Gefährlicher Rauch. Konsum und Abhängigkeit von Tabak und Cannabis im Kontext der Pflegeberufe


Ausarbeitung, 2018

28 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Vom Wesen der Sucht
1.1 Sucht und Abhängigkeit
1.2 Zum Begriff der Abhängigkeit
1.3 Alle Lust will Ewigkeit
1.4 Suchtpotential von Tabak und Cannabis

2 Tabakkonsum
2.1 Verbreitung des Tabakkonsums
2.2 Gesundheitliche Bedeutung und Gesundheitskosten des Tabakkonsums
2.3 Elektronische Zigaretten
2.4 Shisha-Rauchen
2.5 Tabakkonsum in Pflegeberufen
2.6 Gesundheitsgewinn durch Konsumverzicht
2.7 Gewichtszunahme und Gewichtsregulation
2.8 Rauchentwöhnung

3 Cannabiskonsum
3.1 Verbreitung von Cannabis
3.2 Cannabiskonsum bei Pflegepersonen
3.3 Suchtpotential in Cannabis
3.4 Inhaltsstoffe der Hanfpflanze
3.5 Verwendung in der Medizin
3.6 Über die Cannabissucht
3.7 Die Gefahren durch Cannabiskonsum

4 Tabak- und Cannabiskonsum in Pflegeberufe

Schlussbetrachtung

Literatur

Einleitung

Rauchen gilt in den Industrienationen als das bedeutendste gesundheitliche Einzelrisiko und als die führende Ursache für vorzeitige Sterblichkeit. Präventionsprogramme haben zu einem Rückgang des Tabakkonsums insbesondere bei Heranwachsenden geführt. Der Griff zur Zigarette hat für Heranwachsende den Status des Initiationsritus in die Erwachsenenwelt verloren. Das seit 2008 geltende Nichtraucher-Schutzgesetz hat die Möglichkeiten des Rauchens eingeschränkt und damit zu einem Konsumrückgang geführt. Für Nichtraucher hat sich durch die gesetzliche Regelung die Belastung durch Passivrauchen verringert. Jedoch wird über Präventionsprogramme und Nichtraucherschutz nur ein Teil der Bevölkerung erreicht.

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge weltweit und auch in Deutschland. Die Offenheit Cannabis gegenüber und die Akzeptanz des Konsums steigen trotz Aufklärung über mögliche gesundheitliche Risiken für die Konsumenten stetig. Die Diskussion um Legalisierung oder der Bereitstellung als Medikament wird überwiegend emotional geführt und selten sachlich abgewägt. Dabei liegt im regelmäßigen Cannabiskonsum ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko und ist der Einsatz von Cannabis als Medikament deutlich limitiert.

Ziel dieser Arbeit ist es, den Konsum von Tabak und Cannabis, deren Abhängigkeitspotential und die möglichen gesundheitlichen Risiken aufzuzeigen. Dabei wird ein besonderer Fokus auf den Konsum beider Stoffe in den Berufsgruppen der Pflegeberufe (Kranken- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege) gelegt. Als Berufsangehörige gelten alle beruflich pflegenden Personen unabhängig ihrer formalen Qualifikation. Diese Personen werden im Verlauf dieser Arbeit als Pflegepersonen bezeichnet.

Nach einer Einführung über das Wesen von Sucht und Abhängigkeitserkrankung werden die Produkte Tabak und Cannabis betrachtet. Die Betrachtung wird für beide Stoffe getrennt vorgenommen. Im ersten Teil wird der Tabakkonsum behandelt, im zweiten der Cannabiskonsum. In beiden Abschnitten werden zunächst Anhaltszahlen zum Konsum und den Konsumformen vorgestellt. Dabei wird soweit möglich auch der Konsum durch Pflegepersonen angegeben. Im weiteren Verlauf werden die gesundheitliche Bedeutung unterschiedlicher Tabak- und Cannabisprodukte und deren Bedeutung als Abhängigkeitserkrankung beschrieben. Hierbei finden sich für den Tabakkonsum deutlich mehr Daten als für den reinen Cannabiskonsum. Dabei soll jedoch mitbedacht werden, dass die Beschreibungen der gesundheitlichen Risiken zum Tabakkonsum in der Regel zu den Risiken des Cannabiskonsums hinzukommen. Werden doch die meisten Cannabisprodukte mit Tabak vermischt geraucht.

Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse im Kontext der Pflegeberufe bzw. die Bedeutung von Tabak- und Cannabiskonsum und möglicher Abhängigkeit von diesen Substanzen in den Pflegeberufen diskutiert.

Der gesamte Text ist so aufbereitet, dass die einzelnen Kapitel in sich geschlossen sind und unabhängig voneinander gelesen werden können. Wegen der besseren Lesbarkeit wird immer nur ein Geschlecht gewählt, wobei jedoch alle möglichen Geschlechter gemeint sind. Für die Pflegeberufe überwiegt real das weibliche Geschlecht.

1 Vom Wesen der Sucht

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Suchtbegriff überwiegend negativ besetzt und mit illegalen (gesetzlich verbotenen) Drogen verbunden. Umgangssprachlich werden illegale Drogen oft auch als Rauschgifte bezeichnet, wodurch dem Konsum eine gewisse Dramatik verliehen wird. Durch diese Sprachregelung wird der Tabak jedoch selten als Suchtmittel und die Tabakkonsumenten direkt als süchtig bezeichnet. Das Konsumverhalten wird eher als Willensschwäche gesehen, während der Cannabiskonsument als Rauschgiftkonsument gesehen und unabhängig vom tatsächlichen Konsum häufiger als süchtig bezeichnet wird und von einer Cannabis-Abhängigkeit ausgegangen wird. Dabei wird allzu oft die konsumierende Person im Kontext der Vorstellung von Sucht stigmatisiert und abgewertet. Zudem führt die Unterteilung in legale und illegale Drogen schnell zu einer Wertung mit Verurteilung in Richtig und Falsch und zu der irrtümlichen Annahme, der Konsum legaler Drogen wäre weniger gesundheitsgefährdend als der Konsum illegaler Drogen. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die Einteilung in erster Linie historisch bedingt ist. Nach heutigem Erkenntnisstand würden demnach die legalen Drogen Tabak und Alkohol wohl kaum noch legalisiert. Zumindest wäre eine Legalisierung dieser Drogen in Abgrenzung zu den meisten illegalen Drogen durch keine bisherige Begründung zu rechtfertigen (Huhn 2018).

Den Konsumenten selbst dient die Unterscheidung zwischen legal und illegal darüber hinaus zur Abmilderung der eigenen Situation und als Abgrenzung zu anderen Abhängigen. Die Konsumenten legaler Drogen sehen sich in der besseren Position und innerhalb der Gemeinschaft der Abhängigkeitskranken gar als die besseren Menschen. Häufig wird in Diskussionen sogar nonchalant mit dem Argument der hohen Steuern auf diese Produkte das verbriefte Recht auf Behandlung oder sogar bevorzugte Behandlung abgeleitet (ebenda).

Aus Sicht der Suchtberatung findet jedoch keine Unterscheidung bzw. Wertung nach Suchtstoffen statt. Die Suchtstoffe selbst haben lediglich insofern Bedeutung, als sich davon spezifische Gesundheitsgefahren, Entzugsrisiken und Behandlungsmaßnahmen ableiten lassen. Den abhängigen Konsumenten wird unabhängig vom juristischen Status der Droge eine Behandlung zugestanden. Gesellschaftlich kommt der Unterscheidung zwischen legal und illegal in der politischen und juristischen Auseinandersetzung eine Bedeutung zu, die teilweise Gegenstand von Präventionsüberlegungen ist, jedoch in der Therapie nicht thematisiert wird (ebenda).

