In diesem Essay werde ich mich mit der Idee des "hohen Mittag" in Friedrich Nietzsches "Also sprach Zarathustra" auseinandersetzten. Dabei gehe ich davon aus, dass der Ironiker Nietzsche in seinem Zarathustra selbst eine Art Gegenkonzept zum „hohen Mittag“ vorbringt, um das Profil jener Idee durch den Kontrast zu ihrem Gegenstück stärker hervortreten lassen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Vom hohen Mittag in Also sprach Zarathustra
1.1 Der Begriff des "grossen Mittags" und seine Verknüpfung mit dem Übermenschen
1.2 Die Rolle der "höheren Menschen" als Wegbereiter
1.3 Der "alte Mittag" im Spannungsverhältnis zum "hohen Mittag"
1.4 Schlussbetrachtung: Die letzte Affirmation des hohen Mittags
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Idee des „hohen Mittags“ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ auseinander und untersucht diese im Kontrast zu dem von Nietzsche entworfenen Gegenkonzept des „alten Mittags“.
- Analyse des „grossen Mittags“ als zentrales Ereignis der Selbsterkenntnis und des Untergangs.
- Untersuchung der Verbindung zwischen dem „hohen Mittag“ und dem Konzept des Übermenschen.
- Differenzierung der „höheren Menschen“ gegenüber dem gemeinen Menschen „vom Markt“.
- Kontrastierung des „hohen Mittags“ mit dem „alten Mittag“ als ästhetisch-beschaulichem Erlebnis.
Auszug aus dem Buch
Vom „hohen“ beziehungsweise „grossen Mittag“
Vom „hohen“ beziehungsweise „grossen Mittag“ ist zum ersten Mal am Ende des ersten Teils des Zarathustras die Rede, an welchem sich Zarathustra von seinen Jüngern verabschiedet, um wieder in seiner Einsamkeit fortzuwandern. Der „grosse Mittag“ bezeichnet dort ein, in der Zukunft liegendes Ereignis, an dem der Mensch auf der Mitte seines Weges zwischen Tier und Übermenschen steht; so wie die Sonne am Mittag die Hälfte ihres Laufs zwischen dem Morgen und dem Abend erreicht hat. In diesem Moment steht der Mensch – ebenfalls wie die Sonne – am höchsten: auf dem Höhepunkt seiner Erkenntnis. Hier nun versteht er die Notwendigkeit seines eigenen Untergangs, die Nivellierung seiner Gattung als Voraussetzung für die Geburt des Übermenschen.
Diese Erkenntnis versetzt den Menschen am „grossen Mittag“ nicht in Schwermut, denn er ist nun jemand, der „seinen Weg zum Abende als seine höchste Hoffnung feiert: denn es ist der Weg zu einem neuen Morgen“. Der „grosse Mittag“ wird also eng an das Konzept des Übermenschen geknüpft und soll die Jünger an dieser Stelle noch ein letztes Mal an das vorläufige Kernstück der Lehren des Zarathustras mahnen. Dabei tritt die Assoziation des zyklischen Sonnenlaufs mit einer ewigen Wiederholung des Gleichen – wie sie zur Lehre der Ewigen Wiederkehr passen würde – in den Hintergrund. Viel eher wird eine Assoziation des linearen Auf- und Absteigens der Sonne mit dem Auf- und Abstieg der Menschheit betont, die sich so besser zur Illustration des Übermenschen eignet.
Zusammenfassung der Kapitel
Vom hohen Mittag in Also sprach Zarathustra: Der Einleitungsteil führt in die zentrale Problematik der verschiedenen Mittagskonzepte bei Nietzsche ein und stellt die These des Kontrastkonzepts auf.
Der Begriff des "grossen Mittags" und seine Verknüpfung mit dem Übermenschen: Dieses Kapitel erläutert, wie der hohe Mittag den Moment der Selbsterkenntnis und die notwendige Vorbereitung auf den Übermenschen symbolisiert.
Die Rolle der "höheren Menschen" als Wegbereiter: Hier wird analysiert, welche gesellschaftliche Rolle den „höheren Menschen“ nach dem Tod Gottes zukommt und warum sie sich vom Durchschnittsmenschen abheben.
Der "alte Mittag" im Spannungsverhältnis zum "hohen Mittag": Das Kapitel untersucht das spezifische Mittags-Erlebnis, das als ästhetische Ruhepause in krassem Gegensatz zum schöpferischen Anspruch des hohen Mittags steht.
Schlussbetrachtung: Die letzte Affirmation des hohen Mittags: Der Abschluss fasst die finale Auseinandersetzung Zarathustras zusammen, in der er sich endgültig seinem Werk und dem hohen Mittag verpflichtet.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, hoher Mittag, grosser Mittag, alter Mittag, Übermensch, höhere Menschen, Selbsterkenntnis, ewige Wiederkehr, Augen-Blick, Philosophie, Sinnsuche, Todesmetaphorik, Menschheitsentwicklung, Selbstüberwindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Bedeutung des Begriffs „hoher Mittag“ innerhalb von Friedrich Nietzsches Werk „Also sprach Zarathustra“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Konzepte des hohen und alten Mittags, die Rolle des Übermenschen sowie die philosophische Interpretation menschlicher Entwicklung bei Nietzsche.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Frage ist, ob Nietzsche mit dem „alten Mittag“ ein gezieltes Gegenkonzept zum „hohen Mittag“ schafft, um dessen Profil durch den Kontrast zu schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die sich auf die Primärquelle von Nietzsche sowie auf ergänzende literaturwissenschaftliche Kommentare stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil differenziert zwischen dem zielorientierten hohen Mittag und dem momentbezogenen alten Mittag sowie der Bedeutung der „höheren Menschen“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Übermensch, hoher Mittag, Zarathustra, Selbsterkenntnis und philosophische Gegenentwürfe.
In welchem Verhältnis stehen der "hohe" und der "alte" Mittag?
Sie stehen in einem spannungsvollen Gegensatz: Während der hohe Mittag schöpferische Mühe und Zukunftshoffnung erfordert, verkörpert der alte Mittag ein passives, momenthaftes Glück.
Warum spielt der Tod Gottes eine Rolle für die "höheren Menschen"?
Nach dem Tod Gottes entfällt die göttliche Gleichheit, was den „höheren Menschen“ Raum gibt, sich als neue Elite von der Masse der „Marktmenschen“ abzuheben.
- Citation du texte
- Linus Hellwig (Auteur), 2017, Vom "hohen Mittag" in Nietzsches "Also sprach Zarathustra", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437596