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Zur Konzeption des Ich bei Jacques Lacan

Title: Zur Konzeption des Ich bei Jacques Lacan

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Klaus Itta (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Als wesentlich für die Lacansche Theorie der Ich-Bildung gilt seine Bestimmung der conditio humana, die er als Erfahrung des Mangels und somit als Seinsverfehlung beschreibt. Hieraus bedingt sich ein Begehr nach Ganzheit und Identität, das sich im Spiegelstadium in eine Einheit hineintäuscht, die das Subjekt nie hatte. In der Dialektik des Spiegelns spaltet sich das "Ich" in ein Gegenüber auf und wird sich so selbst zum Objekt, das paradoxerweise Einheit verspricht und von dem es begehrt begehrt zu werden, um so in jene Einheit zurückzukehren aus der es sich als herausgefallen erlebt. Diese narzisstische Identifizierung mit dem wahrgenommenen Bild eines anderen bildet die Matrix für die Konstitution des "Ich". Somit ist das "Ich", das Einheit verspricht, ein anderes (ein imaginäres "Ich", ein Phantsma), das entsteht in der Verkennung im Imaginären. Das "Ich" verfestigt sich konstitutiv in dieser Illusion und besteht allein in der kontinuierlichen Bezugnahme auf diese Täuschung.
Die strukturalistische Tätigkeit Lacans dezentriet das Subjekt, demaskiert das "Ich" als Illusion, entlarvt das Selbstbewusstsein als imaginäre Struktur... Das methodische Vorgehen, das Lacan hierzu anwendet, gestattet es dem Leser indes nicht auf zusammenhängende Argumentations- und Gedankengänge zu stossen, um auf diesem Wege zu einem Erkennen zu finden, sondern mutet ein Wirrwarr von Gedanken zu, die umherkreisen, abreissen und wieder auftauchen, Klärung versprechen, wieder vernebeln und in Frustration zurücklassen...
Lacan vollzieht in seinem Schreib- und Sprachstil die Auflösung von imaginärer Ganzheit und Einheit, die Auflösung von Ego- und Logozentrismus, indem er das Subjekt aus seiner selbstgenügsamen Haltung herauszustossen sucht, welche der Täuschung unterliegt ein an sich bestehender Kern einer Persönlichkeit oder autonomer Gestalter seines Verhältnisses zur Welt zu sein.
Dies ist nun in der Tat eine der westlichen Denktradition verpflichtete sehr befremdliche und wohl auch nicht ganz willkommene Auffassung, aber ebendies fasziniert und gruselt zugleich und es drängt sich förmlich auf, von hier aus an die indische Philosophie anzuknüpfen, was in einigen Fussnoten und Randbemerkungen zur vorliegenden Auseinandersetzung auch geschehen soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. Im Anfang war der Mangel (und das Begehr)

2. Das Spiegelstadium – Die Entstehung des imaginären Ich

2.1 Zusammenfassung

3. Das Unbewusste und die Sprache

3.1 Ödipuskomplex und Sprache

3.2 Das Unbewusste ist strukturiert wie eine Sprache

3.3 Vom Auge zum Ohr

SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Lacansche Konzeption des Ichs, indem sie das Subjekt als von einem fundamentalen Mangel geprägt dezentriert und das Ich als imaginäre, täuschende Struktur entlarvt, während gleichzeitig Parallelen zur indischen Philosophie gezogen werden.

  • Die Lacansche Theorie der Ich-Bildung und die Rolle des Spiegelstadiums
  • Die Struktur des Unbewussten als sprachlich verfasst
  • Der Einfluss des Ödipuskomplexes auf die symbolische Ordnung
  • Die notwendige Befreiung von der imaginären Selbsttäuschung
  • Vergleich zwischen Lacans Psychoanalyse und östlichen Denktraditionen

Auszug aus dem Buch

1. Im Anfang war der Mangel (und das Begehr)

Wir werden unfertig geboren, sind konstitutionelle Frühgeburten, unfähig uns fortzubewegen, uns zu ernähren und v. a. unfähig zwischen uns selbst und unserer Umwelt zu unterscheiden. Wir haben in der ersten Zeit unseres nachgeburtlichen Lebens dasselbe Verhältnis zum eigenen Finger wie zum Busen der Mutter. Alles gehört einfach so in unsere symbiotische Welt hinein. Bis wir glauben lernen, dass die Quellen unserer Bedürfnisbefriedigung außerhalb sind, vergeht einige Zeit.

Aus diesem Urzustand des Mangels heraus entsteht ein Begehr nach Ganzheit und Identität, die das kleine Mängelwesen nie hatte. Im Spiegel nun vermeint das Menschenkind (s)eine (zumindest körperliche) Ganzheit zu finden. Diese jedoch ist eine Illusion, denn das Selbst- und Welterlebnis ist kein einheitliches und entspricht nicht der im Spiegel gesehenen „orthopädischen Ganzheit“. Aber dennoch identifiziert sich das Kind mit dem Gegenüber im Spiegel (als realer Spiegel oder als Selbst-Objekt) und täuscht sich somit über seinen wahren Zustand hinweg. Im aus-langen nach der Ur-Erinnerung des symbiotischen Einheitserlebnisses – aus dem es sich als herausgefallen erlebt – nimmt das Kind sich selbst im Einheit verheißenden Bild des Spiegels als eine Ganzheit wahr, die es de facto niemals hatte. Dieses Geschehnis ereignet sich jedoch, so Lacan, um den Preis der Aneignung eines falschen Ich (moi), worauf wir später noch ausführlicher zu sprechen kommen werden (Kapitel II, imaginäres Ich).