1.1 Sucht und Abhängigkeit

Die Begriffe „Sucht“ und „Abhängigkeit“ beschreiben das nahezu unstillbare Verlangen nach dem Suchtmittel, hier Tabak oder Cannabis, oder besser nach dem Erlebniszustand, der durch den Konsum hervorgerufen wird. Die Wahrnehmung des Verlangens ist abhängig von der Wirkung des Suchtmittels und dessen Verfügbarkeit bzw. von den Auswirkungen beim Fehlen des Suchtmittels (Huhn 2018). Da Tabak als legale Droge in Deutschland immer verfügbar und finanzierbar ist, wird das ganze Ausmaß eines möglichen Suchtempfindens selten verspürt oder eher mild erlebt. Auch Cannabis ist fast immer problemlos verfügbar und je nach Angebot auch kostengünstig zu erwerben. Die Teillegalisierung hat zudem zu einer breiten Öffnung des Vertriebs geführt, sodass der Erwerb kaum noch als kriminelle Handlung wahrgenommen wird oder versteckt in einer außergesellschaftlichen Halbwelt stattfindet. Die Beschaffung stellt demnach kein Problem mehr dar. Das Ausmaß des Verlangens wird daher auch bei Cannabis abgemildert oder häufig lediglich als Vorfreude auf den Konsum erlebt (Huhn 2018b).

Dennoch handelt es sich bei der Abhängigkeit von Tabak und Cannabis um eine psychische Störung, die durch ein scheinbar unbezwingbares Verlangen nach dem Suchtmittel und einem zumindest zeitweisen Verlust der Selbstkontrolle über bestimmte Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Der Zwang zum Konsum führt ab einem bestimmten Grad der Abhängigkeit zu einer massiven Beeinträchtigung der physischen, psychischen und sozialen Funktionen und oft zu finanziellen Problemen. In aller Regel werden andere Personen durch das Konsumverhalten in Mitleidenschaft gezogen (ebenda; Schneider 2017; Arbeitskreis OPD 2017).

1.2 Zum Begriff der Abhängigkeit

In der medizinischen Fachsprache wird nach ICD -10 von „schädlichem Gebrauch“ oder einer „Abhängigkeitserkrankung“ gesprochen, wodurch die Störung besser als über den Suchtbegriff beschrieben wird. Der medizinischen Diagnose werden in der Beratung noch die Begriffe „moderater“ und „kritischer“ Konsum vorgeschaltet. Dabei geht ein moderater Konsum mit keinem Gesundheitsrisiko einher, während der kritische Konsum grenzwertig verortet ist und zumindest zu einer gewissen Vorsicht raten lässt. Für den Tabakkonsum wird eher auch bei mäßigem Konsum von einem kritischen Konsum ausgegangen, weil für jede Zigarette negative Auswirkungen auf die Atemorgane angenommen werden. Bei Cannabiskonsum wird für Konsumenten ab dem 26. Lebensjahre auch die Möglichkeit eines moderaten Konsums angenommen. Jedoch muss bei diesen Einschätzungen immer auch mitbetrachtet werden, dass der Diskurs bei Drogen, insbesondere Tabak- und Cannabiskonsum, selten ideologiefrei geführt wird. In der heutigen Problembetrachtung und Suchtberatung wird von einem „schädlichen Gebrauch“ ausgegangen, wenn das Konsumverhalten oder die Konsummenge dazu führen, dass es zu körperlichen, psychischen, finanziellen oder auch rechtlichen Schäden kommt. Demnach gilt der Erwerb von Tabakprodukten bei gleichzeitigem Verzicht auf Lebensmittel als ein schädlicher Gebrauch, ebenso wie der Führerscheinentzug durch Cannabiskonsum am Steuer.

Mitunter ist die Unterscheidung zwischen moderatem, kritischem und schädlichem Gebrauch schwierig. Für eine Abhängigkeitserkrankung sind deshalb Kriterien definiert, die sich auch für die Einordnung des Tabak- oder Cannabiskonsums heranziehen lassen. Demnach ist abhängig erkrankt, wer innerhalb der letzten zwölf Monate drei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt (Wendt 2017):

1. ein starkes, oft nicht überwindbares Konsum-Verlangen hat (Suchtdruck o. Craving)
2. einen Kontrollverlust, was den Beginn, die Menge und die Beendigung des Konsums betrifft
3. eine Toleranzentwicklung mit immer größerer Menge zur Wirkentfaltung
4. körperliche und psychische Entzugssymptome zeigt
5. dessen Verlangen nach Suchtmittel zum Lebensinhalt wird, andere Aktivitäten und Interessen werden vernachlässigt
6. der einen fortdauernder Gebrauch des Suchtmittels wider besseren Wissens oder vorhandener Schäden unterhält.

