Shell-Jugendstudie 2015. Verändert sich die Generationengestalt?


Term Paper, 2017
14 Pages, Grade: 2,0
Anonymous

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Inhalt

1. Einleitung

2. Lebensphase Jugend und ihre Einflüsse

3. Verändert sich die Generationengestalt?
3.1 Shell-Jugendstudie 2015: Eine (neue) Generation im Aufbruch?
3.2 Wandel der Lebenswelten: Entwicklungen der letzten 5 Jahre
3.3 Empirisch-perspektivische Anzeichen einer Generation „Z“

4. Zusammenfassung und möglicher Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während sich Medien und weitere gesellschaftliche Akteure wie Unternehmer, Politiker oder Wissenschaftler in den letzten Jahren gründlich mit der Generation Y beschäftigt haben, treten inzwischen immer mehr die Anzeichen einer Folgegenera-tion Z auf.[1] Als Generation Z wird die Nachfolge-Generation der Generation Y bezeichnet. Sie fasst Geburtsjahrgänge ab etwa 1995 zusammen.[2] Klaus Hurrelmann ordnet hierfür erst die Jahrgänge ab 2000 ein.[3] Gewöhnlich zählt man um die 15 Jahre Zeitdauer einer Generation bei, allerdings ist an dieser Stelle zu nennen, dass Generationen nicht allein über ihre Alterskohorte festgelegt und bestimmt werden können. Christian Scholz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Saarland, behauptet in seinem 2014 erschienenen Buch „Generation Z- Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt“ unter anderem, dass das leistungsorientierte Wertemuster der Generation Y überlagert sei von einer neuen und völlig anderen Verhaltensform, die die Generation Z kennzeichnet. Von Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft geprägt hat sie gesehen wie menschenverachtend Unternehmen mit ihren Mitarbeitern umgehen können und wolle sich zum Beispiel dementsprechend nicht an zukünftige Arbeitgeber binden.[4] Sie legt Wert auf eine klare Trennung zwischen privatem und beruflichem Bereich, womit sie klare Strukturen von Arbeitszeit und-ort erwartet.[5] Laut Scholz wäre das Interesse am Wettbewerb im Vergleich zu letzteren Generationen gesunken. Das Privatleben solle nicht mit beruflicher Verantwortung belastet werden.[6] „Dabei steckt die empirische Forschung speziell im europäischen Raum noch in den Kinderschuhen. Entgegen aktueller Entwicklungen in den USA und Australien scheint die Devise gerade im deutschsprachigen Gebiet vornehmlich ein Abstreiten in der Praxis bereits beobachtbaren Entwicklung zu sein – mit fatalen Folgen für die Wirtschaft.“[7] Ein Jahr nach seiner Buchveröffentlichung erschien die 17. Shell Jugendstudie. Sie erstellt ein aktuelles Porträt der jungen Generation in Deutschland im Jahr 2015. Stimmen die beobachteten Aussagen aus Wirtschaft und Medien mit den empirischen Werten der neusten Shell-Jugendstudie überein? Verändert sich die Generationsgestalt von Y zu Z? Was sind die Einflüsse der Jugend und wie haben sich ihre Entwicklungsaufgaben im Wandel der letzten 5 Jahre verändert? Diese Fragen sollen in der folgenden Arbeit näher betrachtet und analysiert werden. Dabei werden verschiedene Beobachtungen besonders im berufsorientierenden Bereich mit den empirischen Daten der Shell-Jugendstudie 2015 verglichen. Sie stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2558 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren in Deutschland, die quantitativ und qualitativ (21 Jugendliche), zu ihrer Lebenssituation, ihren Einstellungen und Orientierungen im Zeitraum Januar bis März 2015 befragt wurden.[8]

