Darstellung der Person Theoderich der Große in der Dietrichepik

Versuch einer Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in Historie und Heldendichtung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bezugsrahmen der Arbeit
2.1 Historischer Kontext: Kurzbiographie Theoderichs dem Großen
2.2 Literarischer Kontext: Dietrichsage – Zentrale Inhalte und Entwicklung einer Dietrichepik
2.2.1 Dietrichsage
2.2.2 Dietrichepik

3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Darstellung von Theoderich und Dietrich
3.1 Analyse der kongruenten Elemente zwischen Dietrichsage und Theoderich dem Großen
3.2 Diskrepanz zwischen der realhistorischen Person Theoderich und der Dietrich-Figur

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt nicht sehr viele literarische Formen, welche sich seit dem Mittelalter so beständig im Interessengebiet der allgemeinen Rezipienten festgesetzt hat, wie die der Heldendichtung. Obwohl diese in einer aus gegenwärtiger Sicht völlig unterschiedlichen Zeit in Bezug auf Gesellschaftsverhältnis, Moralvorstellungen und Lebensumstände entstanden sind, reicht die Popularität von Sagen über etwa Siegfried, Ilias oder Dietrich von Bern bis in das 21. Jahrhundert. Die Gründe dafür liegen höchstwahrscheinlich nicht in den heldenhaften Figuren und deren moralischer Vorbildhaftigkeit selbst, sondern vielmehr in der Möglichkeit aus seinem gewohnten Umfeld auszubrechen und die spannenden Sagen mit Darstellungen von Brutalität, Rache und Intrigen nachzuempfinden. Klaus von See gibt diesbezüglich in seiner Arbeit „Was ist Heldendichtung?“ ferner an, dass die Figur des Helden „[…] die Möglichkeit dessen absteckt, was der Mensch in extremen Äußerungsformen wollen und tun kann.“[1] Ferner benennt er dieses konstante Interesse für Heldendichtung als die „Urformen menschlicher Selbstdarstellung“.[2] Ein interessanter Aspekt ist neben dem Inhalt auch die Entstehung dieser einzelnen Werke bzw. deren Umstände. Aus heutiger Sicht heraus erscheinen Heldendichtungen zwar von ihren Inhalten oftmals stark überzeichnet (bspw. Drachen), dennoch vermutet man aufgrund einiger detaillierter und real existierender Schauplatz- und Figurenbezeichnungen (bspw. im Nibelungenlied) einen historischen Grundgedanken hinter den Werken. Dies soll in dieser Arbeit unter der Bezugnahme der Figur Dietrich etwas genauer untersucht werden.

In dieser Arbeit soll es im Rahmen des Hauptseminars „Theoderich und seine Goten in Heldendichtung und Geschichtsschreibung“ unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Kragl und Prof. Dr. Hans-Ulrich Wiemer der FAU Erlangen-Nürnberg die Verbindung von realhistorischen Ereignissen und Heldendichtung gehen. Dies soll außerdem den interdisziplinär (Germanistik/Geschichte) ausgelegten Umgang im Seminar gerecht werden. So ergibt sich in dieser Arbeit das erkenntnisleitende Interesse, inwiefern die historische Person Theoderich der Große in der Heldendichtung dargestellt wurde. Dafür soll es zunächst zu einer kurzen Skizzierung des Bezugsrahmens kommen, welcher sich aus der Biographie Theoderich (Historie) und der Dietrichsaga (Heldendichtung) zusammensetzen soll. Auf dieser Grundlage soll es anschließend zu einer Analyse der Art der Übertragung, sowie eventuellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden kommen.

2. Bezugsrahmen der Arbeit

Bevor es zu einer Analyse in Bezug auf einen Vergleich von realhistorischen Ereignissen und den Darstellungen in der Literatur (Heldendichtung) kommen kann, ist es unabdingbar, zunächst einen kurzen Verlauf der Historie zu skizzieren. In diesem Fall soll das Leben und Wirken von Theoderich dem Großen bündig dargestellt werden:

