Mit dieser Arbeit sollen folgende Fragestellungen beantwortet werden: Welche Folgen hat die Austeritätspolitik für die europäischen Wohlfahrtsstaaten? Findet dadurch eine Umverteilung von arm zu reich statt? Und: Ist eine antizyklische Fiskalpolitik in diesem Zusammenhang besser?
Dazu sollen zunächst im folgenden Kapitel die Gründe für die Entwicklung der Staatsschul-den erörtert werden. Im dritten Kapitel wird die Austeritätspolitik beschrieben, die sich seit den 80er Jahren immer weiter ausbreitet und im Zuge der Krise ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. In Kapitel 4 werden die Folgen der Austeritätspolitik für die Wohlfahrtsstaaten skizziert. Hierbei werden die Auswirkungen auf die Lohn- und Tarifpolitik, den Arbeitsmarkt, die Privatisierung öffentlichen Eigentums und die sozialen Sicherungssysteme (Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen) erläutert. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit der antizyklischen Konjunkturpolitik nach John Maynard Keynes. Diese stellt die wirtschaftspolitische Alternative zur Austeritätspolitik dar. In der Schlussbetrach-tung werden die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst und die Forschungsfragen beantwortet. Zudem findet ein kleiner Ausblick statt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Staatsschulden
3. Austeritätspolitik als Antwort auf die Schulden
4. Folgen der Austeritätspolitik
4.1 Lohn- und Tarifpolitik und Arbeitsmarkt
4.2 Privatisierung öffentlichen Eigentums
4.3 Soziale Sicherungssysteme
4.4 Zusammenfassung
5. Antizyklische Fiskalpolitik als Alternative
6. Schlussbetrachtung / Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der in Europa praktizierten Austeritätspolitik auf die Wohlfahrtsstaaten im Zuge der Schuldenkrise, mit dem Ziel, die soziale Gerechtigkeit dieser Maßnahmen zu hinterfragen und die keynesianische antizyklische Fiskalpolitik als eine alternative wirtschaftspolitische Strategie zu bewerten.
- Analyse der Ursachen der europäischen Staatsschuldenkrise
- Untersuchung der sozialen Folgen von Sparmaßnahmen
- Auswirkungen der Austerität auf Arbeitsmarkt und Tarifpolitik
- Kritische Beleuchtung der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen
- Gegenüberstellung von Austerität und antizyklischer Fiskalpolitik
Auszug aus dem Buch
3. Austeritätspolitik als Antwort auf die Schulden
Zuerst soll an dieser Stelle zum besseren Verständnis eine kurze Definition von Austeritätspolitik stattfinden. Austerität (lat. austeritas, dt. Strenge, Herbheit), findet im ökonomischen Sinne Verwendung als Bezeichnung für eine rigide Sparpolitik einer Gebietskörperschaft. Sie stellt damit eine strenge Form der Konsolidierung des Haushalts dieser Gebietskörperschaft dar. Austeritätsmaßnahmen betreffen zum einen die Ausgabe- und Aufwandsseite eines Staates (z.B. Kürzungen von Sozialleistungen, weniger Investitionen in Infrastruktur usw.) sowie zum anderen die Einnahme- bzw. Ertragsseite (z.B. Steuererhöhungen).
Eine strenge Reduktion auf das Nötigste im Bereich des öffentlichen Haushalts, soll einen schlanken Staat schaffen und damit zu einem ausgeglichenen Staatshaushalt führen. Hierdurch soll die gesamtwirtschaftliche Situation verbessert werden. Aus diesem Grund wird Austeritätspolitik besonders in Krisenzeiten angestrebt (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon).
Manche Autoren gehen davon aus, dass die Austeritätspolitik bereits in den 80er Jahren beginnt. Die grundlegende wirtschaftspolitische Orientierung hinter einem Sparkurs begann auch eindeutig schon vor der Krise. Bereits im Vertrag von Maastricht im Jahr 1992, in dem die Grundlage für die Schaffung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion gelegt wurde, und später im Jahr 1997 verabschiedeten Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde festgelegt, dass der staatliche Schuldenstand der Mitgliedsstaaten nicht mehr als 60 % des BIP betragen und die Neuverschuldung nicht die Grenze von 3 % des BIP überschreiten darf (vgl. Vogler, 2013, 48).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik der europäischen Schuldenkrise und führt die Forschungsfragen hinsichtlich der Folgen der Austeritätspolitik sowie potenzieller Alternativen ein.
2. Entwicklung der Staatsschulden: Dieses Kapitel erörtert verschiedene Ansätze zur Entstehung der hohen Staatsverschuldung, wobei neoliberale Politikkonzepte und die Rettung der Banken im Fokus stehen.
3. Austeritätspolitik als Antwort auf die Schulden: Es erfolgt eine Definition der Austeritätspolitik sowie eine Analyse der historischen Entwicklung des europäischen Sparkurses ab den 80er Jahren und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt.
4. Folgen der Austeritätspolitik: Der Hauptteil untersucht die negativen Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme und öffentliches Eigentum, die zu einer Umverteilung von arm zu reich führen.
5. Antizyklische Fiskalpolitik als Alternative: Basierend auf den Lehren von John Maynard Keynes wird eine alternative Strategie vorgestellt, die Staatsausgaben in Krisenzeiten zur Stützung der Wirtschaft einsetzt.
6. Schlussbetrachtung / Ausblick: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei ein Bruch mit der herrschenden Austeritätspolitik gefordert wird, um soziale Gerechtigkeit und Solidarität zu fördern.
Schlüsselwörter
Austeritätspolitik, Schuldenkrise, Wohlfahrtsstaat, Staatsschulden, Antizyklische Fiskalpolitik, John Maynard Keynes, Sozialabbau, Privatisierung, Arbeitsmarkt, Umverteilung, Finanzmärkte, Europäische Union, Neoliberalismus, Wirtschaftspolitik, Soziale Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wirtschaftspolitischen Reaktion europäischer Staaten auf die Schuldenkrise, insbesondere mit der kontroversen Debatte zwischen Austeritätspolitik und keynesianischen Ansätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Ursachen der Staatsverschuldung, die Auswirkungen von Sparmaßnahmen auf das Sozialmodell sowie die Rolle von Finanzmarktakteuren während der Krise.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Folgen der Austeritätspolitik für die europäischen Wohlfahrtsstaaten und die Frage, ob eine antizyklische Fiskalpolitik eine sozial gerechtere Alternative darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer Auswertung wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur und aktueller wirtschaftspolitischer Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lohn- und Tarifpolitik, Arbeitsmarktreformen, die Privatisierung öffentlichen Eigentums sowie die Kürzungen in den sozialen Sicherungssystemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Austeritätspolitik, Schuldenkrise, Sozialstaat, antizyklische Fiskalpolitik und soziale Umverteilung.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Ratingagenturen und Banken?
Der Autor weist darauf hin, dass Banken und Finanzmarktakteure durch die Krise Profite generierten, während die Staaten die Kosten für die Rettung der Finanzinstitute trugen.
Warum wird ein Bruch mit der derzeitigen Austeritätspolitik gefordert?
Aufgrund der Erosion sozialer Sicherungssysteme und einer beobachtbaren Umverteilung von unten nach oben hält der Autor eine Abkehr von rigiden Sparmaßnahmen für unumgänglich, um Solidarität zu erreichen.
- Citation du texte
- Bachelor of Science Björn Arne Schnurr (Auteur), 2018, Die Schuldenkrise in Europa. Austeritätspolitik und ihre Folgen für den Wohlfahrtsstaat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437492