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Polyperspektivische Gestaltung in "Entre Visillos" als Mittel diagnostischer Eigenleistung und Angebot zu einer differenzierten Sichtweise von Wirklichkeit

Title: Polyperspektivische Gestaltung in "Entre Visillos" als Mittel  diagnostischer Eigenleistung und Angebot zu einer differenzierten Sichtweise von Wirklichkeit

Term Paper , 2014 , 14 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christina Gaus (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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Summary Excerpt Details

Das gesamte Erzählwerk Carmen Martín Gaites kann als Ausdruck sozialkritischen Engagements verstanden werde, welches den Fokus insbesondere auf den weiblichen, von Limitationen geprägten Lebensalltag im franquistischen Spanien legt. Ihr Romanerstling Entre Visillos, für den sie mit dem Premio Nadal im Jahre 1957 ausgezeichnet wurde, greift genau diese Thematik auf. In der Provinzstadt, in der die Figuren leben, wird dem Leser das monotone und routinemäßige Leben im Spanien der Nachkriegszeit präsentiert. Pablo, der aus Deutschland in diese Stadt kommt, lernt diese mit all ihren Vorgaben und Kontrollinstanzen, unter denen vor allem die Frauen der Stadt zu leiden haben, kennen und bemerkt, dass dieses Leben nicht seiner Vorstellung entspricht.

Vor allem aufgrund seines sozialkritischen Inhalts wird angenommen, dass es sich um eine typische novela realista im Zuge des realismo social handelt, deren Mermale die objektive Darstellung der Realität und vor allem die Beleuchtung bestimmter kultureller Gruppen sind. In ihren weiteren Werken wird eine Evolution von diesem sogenannten protagonismo colectivo hin zum individuo und somit zu einer stärkeren Subjektivierung offensichtlich. Es stellt sich dennoch die Frage, ob sich nicht bereits auch in Entre Visillos Ansätze finden, die sich, was die formale Ausgestaltung angehen, von den Romanen der fünfziger Jahre wegbewegt und Merkmale aufweist, die für die sechziger Jahre typisch sind. Daher ist eine innerhalb dieser Arbeit essentielle Frage, ob Gaites Werk hinsichtlich des ästhetischen Verfahrens bereits als inovación de la novela gesehen werden kann?

Um dies zu klären, muss eine Analyse des erzählerischen Diskurses stattfinden. Hierbei soll nach der Erzähltheorie Genettes vorgegangen werden; Bezug wird zwar auf die Einordnung verschiedener Autoren, wie beispielsweise Paatz oder auch Morales genommen, dessen Werk La trayectoria narrativa de Carmen Martín Gaite eine gute Grundlage bildet, dennoch sind viele Einteilungen, welches die Art des Erzählers und die Formen der Fokalisierung betreffen, nochmals zu hinterfragen. Daher stellen sich folgende weitere Fragen, die es in dieser Arbeit zu beantworten gilt: Unterstützt der erzählerische Diskurs das sozialkritische Potential des Romans, und wenn ja, inwiefern? Kommt dem Leser im Zuge dessen eine besondere Aufgabe zu? Zeichnen sich die als Protagonisten bewerteten Erzähler tatsächlich als typische Protagonisten aus?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Diskursive Gestaltung und deren Funktion im Roman Entre Visillos

2.1 Erzählperspektiven

2.1.1 Perspektive Pablos

2.1.2 Perspektive Natalias

2.1.3 Perspektive der Erzählinstanz in der dritten Person

2.1.4 Überlegung zur Analyse des Erzählers

2.1.5 Auswirkung der Polyperspektive

2.2 Polyphonie

2.3 Dominanz der direkten Rede

2.4 Wahrnehmung von Raum und Zeit

3 Fazit

4 Bibliographie

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den erzählerischen Diskurs in Carmen Martín Gaites Roman "Entre visillos", um zu klären, inwieweit das Werk über die Merkmale des "realismo social" hinausgeht und bereits formale Innovationen der sechziger Jahre vorwegnimmt. Im Zentrum der Forschungsfrage steht, ob die spezifische Gestaltung der Erzählperspektiven und das Zusammenspiel von Subjektivität und Objektivität das sozialkritische Potenzial des Romans unterstützen und den Leser zur aktiven Deutung gesellschaftlicher Missstände auffordern.