2.1 Historischer Kontext: Kurzbiographie Theoderichs dem Großen

Der aus dem gotischen Herrschaftsgeschlecht der Amaler stammende Theoderich der Große (lat. Flavius Theodericus Rex) ist ein um 451. n.Chr. geborener König des Ostgotenstammes und Sohn des Gotenführers Thuidimir.[3] In seiner Jugendzeit (459-469 n.Chr.) lebte er in Geiselhaft unter dem oströmischen König Leo I. Zu dieser Zeit herrschte eine Auseinandersetzung zwischen den Ostgoten und dem Stamm der Skirer unter der Führung von Odoaker. Hierbei kam es zu dem Ereignis, dass der Oheim Theoderichs Valamer getötet wurde. Bevor er im Jahre 469 in seine gotische Heimat zurückkehren konnte, durchlief er eine sehr intensive Lehre der römischen Herrschafts- und Verwaltungssysteme.[4]

Zurück im heute zu Ungarn zählenden Pannonien führte er als Heerkönig die dort kämpfenden gotischen Krieger an. Fortan war das Leben des Theoderichs und parallel dazu das seines Volkes von einer langen Periode der Nomadie, welche bis heute unter der Bezeichnung „Völkerwanderungszeit“ fixiert ist, begleitet. Diese Unruhen konnten erst ab dem Jahre 488 etwas besänftigt werden, indem Theoderich ein Bündnis mit dem oströmischen Kaiser Zenon I. einging, in welchen er folglich Herrschaftsgebiete versprochen bekam. Als Bedingung wurde genannt, dass sich Theoderich dem Odoaker entgegenstellen und besiegen sollte. Nachdem es im Jahre 491 zum Tod von Zenon I. gekommen war, kontrollierte Theoderich, welcher inzwischen zum patricius ernannt wurde, den Großteil des italienischen Herrschaftsgebietes.[5] Schließlich fand die um die Stadt Ravenna gehaltene Schlacht gegen Odoaker, welche auch als „Rabenschlacht“[6] bezeichnet wird, bis in das Jahr 493 statt, wobei es zu keinem endgültigen Ergebnis (Sieg) kam. Jedoch kam es bei dem Aufeinandertreffen der beiden Führer dennoch zu einem äußerst relevanten Ereignis: Nachdem Theoderich seinem Kontrahenten zunächst eine Kooperation über eine kollektive Herrschaft über Italien zusagte, ermordete er diesem samt seiner Verwandtschaft während eines feierlichen Mahls. Hierbei ist es umstritten, ob dies aus dem Motiv der Rache für seinen zuvor umgekommen Oheim geschah oder vielmehr aus machtpolitischen Ansprüchen heraus passierte. Dies führte auch dazu, dass er von diesem Zeitpunkt an als alleiniger Herrscher über Italien regieren konnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Herrschafts- (Ostgoten) und Verwaltungsgebiet (Westgoten) von Theoderich um 512 n.Chr. (Quelle: www.althistory.wikia.com)

Darauf folgte auch im Jahre 498 eine offizielle Anerkennung seiner Regentschaft seitens Kaiser Anastasius von Konstantinopel, was ihm nicht nur zum Führer seiner gotischen Gefolgsleute in Italien machte, sondern Zeitgleich auch seinen Anspruch auf die Verwaltung der weströmischen Regierung erfüllte[7] (Abb.1). In den Folgejahren verstand es Theoderich äußerst gut seine politischen Interessen durchzuführen. Er bemühte sich dabei sehr um ein freundschaftliches Verhältnis mit den Stämmen der Germanen, welches er auch durch den Einsatz gezielter Heiratspolitik erreichte. So erfuhr die römische Kultur der Spätantike durch Theoderich einer der letzten Aufschwünge, wodurch die ostgotische Zeit in vielen historischen Publikationen noch der weströmischen Geschichte zugeschrieben wird.[8] Im Jahre 526 verstarb Theoderich in seiner Residenzstadt Ravenna schließlich nach 30-jähriger Herrschaft, in welcher Folge es zu dem Ende der ostgotischen Herrschaft über Italien kam.

2.2 Literarischer Kontext: Dietrichsage – Zentrale Inhalte und Entwicklung einer Dietrichepik

Nachdem der realhistorische Kontext mit der biographischen Skizzierung Theoderichs definiert ist, soll es nun zu einer Darstellung der zentralen Inhalte der Dietrichsage und darüber hinaus eine kurze Veranschaulichung der daraus entstandenen Dietrichepik kommen.[9]

