Schulmediation. Mediation im schulischen Kontext


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort

2. Was meint Schulmediation?

3. Vom Konfliktverständnis im Schulalltag

4. Die Ausbildung zum Schulmediator

5. Notwendige Rahmenbedingungen für die Wirksamkeit für Schulmediation

6. Quellenverzeichnis

1. Vorwort

Zentrale Begriffe der öffentlichen Debatte um Jugend und Gewalt sind die Begriffe der Gewaltprävention, Mediation und Konfliktbearbeitung, womit in erster Linie das normative Ziel unserer Gesellschaft ausgedrückt wird in Bezug auf die menschliche Kommunikation und Interaktion keine Gewalt anzuwenden. In diesem Zusammenhang sind dabei vor allem der Gewalt- sowie der Konfliktbegriff klärungsbedürftig. Der Konfliktbegriff hat derzeit einen Wandel durchgemacht. Die bisherige negative Besetzung hat sich zu dem Verständnis des Konflikts als Lebenschance gewandelt. Dies hat als Basis, das der Konflikt konstruktiv und gewaltfrei gelöst werden kann. Mediation und Konfliktbearbeitung sind solche Verfahren, die sich mit positiv definierten Zielen, konstruktiver Konfliktregelung und den Gewinn- und Lernchancen aller Konfliktparteien auseinandersetzen. Schulmediation wird in diesem Zusammenhang oft als der „Königsweg“ der Gewaltprävention und –intervention angesehen. Dadurch kam es zu deutschlandweit zu einer wahren Explosion an Mediationsprojekten an Schulen. Es zeigte sich jedoch recht schnell, dass isolierte Projekt wenig für die neue Konfliktkultur bewirkten und wirksame Projekte eine vermehrte Integration in den Schulalltag bedarf. Dies setzt sicherlich auch eine gewisse Weiterentwicklung von Schule voraus. (vgl. Schubarth, www.ism-mainz.de/Evaluation-Schulmediation/_pdf/Schubarth%20Thesen.pdf)

2. Was meint Schulmediation?

Ein gute Methode um Alltagskonflikte in Schulen zu lösen ist die Schulmediation. Im Allgemeinen versteht man unter dieser Methode ein neutral angeleitetes und festen Regeln folgendes Konfliktgespräch, das die Konfliktparteien freiwillig führen. Dieses Gespräch wird mit Hilfe von Mediatoren geführt. Die Mediatoren haben dabei vorrangig die Aufgabe die hinter dem Konflikt stehenden Bedürfnisse Gefühle und Wünsche herauszufiltern, sodass sie den Konfliktparteien bewusst werden. In diesem Prozess streben die Mediatoren vor allem die Allparteilichkeit, d.h. beispielsweise die Ausgewogenheit der Gesprächsanteile und die Neutralität gegenüber beiden Konfliktparteien an. Weiterhin ist die Zielklarheit in dem Konfliktlösungsprozess von entscheidender Bedeutung. Die Entscheidungsbefugnis für die Lösung des Konfliktes wird dabei jedoch nicht an die Mediatoren, d.h. an Dritte abgegeben, sondern bleibt in der Verantwortung der Konfliktparteien. Schulmediatoren können in diesem Zusammenhang Kinder, Jugendliche und Erwachsene (z.B. Lehrer und Eltern) sein, die eine entsprechende Ausbildung durchlaufen haben. Im Zusammenhang mit dem Begriff der Schulmediation gibt es verschiedene theoretische Grundlagen, die mit dem eigentlichen Verständnis von Mediation nicht übereinstimmen. Mal werden die Mediatoren als Schlichter, mal als Lotsen bezeichnet. Dies ist auf die unterschiedlichen theoretischen Grundlagen zurückzuführen, da in Schulen nicht nur Mediationsverfahren, sondern auch das Schlichtungsverfahren oder kooperative Beratung angewandt wird. Weiterhin sind die Unterschiede in den Konfliktfeldern zu benennen, beispielsweise ob es um grenzüberschreitende Konflikte, Alltagskonflikte oder sogar um Mobbing geht. Weitere Unterschiede zwischen den Verfahren gibt es im Ablauf (3, 5, 7, 9 Phasen) in der Organisation und den Rahmenbedingungen. Eins haben jedoch alle Verfahren gemeinsam. Das ist die Voraussetzung eines neutralen Vermittlers, der die Konfliktparteien in ihrem Konfliktlösungsprozess unterstützend begleitet. (vgl. Herzog, S. 26)

Wie schon erwähnt kann es auch in Bezug auf die Rolle des Mediators Unterschiede geben, d.h. ob sie von einem Erwachsenen, Jugendlichen oder Kind ausgefüllt wird. Diese Arbeit versucht in diesem Zusammenhang beide Möglichkeiten zu beleuchten, d.h. auf die Möglichkeiten der Peer-Mediation, aber auch der Schulmediation durch Erwachsene einzugehen.

