Passives Investmentprodukt "Exchange Traded Fund"


Projektarbeit, 2017

49 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhangverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Passives Investmentinstrument Exchange Traded Fund
2.1 Definition von Exchange Traded Funds
2.2 Replikationsmethoden von ETFs
2.2.1 Full Replikation (physische Replikation)
2.2.2 Sampling-Methoden (physische Replikation)
2.2.3 Synthetische Indexnachbildung
2.3 Creation/Redemption-Prozess
2.4 Investmentkosten

3 Steuerliche Behandlung
3.1 Steuerliche Einordnung
3.2 Steuerliche Unterschiede
3.3 Änderungen durch das Investmentsteuerreformgesetz in 2018

4 Analyse
4.1 Analyse der Nettorendite aktiver und passiver gemanagter Fonds unter Berücksichtigung der produktspezifischen Investmentkosten
4.2 Chancen und Risiken von ETFs in Bezug auf den Kapitalmarkt

5 Zusammenfassung und Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Synthetischer ETF, unfunded/ funded Swap

Abb. 2 Der Creation/Redemption-Prozess an dem Primär-/Sekundärmarkt

Abb. 3 TCO- Total Costs of Ownership: Die Gesamtkosten einer ETF- Anlage

Abb. 4 Investmentkosten von aktiv gemanagten Fonds im Vergleich zu (passiven) ETFs

Abb. 5 Langfristige Wertentwicklung eines einmaligen Investment von 10.000,00 €, unter Berücksichtigung der Anlagekosten

Abb. 6 Investmentkosten von aktiv gemanagten Fonds im Vergleich zu (passiven) ETFs

Anhangverzeichnis

Anhang 1 Anzahl der weltweit verwalteten

Anhang 2 ETFs von 2003 bis 2016

Anhang 3 Entwicklung des weltweit in ETFs verwalteten Vermögens (in Milliarden US-Dollar)

Anhang 4 ETF Sparplan Verlgeich

Asset- Klassen- Allokation „Weltportfolio“ am Beispiel einer 70/30- Mischung

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Das Anlageuniversum passiver börsengehandelter Investmentprodukte unterliegt seit Jahren einem starken Wachstum. Die bevorzugte Form dieser Investmentprodukte stellen Exchange Traded Funds dar. Die Anzahl der weltweit verwalteten ETFs (von 2003= 276 auf 2016= 4779 Stk.)[1], sowie das darin enthaltene Vermögen (von 2003 = 203,4 Mrd. auf 2016 = 3.422,2 Mrd. USD)[2] steigt rapide an.

Vor dem Hintergrund der Niedrigzinspolitik, der steigenden Inflation und der Rentenproblematik ist es für Privatanleger unabdingbar mit seiner entsprechenden Kapitalanlage eine Rendite zu erwirtschaften. Privatanleger können es sich nicht leisten, in ein aktiv gemanagtes Investmentprodukt zu investieren, akademische Studien besagen, dass drei Viertel aller Aktien- und über 90% aller Rentenfonds daran scheitern einen Vergleichsindex (den Markt) zu schlagen, hinzu kommt die immense Kostenbelastung.[3] -„ If you can´t beat the market, join it“[4] -.

