Direktvermarktung von Rohmilch durch einen Milchautomaten. Ein Investitionsprojekt

Leitung und Entscheidungsprozesse


Projektarbeit, 2017

26 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Zielsetzung

3. Milchpreisentwicklung

4. Agrarmarktstrukturgesetz

5. Rechtliche Anforderungen für die Inbetriebnahme

6.1 Investitionsplanung Milchautomat - Risto Vending GmbH
6.2 Deckungsbeitragsrechnung - zur Ermittlung der Mindestverkaufsmenge
6.3 Deckungsbeitragsrechnung - ausgehend von 100 Liter Milchverkauf am Tag
6.4 Kapitalwertmethode

7. Unternehmensstrategie – Produkt/ Markt-Matrix

8.1 Marketingmaßnahmen – Geografische Situationsbeurteilung
8.2 Marketingmaßnahmen – Bekanntheitsgrad und Image des Unternehmens
8.3 Marketingmaßnahmen – Allgemeine Vorüberlegung
8.4 Marketingmaßnahmen – Marketingkonzept Milchcenter „Dorfheimat“ Prausitz eG

9. Fazit – ist die Investition für das Unternehmen rentabel?

Anhangverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Erzeugerpreisentwicklung Kuhmilch

Abbildung 2: Milchanlieferung 2015 bis 2017

Abbildung 3: Erzeugerpreisentwicklung Kuhmilch 1996 bis 2017

Abbildung 4: Produkt/ Markt-Matrix

Abbildung 5: Milchtankstellen im Umkreis von Prausitz (100Km)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Investitionskosten Milchtankstelle

Tabelle 2: Deckungsbeitragsrechnung Milchtankstelle – Kostendeckend

Tabelle 3: Deckungsbeitragsrechnung Milchtankstelle – 100 Liter Milch pro Tag

Tabelle 4: Kapitalwertmethode Milchtankstelle – 100 Liter Milch pro Tag

1. Einleitung

„Die europäische Milchproduktion erklimmt wieder alte Höhen und produziert damit Mengen, die von den Molkereien zum Teil 'verpulvert' werden müssen. Polen hat jüngst wieder damit begonnen, Magermilchpulver in die Intervention einzulagern, einen Ort, an dem bereits ein gigantischer 375.000 t Magermilchpulverberg (= ca. 150 Prozent der US-amerikanischen Jahresproduktion!) liegt.

Es wird also wieder für Märkte produziert, die es nicht gibt. Der Markt quittiert das mit ähnlich niedrigen Magermilchpulverpreisen, wie im historischen Tiefstand des Frühjahres 2016. Damit haben wir zumindest ganz sicher eine Magermilchpulverkrise, die es den Molkereien unmöglich macht, dringend benötigte gewinnbringende Milchpreise an die Milchbauern auszuschütten.“[1]

Des Weiteren hat das im Juli 2014 verhängte Russland-Embargo einen großen Einfluss auf den Exportrückgang und somit auf die derzeitigen Produktionsüberschüsse, sowie den damit verbundenen Erzeugerpreis. Nach den Sanktionen der Europäischen Union Aufgrund der unrechtmäßigen Annektion der Halbinsel Krim durch Russland leitete die Russische Föderation Gegenmaßnahmen ein. Diese Maßnahmen bestehen aus einem Einfuhrverbot für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Rohstoffe und Lebensmittel, welche aus Ländern der Europäischen Union, USA, Kanada, Australien und Norwegen stammen. Die Sanktionen der Russischen Föderation wurden bis zum 31.12.2017 verlängert.[2] Somit wird die derzeitige Überproduktion von Rohmilch den Erzeugerpreis weiterhin drücken.

Da die landwirtschaftlichen Unternehmen keinen großen Einfluss auf die Erzeugerpreise für Ihre Produkte haben, sind die Betriebe stets bemüht, Ihre Produktionskosten zu senken. Dabei werden u.a. große Summen in moderne Stallanlagen, Technik und Qualitätsmanagement zur Prozessoptimierung investiert. Die Unternehmen haben es jedoch nicht leicht bei Ihren Investitionsplanungen, wenn die tatsächlichen Erlöse deutlich unter den vorher kalkulierten Erlösen liegen.

