Wahrheits- und Bedeutungstheorie.Was verbindet Alfred Tarski und Donald Davidson?


Hausarbeit, 2018

19 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS;

1. Einleitung
1.1 Hintergrund
1.2 Erkenntnisinteresse und Vorgehensweise

2. Grundlagen der Sprachphilosophie

3. Die Wahrheitstheorie nach Alfred Tarski (1901-1983)
3.1 Wahrheitstheorien
3.2 Tarskis Wahrheitsverständnis und Konvention (W)

4. Die Bedeutungstheorie nach Donald Davidson (1917-2003)

3.1 Davidsons Antwort auf Tarski

3.2 Davidsons Bedeutungstheorie

3.3 Radikale Interpretation

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Anmerkung;

Davidsons Texte sind Klassiker der analytischen Philosophie. Ausgehend von Tarskis Theorie der Wahrheit und Quines Überlegungen zu radikaler Übersetzung entwickelte Davidson eine ganz eigene, überaus originelle Theorie sprachlicher Bedeutung. Die sprachphilosophischen Überlegungen sind bei Davidson eng verknüpft mit Positionen in der Erkenntnistheorie und der Philosophie des Geistes. Im Sommersemester 2017 widmeten wir uns in einem Seminar ausführlich Donald Davidson. Diese Arbeit versteht sich als ein Beitrag zum Verständnis seiner Sprachphilosophie. Aus Termingründen habe ich mich entschieden, die Seminararbeit zum zweiten Prüfungstermin zu schreiben. Die Abgabe erfolgte, nach Rücksprache mit der Dozentin im April 2018.

1. EINLEITUNG:

1.1 Hintergrund:

Wahrheit und Bedeutung werden in der philosophischen Diskussion immer wieder miteinander in Verbindung gebracht. In der Literatur werden an vielen Stellen ihre Gemeinsamkeiten und Differenzen betont. Die Art der Verbindung ist abhängig von den jeweiligen Wahrheits- und Bedeutungskonzeptionen, welche im 20. Jahrhundert verstärkt entwickelt wurden. In dieser Analyse konzentriere ich mich auf die Bedeutungstheorie des amerikanischen Philosophen Donald Davidson (1917-2003). Sie stellt eine tragende Säule in seinem Theoriegebäude dar. Im Zentrum seiner Sprachphilosophie steht der Gedanke, dass wir uns dem Problem der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke in der Weise nähern sollten, dass wir untersuchen, welches Wissen es einem Interpreten ermöglichen würde, die Äußerungen eines Sprechers zu interpretieren, ohne Kenntnis von dessen Sprache und Überzeugungen zu verfügen. Wie kann man Wörter gebrauchen und systematisieren? Und was macht die Bedeutung eines Wortes oder eines Satzes aus? Aus diesen und weiteren Fragen hat Davidson seine Theorie entwickelt, welche ich mit dieser Arbeit vorstellen möchte. In diesem Zusanmienhang interessiert mich eine Zusammenschau seiner getroffenen Annahmen. Es fallt auf, dass er kein einheitliches Werk verfasst und publiziert hat. In einer Vielzahl von Essays entwickelte Davidson ein neues Bild von Sprache, Handeln, Rationalität, Erkenntnis, sowie Geist und Welt. Seine Theorie umfasst zahlreiche philosophische Bereiche, zeichnet sich jedoch durch einen systematischen Charakter aus, welcher die Probleme der Sprache, Erkenntnis und Wahrheit in einer Einheit verbindet. Im Mittelpunkt meiner Untersuchung steht sein Aufsatz ״Truth and Meaning“ (1967) und seine Beiträge zur Radikalen Interpretation. Hier äußerte er die These, dass jede erlernbare Sprache in einer endlichen Form darstellbar sein muss, obwohl sie eine theoretisch unbegrenzte Anzahl von Ausdrücken umfasst. Donald Davidson zählt ohne jeden Zweifel zu den meistdiskutierten und rezipierten amerikanischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er studierte Literaturwissenschaften und Philosophiegeschichte in Harvard. Seine Dissertation schrieb er zu Platons Dialog Philebos. Er wirkte im Bereich der analytischen Philosophie und stand unter dem Einfluss seines Lehrers Williard van Quine (1908-2000). Quines Geist spiegelt sich in fast allen Texten wieder. Trotzdem stand Donald Davidson mit seiner Theorie auf eigenen Beinen. Er erhielt Professuren an den Universitäten in Stanford, Princeton, Chicago und Berkeley und starb 2003 im Alter von 86 Jahren.

