In dieser Arbeit sollen Ursachen sowie Lösungen für das in Deutschland weitläufige Problem der Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen gefunden werden. Hierfür sollen zunächst Gründe für Bildungsungleichheiten aufgezählt werden, sowie ein Einblick gewonnen werden, wie man Bildung als ökonomisches Modell betrachten kann und welche rationalen oder irrationalen Beweggründe vorhanden sind, die die Bildungsungleichheit manifestieren.
Dabei wird zunächst Wert auf die frühkindliche Erziehung gelegt, um danach die Bedeutung der Problematik vom Verständnis von Schule und dem akademischen Bild von Bildung zu erläutern. Dabei wird auch die Entscheidung über den Wechsel auf die weiterführende Schulform thematisiert werden. Abschließend soll betrachtet werden, ob das Modell der Gesamtschule eine Lösung für Bildungsungleichheiten darstellen kann.
Ob die Gesamtschule ein Lösungsmodell des obengenannten Problem sein kann, wird die Hauptfrage dieser Arbeit darstellen und Vor- sowie Nachteile nennen, die sich anhand empirischer Befunde im In- und Ausland belegen lassen sollen. Die Forschungshypothese stellt sich wie folgt: Die Gesamtschule kann zum Abbau von Bildungsungleichheiten beitragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Bildungsarmut
3. Einführung in das Zusammenspiel von Armut und Bildungsarmut
3.1 Schichtspezifische Bildungsungleichheiten
3.2 Gründe für schichtspezifische Ungleichheiten
4. Einführung in die ökonomische Sichtweise von Bildungsinvestitionen
5. Die Gesamtschule als Lösung der ungleichen Bildungschancen ?
5.1 Die Bedeutung institutionalisierter Bildungsprozesse im Hinblick auf die Manifestierung sozialer Ungleichheiten
5.2 Die Gesamtschule als Lösung ?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen der engen Verknüpfung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen in Deutschland sowie die Frage, inwieweit das Modell der Gesamtschule als Instrument zum Abbau dieser Bildungsungleichheit fungieren kann.
- Analyse der Definition und Entstehung von Bildungsarmut.
- Untersuchung der schichtspezifischen Bildungsungleichheiten und ihrer Ursachen.
- Betrachtung von Bildung aus einer ökonomischen Perspektive unter Berücksichtigung von Humankapital.
- Evaluierung der Gesamtschule anhand empirischer Befunde aus dem In- und Ausland.
- Kritische Würdigung der Rolle institutionalisierter Bildungsprozesse bei der Manifestierung sozialer Ungleichheit.
Auszug aus dem Buch
3.1 Schichtspezifische Bildungsungleichheiten
Dass die soziale Herkunft in Deutschland den Bildungserfolg maßgeblich beeinflusst, ist hinreichend belegt.
Für die Lesekompetenz, deren Nichtvorhandensein ein Hauptbestandteil von Bildungsarmut ist, von Kindern sind zu einem Großteil Bildungsabschluss der Eltern und das Vorhandensein von Büchern im Haushalt ausschlaggebend (Bos, Schwippert/Stubbe,2007, S. 225-247. ). „Wer hat, dem wird gegeben‘‘ heißt es schon in der Bibel. Übertragen auf schichtspezifische Bildungsungleichheiten bedeutet dies, dass Kinder in einem bildungsfreundlichen Haushalt mehr Anregung für ihr Hirn bekommen, welches bei Kindern grundsätzlich sehr lernwillig ist. Durch das Vorhandensein von Büchern, potenziert sich ihr Wissen im Vergleich zu den Kindern, bei deren Eltern nur eine BILD Zeitung im Regal steht (Bucher, S. 69, 2013).
Dies zeigt deutlich auf, dass Ungleichheiten im familiären Kulturkapital große Auswirkungen auf die Möglichkeiten haben, erfolgreiche Leistungen in der Schule zu erbringen. Hierin zeigt sich, dass das ungleiche kulturelle Kapital in der Grundschule nicht kompensiert wird, sondern viel mehr für den Kompetenzerwerb der Kinder relevant ist (Solga/Dombrowski S. 13-14, 2009).
Zusätzlich kommt noch der habituelle Hintergrund der Familien hinzu, auf welche weiterführende Schule ein Kind geschickt wird.
