Stabkirchen. Vereinigung von Glaube und Architektur


Facharbeit (Schule), 2001

11 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Historische Entwicklung
Christianisierung
Mittelalter
Nach der Reformation

Kapitel 2: Bau und Gestaltung einer Stabkirche
Architektur
Dekoration und Ausstattung

Kapitel 3: Stabkirchenfamilien
Haltdalen-Typ
Numedal-Typ
Borgund-Typ
Møre-Typ

Kapitel 4: Symbolik

Kapitel 5: Beispiel einer Stabkirche
Geschichte
Bau
Inventar

Bibliografie

Kapitel 1: Historische Entwicklung

Christianisierung

Die Geschichte des Stabkirchenbaus begann genau genommen mit der Christianisierung Norwegens, denn zuvor war kein Bedürfnis nach Gotteshäusern vorhanden. Bereits König Håkon der Gute versuchte im zehnten Jahrhundert sein Land zu bekehren, stieß aber auf erbitterten Widerstand. Erst seinem Nachfolger Olav Tryggvason gelang 1030 die endgültige Durchsetzung des Christentums. (vgl. Patitz 1980, S.71) Laut Überlieferung ließ er sich zusammen mit seiner Flotte von einem Einsiedler, der die Zukunft voraussagen konnte, taufen und in christlichen Dingen unterrichten, bevor er sein Volk bekehrte. Mit dem Bau der ersten Kirchen, vermutet man, betraute er einen britischen Baumeister, was diverse Ähnlichkeiten zur damaligen englischen Steinarchitektur erklärt. Allerdings sehen auch viele Altertumsforscher einen Zusammenhang mit alten nordischen Bautraditionen und betrachten daher die Stabkirchen als eine Anpassung heidnischer Tempel an die Forderungen des Christentums. (vgl. Lindholm und Roggenkamp 1968, S.74f) Als dritte Ursprungstheorie der Stabkirchen sei angeführt, dass sich die Verwandtschaft zur romanischen Basilika nicht leugnen lässt. Außerdem muss in diesem Zusammenhang auf die romanischen Motive an den Außen- sowie lnnenwänden des Bauwerks hingewiesen werden.

Mittelalter

Im Mittelalter wurden in Norwegen mehr als 800 Kirchen von Bauern und Adeligen errichtet, die meisten davon hölzerne Stabkirchen. (vgl. Libæk und Stenersen 1999, S.34) Die bemalten Altarbaldachine, die im Historischen Museum in Bergen ausgestellt sind, bezeugen, dass Norwegen auch im Mittelalter vielfältige Verbindungen mit dem Ausland unterhielt. Vor allem die Könige Håkon Håkonson und dessen Sohn Magnus Lagabøter holten fremde Baumeister in ihr Land und betätigten sich als Förderer der Künste. (vgl. Patitz 1980, S.78)

Nach der Reformation

Die Reformation im Jahr 1537 brachte einige Neuerungen für die bauliche Gestaltung der Stabkirchen. Man verlangte, dass die Gemeinde während des Gottesdienstes sitzen sollte, was zur Folge hatte, dass Bänke errichtet werden mussten. Auch erforderte das Lesen aus der Bibel oder den Gesangbüchern mehr Licht als ursprünglich in die norwegischen Gotteshäuser gelangte. Diesen Problemen begegnete man im sechzehnten Jahrhundert hauptsächlich mit dem Umbau der existierenden Stabkirchen. Erst als im darauffolgenden Jahrhundert die Bevölkerungszahl wieder anstieg, wurden neue Kirchen gebaut - allerdings in Blockbautechnik - und viele der alten Stabkirchen wurden abgerissen, da sie entweder bereits verfallen waren oder zu wenig Platz boten.

Schließlich waren in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts nur noch sechzig Stabkirchen erhalten, die es von da an zu schützen galt. Die um diese Zeit gegründete „Vereinigung zur Bewahrung norwegischer Denkmäler der Vergangenheit“ kaufte einige der Gebäude auf und bewahrte sie so vor dem Abriss. 1905 gelang es der Institution, alle verbliebenen Stabkirchen unter Denkmalschutz zu stellen.

(vgl. Sakuma und Storsletten 1993, S.28ff)

Heute genießen die 28 noch erhaltenen Stabkirchen großes internationales Ansehen und bilden einen zentralen Teil des norwegischen Kulturerbes, den zu sichern im allgemeinen Interesse der Bevölkerung und des Staates ist. (vgl. Weiss o.D.)

Kapitel 2: Bau und Gestaltung einer Stabkirche

Architektur

Die meisten Stabkirchen wurden aus Kiefernholz gebaut und bestehen aus über 2.000 Einzelteilen. Um auch die genaue Platzierung der Bauelemente zu beschreiben, muss berücksichtigt werden, dass die Kirchen stets mit der Apsis im Osten und dem Hauptportal im Westen ausgerichtet waren. Eine Langseite ohne Öffnung lag traditionell im Norden, da man sich vor dem Bösen aus dieser Himmelsrichtung schützen musste. (vgl. Lindholm und Roggenkamp 1968, S.32ff)

Wände

Beim Stabbauprinzip bestehen die Wände aus einem Rahmen, der mit stehenden Brettern ausgefüIIt wird. Eine Saumdiele bildet die untere Rahmenkante; vertikale Stäbe dienen als Seitenkanten, auf denen der Liegestab als obere Kante ruht. Er stellt sowohl die obere Saumdiele der Wand dar, als auch die Basis für die Dachkonstruktion. Die Bretter sind durch eingeschnitzte Rillen am Rahmen befestigt; untereinander sind sie durch Nut und Feder verbunden. (vgl. Weiss o.D.)