3. Vom Konfliktverständnis im Schulalltag

Wie in der Einleitung schon erwähnt hat sich ein derzeit ein Wandel in Bezug auf das Konfliktverständnis ergeben. Im folgenden Abschnitt werde ich mich daher mit dem Begriff des Konflikts, der Aggression und dem neuen Konfliktverständnis im Kontext von Schule auseinandersetzen.

3.1 Was ist ein Konflikt und welche Konflikte eignen sich überhaupt für eine Schulmediation?

Konflikte werden allgemein als eine Diskrepanz von Denken, Fühlen, Wollen und Handeln gesehen. Man kann Konflikte in innere und äußere Konflikte unterteilen. Innere Konflikte betreffen Unvereinbarkeiten innerhalb einer Person, d.h. beispielsweise ein Konflikt zur Befriedigung eines Bedürfnisses in Bezug auf die Umsetzung in der Realität. In diesem Text soll es jedoch vorrangig um zwischenmenschliche Konflikte gehen, d.h. um Konflikte zwischen mindestens zwei Konfliktparteien. (vgl. Klappenbach, S. 23) Diese zwischenmenschlichen Konflikte kann man auch in dem Begriff des sozialen Konflikts zusammenfassen. Der soziale Konflikt kann demnach nicht nur zwischen zwei einzelnen Personen bestehen, sondern beschreibt auch die Interaktion zwischen Gruppen und Organisationen. Eine der beiden Seiten empfindet dabei mindestens die schon erwähnten Unvereinbarkeiten in Bezug auf die Gefühls- und Gedankenwelt. (vgl. Walker, S. 19) Daher besteht ein Konflikt nach dem mediativen Konzept immer aus einer Sachebene und einer Gefühlsebene. (vgl. Klappenbach, S. 34) Konflikte entstehen also wenn Interessengegensätze vorhanden sind. Den Interessengegensätzen liegen dabei subjektive Ansichten und Vorstellungen in Bezug auf Normen und Werte zugrunde. Diese Interessengegensätze liegen konträr zueinander und werden, entweder mit mehr oder weniger Aggression diskutiert bzw. ausgefochten. Dabei meint Aggression in diesem Zusammenhang zunächst die Fähigkeit von Menschen zu Kontaktverlust und Aktivität, welche sich in verschiedenen Formen der Selbstbehauptung manifestieren können. Aggressives Verhalten für die kognitive Entwicklung des Kindes durchaus für die zukünftige Beziehungsgestaltung, sowie für das Durchsetzungsvermögen in Bezug auf ihre Wünsche und Bedürfnisse notwendig zu sein. Im Allgemeinen Verständnis ist der Begriff der Aggression jedoch eher negativ besetzt. Elisabeth Nowak und Jasmin Koch unterscheiden jedoch zwischen destruktiver, d.h. nicht-förderlicher, und konstruktiver, d.h. förderlicher Aggression. Die konstruktive Aggression kann dabei mit den Begriffen der Tatkraft und Selbstsicherheit verglichen werden. Die destruktive Aggression bezeichnet eher alle feindseligen Verhaltensweisen. (vgl. Nowak/Koch, S. 10) Man kann destruktives aggressives Verhalten in diesem Zusammenhang wie folgt definieren.