1.2 Erkenntnisinteresse und Vorgehensweise:

Davidsons herausragende Leistung bestand darin, die semantische Wahrheitskonzeption des polnisch-amerikanischen Logikers Alfred Tarski (1901-1983), für seine eigene Bedeutungstheorie fruchtbar gemacht zu haben. Er verwendet Tarskis Wahrheitskonzeption grundlegend anders. Tarski galt als Begründer der formalen Semantik. Seine Arbeiten übten einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Sprachphilosophie aus. Tarski ging es in seinen Untersuchungen um eine Analyse der Verwendung des Wahrheitsbegriffs. Davidson hingegen ging davon aus, dass der Wahrheitsbegriff bzw. die Bedeutung eines Satzes, bereits hinreichend bekannt und somit verwendbar ist. Sein Grundgedanke besteht darin, dass Tarski mit der Bestinmiung des Wahrheitsbegriffs, die formale Struktur einer Bedeutungstheorie liefert. In meiner Arbeit geht es um eine Analyse der Wahrheitstheorie Tarskis und Bedeutungstheorie Davidsons. Meine Fragestellung lautet: Was verbindet Alfred Tarski und Donald Davidson? Mein Ziel ist es den programmatischen Rahmen der Theorie Donald Davidsons und das Verhältnis von Wahrheit und Bedeutung zu bestinmien. Es wird mir nicht gelingen, beide Theorien erschöpfend nachzuzeichnen, jedoch werde ich die entscheidendsten Aspekte herausgreifen und Verbindungen aufzeigen. Die Behandlung meines Themas gliedert sich in mehrere Kapitel. Beginnen werde ich mit einer kurzen Einführung zu den Grundlagen der Sprachphilosophie (Kapitel 2). Anschließend konzentriere ich mich auf Tarskis Wahrheitskonzeption (Kapitel 3). Hier geht es um die Rekapitulation des Wahrheitsbegriffs, weil Davidsons Bedeutungstheorie unverständlich bleibt, solange die Voraussetzungen nicht geklärt sind. In diesem Zusammenhang werde ich auf die Wahrheitstheorien eingehen und Tarskis Konvention (W) erläutern. Es folgen Davidsons Antworten auf Tarskis Argumente gegen Wahrheitsdefinitionen für natürliche Sprachen. Er entwickelte seine Bedeutungstheorie und versuchte Tarskis Wahrheitsbegriff eigenständig zu charakterisieren (Kapitel 4). Hier werde ich auch auf die Theorie der ״Radikalen Interpretation“ zu sprechen kommen. In einem abschließenden Fazit werden die wichtigsten Punkte zusammengefasst und die Ausgangsfrage beantwortet (Kapitel 5). In Hinblick auf die Literatur finden hauptsächlich Donald Davidsons Texte Verwendung. Vor allem sein Aufsatz ״Truth and Meaning“ kommt zum Einsatz. Aus den 30 Jahren seines Wirkens, werde ich nicht auf alle, sondem nur auf eine eingeschränkte Auswahl an Aufsätzen eingegangen. Bei Alfred Tarski liegt der Schwerpunkt auf ״The Semantic Conception of Truth“ (1944). Die Werke von Fischer, Glüer, Hoeltje, Quine, Rorty und Zoglauer lieferten außerdem eine gute Einführung ins Thema (siehe Literaturverzeichnis).

