Die erste Versprechersammlung entstand schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts und stammt von Meringer und Mayer. Schon sie versuchten die von ihnen gefundenen Sprechfehler zu kategorisieren. Nicht nur, da unter den gesammelten Versprechern Ähnlichkeiten erkennbar sind, sondern auch, um die unterschiedlichen Phänomene vergleichbar zu machen, scheint eine Einteilung verschiedener Versprecher in Kategorien notwendig. Besonders bei der Entwicklung von Sprachproduktionstheorien ist die Möglichkeit, Versprecher vergleichen zu können, sehr hilfreich.
Da Meringer und Mayer mit ihren Kategorisierungsansätzen die Ersten waren und spätere Einteilungen sich nicht selten auf die von ihnen vorgenommenen Unterscheidungen stützen stützen, soll damit begonnen werden.
Im Anschluss folgen die darauf basierenden Kategorisierungen von Butterworth und Wiedenmann.
Im Zuge der Kategorisierungen nach Wiedenmann wird das Aktivationsausbreitungsmodell erwähnt, dass einen sehr interessanten Aspekt darstellt, da es aufgrund von Versprecheranalysen entstanden ist (wie oben angesprochen). Fehleranalysen und aus demselben Grund also auch Verpsrecherkategorisierungen (da sie die Analyse vereinfachen) sind also ein wichtiger Bestandteil der Forschung.
Da mit dem Aktivationsausbreitungsmodell bereits ein Sprachproduktionsmodell vorgestellt wird, ergibt sich auch die kurze Vorstellung eines zweiten. Basierend auf seinen Thesen zu Merkmalen von Versprechern hat Garrett sein serielles Stufenmodell der Sprachproduktion entwickelt. Ausgehend von seinen Merkmalsanalysen ist eine gewisse Kategorisierung von Versprechern seinerseits interpretierbar. Dies soll als letzte Kategorisierungsmöglichkeit in dieser Arbeit aufgeführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Definiton
3. Kategorisierung ihrer Sprechfehlerdaten durch Meringer und Mayer
3.1 Vertauschungen oder Umstellungen
3.2 Vorklänge oder Antizipationen
3.3 Nachklänge oder Postpositionen
3.4 Kontaminationen
3.5 Substitutionen
4.Butterworth: Kategorisierung durch Fehlerquellen
5. Kategorisierung von Sprechfehlern durch Nora Wiedenmann
5.1 Versprecher oberhalb der lautlichen Ebene
5.1.1 Reihenfolgefehler oberhalb der lautlichen Ebene
5.1.2 Assoziative Versprecher oberhalb der lautlichen Ebene
5.1.3 Perzeptiv induzierte Versprecher
5.2 Versprecher auf der lautlichen Ebene
5.2.1 Antizipatorische Versprecher
5.2.2. Repetitorische Versprecher
5.2.3 Antizipatorisch-repetitorische Versprecher
6. Garrett: Fehlereinheiten und Fehlerarten
6.1 Garretts serielles Stufenmodell
7. Versprecherkategorisierung und die Zukunft
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, verschiedene Ansätze zur Kategorisierung von Versprechern (Sprechfehlern) systematisch darzustellen und deren Bedeutung für die Entwicklung von Sprachproduktionstheorien aufzuzeigen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich Fehler in der Performanz, im Gegensatz zu pathologischen Störungen, in Kategorien einordnen lassen, um Rückschlüsse auf mentale Prozesse und die Struktur der Sprachplanung zu ziehen.
- Historische Entwicklung der Versprecher-Kategorisierung (Meringer und Mayer)
- Kategorisierung nach Fehlerquellen (Butterworth)
- Detaillierte Analyse von Sprechfehlern durch Nora Wiedenmann (lautliche vs. überlautliche Ebene)
- Das serielle Stufenmodell der Sprachproduktion nach Garrett
- Bedeutung von Versprecheranalysen für die zukünftige Forschung zur Sprachproduktion
Auszug aus dem Buch
3. Kategorisierung ihrer Sprechfehlerdaten durch Meringer und Mayer
Die beiden Wissenschaftler haben die von Ihnen gesammelten Daten in fünf Kategorien eingeteilt.