Eine weitere Möglichkeit, die landwirtschaftlichen Unternehmen zur Risikominimierung nutzen, ist der Abschluss von Kontrakten. Durch die Kontrakte sichern sie sich einen Preis für eine vorher ausgehandelte Produktmenge. Dabei kann der Marktwert zum Verkaufstermin über, aber auch unter dem vorher ausgehandelten Preis beim Kontraktabschluss liegen. Der Landwirt bekommt den Preis für die Ware, der beim Kontraktabschluss vereinbart wurde. Beim Milchpreis werden jedoch keine Kontrakte im Vorfeld geschlossen. Die Molkerei zahlt i.d.R. jedem Agrarunternehmen den gleichen Milchpreis pro Kg erzeugter Rohmilch mit entsprechender Qualität.

2. Zielsetzung

Um die Abhängigkeit von der Molkerei zu senken, suchen Milchviehbetriebe nach Weiteren Absatzmöglichkeiten für Ihre Rohmilch. Die Milch-Center „Dorfheimat“ Prausitz e.G., eine Agrargenossenschaft bei Riesa in Sachsen, hat auch mit den niedrigen Milchpreisen zu kämpfen. Aus diesem Grund soll untersucht werden, ob sich die Direktvermarktung von Rohmilch durch einen Milchautomaten für die Milch-Center „Dorfheimat“ Prausitz e.G. lohnt.

In der wissenschaftlichen Arbeit werden einerseits die Entwicklung des Milchpreises, sowie die rechtlichen Anforderungen für das Vorhaben beleuchtet. Im Anschluss darauf folgt eine Investitionsplanung zur Einführung einer Milchtankstelle, sowie mögliche Marketingmaßnahmen.

3. Milchpreisentwicklung

Bei der Betrachtung der Milchpreisentwicklung werden in diesem Teil der Arbeit die Erzeugerpreise der konventionellen Kuhmilch betrachtet. Der Erzeugerpreis ist der Betrag, den die landwirtschaftlichen Unternehmen von der Molkerei für Ihre Milch ausgezahlt bekommen. In dem folgenden Diagramm wurden die Erzeugerpreise, ausgehend von 4,0% Fett und 3,4% Eiweiß ab Hof ohne Mehrwertsteuer, dargestellt. Die Grafik zeigt die Preisentwicklung von Januar 2015 bis Februar 2017. Dabei wird deutlich, dass die Preise im Jahr 2016 deutlich unter dem Preisniveau von 2015 liegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Erzeugerpreisentwicklung Kuhmilch Quelle: http://www.ami-informiert.de/ami-maerkte/maerkte/ami-milchwirtschaft/ami-meldungen-milchwirtschaft/single-ansicht/singleview/news/artikel/milchpreise-nur-noch-leicht-im-plus-3.html , (02.05.2016).

Ein Grund für den riesigen Preisunterschied liegt in der Abschaffung der so genannten Milchquote am 1. April 2015. Die Milchquote war eine Mengenbegrenzung der Milchmenge, die ein Milcherzeuger produzieren darf. Das Kontingent wurde im Jahr 1984 eingeführt, um die Überproduktion aufzuhalten und somit Preise zu stabilisieren. Jedoch war die Milchquote letztlich kein wirksames Mittel, da die Quoten unter den Betrieben gehandelt werden konnten. Nach der Abschaffung der Mengenbegrenzung am 1.April 2015 stiegen die Produktionsmengen an Kuhmilch massiv an. Die Milchanlieferungsmengen liegen nach dem Quotenende deutlich über denen, von 2016.

Das liegt u.a. daran, dass viel Unternehmen kurz vor dem Ende der Milchquote in neue Ställe investierten und auf eine Wachstumsstrategie setzten. Durch das erhöhte Angebot auf den Milchmarkt sanken mit der Zeit die Erzeugerpreise. So gab es beispielsweise im Juni 2016 nur noch einen Erzeugerpreis von ca. 0,22 € / Kg Milch. Diese geringen Auszahlungspreise bzw. Erlöse für die Milch lagen deutlich unter den Erzeugungskosten. Die Milchviehbetriebe konnten nur überleben, indem sie die Milchviehhaltung von anderen Unternehmensstandbeinen Querfinanzierten. Die Milchviehhaltung fuhr den Unternehmen somit riesige Verluste ein. Das konnten viele Agrarunternehmen auf Dauer nicht durchhalten. Somit stiegen viele Betriebe aus der Milchviehhaltung aus. Folglich sank die Milchmenge auf dem Markt und der Preis stabilisierte sich allmählich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Milchanlieferung 2015 bis 2017 Quelle: http://www.ami-informiert.de/ami-maerkte/maerkte/ami-milchwirtschaft/ami-meldungen-milchwirtschaft/single-ansicht/singleview/news/artikel/milchmarkt-weitgehend-impulslos.html , (02.05.2017).