2. Lebensphase Jugend und ihre Einflüsse

In der westeuropäischen Kultur versteht man unter Jugend die Zeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsenwerden. Diese Zeit wird auch als Adoleszens bezeichnet. Seit ca. 1950 gilt die Jugend als eigener Lebensabschnitt. Dabei hat sich der Zeitraum der Phase „Jugend“ erweitert. Man könnte den Anfang der Jugendphase mit dem Beginn der Geschlechtsreife und das Ende der Jugendphase mit dem Erreichen finanzieller und emotionaler Autonomie betrachten. Je nach Definition lässt sich diese Lebensphase unterschiedlich einteilen: In der Bundesrepublik Deutschland gilt ein Mensch zwischen 14 und 18 Jahren als Jugendlicher und zwischen 18 und 21 als Heranwachsender, da für dieses Alter das Jugendstrafrecht möglich ist[9]. Die Vereinten Nationen definieren Personen, die älter als 14 Jahre und jünger als 25 Jahre alt sind, als Jugendliche.[10] 1985 wurde die Definition erweitert, indem man in dieser Kategorie zwischen den Teenagern (13 bis 19 Jahre) und den jungen Erwachsenen (20 bis 24 Jahre alt) unterscheidet, da die Probleme auf soziologischer, psychologischer und gesundheitlicher Ebene in diesen beiden Phasen stark differieren. Soziologisch betrachtet richtet man sich an die Angaben der Shell Studie, in welcher die Jugend durch Menschen zwischen 12- 25 Jahre definiert wird.

„Jugend ist eine befristete Übergangszeit und eine Phase der sozialen Platzierung, in der für die künftige soziale Stellung als Erwachsener bedeutsame Weichenstellungen erfolgen [...]“[11] Grundlegend für die moderne Jugend kann eine komplexe und widersprüchliche Konstellation von ökonomischer und sozialer Abhängigkeit betrachtet werden. Sie unterliegt eingeschränkten Rechten, pädagogischen Einwirkungen und Qualifizierungszwängen. Darüberhinaus wird die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen durch gesellschaftlich ermöglichte Freiräumen und dem Leben in Gruppen von Gleichaltrigen beeinflusst. Die Jugend hat besonders zwei große Herausforderungen zu bewältigen: Die persönliche Individuation sowie die gesellschaftliche Integration. „Die Bewältigung der psychobiologischen Dimension ist Voraussetzung für die Individuation, also die Entwicklung einer unverwechselbaren und einmaligen Persönlichkeit. Die Bewältigung der soziokulturellen Dimension ist Voraussetzung für die Integration, also die Übernahme von Mitgliedschaftsrollen im Gemeinwesen.“[12] Auf welche Weise Jugendliche diese Herausforderungen meistern hängt einerseits von ihrer körperlichen und psychischen Verfassung sowie andererseits von ihren sozialen, ökonomischen und kulturellen Lebensbedingungen ab. Da sich die Bedingungen ständig im Wandel der Zeit verändern, trifft jede Generation auf neue Konstellationen und entwickelt eine eigene Form ihre persönliche Individuation und sozialer Integration darin zu gestalten[13]. Jugend ist somit keine homogene Lebenslage oder Sozialgruppe, sondern umfasst unterschiedliche, historische, veränderliche, sozial ungleiche und geschlechtsbezogen differenzierte Jugenden.

3. Verändert sich die Generationengestalt?

3.1 Shell-Jugendstudie 2015: Eine (neue) Generation im Aufbruch?

Die Shell-Jugendstudie versucht seit über 60 Jahren nachzuverfolgen, wie junge Menschen in Deutschland die sich ihnen stellenden Herausforderungen bewältigen und welche Verhaltensweisen, Einstellungen und Mentalitäten sie dabei herausbilden. Sie erforscht welche politischen und sozialen Bedingungen es sind, unter denen Jugendliche heute aufwachsen, wie sie mit diesen Bedingungen umgehen, wie sie sich eine Persönlichkeit erarbeiten und sich zugleich auf die verschiedenen Anforderungen ihres familiären, schulischen, sozialen und kulturellen Umfelds beziehen und diese gestalten.[14] Anders als die herkömmliche Generationenforschung hat sie das Ziel die Vielfalt der Jugendlichen darzustellen. Sie differenziert die jungen Menschen und die erhobenen Daten beispielsweise auch nach dem Geschlecht, ihrer sozialen Schichten oder der Herkunft. Gleichzeitig arbeitet sie die auffälligen Merkmale und Eigenschaften heraus, die die heutigen Jugendlichen von vorherigen Generationen unterscheiden. Durch das größtenteils beibehaltende Studiendesign der letzten drei Shell-Studien lassen sich einzelne Entwicklungen seit 2002 besonders gut vergleichen. Die Erhebung der Shell-Jugendstudie 2015 beschäftigt sich mit jungen Menschen, die zwischen 1990 und 2002 geboren sind, womit sie die erste Shell-Jugendstudie darstellt, die sich einer Generation widmet, deren Angehörige ausschließlich im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen sind. Sie haben die Ereignisse, welche den Großteil ihrer Bevölkerung prägen, nicht selbst erlebt. Andererseits sind sie in einem Deutschland aufgewachsen, an welches neue geopolitische Konflikte von globaler Bedeutung (z.B. Flüchtlingskrise, radikaler Islamismus und Terroranschläge) näher heranrücken. Darüberhinaus stellt sie die Menschen dar, die in eine bereits digitalisierte Welt geboren wurden. Im Vergleich zu Mitgliedern der Generation Y sind sie nicht erst digitalisiert sozialisiert worden. Dies und weitere gesellschaftliche Wandel der letzten Zeit lassen interessante Vermutungen offen. Gleichzeitig gilt das altbekannte Problem mit der Bezeichnung von Generationen: Schnell wird Verschiedenes über einen Kamm geschert. Oft werden die Lebenslagen und –gefühle der sozial Benachteiligten mit geringeren Bildungs- und Aufstiegschancen ausgeblendet, was eine erhebliche Verzerrung in Generationsprofilen hervorruft.[15] „Viele Fragen, die etwa die gut ausgebildeten Angehörigen einer Generation Y hinsichtlich der Planbarkeit von Zukunft und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter den Bedingungen von Unsicherheit stellen, stellen sich für die meisten unterprivilegierten Jugendlichen einfach nicht.“[16] Deshalb bilden Generationen eher spezifische Merkmale von „Leitmilieus“ ab. Hinzu kommt, dass Generationsgestalten über Zeiträume parallel Bestand haben können, da Alterskohorten hinaus „ausfransen und unter Einschluss jugendlicher und adoleszenter Populationen bestehen. Auch Veränderungen vom Kindheits- ins Jugendalter erschweren den Vergleich zwischen Generationen. Erst die differenzierte Betrachtung von Veränderungen vieler Faktoren und „Leitmilieus“ lässt sichtbar machen, ob und inwieweit sich eine neue Generation herausbildet.“[17]