Familien scheinen sich schichtspezifisch bezüglich der Wertschätzung von Bildung und Lernstrategien habituell so sehr voneinander zu unterscheiden, sodass gesagt werden kann, dass es schichtspezifische, habituelle Lerngewohnheiten gibt (Becker, 2007, S. 157-185).
So bekommen Kinder aus einer Akademikerfamilie eine 2,6 mal wahrscheinlichere Empfehlung für das Gymnasium als Kinder aus einer Facharbeiterfamilie und eine 4,5 mal wahrscheinlichere Empfehlung als Kinder von ungelernten Eltern, von den Lehrern ausgestellt. Dies geschieht bei gleicher Kompetenz der Kinder (Solga,Dombrowski S. 14, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Fragestellung zur Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen und führt in die Hypothese ein, dass die Gesamtschule zum Abbau dieser Ungleichheit beitragen kann.
2. Definition Bildungsarmut: Dieses Kapitel arbeitet den Begriff der Bildungsarmut als Kombination aus Kompetenz- und Zertifikationsarmut heraus und verankert ihn in der soziologischen Diskussion.
3. Einführung in das Zusammenspiel von Armut und Bildungsarmut: Es wird analysiert, wie soziale Schichten und der Habitus der Eltern sowie das häusliche Umfeld den schulischen Erfolg massiv beeinflussen.
4. Einführung in die ökonomische Sichtweise von Bildungsinvestitionen: Das Kapitel betrachtet Bildung als Humankapitalinvestition und betont die hohe Bedeutung der frühkindlichen Förderung.
5. Die Gesamtschule als Lösung der ungleichen Bildungschancen ?: Es wird kritisch hinterfragt, ob das gegliederte Schulsystem soziale Ungleichheiten eher verfestigt und inwieweit Gesamtschulen durch längeres gemeinsames Lernen als Lösungsmodell dienen können.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Bildungschancen eng mit dem frühkindlichen Umfeld verknüpft sind und das Modell Gesamtschule je nach internationalem Kontext unterschiedliche, teils ambivalente Ergebnisse liefert.
Schlüsselwörter
Bildungsarmut, soziale Herkunft, Bildungschancen, Bildungsungleichheit, Gesamtschule, Humankapital, Schichtspezifische Unterschiede, Habitus, Frühkindliche Bildung, Schulsystem, Selektion, Kompetenzentwicklung, Zertifikate, Bildungsinvestitionen, Bildungsaufstieg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft von Kindern und ihren resultierenden Bildungschancen im deutschen Schulsystem.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen Bildungsarmut, die Bedeutung des häuslichen Umfelds, ökonomische Aspekte von Bildungsinvestitionen sowie die Wirksamkeit von Gesamtschulen als bildungspolitische Alternative.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage ist, ob das Modell der Gesamtschule dazu beitragen kann, Bildungsungleichheiten abzubauen, die durch soziale Herkunft und ökonomische Faktoren entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Begriffe und der Auswertung empirischer Befunde aus dem In- und Ausland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Gründe für Bildungsungleichheit – wie der Einfluss des Habitus – erläutert, gefolgt von einer ökonomischen Betrachtung von Bildung und einer kritischen Untersuchung des Gesamtschulmodells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsarmut, soziale Ungleichheit, Humankapital, Gesamtschule und Bildungschancen geprägt.
Wie definiert der Autor Bildungsarmut?
Bildungsarmut wird als Zusammenspiel von Kompetenzarmut und Zertifikationsarmut verstanden, das eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert.
Welche Rolle spielt die frühkindliche Förderung laut der Arbeit?
Der Autor stellt fest, dass frühkindliche Bildung den höchsten gesellschaftlichen Ertrag bringt und entscheidend für die Vermeidung langfristiger Bildungsungleichheit ist.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung zur Gesamtschule?
Es zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Gesamtschulen in manchen Ländern Ungleichheit abmildern können, führen sie in anderen zu einer geringeren Förderung von Leistungsstarken, weshalb keine pauschale Lösung abgeleitet werden kann.
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- Alexander Engel (Author), 2017, Die Bedeutung der sozialen Herkunft. Das Modell der Gesamtschule als Lösung von sozioökonomisch bedingter Bildungsungleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437643