Beim Hinblick auf die Milchpreisentwicklung der letzten 20 Jahre wird deutlich, dass es im Verlauf immer Preisschwankungen gab. Folglich wird es auch in der Zukunft Preisschwankungen geben. Diese Tendenz belegt die Betrachtung der Erzeugerpreise von 1996 bis Anfang 2017. Einen weiteren großen Einfluss auf die Preisentwicklung hat das sogenannte Agrarmarktstrukturgesetz, welches im nächsten Gliederungspunkt näher erläutert wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Erzeugerpreisentwicklung Kuhmilch 1996 bis 2017 Quelle: http://www.ami-informiert.de/ami-maerkte/maerkte/ami-milchwirtschaft/ami-meldungen-milchwirtschaft/single-ansicht/singleview/news/artikel/knacken-die-erzeugerpreise-fuer-milch-die-40-cent-marke.html, (02.05.2017).

Die Milchviehbetriebe sollten also Ihre Produktionskosten auf lange Sicht hin senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Des Weiteren sollten sie mehrere Standbeine aufbauen, damit sie aus anderen Marktsegmenten zusätzliche Erlöse erwirtschaften können. Somit sind sie nicht mehr von einem einzigen Produktionsbereich abhängig. Die Preisentwicklung zeigt auch, dass der Einstieg in die Direktvermarktung von Milch überlegenswert ist.

4. Agrarmarktstrukturgesetz

Die Milch-Center „Dorfheimat“ Prausitz eG produziert täglich eine Milchmenge von ca. 41.000 kg Milch. Das Unternehmen verkauft diese an die Molkerei „Sachsenmilch Leppersdorf GmbH“ in Leppersdorf. Somit hat die Agrargenossenschaft nur einen Abnehmer für Ihre Qualitätsmilch. Die Molkerei veredelt die Qualitätsmilch weiter zu diversen Produkten wie z.B. Joghurt, Butter, Quark, sowie auch zu normaler Trinkmilch. Im Anschluss werden die Produkte vom Lebensmitteleinzelhandel an den Kunden verkauft. Somit liegt die Vermarktung der Produkte in der Hand der Molkerei, sowie der Supermärkte.

In Hinblick auf das so genannte Agrarmarktstrukturgesetz, welches im Jahr 1969 als Marktstrukturgesetz erstmalig verabschiedet wurde und im Jahr 2013 modifiziert wurde, ist dieser Vertriebsweg für die Qualitätsmilch für die Agrarunternehmen riskant. Das Agrarmarktstrukturgesetz hat das Ziel, durch die Schaffung von Erzeugergemeinschaften und Vereinigungen die Marktposition der deutschen Landwirtschaft zu verbessern. Im §5 Abs. 1 Agrarmarktstrukturgesetz (AgrarMSG) heißt es, dass §1 des Gesetztes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) für anerkannte Agrarorganisationen nicht gilt. Das Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen, welches im §1 GWB beschlossen wurde, ist somit ausgehebelt. Es erlaubt damit Preisabsprachen zwischen den Lebensmitteleinzelhandel, Verarbeitungsbetrieben und der Landwirtschaft.[3] [4]