3.2 Wandel der Lebenswelten: Entwicklungen der letzten 5 Jahre

„Generationslagerung“ wird in Studien oft durch die prägende Lebenssituation charakterisiert. Diese entspricht besonders der Erfahrung von Unsicherheit im Blick auf die künftige politische Zukunft und die Ungewissheit der beruflichen Perspektive.[18] Man könnte sagen, dass sie mehr soziokulturell als biologisch und psychologisch beeinflusst wird. Die Generation Y verbrachte ihre Jugendzeit besonders in den Phasen der großen globalen Krisen, welche 2001 mit den Anschlägen auf das World Trade Center begannen. Durch Klima- und Umweltkatastrophen, die Finanz- und Wirtschaftskrisen seit 2007, steigenden Mieten und unsicheren Rentenversprechen hat diese Generation vor allem gelernt, dass nichts mehr sicher ist und es trotzdem immer weiter geht.[19] „Junge Menschen blicken heute pragmatisch und optimistisch auf ihr Leben. Der Eindruck, dass alle großen Krisen der vergangenen zwei Jahrzehnte zumindest in Deutschland vergleichsweise glimpflich ausgegangen sind, gibt ihnen Zuversicht für die eigene Zukunft. Die Erkenntnis, dass die gesellschaftliche Ordnung nicht in Stein gemeißelt ist, macht sie zu Pragmatikern.“[20] Sie sind leistungsorientierter als die älteren Generationen, da den meisten jungen Menschen bewusst ist, dass allein eine möglichst gute Bildung sie für den Ernstfall rüsten kann (vgl. Ergebnisse der 15. und 16. Shell-Jugendstudie).