Es besteht die Möglichkeit, dass an der Börse gehandelt, meist passiv verwaltet, einen zugrunde liegenden Index abbildende ETFs Abhilfe schaffen können. Die großen Vorteile des Produktes sind in der Liquidierbarkeit, Diversifikation, Transparenz und in den geringen Investmentkosten begründet. Durch die zunehmende Popularität von ETFs und die darin begründete neu Auflegung von ETFs in spezielle Märkte, sowie Marktsegmente und die mediale Überflutung mit Informationen diesbezüglich, wird die Übersichtlichkeit und das Verständnis, das Investmentprodukt betreffend, verringert. Die vorliegende Arbeit vermittelt einen umfassenden und detaillierten Überblick über das Investmentprodukt Exchange Traded Funds.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Im ersten Kapitel erfolgt eine Einleitung in die Thematik, des Weiteren wird auf die Problemstellung und auf den Aufbau der Arbeit eingegangen. Das zweite Kapitel definiert den Begriff des Investmentproduktes Exchange Traded Funds. Anschließend werden die unterschiedlichen Replikationsmethoden voneinander abgegrenzt und erläutert. Im nächsten Schritt wird der Handel der Exchange Traded Funds durch den Creation/Redemption-Prozess interpretiert. Das zweite Kapitel schließt mit dem Thema Investmentkosten ab, hier werden alle Kosten, die im Zusammenhang mit ETFs anfallen erläutert. Das dritte Kapitel umfasst das Themengebiet steuerliche Behandlung, es wird zunächst eine steuerliche Einordnung vorgenommen, wie Erträge aus ETFs zu versteuern sind. Anschließend wird auf Grundlage der unterschiedlichen Produktstruktur des Investmentproduktes, auf die Unterschiede in der steuerlichen Handhabung und der damit verbundenen Versteuerungstechniken eingegangen. Der abschließende Teil des dritten Kapitels beinhaltet die Änderungen, die durch das Investmentsteuerreformgesetz in 2018 implementiert werden, es werden die Unterschiede, Neuerungen und Änderungen dargelegt und eine kritische Beurteilung vorgenommen. Kapitel vier leitet mit einer Analyse der Nettorendite aktiver und passiver gemanagter Fonds unter Berücksichtigung der produktspezifischen Investmentkosten. Hierzu werden die produktspezifischen Investmentkosten eines passiv gemanagten Investmentprodukt mit einem aktiv gemanagten Investmentprodukt verglichen. Als Nächstes wird unter der Sektion Praxisleitfaden zur Auswahl des passenden ETF, die Strategie festgelegt, die grundlegenden verschiedene Anreize gesetzt, sowie ein Vorschlag für ein breit gefächertes Weltportfolio gegeben, um den Einstieg in den ETF Markt und das damit verbundenen Investieren zu gewährleisten. Das vierte Kapitel endet mit der Beleuchtung der Chancen und Risiken von ETFs in Bezug auf den Kapitalmarkt. Im fünften Kapitel erfolgt eine Zusammenfassung, es werden die wesentlichen Aspekte dargelegt und eine Schlussfolgerung gezogen.

2 Passives Investmentinstrument Exchange Traded Fund

2.1 Definition von Exchange Traded Funds

Indexanlagen stellen ein simples Investmentprodukt dar. Durch diese lässt sich die Rendite eines Indexes nachbilden. Die Grundthese wird dadurch geprägt, dass eine Verknüpfung zu dem nachgebildeten Index besteht, steigt dieser beispielsweise um 2%, so verzeichnet sich auch eine Erhöhung der Indexanlage um 2%, sowie im Umkehrschluss. Eine Unterscheidung wird zwischen traditionellen Indexfonds und börsengehandelten Indexfonds Exchange Traded Funds (Kurzform: ETFs) vorgenommen.[5] ETFs sind unter dem Deckmantel der Exchange Traded Products (Kurzform ETP) einzuordnen. Die ETP beinhalten ETCs, ETNs und ETFs. Aus Sicht der rechtlichen Betrachtungsweise stellen Exchange Traded Commodities (ETCs) und Exchange Traded Notes (ETNs) lediglich Schuldverschreibungen dar.[6] Hingegen werden ETFs als Fonds klassifiziert und somit gelten die gesetzlichen Bestimmungen des Investmentgesetzes, auf dieser Grundlage folgt die Einordnung in das Spezialsondervermögen gem. § 2 InvG. Dieser Unterschied hat einen immensen Stellenwert, da im Insolvenzfall eines Emittenten das Sondervermögen einer Separation aus der Konkursmasse unterliegt und somit geschützt wird.[7] Der Anlegerschutz für ETFs mit Sitz im Inland wird dadurch erweitert, dass sie der umfassenden Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz: BaFin) unterstellt sind. Die Überwachung des ordnungsgemäßen Handels wird durch die Börsenaufsichtsbehörden sichergestellt.[8] Die gewählte Depotbank übernimmt die Verwahrung in Form von Sperrdepots oder Sperrkonten und hat die Verantwortung für die rechtmäßige Verwaltung und Wertberechtigung der Anteile inne.[9] Diese Projektarbeit beschränkt sich ausschließlich auf die ohne Laufzeitbegrenzung, börsengehandelten Exchange Traded Funds. Sie unterliegen dem definierten Ziel durch das Nachbilden des Index die Rendite des Vergleichsindex/Referenzindex zu liefern, eine Outperformance gegenüber der Benchmark (Vergleichsmarke) zu generieren, findet in der Ursprungsform kein Anstreben (Ausnahme Enchanced Indexing siehe Kapitel 2.3.2). Zu beachten ist, dass es durch die Tracking-Differenz[10] (Renditedifferenz) zu einer meist kleinen Abweichung zum Benchmark- Index kommt. Ein Grund hierfür liefern die Transaktionskosten, die zwangsläufig zur Schmälerung der Rendite führen.[11] Einschlägige Vorteile von ETFs sind, dass sie wie Aktien gehandelt werden und gleichzeitig die Diversifikationsvorteile von Investmentfonds bieten[12]. Dadurch ermöglichen Sie dem Privatanleger, der über ein limitiertes Budget verfügt, den Zugang zu einem breit gefächerten Weltportfolio und implizieren gleichzeitig eine Risikostreuung. Einer der elementarsten Vorteile bilden die geringen Kosten die durch das passive Investieren entstehen. Auch die Liquidität ist bei Exchange Traded Funds gegeben, da Sie an der Börse gehandelt werden, können sie in einem verschwinden geringem Zeitintervall liquidiert werden. Des Weiteren stellt die Transparenz des Finanzproduktes einen erheblichen Vorteil dar.[13]

