Diskursmarker und Regionalität. Das Wort "nu(n)" im obersächsischen Dialekt


Präsentation, 2018

4 Seiten, Note: unbenotet


Leseprobe

- /nu:n/ lässt sich im modernen Deutsch als Adverb, Modalpartikel und Diskursmarker klassifizieren
- die originale deiktische Bedeutung ist heutzutage weitestgehend verschwunden
- die Form /nu:/ existiert innerhalb der Standardsprache noch als Teil der idiomatischen Präpositionalphrase „im Nu“
- /nu:/ wird weiterhin als nicht standardsprachliche Variante genutzt 
- innerhalb eines mitteldeutschen Sprachraums ist das Wort immer noch sehr weit verbreitet: im ostobersächsischen Dialektgebiet; hier wird noch oft ebenjene Form ohne „n“ am Ende genutzt  /nu:/
- das Wort wurde zu einem Stereotyp für die Sprache innerhalb dieser Region (vor allem Dresden wird stark mit diesem sprachlichen Phänomen verbunden)
- zu der Verwendung von „nu“ im Obersächsischen Dialekt wurde von Auer 2016 eine Studie veröffentlicht

Zu Auers verwendetem Korpus:

- Daten aus informellen Interviews mit Sprechern des Dresdner Dialekts
- der erste Teil stammt aus dem Jahr 2000: ein Interviewer befragte ältere Menschen (in erster Linie Ehepaare) bei ihnen zuhause  hauptsächlich lange Erzählungen
- der zweite Teil aus den frühen 1990er Jahren besteht aus Interviews mit innerdeutschen Migranten, die von Dresden nach Freiburg gezogen sind  Sprecher aller Altersgruppen außer der Gruppe des ersten Subkorpus; thematisiert werden oftmals die Erfahrungen in Westdeutschland
- beide Subkorpora beinhalten eher lange Erzählungen als viele dialogische Sprecherwechsel

Zur Verwendung als Diskursmarker im obersächsischen Dialekt:

- Diskursmarker stehen im Vor-Vorfeld und manchmal auch alleine; letzteres kann auch bei „nu“ der Fall sein  in diesem Punkt unterscheidet sich der Gebrauch im Obersächsischen am meisten von dem Gebrauch in der deutschen Standardsprache
- als alleinstehender Diskursmarker kann damit Zustimmung ausgedrückt werden
- oft wird es an dritter Position gebraucht, beispielsweise um etwas zustimmend zu bestätigen
- Sprecher 1 erzählt, Sprecher 2 drückt eine überraschte Haltung aus, Sprecher 1 bestätigt das vorher Gesagte noch einmal durch „nu“
- andere Variante: Sprecher 1 äußert sich, Sprecher 2 nennt einen
naheliegenden Grund für diese Äußerung und Sprecher 1 stimmt mit „nu“ damit überein
- „nu“ als Diskursmarker im Vor-Vorfeld existiert nicht nur im
Obersächsischen, sondern auch in der deutschen Standardsprache; darin wird aber meist stattdessen „na“ verwendet
- im Obersächsischen fungiert „nu“ im Vor-Vorfeld beispielsweise als eine Art Beurteilung der Inhalte der vorangegangenen Äußerungen
- mit „nu“ kann der Redebeitrag eines Sprechers eingeleitet werden; Beispiel:

01 Ms B: isch häng ja nachmittag dUrsch [ wie ne BOgenlampe;

02 I: [ mh,

03 Ms B:→ nU das kAnn do ni ^SEIN.(-)

04 ne=nee.°h (--)

05 das MUss=sch mit dE(r) beREden;°h

Mit „nu“ separiert Ms B die Angabe ihres metaphorisch ausgedrückten Zustands (01) von einer moralischen Auswertung des Zustands (03).

Fazit, Kritik und mögliche Anschlussfragen

- zumeist tritt /nu:/ im obersächsischen Dialekt als alleinstehender Diskursmarker auf, der bereits bekannte Informationen erneut bestätigt
- auch andere Verwendungsmöglichkeit vorhanden, wie im Vortrag gezeigt wurde  diese waren Beispiele, Auer stellt noch weitere vor
- an Auers Studie kann kritisiert werden, dass der Korpus vornehmlich aus langen Erzählungen und weniger aus dialogischen Gesprächen mit vielen Sprecherwechseln besteht  diesen Punkt merkt Auer allerdings selbst bereits an
- bei möglicher Korpuserweiterung: Gibt es weitere Funktionen von /nu:/ als Diskursmarker im Obersächsischen und welche sind das?
- Quelle: Auer, Peter (2016): Nu(n) in the Upper Saxonian Vernacular of German. In: Peter Auer und Yael Maschler (Hg.): NU / NÅ. A Family of Discourse Markers Across the Languages of Europe and Beyond. Berlin, Boston: De Gruyter (linguae & litterae, Volume 58), S. 356-376.

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Diskursmarker und Regionalität. Das Wort "nu(n)" im obersächsischen Dialekt
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Germanistische Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar/Übung "Diskursmarker: Schnittstellen Semantik-Pragmatik
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2018
Seiten
4
Katalognummer
V437611
ISBN (eBook)
9783668776357
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nu, nun, Sachsen, sächsisch, Dialekt, Diskursmarker
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Konrad Altmann (Autor), 2018, Diskursmarker und Regionalität. Das Wort "nu(n)" im obersächsischen Dialekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437611

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