  • Analyse der Erzählperspektiven und Erzählinstanzen
  • Die Funktion der Polyperspektive und Polyphonie
  • Darstellung und Wahrnehmung von Zeit und Raum
  • Sozialkritik im Kontext des franquistischen Spaniens
  • Die Rolle der direkten Rede und des Tagebuchschreibens

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Perspektive Pablos

Eine Perspektive innerhalb des Romans ist der Person Pablo gewidmet. Dieser ist der männliche Ich-Erzähler und wird laut Morales als intradiegetisch-autodiegetisch aufgefasst. Pablo zeichnet sich vor allem durch seine registrierende Position aus, die recht objektiv die Geschehnisse innerhalb der Stadt schildert. Deutlich wird das vor allem, wenn er seine paseos macht:

No fue difícil encontrar el barrio donde habíamos vivido aquellos dos inviernos, cerca de la Plaza de Toros. Ahora por allí estaban construyendo mucho, asfaltando calles y abriendo otras nuevas. Se levantaban las casas amarillas, sonrosadas, lisas con sus ventanas simétricas. La nuestra, un viejo chalet con jardín, la habían demolido. También encontré la Catedral y el río.

Dass Pablo als Ich-Erzähler eine wichtige Position einnimmt, wird klar, wenn man die Anzahl der Kapitel betrachtet, die er einnimmt. In sieben Kapiteln ist er derjenige, durch dessen Augen der Leser die Stadt und die Zustände innerhalb der Gesellschaft der Nachkriegszeit kennenlernt. Seine Augen wirken hierbei wie eine Art filmische Kamera, die alle Eindrücke von außen festhält. Trotz allem ist er in die Handlung involviert und wird somit Zeuge der Monotonie und Langeweile die im ganzen Roman über vorherrscht. Der Einsatz dieser nüchternen Erzählweise bewirkt eine indirekte Kritik an der Gesellschaft und verhindert somit die Vermittlung eines subjektiven Eindrucks, die für den Leser ein verzerrtes Bild der Realität vorgeben könnte. Bewusst wählt Gaite hier keinen auktorialen Erzähler, der dem Leser ein bereits vorgefertigtes Bild übermittelt, sondern – wenn auch etwas distanzierte – subjektive Sicht einer Figur. Das bedeutet jedoch gleichzeitig, dass der Leser aufgefordert wird die Missstände selbst zu erkennen und zu deuten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Carmen Martín Gaite ein und stellt die Forschungsfrage, ob der Roman "Entre visillos" bereits ästhetische Verfahren der sechziger Jahre aufweist.

2 Diskursive Gestaltung und deren Funktion im Roman Entre Visillos: Dieses Hauptkapitel analysiert das ästhetische Verfahren des Romans, insbesondere durch die Untersuchung von Erzählperspektiven, Polyphonie, direkter Rede sowie der Wahrnehmung von Raum und Zeit.

2.1 Erzählperspektiven: Hier werden die verschiedenen erzählerischen Instanzen (Pablo, Natalia und der Erzähler in der dritten Person) untersucht und deren Funktion für die Darstellung der Gesellschaft beleuchtet.

2.1.1 Perspektive Pablos: Dieses Unterkapitel fokussiert auf die Rolle Pablos als männlicher Ich-Erzähler, dessen registrierende Beobachtungen eine nüchterne Sicht auf die provinzielle Nachkriegswelt ermöglichen.

2.1.2 Perspektive Natalias: Der Abschnitt widmet sich der weiblichen Ich-Erzählerin Natalia und der Bedeutung ihrer Tagebucheinträge für die Reflektion weiblicher Lebensumstände.

2.1.3 Perspektive der Erzählinstanz in der dritten Person: Hier wird die Funktion des extra-diegetischen Erzählers analysiert, der trotz vordergründiger Objektivität ironische und kommentierende Aspekte einbringt.

2.1.4 Überlegung zur Analyse des Erzählers: Dieser Abschnitt hinterfragt die theoretische Einordnung der Erzählinstanzen und diskutiert, ob sie als intradiegetische Erzähler fungieren.

2.1.5 Auswirkung der Polyperspektive: Es wird erörtert, wie das narrative Gleichgewicht und die Mehrperspektivität das starre gesellschaftliche Bild des Franquismus aufbrechen.