„Bei Aggression handelt es sich um ein Verhalten mit Schädigungsabsicht, das vom Opfer als verletzend empfunden wird.“ (Scheithauer, 2003 in Entwicklungswissenschaft, S. 369) Dabei kann aggressives Verhalten in Bezug auf drei unterschiedliche Ebenen auftreten. Auf der motivationalen Ebene, d.h. aggressives Verhalten bezüglich auf Absichten oder Einstellungen. Auf der emotionalen Ebene, also Gefühlsebene z.B. Wut, Ärger und auf der Verhaltensebene, d.h. die ausgeführten Handlungen. Diese Handlungen können direkt, verbal, indirekt/relational oder physisch ausgeführt werden. (vgl. Petermann, Niebank, Scheithauer, S.369) „Aggressiv-dissoziales Verhalten beschreibt jene externalisierenden Verhaltensweisen, die gesellschaftliche bzw. soziale Regeln oder die Rechte anderer Personen verletzen.“ (Petermann, Niebank, Scheithauer; S. 369).

Destruktive Aggressionen können offen oder verdeckt, körperlich oder verbal, aktiv- ausübend oder passiv-erfahrend, nach außen gewandt oder nach innen gewandt, sein. Im schulischen Kontext ist dabei hervorzuheben, dass Schule kein isoliertes System ist, sondern nach Nowak und Koch einen Spiegel der Gesellschaft darstellt. Neben dem Bildungs- und Erziehungsauftrag bezieht sie auch die alltäglichen Erfahrungswerte der Kinder und Jugendlichen mit ein. Die Schule stellt dabei eine soziale Gemeinschaft dar in der Konflikte zum Alltag gehören. Konflikte in den Pausen beispielsweise um den Leistungsstress oder Frustrationsgefühle abzubauen sind daher an der an der Tagesordnung. (vgl. Nowak/Koch, S.10) Gewaltprobleme haben ihre Ursachen zumeist in mehreren Lebensbereichen, wie beispielsweise in der Schule und der Familie. Die Ursachen bedingen sich dabei oft wechselseitig. Zunehmende soziale Konflikte machen dadurch auch mehr Konfliktlösungskompetenzen bei Schülern, Eltern, Lehrer, Sozialarbeitern usw. nötig. (vgl. Schubarth, www.ism-mainz.de/Evaluation-Schulmediation/_pdf/Schubarth%20Thesen.pdf)

Nicht alle Konflikte eignen sich für eine Schulmediation. Bei der Mediation handelt es sich im ursprünglichen Sinne um ein vor-juristisches Verfahren, dass die Konflikte aus der Welt der Betroffenen heraus löst und nicht einfach, wie es in einem Gerichtsverfahren der Fall ist, die Lösung für den Konflikt bestimmt. Es ist in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Jahr 2000 gesetzlich festgelegt, dass die Durchführung eines Mediationsverfahrens bei Zivilklagen dann zwingend ist, wenn es sich um Nachbarschaftsstreitigkeiten, Ehrverletzungen oder Sachbeschädigungen unter 750 Euro handelt. Dies legt auch für die Schulmediation die Basis. In der Schulmediation können Konflikte behandelt werden, die Beleidigungen, einmalige Bedrohungen, einfache Sachbeschädigungen oder Wegnehmen von Gegenständen beinhalten, sowie einmalige leichte Körperverletzungen (wie z.B. ein Schüler wird geschubst). Bei massiven Grenzüberschreitungen und Regelverstößen, ist jedoch die Intervention durch die Schulleitung und ggf. die Anzeige bei der Polizei unumgänglich. Dies trifft bei Erpressung, Mobbing und körperliche Gewalt, die seelische Schäden und Verhaltensveränderungen bei dem Opfer zur Folge haben, großer Sachbeschädigung, Diebstahl und Raub, sowie schwerer Körperverletzung zu. Gute Chancen den Konflikt auf der Basis mediativer Verfahren zu lösen ist beispielsweise bei Beleidigungen, Übler Nachrede, Mobbing, dass „nur“ auf verbaler Ebene stattfindet (ärgern, hänseln usw.) , einmaligem Vorkommen von Schlägen oder Androhung dieser, kleineren Sachbeschädigungen, Diebstahl in Form von z.B. dem Wegnehmen von Arbeitsmaterialien, sowie leichten Formen von Körperverletzungen (schubsen, anrempeln) möglich. (vgl. Herzog, S. 37ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Schulmediation. Mediation im schulischen Kontext
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V437261
ISBN (eBook)
9783668778214
ISBN (Buch)
9783668778221
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schulmediation, mediation, kontext
Arbeit zitieren
Juliane Werner (Autor), 2009, Schulmediation. Mediation im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437261

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