3.1 Vertauschungen oder Umstellungen
Bei der Vertauschung wird genau wie der Name sagt das intendierte Wort, bzw. die intendierte Silbe oder auch der intendierte Laut durch ein anderes/einen anderen ersetzt. In Meringer und Mayers Arbeit finden sich folgende Beispiele: „Verteidigung ist die Spiele des Seels“ (anstatt die Seele des Spiels) oder „Gegengeisteswart“ anstelle von „Geistesgegenwart“ für die Wortverstauschung (Meringer und Mayer 1895 S.14-15). „Gebrecherverhirne“ statt „Verbrechergehirne“ als Beispiel für Silbenvertauschung und „Reidflinsch“ anstatt „Rindfleisch“ für Lautvertauschung. (ebd. S.18)
3.2 Vorklänge oder Antizipationen
Es gibt zwei Arten von Antizipation. Entweder „ein späterer Satz- oder Wortteil verdrängt einen früheren oder stellt sich ihm an die Seite.“(Meringer und Mayer 1895 S.28) Dabei ist allerdings zu beachten, dass die antizipierten Wörter die Form des ursprünglichen bzw. verdrängten Wortes annehmen. (Vgl. ebd. S. 28) Beispiele hierfür sind: „Ich werde nun zur Abschreitung der Anträge schreiten“ (für Abstimmung) oder auch „Wenn du noch längerst…“ (länger zögerst). (ebd. S.29 und 34)
3.3 Nachklänge oder Postpositionen
Ein Nachklang oder eine Postposition liegt vor, wenn zuvor geäußerte Wörter, Silben oder Laute an späterer Stelle noch einmal genutzt werden. (Marx 2000 S.10) Wie etwa bei: „Bild von sich bild“ anstelle von „Bild von sich gibt“ oder „Ich fordere Sie auf, auf das Wohl unseres Chefs aufzustoßen…“ für „anzustoßen“. (Meringer und Mayer 1895 S.46)
Es liegt also in etwa eine umgekehrte Antizipation vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Versprechersammlungen ein und erläutert, warum die Kategorisierung von Sprechfehlern für das Verständnis von Sprachproduktionstheorien essentiell ist.
2. Definiton: Hier werden Versprecher als Phänomene der Performanz abgegrenzt und von pathologischen oder kompetenzbasierten Fehlern unterschieden.
3. Kategorisierung ihrer Sprechfehlerdaten durch Meringer und Mayer: Dieses Kapitel stellt die grundlegende Fünf-Kategorien-Einteilung der Pioniere Meringer und Mayer anhand klassischer Beispiele vor.
4.Butterworth: Kategorisierung durch Fehlerquellen: Es wird diskutiert, wie Butterworth Sprechfehler basierend auf drei spezifischen Entstehungsquellen klassifiziert.
5. Kategorisierung von Sprechfehlern durch Nora Wiedenmann: Das Kapitel bietet eine detaillierte Systematik, die zwischen Fehlern auf und oberhalb der lautlichen Ebene unterscheidet und temporale Aspekte sowie Substitutionsmechanismen einbezieht.
6. Garrett: Fehlereinheiten und Fehlerarten: Dieses Kapitel erläutert, wie Garrett durch die Analyse von Fehlermerkmalen ein serielles Stufenmodell der Sprachproduktion ableitet.
7. Versprecherkategorisierung und die Zukunft: Hier wird der wissenschaftliche Nutzen von Versprecheranalysen als empirische Basis für linguistische Theorien reflektiert und auf zukünftige Forschungsbedarfe hingewiesen.
Schlüsselwörter
Versprecher, Sprachproduktion, Kategorisierung, Performanz, Antizipation, Postposition, Kontamination, Substitution, Aktivationsausbreitungsmodell, Garrett, Wiedenmann, Meringer, Mayer, Sprachplanung, mentale Lexika
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Versprecher und wie diese durch verschiedene wissenschaftliche Ansätze systematisch kategorisiert werden können, um Einblicke in menschliche Sprachprozesse zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historischen Ansätze der Sprechfehleranalyse, moderne Kategorisierungsmodelle sowie die theoretische Fundierung der Sprachproduktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die verschiedenen Möglichkeiten der Kategorisierung von Versprechern darzustellen und aufzuzeigen, wie diese Fehler als empirisches Beweismaterial für Theorien der Sprachproduktion dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und vergleichenden Literaturanalyse bestehender Versprechersammlungen und theoretischer Modelle zur Sprachproduktion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kategorisierungssysteme von Meringer und Mayer, Butterworth, Wiedenmann sowie Garrett und setzt diese in den Kontext von Sprachproduktionsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Versprecher, Sprachproduktion, Kategorisierung, Performanz sowie spezifische Fehlertypen wie Antizipation und Substitution charakterisiert.
Worin liegt der Unterschied zwischen einer Antizipation und einer Postposition?
Eine Antizipation ist ein Vorgriff auf ein späteres Element (Vorklang), während eine Postposition (Nachklang) das erneute Auftreten eines bereits zuvor geäußerten Elements an einer späteren Stelle beschreibt.
Wie trägt das serielle Stufenmodell nach Garrett zum Verständnis von Versprechern bei?
Garretts Modell postuliert, dass Sprachproduktion auf verschiedenen, seriell abgearbeiteten Ebenen stattfindet; die Analyse von Versprechern stützt diese Theorie, da bestimmte Fehlermuster die Unabhängigkeit dieser Ebenen belegen.
- Citar trabajo
- Jana Wienken (Autor), 2013, Versprecher. Möglichkeiten der Kategorisierung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437465