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Es wird die dezentrierende Wirkung der Lacanschen Strukturalismus-Analyse dargestellt, die das Ich als Illusion entlarvt und methodisch die Verflechtung mit östlicher Philosophie ankündigt.

1. Im Anfang war der Mangel (und das Begehr): Das Kapitel behandelt den menschlichen Urzustand des Mangels, aus dem ein imaginäres Begehren nach Ganzheit erwächst, das zur falschen Ich-Identifikation führt.

2. Das Spiegelstadium – Die Entstehung des imaginären Ich: Hier wird analysiert, wie das Kind durch die Identifikation mit dem Spiegelbild eine autarke, aber täuschende Ich-Einheit konstruiert, um sein tatsächliches Zerstückeltsein zu überspielen.

2.1 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die narzisstische Matrix des Spiegelstadiums zusammen, in der sich das Ich (je) niederschlägt, bevor es durch Sprache symbolisch objektiviert wird.

3. Das Unbewusste und die Sprache: Es wird der Weg aufgezeigt, wie der Mensch aus der imaginären Gefangenschaft durch die Struktur der Sprache herausfinden kann.

3.1 Ödipuskomplex und Sprache: Lacans Deutung des Ödipuskomplexes wird als kulturstiftende, symbolische Ordnung dargestellt, die das Subjekt aus der symbiotischen Dualbeziehung befreit.

3.2 Das Unbewusste ist strukturiert wie eine Sprache: Dieses Kapitel erläutert mithilfe der strukturellen Linguistik, warum das Unbewusste wie ein System von Signifikanten und Differenzen funktioniert.

3.3 Vom Auge zum Ohr: Es wird dargelegt, dass Befreiung nicht durch visuelle Fixierung, sondern durch ein psychoanalytisches Hören gelingt, das jenseits des bewusst Gesprochenen das wahre Subjekt vernimmt.

SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Die Ergebnisse zur Ich-Bildung, zur Sprache und zum Begehren werden zusammengefasst und nochmals in den Kontext der indischen Philosophie zur Überwindung der Ich-Illusion gesetzt.

Schlüsselwörter

Jacques Lacan, Spiegelstadium, Imaginäres Ich, Unbewusstes, Struktur der Sprache, Begehren, Mangel, Ödipuskomplex, Signifikant, Narzissmus, Psychoanalyse, Subjekt, Symbolische Ordnung, Conditio humana, Selbsttäuschung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?

Die Arbeit untersucht die philosophische und psychoanalytische Konzeption des Ichs nach Jacques Lacan, insbesondere dessen Entstehung und die Bedingtheit des menschlichen Subjekts durch Mangel und Sprache.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind das Spiegelstadium, die imaginäre Ich-Bildung, die sprachliche Struktur des Unbewussten sowie die Bedeutung des Ödipuskomplexes für die symbolische Ordnung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Lacansche Theorie verständlich darzulegen und dabei aufzuzeigen, wie das Ich als Illusion entlarvt werden kann und welche Rolle die Sprache für das wahre Subjekt spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine strukturanalytische und komparative Methode, indem sie Lacans psychoanalytische Ansätze mit linguistischen Konzepten und philosophischen Reflexionen, insbesondere unter Einbezug östlicher Denktraditionen, verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung des imaginären Ich im Spiegelstadium, der Strukturierung des Unbewussten durch die Sprache und der Verschiebung des analytischen Fokus vom Sehen zum Hören.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem das Spiegelstadium, das Imaginäre, das Begehren, der Signifikant, das wahre Subjekt (je) und das narzisstische Ich (moi).

Wie steht Lacan laut der Arbeit zum Begriff des „wahren Subjekts“?

Das „wahre Subjekt“ (je) wird bei Lacan als „Kraftfeld“ im Netz der Signifikanten verstanden, das eine fließende Kontinuität besitzt, aber keine feste, an sich bestehende Identität.

Warum ist das Schweigen in der Lacanschen Analyse so wichtig?

Das Schweigen ist eine Bedingung für das „volle Sprechen“, da es dem Analytiker erlaubt, die narzisstische Sicherheit des Ichs zu durchbrechen und hinter dem frustrierenden „Echo des eigenen Nichts“ eine andere Rede des Unbewussten vernehmbar zu machen.

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Details

Title
Zur Konzeption des Ich bei Jacques Lacan
College
University of Freiburg  (Philosophische Fakultät)
Course
Jacques Lacan - Ausgewählte Texte
Grade
1,3
Author
Klaus Itta (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V43767
ISBN (eBook)
9783638414968
ISBN (Book)
9783638657259
Language
German
Tags
Konzeption Jacques Lacan Jacques Lacan Ausgewählte Texte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Klaus Itta (Author), 2005, Zur Konzeption des Ich bei Jacques Lacan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43767
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