2.2 Polyphonie: Dieses Kapitel behandelt die verschiedenen Stimmen im Roman, insbesondere die Rolle der Frauenfiguren, die über personale Medien zu Wort kommen.

2.3 Dominanz der direkten Rede: Hier wird untersucht, wie die szenische Darstellung und die direkte Rede die erzählerische Mittelbarkeit reduzieren und den Leser zur Interpretation anregen.

2.4 Wahrnehmung von Raum und Zeit: Dieser Teil beleuchtet den Kontrast zwischen objektiver, gesellschaftlich kontrollierter Zeit und subjektiv erlebter Zeit der Individuen.

3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Diskursanalyse zusammen und bestätigt, dass der Roman durch seine ästhetische Komplexität bereits Merkmale der literarischen Erneuerung der sechziger Jahre trägt.

4 Bibliographie: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Carmen Martín Gaite, Entre visillos, Erzähldiskurs, Realismo social, Erzählperspektive, Polyphonie, Raum-Zeit-Wahrnehmung, Franquismus, spanische Nachkriegsliteratur, Literaturwissenschaft, Subjektivierung, Objektivierung, Gattungsanalyse, Frauenbild, literarische Innovation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das erzählerische Verfahren im Roman "Entre visillos" von Carmen Martín Gaite, um die diskursive Gestaltung und deren Funktion bei der Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen im Spanien der fünfziger Jahre aufzuzeigen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit fokussiert auf die Erzählperspektiven, die Verwendung von Polyphonie, die Bedeutung der direkten Rede sowie die Wahrnehmung von Raum und Zeit in Bezug auf Identitätssuche und gesellschaftliche Repression.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist zu klären, ob Gaites Roman hinsichtlich seines ästhetischen Verfahrens als eine frühe "inovación de la novela" zu betrachten ist, die sich vom typischen "realismo social" der fünfziger Jahre abhebt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse stützt sich primär auf die Erzähltheorie von Gérard Genette sowie auf literaturwissenschaftliche Sekundärliteratur zu Carmen Martín Gaite, um die Erzählinstanzen und Fokalisierungen methodisch zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der zeitliche Aufbau des Romans, die verschiedenen Erzählinstanzen (Pablo, Natalia, Erzähler in der dritten Person), die Funktion der Polyperspektive sowie die Bedeutung von Erinnerungsarbeit und Tagträumen für die Protagonisten detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Erzähldiskurs", "Realismo social", "Polyperspektive", "Identitätssuche im Franquismus" und "literarische Innovation" charakterisiert.

Wie beeinflusst die Wahl der Ich-Erzähler die Wahrnehmung des Lesers?

Da Gaite auf einen allwissenden, auktorialen Erzähler verzichtet, wird der Leser durch die Ich-Perspektiven von Pablo und Natalia sowie durch die Mehrstimmigkeit dazu angehalten, die gesellschaftlichen Missstände und die Enge der Provinzwelt selbstständig zu interpretieren und zu deuten.

Welche Rolle spielt der Begriff "ataduras" in der Analyse?

Der Begriff "ataduras" steht für die Bindungen und Einschränkungen, denen die Frauen in der patriarchalischen Gesellschaft der Nachkriegszeit unterliegen; die Analyse zeigt auf, wie diese Figuren versuchen, durch Schreiben und Erinnerung eine Form der subjektiven Freiheit zu finden.

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Details

Title
Polyperspektivische Gestaltung in "Entre Visillos" als Mittel diagnostischer Eigenleistung und Angebot zu einer differenzierten Sichtweise von Wirklichkeit
College
University of Mannheim  (Romanisches Seminar)
Grade
1,7
Author
Christina Gaus (Author)
Publication Year
2014
Pages
14
Catalog Number
V437346
ISBN (eBook)
9783668777644
ISBN (Book)
9783668777651
Language
German
Tags
polyperspektivische gestaltung entre visillos mittel eigenleistung angebot sichtweise wirklichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Gaus (Author), 2014, Polyperspektivische Gestaltung in "Entre Visillos" als Mittel diagnostischer Eigenleistung und Angebot zu einer differenzierten Sichtweise von Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437346
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