Den Studentinnen und Studenten des Masterstudienganges eHealth an der Fachhochschule Flensburg wurde im Sommersemester 2015 im Rahmen des Moduls Mobile Kommunikationstechnik die Aufgabe gestellt, ein mobiles Rettungswagenassistenzsystem zu entwickeln, das die Versorgung im Notfall durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützt und optimiert. Die insgesamt 28 Studentinnen und Studenten wurden dazu in vier Gruppen eingeteilt, denen die folgenden Aufgaben zugewiesen wurden: Brainstorming und Organisation (Gruppe 1), Definition (Gruppe 2), Systemstruktur (Gruppe 3) und Prozessdarstellung (Gruppe 4). Dieselbe Aufgabenstellung, die dieser Ausarbeitung zugrunde liegt, wurde bereits von den Masterstudenten im Sommersemester 2014 bearbeitet. An den Ergebnissen gilt es anzuknüpfen und relevante Teile in diese Arbeit zu implementieren. Eine Zusammenfassung dieser Ergebnisse erfolgt in Kapitel 2.2.
Die Masterstudenten des Sommersemester 2015 erachten neben der ganzheitlichen Betrachtung der Rettungskette den Erst-Helfer-Einsatz als besonders wichtig, weil es „von der Art der Ersten Hilfe (...) in vielen Fällen {abhängt}, ob der Verletzte oder akut Kranke überlebt oder stirbt.“ Daher setzten die Studenten sich als Ziel, die Erste Hilfe durch den Einsatz moderner Technologien zu optimieren und mit den übrigen Prozessschritten der Rettungskette adäquat zu vernetzen und im Rahmen dessen relevante Akteure zu sensibilisieren.
An diese Einleitung schließt sich zunächst ein Kapitel, in dem Gruppe 1 die Grundlagen der Arbeit formuliert. Es wird der Begriff Rettungswagenassistenzsystem als Basis der Arbeit beschrieben und anschließend die vom Sommersemester 2014 formulierten Ergebnisse zusammengefasst. An den Abschnitt Grundlagen gliedern sich vier Kapitel, die von den oben beschriebenen Gruppen erarbeitet wurden. Gruppe 1 stellt im dritten Kapitel alle im Brainstorming erarbeiteten Vorschläge vor. In Kapitel vier wird von Gruppe 2 der Auswahlprozess eines für die Arbeit geeigneten Systems aus den Vorschlägen der Gruppe 1 vollzogen und das ausgewählte Rettungswagensystem definiert. In Kapitel fünf beschreibt Gruppe 3 die Systemarchitektur, relevante Akteure und deren Vernetzung untereinander. Im sechsten Kapitel werden von Gruppe 4 die Abläufe modelliert und anhand eines Use-Cases dargestellt. Ein Fazit fasst Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick als Basis für die weitere Bearbeitung der folgenden Semester.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Zielsetzung
2 Grundlagen
2.1 Der Begriff Rettungswagenassistenzsystem
2.2 Ergebnisse des Sommersemester 2014
3 Brainstorming
3.1 Der Rettungsprozess
3.2 Konkrete Vorschläge für das Rettungswagenassistenzsystem
3.2.1 Realistisch
3.2.2 Unrealistisch
4 Definition
4.1 Die Akteure und Systeme
4.2 Das Umweltdiagramm
4.3 Die Use-Cases
4.3.1 Use-Case-Szenario I (Unfall-Kommunikationssystem)
4.3.2 Use-Case-Szenario II erster Teil (Notfall-Koordinationssystem)
4.3.3 Use-Case-Szenario III (Rettungsmanagementsystem)
4.3.4 Use-Case-Szenario IV (Unfall-Informationssystem)
4.3.5 Use-Case-Szenario II zweiter Teil (Notfall-Kommunikationssystem
5 Spezifikation
5.1 Systemstruktur und -architektur des Sanitäters
5.2 Systemstruktur und -architektur des Rettungswagens
5.3 Softwarekomponenten
5.4 Netzabdeckung und benötigte Übertragungsraten
6 Prozessdarstellung
6.1 Alarmierung der Ersthelfer durch die 112-App
6.2 Der Teledoktor
6.3 Der Gesamtprozess
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines mobilen Rettungswagenassistenzsystems, das durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologie die notfallmedizinische Versorgung optimiert und die verschiedenen Akteure der Rettungskette effizient miteinander vernetzt.
- Optimierung des Rettungsprozesses durch eine 112-App.
- Einbindung registrierter Ersthelfer zur Überbrückung kritischer Zeitspannen.
- Vernetzung von Rettungsdienst, Krankenhaus und Teledoktor mittels moderner Kommunikationstechnik.
- Spezifikation technischer Anforderungen für Systemkomponenten (Smartphone, Tablet, Server).
- Analyse der Netzabdeckung und Übertragungsraten für eine zuverlässige Datenkommunikation.
Auszug aus dem Buch
112-App
Die Optimierung des Rettungsprozesses sollte bereits vor Eintreffen des Rettungspersonals an der Unfallstelle vor Ort ansetzen. Die Implementierung einer 112-App mit den folgenden Funktionen könnte zielführend sein.
