Die Geschichte um Oskar Matzerath in Günter Grass‘ Blechtrommel ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Romane der Nachkriegsliteratur. Ausführlich, komplex, symbolträchtig und an vielen Stellen verwirrend, ist es sicherlich auch eines der am meisten interpretierten und analysierten Werke. Diese Arbeit wird sich speziell mit der Figur des Oskar Matzerath auseinandersetzen. Es wird die Frage gestellt inwiefern Oskar als eine Außenseiterfigur bezeichnet werden kann, mit einem besonderen Hinblick auf Sonderlinge. Dazu wählt diese Arbeit den Typus des Schelm, Narren und Irren aus. Zunächst soll ein theoretischer Hintergrund geschaffen werden, der die zu behandelnden Charaktere und den jeweiligen Außenseitertyp vorstellt. Im Weiteren wird gezeigt werden wie Außenseiterfiguren in der Literatur immer wieder als Mittel zur Gesellschaftskritik benutzt werden Im Anschluss sollen die verschiedenen Sonderlinge mit Oskar verglichen und Gemeinsamkeiten hervorgehoben werden. Infolge des Vergleichs wird sich zeigen, dass Sonderlingsfiguren sich zwar im Detail von Epoche zu Epoche und in den verschiedenen Genres unterscheiden, dass jedoch alle die Kriterien gemeinsam haben, die sie zum Kritikmedium machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Außenseiterfiguren der Literatur
2.1. Über Schelme
2.2. Über Narren/Clowns
2.3. Über Irre
3. Außenseiter als Gesellschaftskritik
4. Vergleich
4.1. Oskar und Simplicissimus
4.2. Oskar und Schnier
4.3. Oskar und Isa
4.4. Oskar und alle drei Sonderlingsfiguren-Hervorhebung der Gemeinsamkeiten
5. Oskar und Gesellschaftskritik- Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Romanfigur Oskar Matzerath aus Günter Grass’ „Die Blechtrommel“ im kulturhistorischen Kontext der Außenseiterliteratur. Das primäre Ziel ist die Analyse, inwiefern Oskar als Sonderling fungiert und als Medium für eine fundamentale Gesellschaftskritik genutzt wird, indem er mit anderen literarischen Außenseitertypen verglichen wird.
- Charakterisierung von Sonderlingsfiguren (Schelm, Narr, Irrer)
- Die Funktion des Außenseiters als Instrument zur Gesellschaftskritik
- Vergleichende Analyse von Oskar Matzerath mit Simplicissimus, Hans Schnier und Isa
- Die Rolle der Kunst und des künstlerischen Ausdrucks bei der Rebellion gegen soziale Normen
- Die Bedeutung der Erzählperspektive und des unzuverlässigen Erzählers für die Wahrnehmung von Realität
Auszug aus dem Buch
4.1 Oskar und Simplicissimus
Um einen kulturhistorischen Kontext von Sonderlingsfiguren zu schaffen ist die Auseinandersetzung mit dem Schelmenroman besonders essentiell. Der Schelmenroman ist in der Regel als fiktive Autobiographie angelegt, „wobei ein erzählendes Ich seine früheren Taten und Erlebnisse als die des erlebenden Ich berichtet u. kommentiert“14. Schon durch die Umstände seiner Geburt wird der Schelm in das Außenseitertum hineingeboren und das Schicksal des Anti-Helden damit besiegelt. Obgleich Grimmelshausen 1668 erschienener Roman Der abenteuerliche Simplicissimus nicht mit einer Geburtsszene einsetzt, wird auch hier bereits auf den ersten Seiten deutlich, dass die Zukunft des Protagonisten seit dem Moment seiner Geburt feststand.
Naiv beschreibt der Ich-Erzähler seine bäuerliche Herkunft, derer er sich aber aufgrund seiner mangelnden Bildung nicht bewusst zu sein scheint. Er hält die ärmliche Hütte seines ‚Knans‘ für einen Palast und sich selbst von königlicher Herkunft, obgleich der, von ihm selbst noch im gleichen Satz formulierte, Vergleich zwischen kostbarem Schiefer, aus dem der Königspalast gefertigt, und Strohdeutlich, aus dem der väterliche Palast gefertigt ist, deutlich macht, dass dem mitnichten so ist.15 In der sehr detaillierten Beschreibung kann exemplarisch, der für den Roman so typische satirische Erzählton des Simplicissimus nachgewiesen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Außenseiterfigur Oskar Matzerath und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich seiner Funktion als Sonderling.
2. Außenseiterfiguren der Literatur: Theoretische Grundlegung und Begriffsbestimmung der Sonderlingsfiguren Schelm, Narr/Clown und Irrer anhand literaturwissenschaftlicher Definitionen.
3. Außenseiter als Gesellschaftskritik: Analyse der historischen Entwicklung und Funktion von Außenseitern als Medium, um gesellschaftliche Missstände aufzudecken und moralische Fragen zu stellen.
4. Vergleich: Vergleichende Betrachtung von Oskar Matzerath mit den Figuren Simplicissimus, Hans Schnier und Isa zur Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten in der Kritikfähigkeit und Außenseiterposition.
5. Oskar und Gesellschaftskritik- Schluss: Synthese der Ergebnisse, in der Oskar als Verkörperung verschiedener Sonderlingstypen zur Aufdeckung des Gedächtnisschwunds in der Nachkriegsgesellschaft zusammengefasst wird.
Schlüsselwörter
Oskar Matzerath, Die Blechtrommel, Günter Grass, Außenseiter, Sonderling, Schelmenroman, Gesellschaftskritik, Simplicissimus, Hans Schnier, Isa, Narr, Wahnsinn, Unzuverlässiger Erzähler, Nachkriegsliteratur, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Figur des Oskar Matzerath aus Günter Grass' „Die Blechtrommel“ und ordnet ihn als Außenseiter in einen literarhistorischen Kontext ein.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Typologie des literarischen Sonderlings, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie die Rolle von Außenseitern als Instrumente der Kritik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu zeigen, inwiefern Oskar als Außenseiterfigur eine kritische Instanz darstellt und wie seine Charakteristika mit anderen Sonderlingsfiguren korrelieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sie Oskar mit repräsentativen Sonderlingsfiguren aus verschiedenen Epochen kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Außenseiter-Begriffe und eine detaillierte vergleichende Untersuchung von Oskar mit Simplicissimus, Hans Schnier und Isa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie „Sonderling“, „Außenseiter“, „Gesellschaftskritik“, „Blechtrommel“ und „literarische Typologie“ geprägt.
Wie unterscheidet sich Oskar von anderen Sonderlingen wie dem Schelm?
Während der Schelm häufig durch seine soziale Herkunft determiniert ist, zeichnet sich Oskar durch eine von Geburt an vorhandene Allwissenheit und eine sehr aktive, provokante Kritikform aus.
Welche Rolle spielt die „Unzuverlässigkeit des Erzählers“ für die Analyse?
Die Unzuverlässigkeit wird als wichtiges stilistisches Mittel identifiziert, das beim Leser Fragen aufwirft und ihn dazu zwingt, das Weltbild des Autors sowie die eigene Perspektive kritisch zu hinterfragen.
- Citation du texte
- Jana Wienken (Auteur), 2016, Sein Werk war ein Zerstörerisches. Zur Funktion der Außenseiterfigur Oskar Matzerath im kulturhistorischen Kontext anderer Sonderlinge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437461