2.2 Replikationsmethoden von ETFs

Der Begriff Replikation klassifiziert im Finanz- und Börsenwesen die Verfahrensweise, mit der Finanzprodukte (z.B. Exchange Traded Funds) Indizes abbilden. Bei dem Vorgang der Indexnachbildung existieren signifikante Unterschiede. Es besteht eine Differentiation zwischen den Überkategorien physische und synthetische Replikation.

2.2.1 Full Replikation (physische Replikation)

Die Full-Replikation-Methode (vollständige Nachbildung) ist eine physische Indexnachbildung. Hierbei werden dem Fondsvermögen, alle im Index enthaltenen Wertpapiere zugeführt. Die Gewichtung folgt der jeweiligen Gewichtung des replizierten Index.[14] Handelt es sich um eine ETF, der z.B. den DAX nachbildet, so kauft der Emittent alle Aktien der 30 deutschen im DAX gelisteten Unternehmen nach. Dadurch wird eine sehr hohe Transparenz für den Anleger gewährleistet. Es ist zu beachten, dass wenn es zu einer Änderung in der Indexzusammensetzung kommt, eine entsprechende Berücksichtigung im ETF vorgenommen werden muss.[15] Diese Anpassungen sind mit substanziellen Kosten verbunden. Des Weiteren können negative Effekte im Zeitpunkt der Reinvestitionen und Dividendenausschüttungen Einklang finden. Die Gefahr eines erhöhten Tracking Errors[16] findet bei der physischen Replikationsmethode Einklang. Die volle Replikation stößt bei der Indexnachbildung bestimmter Indizes an ihre Grenzen. Gründe hierfür können die hohe Anzahl der Einzelaktien des entsprechenden Index sein. Betrachtet man den S&P 500 müssen 500 Einzelaktien erworben werden, der MSCI World Index enthält sogar 1.800 Einzelwerte.[17] Auch geografische Komponenten sind mit einzubeziehen, in manchen Regionen der Welt ist der Zugang zu den Wertpapiermärkten erschwert. Als Beispiel ist hier der MSCI Emerging Markets Index anzuführen. Dieser internationale Aktienindex vereint 845 Unternehmen (Stand: 30.06.17) aus 24 verschiedenen Schwellenländern unter sich und bildet eine prozentuale Marktkapitalisierung von 85% der Schwellenländer ab.[18] Wird ein ETF Assets wie Geldmarkt-, Rohstoffindizes aufgelegt, oder auch bei gehebelte ETFs ist die Vollreplikation nicht möglich. Auf Grundlage einer erhöhten Nachfrage nach diesen Produkten wird auf Swap- basierte ETFs zurückgegriffen.[19]

