Diese Hausarbeit setzt sich mit dem Schriftspracherwerb mehrsprachiger Kinder auseinander. Dabei wird untersucht, welche Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb im Allgemeinen gegeben sein müssen, um dann genauer zu analysieren, welche Besonderheiten im Schriftspracherwerb mehrsprachiger Kinder vorliegen. Zudem wird betrachtet, wie mehrsprachige Kinder im Prozess des Lesen- und Schreibenlernens im Unterricht unterstützt werden können und wie sie ihre Stärken im Unterricht nutzen können. Dies wird auch anhand der Methode des generativen Schreibens nach Gerlind Belke beispielhaft aufgegriffen.
Im Fazit wird abschließend betrachtet, welche Gegebenheiten auf systemischer, aber auch auf schulischer und unterrichtlicher Ebene, gegeben sein sollten, um einen erfolgreichen Schriftspracherwerb mehrsprachiger Schülerinnen und Schüler zu begünstigen und wie die Ressource der Mehrsprachigkeit für die Kinder nutzbar gemacht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen: Erstsprache, Zweitsprache, Fremdsprache und Mehrsprachigkeit
2.1 Muttersprache und Erstsprache
2.2 Zweitsprache
2.3 Fremdsprache
2.4 Mehrsprachigkeit
3. Kennzeichen und Voraussetzungen des Schriftspracherwerbs
3.1 Kennzeichen von Schriftspracherwerb
3.2 Voraussetzungen des Schriftspracherwerbs
4. Schriftspracherwerb unter der Voraussetzung von Mehrsprachigkeit
4.1 Merkmale des Schriftspracherwerbs unter der Voraussetzung von Mehrsprachigkeit
4.2 Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb mehrsprachiger Kinder
4.3 Positive Effekte der Mehrsprachigkeit auf den Schriftspracherwerb
5. Umsetzung des mehrsprachigen Schriftspracherwerbs im Unterricht
5.1 Didaktische Prinzipien des mehrsprachigen Schriftspracherwerbs
5.2 Beispiel: Generatives Schreiben nach Gerlind Belke
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Mehrsprachigkeit den Prozess des Schriftspracherwerbs beeinflusst und welche pädagogischen Ansätze eine erfolgreiche schulische Unterstützung von mehrsprachigen Kindern ermöglichen. Das Ziel ist es, Schwierigkeiten zu identifizieren, Potenziale der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen und didaktische Handlungsmöglichkeiten für den Regelunterricht abzuleiten.
- Grundlagenbegriffe von Erst-, Zweit- und Fremdsprache
- Phasen und Voraussetzungen des Schriftspracherwerbs
- Herausforderungen und Ressourcen mehrsprachiger Lernender
- Didaktische Prinzipien für den diversitätssensiblen Unterricht
- Konzept des generativen Schreibens nach Gerlind Belke
Auszug aus dem Buch
5.2 Beispiel: Generatives Schreiben nach Gerlind Belke
Ein Beispiel für eine mögliche Umsetzung des integrierten Deutschlernens in den Regelunterricht ist das generative Schreiben nach Gerlind Belke. Dieses ist ein integratives Sprachunterrichtskonzept, das sowohl die grammatischen Bedürfnisse von SuS mit deutscher Erstsprache als auch solche von SuS mit DaZ erfüllt (vgl. Belke 2007, S. 1018). Dabei werden auf der Basis gegebener Texte eigene Texte entworfen, wobei sprachliche Mittel des Ausgangstextes substituiert werden (vgl. ebd.).
Gerlind Belke (2011) sieht dabei literarische Texte als ein besonders geeignetes Medium für sprachliches und kulturelles Lernen, weil die poetische Funktion von Texten, die in literarischen Texten dominant sei, die Aufmerksamkeit auf die Sprache selbst sowie auf verwendete sprachliche Mittel lenke (vgl. S. 1). Zudem könnten differenzierte und komplexe Bedeutungen in poetischen Texten besser vermittelt werden als durch isolierte Merkwörter und syntaktische und morphologische Strukturen würden besser gelernt, wenn die Sätze einen Text ergeben (vgl. ebd., S. 2). Auch kämen poetische Formen in allen Sprachen vor und könnten deshalb Brücken zwischen den Sprachen in einer Klasse schlagen (vgl. ebd.).