Da die Verarbeitungsunternehmen und die Agrarbetriebe den Großteil Ihrer Produkte nicht selbst an den Endverbraucher vermarkten, sondern über Supermärkte, hat das Gesetz große Nachteile für die Landwirtschaftsunternehmen und die Verarbeitungsunternehmen. So geben die Supermarktketten den Verarbeitungsunternehmen, wie z.B. Molkereien und Schlachthöfen, einen Preis vor, den Sie bereit sind zu zahlen. Die Verarbeitungsbetriebe können diesen Preis bei den Verhandlungen nicht wirklich beeinflussen, da sie oft gegeneinander ausgespielt werden. Sie müssen sich also an die Preisvorgaben richten, da sie die Lebensmittel nicht ewig lagern können. Die Lebensmittelverarbeitenden Unternehmen geben die Gewinneinbuße an den Landwirt weiter. Die Agrarunternehmen können den Preisvorgaben nicht viel entgegensetzen, da sie darauf angewiesen sind, dass die Erzeugnisse verkauft werden. Zudem sind sie an Ihrem Standort gebunden, und sind somit auf die Veredlungsbetriebe in der Region angewiesen.

Da die Landwirtschaftsunternehmen aus den oben genannten Gründen keinen großen Einfluss auf den Preis für ihre Qualitätsprodukte haben, sollten die Unternehmen nach weiteren Vertriebswegen suchen.

5. Rechtliche Anforderungen für die Inbetriebnahme

Der Verkauf von Rohmilch oder Rohrahm an den Verbraucher ist nach §17 Abs. 1 Tierische-Lebensmittel-Hygieneverordnung (Tier-LMHV) verboten. Jedoch darf der Milchviehbetrieb in Verbindung mit §17 Abs. 4 Tier-LMHV von §17 Abs. 1 Tier-LMHV abweichen. So ist es den Milcherzeugerbetrieben erlaubt, Rohmilch unmittelbar an den Verbraucher zu verkaufen, wenn die Abgabe der Rohmilch im Milcherzeugerbetrieb erfolgt und die Rohmilch im eigenen Betrieb gewonnen und behandelt wurde. Des Weiteren muss die Rohmilch am Tag der Abgabe oder am Tag zuvor gewonnen worden sein. An der Abgabestelle muss ein gut sichtbarer Hinweis mit der Aufschrift „Rohmilch vor dem Verzehr abkochen“ angebracht sein. Vor der Abgabe von Rohmilch an den Endverbraucher muss das Unternehmen die zuständige Behörde, in dem Fall das Veterinäramt, kontaktieren und das Vorhaben anzeigen. Die zuständige Behörde kann im Einzelfall Ausnahmen für einen bestimmten Personenkreis von §17 Abs. 4 Nr. 3 bis Nr. 5 Tier-LMHV genehmigen.

Der Milchautomat darf in Verbindung mit §17 Abs. 4 Nr. 1 Tier-LMHV nur auf dem Betrieb, also nicht außerhalb des Hofes, aufgestellt werden. Der Automat muss vor Umwelteinflüssen geschützt sein. Die Behörden erwarten eine tägliche Reinigung und Temperatur- kontrolle (4° C) mit entsprechender Dokumentation. Es ist zu beachten, dass der Begriff „Milchtankstelle“ rechtlich geschützt ist. Somit darf der Name nur von Automaten der Firma Risto gegen entsprechendes Nutzungsentgeld verwendet werden. Vor dem Einstieg in die Direktvermarktung von Rohmilch sollte das Unternehmen die bestehenden Lieferverträge mit der Molkerei prüfen. Zusätzlich sollten die bestehenden Versicherungen überprüft werden. [5]

Dem Unternehmen stehen im Übrigen weitere Verkaufsmöglichkeiten Ihrer Milch an den Endverbraucher zur Verfügung. Im Rahmen von §17 Abs. 2 Tier-LMHV, sowie §17 Abs. 3 Tier-LMHV darf die Rohmilch auch als sogenannte Vorzugsmilch an den Verbraucher verkauft werden. [6]

6.1 Investitionsplanung Milchautomat - Risto Vending GmbH

Eines der führenden Unternehmen im Bereich der Milchautomaten, sowie von Warenautomaten, ist die Risto Vending GmbH. Das Unternehmen hat Ihren Sitz in Marienheide, Nordrhein-Westfalen.