1.3 Alle Lust will Ewigkeit

Bei Suchtstoffen wie Tabak und Cannabis handelt es sich um Substanzen, die unmittelbar verändernd auf die Funktion des zentralen Nervensystems wirken. In der Beratung wird von psychotropen Substanzen gesprochen, um die negativ besetzten Begriffe wie „Rauschmittel“ oder „Rauschgift“ zu ersetzen. Die Einwirkung der Substanzen kann anregend, dämpfend oder sonstige seelische Vorgänge beeinflussend sein. Das augenscheinlichste ist zunächst die angstlösende Wirkung. Unter der Substanzeinwirkung werden Ängste überwunden und Aktivitäten möglich, die zuvor unüberwindbar schienen. Damit hat die Substanz im Erleben der Person eine positive Funktion. Hinzu kommt, dass bestimmten Substanzen ein spezielles Image zugeschrieben wird oder als Initiationsritus für den Eintritt in die Welt der Erwachsenen oder spezifischer Gruppen gelten. Scham wird überwunden, und sobald sie später auftritt, wird das beschämende Verhalten über den Substanzeinfluss definiert und entschuldigt. So erklärt sich die Entstehung einer Abhängigkeit: Ein Großteil unseres Verhaltens wird durch das Belohnungssystem im Gehirn gesteuert. Dieses komplexe System setzt sich aus mehreren Hirnstrukturen zusammen. Es wird immer dann aktiviert, wenn wir mit Freude und Lust agieren, etwa beim Herumalbern, bei befriedigendem Sex oder bei einem Erfolgserlebnis. Tabak, Cannabis und andere Rauschmittel stimulieren dieses Belohnungssystem, wodurch sich Wärme, Wohlempfinden, Mut, Enthemmung und Rausch einstellen. Diese Empfindung, die als Lust bezeichnet werden kann, will bestehen bleiben. Über Suchtmittel lässt sich dieser Zustand für lange Zeit erreichen. Das Verlangen nach diesem Zustand wird stärker, und die Möglichkeiten des Verstandes werden ihm untergeordnet. Vernunftgesteuertes Handeln verliert sich mit der Zeit völlig. Die positiven Empfindungen erfordern immer größere Mengen des Suchtmittels. Bis keine wirkliche Befriedigung mehr eintritt und die Person ihre persönliche Freiheit verliert (Huhn 2018a; Schneider 2017; Wendt 2017).

1.4 Suchtpotential von Tabak und Cannabis

Das Suchtpotential für Tabak wird als hoch eingestuft, während für Cannabis ein mittleres Suchtpotential beschrieben wird. Das Suchtpotential errechnet sich daraus, wie viele der Erstkonsumenten nach einem definierten Zeitraum die Substanz weiterhin konsumieren. Eine andere Erhebung des Suchtpotentials fragt nach mehreren Faktoren im Zusammenhang mit dem Suchtmittel:

- Entzugserscheinungen,
- Konsum-Kontrollverlust,
- Toleranzentwicklung,
- hoher Wiederholungseffekt,
- Abhängigkeitssymptome
- und Rauscheffekt.

Danach findet sich Tabak mit seinem Suchtpotential nach Heroin, Kokain und Alkohol an vierter Stelle und vor abhängigkeitserzeugenden Medikamenten, Ecstasy und Cannabis. Cannabis steht demnach mit seinem Suchtpotential an siebter Stelle. (Schneider 2017).