Das generative Schreiben sieht konkret so aus, dass die SuS mit elementarer Literatur, Sprachspielen, Kinderreimen und Kinderliedern produktiv arbeiten (vgl. ebd.). Zunächst sollen die Kinder Zeit zum Hören des Textes bekommen, bevor sie ihn selbst, in der Gruppe und einzeln, sprechen und variieren (vgl. ebd., S. 4). Danach wird das sprachliche Material, das im Text substituiert werden soll, gemeinsam im Klassenverband erarbeitet, damit es für die individuelle Textproduktion genutzt werden kann (vgl. ebd.). Lexikalische und grammatische Informationen, die zum Text schreiben benötigt werden, werden dabei in einer Tabelle gesammelt und übersichtlich dargestellt (vgl. Belke 2007, S. 1019). Außerdem sollen Textmuster beibehalten werden, damit eine Literaturvermittlung sowie ein Sprachenlernen durch den Umgang mit vorgegeben sprachlichen Strukturen stattfinden kann (vgl. Belke 2011, S. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Schriftspracherwerbs für den schulischen Erfolg und legt die Relevanz der Untersuchung unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit dar.
2. Definitionen: Erstsprache, Zweitsprache, Fremdsprache und Mehrsprachigkeit: In diesem Kapitel werden die zentralen Begrifflichkeiten definiert und voneinander abgegrenzt, um eine einheitliche Grundlage für die Arbeit zu schaffen.
3. Kennzeichen und Voraussetzungen des Schriftspracherwerbs: Es wird analysiert, welche kognitiven und sprachlichen Grundlagen notwendig sind, um erfolgreich lesen und schreiben zu lernen.
4. Schriftspracherwerb unter der Voraussetzung von Mehrsprachigkeit: Hier werden die spezifischen Merkmale, Barrieren sowie die positiven Transfermöglichkeiten beleuchtet, die durch eine mehrsprachige Ausgangslage entstehen.
5. Umsetzung des mehrsprachigen Schriftspracherwerbs im Unterricht: Dieses Kapitel diskutiert didaktische Prinzipien und stellt das integrative Modell des generativen Schreibens als praktische Lösungsmöglichkeit vor.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine stärkere Berücksichtigung der Erstsprachen sowie eine bessere Professionalisierung der Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Sprachdidaktik, Alphabetisierung, Generatives Schreiben, Sprachbewusstheit, Interferenz, Transferprozesse, Bildungserfolg, Heterogenität, Sprachreflexion, Herkunftssprachenunterricht, Schreibkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten beim Erwerb der deutschen Schriftsprache für mehrsprachige Kinder im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Mehrsprachigkeit, die psycholinguistischen Voraussetzungen des Schriftspracherwerbs sowie didaktische Konzepte zur Sprachförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist zu analysieren, wie Mehrsprachigkeit den Schriftspracherwerb beeinflusst und wie Lehrkräfte durch gezielte Unterstützung zu einem erfolgreichen Lernprozess beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung einschlägiger fachwissenschaftlicher und didaktischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Spracherwerbs, die spezifische Situation mehrsprachiger Kinder, sowie didaktische Lösungsansätze wie das generative Schreiben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Schriftspracherwerb, Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und generative Didaktik gekennzeichnet.
Welche Rolle spielt die Erstsprache beim Schriftspracherwerb in der Zweitsprache?
Die Erstsprache dient als Ressource, aus der Transferprozesse stattfinden können, was bei systematischer Einbeziehung den Erwerb der Zweitsprache positiv unterstützen kann.
Was besagt der Ansatz des "generativen Schreibens"?
Dieser Ansatz nutzt vorgegebene Textmuster, um Kindern mit geringen Sprachkenntnissen die produktive Erstellung eigener Texte zu ermöglichen, ohne die Schreibmotivation zu hemmen.
Warum ist laut der Autorin der "monolinguale Habitus" in Schulen problematisch?
Er würdigt die in der Schülerschaft vorhandenen mehrsprachigen Kompetenzen nicht und vernachlässigt das Potenzial, diese Ressourcen für den Schulerfolg nutzbar zu machen.
- Citar trabajo
- Nina Schütze (Autor), 2017, Schriftspracherwerb bei mehrsprachigen Schülerinnen und Schülern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437524