Für die Investitionsplanung des Milchautomaten wurde ein Angebot von der Hensing GmbH, mit Sitz in 48282 Emsdetten in Nordrhein-Westfalen, eingeholt. Das Unternehmen verkauft die Milchautomaten der Risto Vending GmbH. In dem Angebot wurde der „Milchautomat R-K-1“ gewählt. Das Angebot enthält zudem einen Banknotenleser, Akkuunterstützung, GSM für Stromausfall und Restmengenmeldung, einer Heizung, Milchüberwachungssystem, die europaweit pflichtmäßige MID Zertifizierung, Laufrollen im Milchautomat, Behälterwagen, Schulung und Inbetriebnahme des Milchautomaten, diverse Behälter sowie die Lieferung. Im Anhang 1 und 2 ist das Angebot für den Automaten aufgeführt. Die Anschaffungs- und Herstellungskosten des Automaten belaufen sich somit auf 14.985 €. Die technischen Daten, sowie der innere Aufbau des Milchautomaten der Firma Risto Vending GmbH sind im Anhang 3 und 4 dargestellt.

Zusätzlich entstehen dem Unternehmen Investitionskosten für einen möglichen Verkaufsraum, Parkplatz, sowie der Wasser- und Elektroinstallation. Für die Kalkulation der genannten Kosten wurde sich an der Rechnung aus dem „Bauernblatt“ vom 03.09.2016 orientiert. Die Investitionskosten für den Parkplatz, sowie für den Verkaufsraum, wurden jedoch mit 10.000€ anstatt den 2.000€ angesetzt, um eventuelle Mehrkosten einzubeziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Investitionskosten Milchtankstelle Quelle: In Anlehnung an: http://www.lksh.de/fileadmin/dokumente/Bauernblatt/PDF_Toepper_2016/BB_35_03.09/46-48_Liehmann.pdf, (17.04.2017).

Es wird ein Zinssatz von 4% p.a. für die Investition angestrebt. Zudem wird der Betrag für die Instandhaltung des Investments mit jährlich 2% der Anschaffungs- und Herstellungskosten kalkuliert.

6.2 Deckungsbeitragsrechnung - zur Ermittlung der Mindestverkaufsmenge

Die Milch-Center „Dorfheimat“ Prausitz eG liefert Ihre Rohmilch an die Sachsenmilch Molkerei in Leppersdorf. Die Molkerei zahlte dem Agrarunternehmen im Durchschnitt der letzten vier Wirtschaftsjahre 0,318 €/ Kg Rohmilch. In der folgenden Deckungsbeitragsrechnung wird dieser Durchschnittspreis pro Kg Milch als Kosten bzw. Herstellungskosten angesetzt, da das Unternehmen die Rohmilch für diesen Preis auch an die Molkerei verkaufen könnte, anstatt sie selbst zu vermarkten. Zudem liegen die Erzeugungskosten pro Kg Rohmilch des Unternehmens bei ca. 0,30 € / Kg Milch. Der Preisansatz deckt also auch die Produktionskosten der Milchviehhaltung.

Die Kosten für Energie, Marketingmaßnahmen, Reinigung, Desinfektion sowie für Versicherung und Personal wurden in Anlehnung an die Berechnung aus dem „Bauernblatt“ vom 03.09.2016 geschätzt.

Es wird ein Verkaufspreis von 1€ pro Liter angesetzt. Nach §1 Abs. 1 Nr. 1 UStG handelt es sich dabei um eine Lieferung, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt. Somit unterliegt der Umsatz der Umsatzsteuer. Die Bemessungsgrundlage des Umsatzes ist nach §10 Abs. 1 S.1 UStG das Entgelt. Der Steuersatz für den Verkauf von Milch und Milcherzeugnissen liegt gemäß §12 Abs. 2 Nr. 1 UStG in Verbindung mit der Anlage 2 Nr. 4 UStG beim ermäßigten Steuersatz in Höhe von 7%. Die Agrargenossenschaft bekommt somit einen Erlös von 0,93€/ Kg verkaufter Milch, 0,07€/ Kg verkaufter Milch gehen am Ende des Wirtschaftsjahres an das Finanzamt.

Zunächst stellt sich die Frage, welche tägliche Menge an Rohmilch im Durchschnitt über den Automaten verkauft werden muss, um die variablen und fixen Kosten der Investition zu decken. In der folgenden Tabelle wurde der Deckungsbeitrag der Investition berechnet.