Die 112-App ist für alle Menschen von Interesse, da hierüber sowohl Notrufe abgesetzt, als auch engagierte und ausgebildete Helfer auf den Plan gerufen, sowie die Kommunikation mit der Rettungsleitstelle stattfinden kann. Über die 112-App können mit einem Klick auf das App-Symbol und einem Reiter „Notruf absenden“ Notrufe an die Notrufzentrale abgesendet werden. Eine Ortung der Signal sendenden Person über eine Kombination aus GPS, Funkzellenortung und WLAN-Daten ist damit möglich (vgl. MEIN NOTRUF, 2015). In Dänemark wird dieses Konzept schon erfolgreich umgesetzt (112-App, 2013).
Die 112-App sollte die Funktion einer Ersthelfer Alarmierung aufweisen. Das bedeutet, dass Smartphone Nutzer, die eine bestimmte Ausbildung im Bereich Erste-Hilfe vorweisen können und anderen Menschen helfen möchten, diese Information in der App hinterlegen können. Eine Ausbildung kann von „erfolgreich absolvierter Erste-Hilfe-Kurs“ über „Rettungssanitäter“ bis hin zu „Arzt“ reichen. Jeder, der sich in Erste-Hilfe-Maßnahmen sicher fühlt, kann sich registrieren. Ein beispielhaftes Pilotprojekt aus dem Kreis Gütersloh (Zahorsky, 2015) zeigt, dass dies funktionieren kann. Während der Notrufabsetzende am Unfallort die Notruffunktion nutzt, sendet die App automatisch ein Signal (Push-Benachrichtigung) an alle registrierten Ersthelfer in einer bestimmten Entfernung (z.B. ein Kilometer vom Unfallort entfernt). Die Nutzer haben die Möglichkeit der Rettungsaktion zuzustimmen und sich daraufhin unmittelbar zum Unfallort zu begeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Zielsetzung: Einführung in das Projektziel, die Aufgabenstellung des Moduls und die Einteilung der studentischen Arbeitsgruppen.
2 Grundlagen: Definition des Begriffs Rettungswagenassistenzsystem und Zusammenfassung der Ergebnisse aus dem vorangegangenen Semester.
3 Brainstorming: Detaillierte Darstellung des aktuellen Rettungsprozesses sowie Vorstellung von technischen Verbesserungsvorschlägen in Kategorien.
4 Definition: Festlegung der beteiligten Akteure, der Systemlandschaft und Entwicklung verschiedener Use-Case-Szenarien zur Prozessbeschreibung.
5 Spezifikation: Beschreibung der technischen Systemarchitektur für Sanitäter und Rettungswagen inklusive der Netzabdeckungsanalyse.
6 Prozessdarstellung: Modellierung und Visualisierung der Abläufe, speziell der Ersthelfer-Alarmierung und der Kommunikation mit dem Teledoktor.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der erarbeiteten Lösungsansätze, Würdigung der Vorteile für die Patientenversorgung und Ausblick auf zukünftige Implementierungsschritte.
Schlüsselwörter
Rettungswagenassistenzsystem, eHealth, 112-App, Ersthelfer, Notfallmedizin, Rettungsprozess, Kommunikationstechnik, Telemedizin, Systemarchitektur, Datenübertragung, Netzabdeckung, Use-Cases, Rettungsleitstelle, Notfallkoordination, Rettungsmanagementsystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Projektarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines mobilen Rettungswagenassistenzsystems, um die medizinische Notfallversorgung durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zu unterstützen und zu beschleunigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Optimierung der Rettungskette, die technische Ausstattung der Rettungskräfte, die digitale Kommunikation zwischen Unfallort, Leitstelle und Krankenhaus sowie die Einbindung von Ersthelfern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch eine 112-App und verbesserte Systemstrukturen die Zeit bis zum Beginn medizinischer Maßnahmen zu minimieren und die fachliche Versorgung durch Schnittstellen zum Teledoktor zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Brainstorming-Methoden zur Ideengenerierung, Use-Case-Szenarien zur Prozessdefinition und UML-konforme Systemdarstellungen für die technische Architektur angewandt.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Prozessanalyse, die Definition von Akteuren und Systemen, die Spezifikation der technischen Architektur sowie die Modellierung spezifischer Abläufe wie der Ersthelfer-Alarmierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie eHealth, Rettungswagenassistenzsystem, 112-App, Notfallkoordination und Telemedizin beschreiben.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen realistischen und unrealistischen Ideen?
Die Autoren unterteilen die Brainstorming-Ergebnisse in realistisch umsetzbare Technologien wie Apps und Head-Up-Displays sowie in visionäre, aktuell schwer realisierbare Konzepte wie Ambulanz-Drohnen.
Welche Rolle spielt der "Teledoktor" im System?
Der Teledoktor dient als zusätzliche fachliche Unterstützung, der bei Bedarf über eine Videoverbindung oder Datenübertragung aus der Ferne Zweitmeinungen abgeben und die Behandlung am Unfallort anleiten kann.
- Citar trabajo
- Susann Schultz (Autor), 2015, Entwicklung eines mobilen Rettungswagenassistenzsystems, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437218