Bei den frühen Stabkirchen gab es keine Saumdiele. Stattdessen erreichte man eine stabilere Konstruktion durch im Boden eingelassene Stäbe und Bretter, was allerdings den Nachteil hatte, dass die Pfosten schnell verfaulten und heute nur sehr wenige dieser Kirchen erhalten sind.

Bau einfacher Stabkirchen

Die unteren Saumdielen der Wände liegen bei den einfachen Stabkirchen (bestehend aus Stabwerk und Satteldach) auf einer niedrigen steinernen Grundmauer auf. Den Boden bilden Bretter, die an den Saumdielen befestigt sind. Von innen ist die Dachkonstruktion frei ersichtlich, da Schiff und Chor kein Gewölbe haben. Dachstühle mit Sparren, Schersparren und Hahnenbalken tragen das Dach, wobei die Schersparren mit den Sparren am Oberteil des Liegestabs verbunden sind. Zusätzlich stützen Kniestücke zwischen den Dachstühlen sowie Balken in Längsrichtung, die von Firstpfetten und Seitenpfetten verstärkt werden.

Sowohl die Außenwände als auch die Dachbretter wurden mit Hilfe von Bolzen oder Eisennageln mit Schindeln bedeckt, die regelmäßig mit Holzteer gestrichen wurden, um bessere Resistenz gegen Pilz und Fäule zu erlangen.

(vgl. Sakuma und Storsletten 1993, S.36ff)

Bau von Stabkirchen mit erhöhtem Mittelraum

Der erhöhte Mittelraum wird durch Stäbe, die einen rechteckigen Raum bilden, der sich bis zu einem niedrigen Umgang hin öffnet, getragen. Das Pultdach dieses Umgangs ist am erhöhten Mittelraum befestigt, und der Chor hat oftmals einen halbrunden apsidalen Abschluss. Grundstöcke unter den Saumdielen der Wände sind als Stützsystem für die inneren Masten anzusehen. Der Teil des Mittelraums, der das Dach des Umgangs überragt, ist aus normalem Stabwerk, meist durch Kniestücke, Verbindungsbalken oder Andreaskreuze gestützt. Die Dächer entsprechen denen der einfachen Stabkirchen. Manchmal ist das eigentliche Kirchengebäude noch von einem niedrigeren Svalgang, einer Art Laubengang, umgeben, der an den Außenwänden befestigt ist und der Stabkirche ihr charakteristisches, abgestuftes Aussehen verleiht.

(vgl. Sakuma und Storsletten 1993, S.38f)

Dekoration und Ausstattung

In der künstlerischen Gestaltung der Stabkirchen kommt die Vorstellung der damaligen Bevölkerung zum Ausdruck, dass wilde Tiere das Böse von der Kirche fernhalten können. Aus demselben Grund finden sich auch Drachenköpfe an den Wikingerschiffen. Größtenteils ist die innere Ausschmückung besser erhalten, da viele Elemente bereits sehr früh zur Aufbewahrung aus der Kirche entfernt wurden. (vgl. Sakuma und Storsletten 1993, S.54)

Außenverzierungen

Schon aus der Ferne stechen die Dächer der Stabkirchen ins Auge, die geschnitzten Windbretter sowie die mit Kreuzen und Drachenköpfen versehenen Dachfirste. Auf der Dachkonstruktion angebracht waren außerdem verzierte Dachreiter.

Die frühen Stabkirchen wurden stark von der romanischen Architektur beeinflusst und besitzen daher Portale in romanischem Stil, bei denen zusätzlich zu kämpfenden Drachen auch Pilaster, Kapitelle und stilisierte Rankenmuster zu finden sind. Selbst Portale, die starke Parallelen zum zeitgenössischen Steindekor aufweisen, zählt man hierzu; ebenso die sogenannten Medaillonportale, die man an den in runde Rahmen gesetzten Figuren erkennt. Später ging man dazu über, die Portale eher dem gotischen Stil anzunähern.

(vgl. Sakuma und Storsletten 1993, S.54ff)

[...]

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Details

Titel
Stabkirchen. Vereinigung von Glaube und Architektur
Note
1,00
Autor
Jahr
2001
Seiten
11
Katalognummer
V437584
ISBN (eBook)
9783668778276
ISBN (Buch)
9783668778283
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion, Stabkirche, Norwegen, Architektur, Kirchenbau
Arbeit zitieren
MA Bianca Lehner (Autor), 2001, Stabkirchen. Vereinigung von Glaube und Architektur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437584

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