Bei der Rechnung wird deutlich, dass im Durchschnitt ca. 52,35 Liter Milch pro Tag verkauft werden müssen, damit die Investition kostendeckend ist. Es ist ein Deckungsbeitrag von mindestens 0,55 € / Liter Milch nötig, um neben den variablen Kosten auch die fixen Kosten der Investition zu decken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Deckungsbeitragsrechnung Milchtankstelle – Kostendeckend Quelle: Eigene Darstellung (17.04.2017).

6.3 Deckungsbeitragsrechnung - ausgehend von 100 Liter Milchverkauf am Tag

Ausgehend von einer sehr guten Kundennachfrage wird unterstellt, dass im Jahresdurchschnitt ca. 100 Liter Milch am Tag verkauft werden. Durch den erhöhten Verkauf steigen die Erlöse auf 33.495 €. Zudem steigen auch die variablen Kosten durch die erhöhte Nachfrage. Jedoch beläuft sich der Deckungsbeitrag je Liter Milch nun auf 0,58€. Die Investition hat somit einen Gesamtdeckungsbeitrag in Höhe von 21.198,30€ und kann somit, abzüglich der Fixkosten, einen Überschuss von 10.645,40€ / Jahr vorweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Deckungsbeitragsrechnung Milchtankstelle – 100 Liter Milch pro Tag Quelle: Eigene Darstellung (17.04.2017)

6.4 Kapitalwertmethode

Zur besseren Einschätzung der Investition wird nun mithilfe der Kapitalwertmethode die Investition bewertet. Bei der Kapitalwertmethode werden jegliche Zahlungen, die in der Zukunft anfallen, auf den heutigen Zeitpunkt t0 abgezinst. Die abgezinste Zahlung ist der Barwert. Aus der Summe der Barwerte ergibt sich der Kapitalwert. Ist dieser größer Null, ist die Investition rentabel.

Die Abschreibung, welche in der Deckungsbeitragsrechnung einkalkuliert wurde, sind keine realen Kosten, sondern lediglich ein Wertverlust des Buchwertes. Aus diesem Grund wurden die „Abschreibungskosten“ in Höhe von 3.698,50€ zu dem jährlichen Gewinn aus der Deckungsbeitragsrechnung in Höhe von 10.645,40€ hinzugerechnet. Somit bekommt das Unternehmen bei dieser Kalkulation eine jährliche Zahlung in Höhe von 14.343,90€.

Bei der folgenden Kapitalwertmethode wird von einem Kalkulationszinssatz von 4% ausgegangen. Der Kalkulationszins enthält die Unternehmens- und Finanzierungszinsen. Da die Abschreibungsdauer für die Milchtankstelle 10 Jahre beträgt, wurde diese Dauer für die Kalkulation gewählt. Die Investition hat nach 10 Jahren einen Kapitalwert in Höhe von 89.356,88 €. Somit ist die Investition bei einem Kalkulationszins von 4% rentabel.

Des Weiteren fällt auf, dass die Investition in die Milchtankstelle, ausgehend von einem durchschnittlichen Tagesverkauf von 100 Liter Milch, bereits nach 2 Jahren einen positiven Kapitalwert verzeichnet. Das bedeutet, die Investition in die Direktvermarktung hat sich bereits nach kurzer Zeit Amortisiert.

[...]


[1] Lehmann, N. (10.04.2017).

[2] Vgl. Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (15.04.2017).

[3] Vgl. AgrarMarktstrukturgesetz

[4] Vgl. Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen

[5] Vgl. Willms H., Hoppe S. (28.07.2016)

[6] Vgl. Tierische-Lebensmittelhygieneverordnung – Tier-LMHV

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Direktvermarktung von Rohmilch durch einen Milchautomaten. Ein Investitionsprojekt
Untertitel
Leitung und Entscheidungsprozesse
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Dresden
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V437702
ISBN (eBook)
9783668781429
ISBN (Buch)
9783668781436
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Direktvermarktung, Marketing, Investition, Deckungsbeitrag, Milch, Kapitalwertmethode, Milchpreisentwicklung, Diversifizierung, Unique Selling Proposition (USP), Milchautomat, Milchtankstelle
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts - Agrarmanagement Marcel Mittag (Autor), 2017, Direktvermarktung von Rohmilch durch einen Milchautomaten. Ein Investitionsprojekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437702

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