2.2.2 Sampling-Methoden (physische Replikation)

Als Ergänzung der physischen Nachbildung von Indizes existieren zusätzlich zur vollen Replikation noch zwei weitere Sampling Methoden[20]. Diese finden eine Unterscheidung in der Representative-Sampling-Methode und in der Optimized-Sampling-Methode. Der Unterschied zu der Full Replication ist darin begründet, dass nicht alle Indexkomponenten in das Fondsvermögen integriert werden. Representative-Sampling-Methode: Hierbei wird in die liquidesten und größten Werte des Index investiert. Die Begründung erfolgt dadurch, dass es sich bei diesen Assets um Werttreiber handelt, eine Investition in Werte mit geringerem Marktanteil wird nicht vorgenommen. Optimized-Sampling-Methode: sie legt quantitative Modelle zugrunde, diese wiederum basieren auf Simulationen von ökonomischen Daten. Es wird mithilfe von Optimierungsverfahren auf den kleinstmöglichen Aktienkorb abgezielt, der die Indexentwicklung signifikant beeinflusst.[21] Die Zielsetzung eines Indexportfolios kann verschieden beschaffen sein. Zum einen das Straight Indexing, hierbei soll die Rendite exakt erreicht werden (Abbildungsorientierung), während das Enchanced Indexing durch gewollte abweichende Gewichtung versucht, eine Überrendite zu erwirtschaften.[22] Durch die Sampling-Methoden steigt der Tracking-Error an, simultan ist jedoch auf die Reduzierung der Management- Gebühr durch die Verringerung der Transaktionskosten hinzuweisen.[23]

2.2.3 Synthetische Indexnachbildung

Der Markt der ETFs wächst, genauso wachsen auch die Anforderungen der institutionellen, sowie privaten Anleger. Die dadurch gestiegene Anzahl von ETFs, die auf unterschiedlichsten Referenzindizes beruhen, führten dazu, dass immer mehr Swap Varianten implementiert wurden.[24] Die Swap-Methode ist im Vergleich zu der physischen Nachbildung komplexer. Bei der Swap-Methode, die auch als synthetische Nachbildung bezeichnet wird, werden von der KAG (Kapitalanlagegesellschaft) nicht die Wertpapiere erworben, die durch den Referenzindex diktiert werden, sondern ein abweichender Aktienkorb, der auf Grundlage von Transaktionskosten Minimierung gewählt wird.[25] Der Begriff „Swap“ stammt aus dem Englischen und heißt „Tausch“, hierbei wird eine Vereinbarung zwischen zwei Vertragsparteien meist zwischen der KAG und einer Investmentbank bezüglich des zukünftigen Austausches der variablen Renditen getroffen. Hierbei wird die Performance der im Fonds enthaltenen Wertpapiere also des abweichenden Wertpapierkorbes, mit der Wertentwicklung des entsprechenden Referenzindex getauscht. Es sind zwei Szenarien denkbar: Der ETF ist verpflichtet dem Swap-Partner eine Zahlung in Höhe der Differenz, aus dem Wertzuwachs des Aktienkorbes minus Indexentwicklung ausgenommen Wertpapiererträgen (steuernabzüglich) zu liefern. Das Ganze ist auch im Umkehrschluss möglich, dadurch hat der ETF einen Zahlungsanspruch, falls eine Wertminderung des Portfolios eingetreten ist.[26] Diese daraus resultierenden Netto-Beträge dürfen, bei in den Richtlinien genehmigten Kreditinstituten, als Kontrahenten 10% des Nettovermögens nicht überschreiten. Liegt der Ausgleichsbetrag über dem Grenzwert, wird ein Barausgleich vorgenommen (cash settlement).[27] Man differenziert zwischen der Unfunded Swap (deutsch: ungedeckter Swap), und der Funded Swap (deutsch: gedeckter Swap), Variante. Bei der Unfunded Swap Methode hält der ETF die Sicherheiten selbst ein und bei der Funded Swap Methode werden die Sicherheiten von einem Swap Kontrahenten bei einem unabhängigen Treuhänder hinterlegt (siehe Abbildung).[28]

Die Vorteile der Swap Methode lassen sich kurz zusammenfassen: eine Minimierung des Tracking Error, im Durchschnitt geringere Kosten, Abdeckung nahezu aller Indizes/Anlageklassen möglich und es existieren steuerliche Vorteile (diese werden in Kapitel 3 näher behandelt). Das Hauptrisiko dieser Form liegt in der Existenz eines Gegenpartrisikos, welches jedoch auf maximal 10% des Sondervermögens durch die UCITS-Richtlinien[29] reduziert ist.[30] ETFs, sowie Swap-ETFs haben die Finanzkrise 2008/2009 unversehrt überstanden und seit 1933 (der Auflage des ersten ETFs in den USA), ist kein Fall bekannt, dass ein Anleger aus der Struktur des Investmentproduktes einen Schaden genommen hat.[31]

Abb. 1 - Synthetischer ETF, Unfunded/ Funded Swap

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in enger Anlehnung an o.V., Replikationsmethoden