Ein für die Alkoholabhängigkeit entwickelter einfacher Selbsttest (CAGE) kann als erste Annäherung auch für den Tabak- und Cannabiskonsum eingesetzt werden, um ein mögliches schädigendes oder abhängiges Verhalten zu erkennen. Wenn eine Frage mit JA beantwortet wird, besteht ein problematisches Verhalten, und es sollte eine Beratung eingeholt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Knoll 2009/ modifiziert Huhn 2018

2 Tabakkonsum

2.1 Verbreitung des Tabakkonsums

Der Konsum von Fertigzigaretten ist in Deutschland im Jahr 2017 mit etwa 75,8 Mrd. Stück leicht gestiegen. Der Verbrauch von Feinschnitt ist jedoch leicht gesunken und entsprach etwa der Menge von 36,4 Mrd. selbstgedrehter Zigaretten. Der Zigarrenverbrauch ist mit 2,8 Mrd. noch deutlicher zurückgegangen, während der Verbrauch von Wasserpfeifentabak um 28,7 Prozent auf 3.245 Tonnen angestiegen ist. Die Konsumausgaben für Tabakprodukte liegen im selben Jahr bei etwa 25,9 Mrd. Euro. Davon entfallen auf die Tabaksteuer 14,4 Mrd. Euro (DHS 2018, Drogenbeauftragte 2018). Die angegebenen Mengen ergeben sich aus den Angaben der offiziellen Tabakhersteller und Vertriebsstellen. Zigaretten gelten jedoch inzwischen als eines der meistgeschmuggelten Konsumgüter der Welt. Deshalb liegt der tatsächliche Konsum bei Zigaretten um über 10 Mrd. Stück höher, wonach aktuell jede achte gerauchte Zigarette aus illegalem Handel stammt (dkfz 2017).

Der Anteil der Raucherinnen und Raucher in der deutschen Bevölkerung ist weiterhin rückläufig. Die aktuellen Angaben besagen, dass etwa 27 Prozent der 18-jährigen und älteren Männer und 21 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe rauchen. Der höchste Rückgang wird bei den über 60-jährigen verzeichnet, jedoch wird bei Jugendlichen ein Trend zum Nichtrauchen deutlich. Aktuell wird die Prävalenz für die Altersgruppe 12- bis 17-jähriger bei Jungen mit ca. 10 Prozent und bei Mädchen mit 5 Prozent angegeben. Auch das Ausmaß des Passivrauchens ist zurück gegangen, wenngleich immer noch ca. 15 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen der direkten Passivrauchbelastung ausgesetzt sind (DHS 2018; Zeiher 2017; dkfz 2015).

Am stärksten verbreitet sind das aktive wie auch das passive Tabakrauchen in sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen bzw. in Gruppen mit geringem sozialem Status. Der soziale Status wird über die Angaben zum Bildungsniveau, zur beruflichen Stellung und zum Einkommen ermittelt. Lediglich in der Altersgruppe über 65 Jahre sind keine auffälligen sozialen Unterschiede im Rauchverhalten festzustellen. Auch die Passivrauchexposition ist besonders auffällig für Heranwachsende aus Familien mit geringem sozialem Status. Demnach lebt mehr als die Hälfte der Kinder aus entsprechenden Familien mit mindestens einem rauchenden Elternteil, und es wird in der Wohnung deutlich häufiger in Gegenwart der Kinder geraucht, als in Familien mit höherem sozialen Status (ebenda; Drogenbeauftragte 2017).

2.2 Gesundheitliche Bedeutung und Gesundheitskosten des Tabakkonsums

Wird Nikotin über den Tabakrauch eingeatmet, gelangt es innerhalb von Sekunden ins Gehirn, wo es sowohl anregende als auch beruhigende Effekte hat. Nikotin ist der dominante Wirkstoff im Tabak. Tabakrauch enthält jedoch weitere ca. 4.800 Substanzen, von denen über 90 als krebserregend oder erbgutverändernd identifiziert sind. Nahezu alle Organe, Organsysteme und Stoffwechselvorgänge werden durch das Aktiv- wie auch das Passivrauchen beeinträchtigt. Etwa 80 Prozent aller Lungenkrebserkrankung sind auf Rauchen zurückzuführen. Rauchen während der Schwangerschaft kann zu schweren Komplikationen führen und das Ungeborene langfristig schädigen. Kinder von Raucherinnen leiden häufiger an Fehlentwicklungen wie geringerer Lungenfunktion oder an Fehlbildungen wie der Gaumenspalte (Rictus lupinus). An den Folgen des Rauchens sterben in Deutschland ca. 121.000 Menschen jährlich. Schätzungen zufolge belaufen sich die direkten jährlichen Gesundheitskosten auf etwa 25 – 30 Mrd. Euro. Die indirekten Kosten (Erwerbsunfähigkeit, Frühberentung usw.) werden mit etwa 54 Mrd. Euro angegeben, womit die wirtschaftlichen Gesamtkosten etwa 80 – 85 Mrd. Euro jährlich betragen (ebenda). Der Tabakkonsum verursacht demnach mehr Krankheiten und Folgekosten als Alkoholismus und Abhängigkeit von illegalen Drogen zusammen. Raucher schädigen nicht nur sich selbst, sondern auch andere Personen, die die Schadstoffe einatmen. Kinder sind besonders gefährdet (Schneider 2015).