2.2.1 Dietrichsage

Die Dietrichsage umfasst einen etwa 100 Jahre andauernden Zeitraum und beginnt mit der Darstellung dessen Großvaters Samson und endet mit seinem Tod. Als Sohn von König Dietmar wird Dietrich in der Stadt Bern, welche dem heutigen Verona nachempfunden wurde, geboren und verbringt in dieser auch seine gesamte Jugend. Nach dem Tod seines Vaters wird dieser zum rechtmäßigen König von Bern ernannt. Zu seiner Gefolgschaft zählen später eine Schar von kampferprobten Kriegern, sowie seinem Waffenmeister Hildebrand, welcher als einer seiner treuesten Begleiter über die gesamte Lebenszeit dargestellt wird. Außerdem werden Dietrich eine Vielzahl großer Heldentaten zugeschrieben. In der Reihe von nur einigen germanischen Sagenfiguren, wie bspw. Siegfried, wird Dietrich mit einer Drachenbezwingung in Verbindung gebracht, welches eine besondere Eigenschaft bezüglich seiner literarischen Huldigung darstellt. Was ihn allerdings von den anderen Helden unterscheidet, ist die Tatsache, dass Dietrich seine Gegner nicht immer aus eigener Kraft heraus überwinden kann, was sich u.a. darin zeigt, dass sein Gefährte Wittich im Kampf als überlegen gezeichnet wird. Man findet hier also sowohl Anzeichen für eine weitreichende und einzigartige Kühnheit (bzgl. der Rolle als Drachenbezwinger), als auch das Aufzeigen von Schwächen. Dies zeigt sich beispielsweise auch in dem Kampf mit dem Riesen Ecke, bei welchem Dietrich diesen erst durch die Erschöpfung und spätere Aufgabe des Kontrahenten bezwingen kann (Wunsch nach Enthauptung).

Im Laufe der Zeit kommt es dazu, dass Dietrich von seinem Onkel Ermanarich aus der Heimat vertrieben wird, was ihn dazu veranlasst in ferneren Regionen im Exil zu leben. Beim König des Hunnenstammes Etzel (Attilla) findet er demnach eine Möglichkeit für dieses Unterfangen und begibt sich fortan an dessen Seite. Als Gegenleistung unterstützt er diesen in einer Vielzahl von Schlachten, was man u.a. sehr gut erhalten im Nibelungenlied nachvollziehen kann. Hierbei nimmt er eine vermittelnde Rolle ein, welches ihn als eher (aus gegenwärtiger Sicht) introvertierte und äußerst bedachte Figur charakterisiert. Trotzdem gelingt es ihm nicht, den König Etzel vor der Rache der Nibelungen zu bewahren. Dennoch ist es ihm mögich, zusammen mit Hildebrand, jedoch ohne sonstige Nennenswerte Gefolgschaft, in seine Heimat zurückzukehren, um dort die rechtmäßige Herrschaft fortzuführen. In der Thidreksaga, welche die einzige mittelalterliche Quelle über die gesamte Lebenszeit von Dietrich von Bern darstellt, wird außerdem aufgezeigt, wie Dietrich im hohen Alter Rache bei der Figur Wittich aufsucht, welche jedoch mit seinem Tod endet.[10]

[...]


[1] Von See, K.: Was ist Heldendichtung? Darmstadt. 1978. S.38.

[2] Ebd.

[3] Vgl. Herwig, W.: Theoderich der Große. Berlin. 2005. S.415.

[4] Vgl. Mommsen, T.: Acta Synhodorum habitarum Romae. Berlin. 1894. S.425.

[5] Vgl. Herwig, W. 2005. S.417ff.

[6] Bezeichnung aus der Dietrichepik

[7] Vgl. Wiemer, H.U.: Odovakar un Theoderich – Herschaftskonzepte nach dem Ende des Kaisertums im Westen. Stuttgart 2014. S.293.

[8] Vgl. Börm, H.: Westrom – Von Honorius bis Justinian. Stuttgart. 2013. S. 47ff.

[9] Für Inhalte des gesamten Absatzes Vgl. Rass, W.: Dietrich von Bern und Karl der Große. Buchen. 2000. S217ff.

[10] Schwedische Fassung der Thidreksaga

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Person Theoderich der Große in der Dietrichepik
Untertitel
Versuch einer Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in Historie und Heldendichtung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V437300
ISBN (eBook)
9783668786981
ISBN (Buch)
9783668786998
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theoderich, Dietrich von Bern, Theoderich der Große, Heldenepik, Hausarbeit, Attilla, Etzel, Nibelungenlied, historisch, Dietrichsage, Dietrichepik
Arbeit zitieren
Kevin König (Autor:in), 2018, Darstellung der Person Theoderich der Große in der Dietrichepik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437300

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