2.3 Creation/Redemption-Prozess

ETFs haben den Creation/Redemption-Prozess revolutioniert und somit einen nicht von der Hand zu weißenden Vorteil implementiert. Dieser unterscheidet sich von der Herangehensweise, wie für gewöhnlich Fondsanteile geschaffen und zurückgenommen werden. Verschiedene Effekte wirken auf das Größenvolumens des aktiven offenen Fonds ein. Zum einen die täglichen Schwankungen der jeweiligen Vermögenswerte, zum anderen haben auch die Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile, maßgeblichen Einfluss. Kommt es zum Eintritt eines Anlegers in einen offenen Fonds, so werden neue Anteile dadurch ausgegeben, dass der Fondsverwalter tätig wird und für das ihm zugeführte Geld neue Vermögenswerte käuflich erwirbt. Dieser Vorgang ist mit erheblichen Kosten belastet, da jeder Kauf bzw. Verkauf zur Veränderung der einzelnen Positionen des Fondsvermögens führt, des Weiteren ist dieses Vorgehen aufwendig und ineffizient gem. § 35 Rn. 35 InvG. Bei dem Börsenhandel von ETF-Anteilen mit Hilfe des Creation/Redemption-Prozess, werden Ausgaben und Rücknahmen am Primärmarkt vollzogen. Es findet ein Tausch von ETF-Anteilen gegen den entsprechenden Wertpapierkorb, sowie konträr statt. Bei dem Prozess spielen Market Marker (sog. Designates Sponsors) oder Approved Participants (institutionelle Anleger bzw. Broker mit entsprechender Vertragsgestaltung mit der Fondsgesellschaft) als Bindeglied zum Primärmarkt eine essentiell wichtige Rolle.[32] Denn allein der Austausch auf Anweisung der KAG und dem Market Maker auf dem Primärmarkt stellt die Steuerung von ETF- Anteilen auf dem Sekundärmarkt sicher.

Creation-Prozess (Creation= Schaffung, Ausgabe). Der Market Maker liefert einen Wertpapierkorb, der sich aus dem nachgebildeten ETF-Sondervermögen zusammensetzt. Im Austausch erhält er ETF- Anteile sog. Creation Units (für gewöhnlich 50.000) im Wert des Wertpapierkorbs oder der Barmittel, die geliefert wurden.[33] Redemption-Prozess (Redemption= Erlösung, Einlösung). Es findet der Schaffungsprozess im Umkehrschluss statt, indem hier die ETF-Anteile im Austausch eines geeigneten Wertpapierkorb, bewertet auf Basis des zuletzt gehandelten Kurses, unter Beachtung der Cash-Komponente zurückgegeben werden.[34]

Fasst man die positiven Aspekte des Redemption-Prozesses zusammen, kommt man zu dem Schluss, dass eine optimale Situation für alle beteiligten Parteien geschaffen wird. Das Risiko des ETF-Anbieters wird auf den Market Maker übertragen, dieser wiederum kann den zu Grunde liegenden Index durch den Börsenhandel konstant abbilden und dem Anleger wird jederzeit ein fairer Preis zur Verfügung gestellt.[35]

Abb. 2 - Der Creation/Redemption-Prozess an dem Primär-/Sekundärmarkt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Bank Research, EU- Monitor

2.4 Investmentkosten

Investitionskosten, die im Zusammenhang mit einem Investmentprodukt anfallen haben einen Immensen Stellenwert, betrachtet man die negative Belastung der Kosten und den damit verbundenen negativen Zinseszinseffekt. Durch die Investmentkosten wird die Rendite unmittelbar und nachhaltig geschmälert. Es existiert eine Vielzahl von Kosten diese lassen sich in folgende Kostenblöcke unterteilen:

Einmalige Kosten

a) Ausgabeauf-/ Rücknahmeabschlag

Diese Kosten entfallen bei ETFs, da diese über die Börse gehandelt werden (siehe Kapitel 2.4 Creation/Redemption-Prozess). Bei traditionellen Fonds können der Ausgabeauf-/ Rücknahmeabschlag bis zu 5 % betragen.[36]

[...]


[1] Vgl. Thomas Reuters, Anzahl der weltweit verwalteten ETFs

[2] Vgl. Thomas Reuters, Entwicklung des weltweit in ETFs verwalteten Vermögens

[3] Vgl. Gerd Kommer, Souverän investieren, S.9.