2.3 Elektronische Zigaretten

Elektronische Zigaretten (E-Zigaretten-Liquids) vernebeln eine Flüssigkeit (Liquid) und das entstehende Aerosol wird ähnlich wie beim Rauchen inhaliert. Die Hauptbestandteile sind Propylenglykol, Glyzerin, Aromen und überwiegend auch Nikotin.

Vor allem Raucher probieren E-Zigaretten aus. Sie sehen darin eine weniger schädliche Alternative zu üblichen Tabakzigaretten und verbinden zum Teil die Hoffnung, den Rauchstopp besser zu bewältigen. Fundierte Aussagen über E-Zigaretten als Hilfsmittel zum Rauchstopp sind nicht möglich. Auch bisherige Nichtraucher probieren die E-Zigaretten, und es wird vermutet, dass über E-Zigaretten ein Raucheinstieg befördert wird, was sich jedoch nicht eindeutig belegen lässt (DHS 2018; akzept et al 2018). Wenngleich der Schadstoffgehalt in E-Zigaretten geringer ist als in Tabakzigaretten, stellen sie dennoch keine harmlosen Produkte dar. Das Aerosol enthält gesundheitsschädliche und krebserzeugende Substanzen, die auch in die Umwelt abgegeben werden und Nichtkonsumenten schädigen können (DHS 2018; DNRfK 2018; dkfz 2016). Nach dem Jugendschutzgesetz dürfen seit der Neufassung zum 1. April 2016 auch E-Zigaretten oder Sishas genau wie Tabakzigaretten nicht in öffentlichen Räumen konsumiert werden, in denen Personen unter 18 Jahren Zugang haben. Für alle öffentlichen Gebäude in Deutschland (Verwaltung, Schulen, Krankenhäuser, Bahnhöfe und Bahnsteigen usw.) gelten E-Zigaretten gegenüber dieselben Bedingungen des Nichtraucher-Schutzes wie für Tabakzigaretten (Drogenbeauftrage 2017). Derzeit wird das Nichtraucher-Schutzgesetz überarbeitet und es ist davon auszugehen, dass es grundsätzlich auf E-Zigaretten ausgedehnt wird.

2.4 Shisha-Rauchen

Das Shisha-Rauchen hat sich in Deutschland seit Beginn der 2000er-Jahre in der Jugendkultur etabliert. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rauchen etwa 14 Prozent der Jugendlichen in Deutschland mindestens einmal monatlich eine Shisha (BZgA 2017). Im Vergleich zum normalen Zigarettenkonsum wird das Shisha-Rauchen als gemeinsames Ritual zelebriert und somit als Teil der Zugehörigkeit und des gemeinsamen Abhängens (Chillen) in den jugendlichen Kommunikationsprozess eingebunden.

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Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Gefährlicher Rauch. Konsum und Abhängigkeit von Tabak und Cannabis im Kontext der Pflegeberufe
Autor
Jahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V437669
ISBN (eBook)
9783668782204
ISBN (Buch)
9783668782211
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gefährlicher, rauch, konsum, abhängigkeit, tabak, cannabis, kontext, pflegeberufe
Arbeit zitieren
Siegfried Huhn (Autor), 2018, Gefährlicher Rauch. Konsum und Abhängigkeit von Tabak und Cannabis im Kontext der Pflegeberufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437669

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