?
Der Autor stuft Cassius Dio als kritischen Beobachter ein, der Augustus zwar als notwendigen Herrscher betrachtete, dessen autoritäre Ehegesetzgebung jedoch differenziert und teilweise distanziert wiedergab.
Warum gelten die Gesetze als gescheitert?
Laut Arbeit konnten weder die Geburtenraten signifikant gesteigert noch der Sittenverfall nachhaltig gestoppt werden; die Gesetze führten stattdessen primär zu Ausweichtaktiken der Elite und zur Förderung des Denunziantentums.
- Citation du texte
- Samuel O. (Auteur), 2018, Die Ehegesetze des Augustus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437175