Vor 5 Jahren stand zwar ein Ende der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in Aussicht, welches sich allerdings an eine lang andauernde Euro-Krise anschließt. Auch wenn sich die Protestbewegungen nicht in Deutschland abspielten, färben sie auf die europäischen Staaten ab. Verschuldeten Staaten musste und muss weiterhin geholfen werden.[21] Die Jugendarbeitslosigkeit in süd- und osteuropäischen Staaten steigt an. Die öffentlichen Haushalte bleiben in einem hohen Ausmaß verschuldet, wodurch Ausgaben für zukunftsweisende Investitionen, wie für Bildung, Infrastruktur und Familienförderung immer enger werden. Dies sind allerdings genau die Ausgaben, die das Leben für junge Menschen berechenbarer machen würden. Sie erleben, dass Mittel für eine bessere Ausstattung ihrer Schulen fehlen und dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Anfängen steht. Deutschland leidet unter einem hohen Mangel an KiTa-Plätzen sowie Pflegepersonal. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Deutschland ist allerdings anders als in den süd- und osteuropäischen Staaten verlaufen: 2010 erhielt fast ein Fünftel der jungen Generation keine Ausbildungsstelle, wohingegen 2015 viele Stellen unbesetzt blieben.[22] Heute müssen sich viele Unternehmen um qualifizierte Bewerber bemühen, was besonders größere Unternehmen dazu bringt auch BewerberInnen aus dem Ausland aufzunehmen sowie heutige junge Menschen eher befähigt sich seinen Arbeitgeber eher aussuchen zu können bzw. Forderungen aufzustellen. Bei der hohen Jugend-Arbeitslosigkeit im Ausland ist teilweise eine Mehrheit (70% in Albanien, 53% in Mazedonien und Bulgarien[23] ) dazu bereit hierfür auszuwandern. Auch Konflikte außerhalb der Europäischen Union („arabischer Frühling“, Ukraine-Krise, Erstarken terroristischer Gruppen) zeigen den jungen Menschen heutzutage, dass sich grundlegende politische Koordinatensysteme schnell ändern können und damit auch ein friedliches Europa keine Stabilität besitzt, sondern ein temporäres Ergebnis kollektiver politischer Anstrengungen darstellt.[24] Das Thema „Atomkraft“, welches seit den 80ern in der Gesellschaft größtenteils verschwunden war, wurde durch die Nuklearkatastrophe in Fukushima wieder aktuell. Bei den Protestbewegungen beteiligten sich viele Jugendliche. Allerdings verlaufen Proteste weniger idealisiert und radikal als früher ab. Das politische Interesse in Form von Parteien, die jugendspezifische Träger darstellen ist durch die sich nicht nachhaltig etablierte „Piraten-Partei“ wieder in den Hintergrund gerückt. Obwohl Umweltthemen die Jugendlichen seit Jahrzehnten interessieren, verloren auch die „Grünen“ in den letzten Jahre eine höhere Zahl ihrer Wählerschaft. Dafür bildet seit den diesjährigen Wahlen 2017 die neuentstandene „AFD“ einen Umbruch im Parteienspektrum (deren Langlebigkeit ist allerdings noch nicht einschätzbar). Sie spiegelt vor allem die Ängste der Flüchtlingskrise ihrer Wähler wider, welche die Zukunft de heutigen und kommenden Generationen stark begleiten wird, wenn kein, die Ursachen betreffender, politischer Kurswechsel stattfinden wird.

[...]


[1] siehe hierzu bspw. Scholz (2012)

[2] Scholz (2014), S. 31

[3] Hurrelmann, Albrecht (2014), S.8

[4] vgl. Scholz (2014), S. 113

[5] vgl. Scholz (2014), S. 143ff.

[6] Vgl. Scholz, Weth (2015), S.265

[7] Scholz (2015), URL: http://die-generation-z.de/forschung-zu-z/ (Stand: 9.11.2017)

[8] vgl. Albert, Hurrelmann, Quenzel (2015), S.32

[9] Deutsches Jugendgrundgesetz § 1 Abs. 2 JGG

[10] http://www.unesco.org/new/en/social-and-human-sciences/themes/youth/youth-definition/ (Stand 4.11.17)

[11] Scherr 2009, S. 24

[12] Hurrelmann, Quenzel (2014), S.38

[13] vgl. Albert, Hurrelmann, Quenzel (2015), S.33

[14] vgl. Albert, Hurrelmann, Quenzel (2015), S.33

[15] vgl. Albert, Hurrelmann, Quenzel (2015), S.36

[16] ebd.

[17] Albert, Hurrelmann, Quenzel (2015), S.37

[18] vgl. Albert, Hurrelmann, Quenzel (2015), S.36

[19] vgl. Hurrelmann, Albrecht (2014), S. 8

[20] ebd.

[21] FAZ Online: Griechenland will sich neues Geld am Markt leihen (31.10.17)

[22] vgl. Berufsbildungsreport 2015 (Bundesministerium für Bildung und Forschung)

[23] vgl. Albert, Hurrelmann, Quenzel (2015), S.38

[24] ebd.

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Details

Title
Shell-Jugendstudie 2015. Verändert sich die Generationengestalt?
College
University of Education Ludwigsburg
Grade
2,0
Year
2017
Pages
14
Catalog Number
V437382
ISBN (eBook)
9783668790896
ISBN (Book)
9783668790902
Language
German
Tags
shell-jugendstudie, verändert, generationengestalt
Quote paper
Anonymous, 2017, Shell-Jugendstudie 2015. Verändert sich die Generationengestalt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437382

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