[4] Zitat von Harry M.Markowitz. Er ist ein Weltbekannter US- amerikanischer Ökonom, der für seine „Theorie der Portfolio-Auswahl“ im Jahre 1990 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde.

[5] Vgl. Gerd Kommer, Souverän investieren, S.10

[6] Vgl. Börse Stuttgart, Exchange Traded Products

[7] Vgl. Picard/Braun, Funktionsweise und praktischer Einsatz, S.14

[8] Vgl. BaFin, Auf einen Blick

[9] Vgl. Lang, Analyse der Struktur, S.2

[10] Die Tracking Differenz weißt die Abweichung der Rendite eines ETF über einem bestimmten Zeitaum vom zugrunde liegenden Index aus. Vgl. Everling, J. Kirchhoff (Hrsg.), Marktüberblick, S.131

[11] Vgl. Gerd Kommer, Souverän investieren, S.16

[12] Vgl. Borse, Vogt, Kraus, Wojcik, ETF Handbuch Börse, S.3

[13] Vgl. Verbraucherzentrale, Preis-Leistungs-Sieger

[14] Vgl. Everling, J. Kirchhoff (Hrsg.), Marktüberblick, S.50

[15] Vgl. Borse, Vogt, Kraus; Wojcik, ETF- Handbuch, S.17

[16] Tracking Error.Diese Kennzahl bemisst die Standardabweichung, der durch den Fonds erzielte Rendite, in einem relativen Verhältnis zur Indexrendite, dadurch wird Auskunft über das Abweichungsrisiko des Fonds im Vergleich zu dem Index gegeben. Vgl. Masarwah Morningstar Tracking Error/ Difference

[17] Borse, Vogt, Kraus; Wojcik (2013): ETF- Handbuch Börse Frankfurt, S.17f.

[18] Vgl. o.V., MSCI Emerging Markets

[19] Vgl. Everling, J. Kirchhoff (Hrsg.), Marktüberblick, S.51

[20] Ein Sample bzw. eine Stichprobe ist eine Teilmenge aus einer Grundgesamtheit, die unter zuvor festgelegten Kriterien ausgewählt wird.

[21] Vgl. Picard/Braun, Funktionsweise und praktischer Einsatz, S. 49

[22] Vgl. Lang (2009), Analyse der Struktur, S. 90

[23] Vgl. Picard/Braun, Funktionsweise und praktischer Einsatz, S. 49f.

[24] Vgl. Everling, J. Kirchhoff (Hrsg.),Marktüberblick, S.51

[25] Vgl. Kommer, Souverän investieren, S.217

[26] Vgl. Everling, J. Kirchhoff (Hrsg.), Marktüberblick, S.52

[27] Ausgleich durch die Zahlung des Differenzbetrages (im Vergleich wird bei physical-settlements der Basiswert geliefert), vgl. Deiters, cash settlement, S.1

[28] Vgl. o.V., Replikationsmethoden

[29] Picard/Braun, Funktionsweise und praktischer Einsatz, S. 56

[30] Die UCITS- Richtlinien (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities): hat die Aufgabe zur Stärkung des Anlegerschutzes im Investmentfondsbereich in der EU. Vgl. o.V., UCITS

[31] Vgl. Kommer (2015), Souverän investieren, S.218

[32] Vgl. Lamprecht, Bewertung, S.26

[33] Vgl. Harrer, ökonomische Analyse, S. 40

[34] Vgl. Lang, Analyse der Struktur, S. 101

[35] Vgl. Etterer, Schmitt, Wambach, Investmentrevolution, S.117

[36] Vgl. Borse, Vogt, Wojcik, ETF- Handbuch, S. 6

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Passives Investmentprodukt "Exchange Traded Fund"
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
49
Katalognummer
V437656
ISBN (eBook)
9783668783560
ISBN (Buch)
9783668783577
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exchange Traded Fund, Creation/Redemption-Prozess, Investmentsteuerreformgesetz, Replikationsmethoden, Exchange Traded Commodities, Exchange Traded Notes, Kapitalanlagegesellschaft, Total Costs of Ownership, Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities, Total Expense Ration, Total Return Net, unfunded/ funded Swap, Primär-/Sekundärmarkt, Investmentkosten, Anlageuniversum, börsengehandelt
Arbeit zitieren
Marc Soiné (Autor:in), 2017, Passives Investmentprodukt "Exchange Traded Fund", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437656

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