2. GRUNDLAGEN DER SPRACHPHTUOSOPHTE:

Im ersten Kapitel geht es um die Grundlagen der Sprachphilosophie. In diesem Zusammenhang halte ich es für unabdingbar einige zentrale Begriffe zu erläutern.

Bei der Sprachphilosophie handelt sich um eine junge Disziplin, welche erst durch die von Gottlob Frege (1848-1925) eingeleitete sprachphilosophische Wende, in den Fokus philosophischer Auseinandersetzung gerückt ist. Sie beschäftigt sich mit Sprache und Bedeutung, sowie ihrem Verhältnis zur Wirklichkeit. Die Sprachanalyse als philosophische Methode gibt es bereits seit der Antike. Ihr kommt eine zentrale Stellung in der ״Analytischen Philosophie“ des 20. Jahrhunderts zu, deren unterschiedliche Strömungen, philosophische Probleme in der Erkenntnistheorie, unter Bezug auf sprachphilosophische Methoden, diskutierten. (Vgl. Sinnreich 1972, s. 24) Die Motivation lag in dem Scheitern des jahrhundertelangen Versuchs der Erkenntnistheorie, sich mit dem Geist zu befassen. Die Sprachphilosophie hat ihre Wurzeln in der Übertragung von Strukturanalysen mathematischer Sätze, auf die Analyse von Sätzen der natürlichen Sprache, was zu der Philosophie der idealen Sprache führte. Es wurde das Ziel einer Revision der normalen Sprache für philosophische Zwecke verfolgt. Dabei wurde auch die Möglichkeit einer ״Ersetzung der normalen Sprache durch eine ideale formale Sprache ins Auge gefasst.“ (Vgl. Sinnreich 1972, s. 26) Im Kontext der Philosophie der idealen Sprache hat Tarski einen Vorschlag gemacht, wie die Bedeutung des Prädikats ״(T) ist wahr“ für fomiale Sprachen angegeben werden kann (Kapitel 3.2). Die Grundidee ist anschließend von Davidson verwendet worden (Kapitel 4.1). Eine entscheidende Intention der Sprachphilosophie ist es, philosophische Wahrheitsansprüche besser einlösbar zu machen. Die Frage, wie Wahrheit im Bereich der Philosophie begründet werden kann, ist schwierig zu beantworten. Es wird zwischen drei zentralen Aspekten der Sprache unterschieden: ihrer Syntax, Semantik und Pragmatik. (Vgl. Zoglauer 2016, s. 9) Die Syntax beschreibt die Beziehung der Zeichen untereinander. Sie legt fest welche Kombinationen sinnvoll sind und welche nicht. Die Pragmatik ist die Lehre vom Gebrauch der Sprache und sprachlichen Zeichen in ihrem lebensweltlichen Kontext. Von besonderer Relevanz ist die philosophische Semantik. Sie stellt im Kem eine Grundfrage: Worin besteht wörtliche, sprachliche Bedeutung? Viele Philosophen rechnen die Wahrheitsbedingungen eines Satzes, also die Umstände, unter denen der Satz wahr ist, zu dessen Bedeutung. Nach Frege erschöpft sich Bedeutung jedoch nicht in den Wahrheitsbedingungen, sondem durch ״die Tatsache, dass Ausdrücke, neben ihren Bezugsobjekten, einen Sinn ausdrücken.“ (Vgl. Künne 1996, s. 35). Es existieren zwei Grundprobleme, mit denen sich die Sprachphilosophie auseinandersetzt. Erstens: Die Mehrdeutigkeit von Sprache. Was der Sender sagt, ist oft nicht ident mit dem, was beim Empfänger ankommt. Es entstehen Missverständnisse. Zweitens: Die Ungenauigkeit und Fehlerhaftigkeit von Sprache. Es entstehen manchmal unsinnige Sätze oder inhaltsleere Sätze, ohne dass wir es erkennen. Vor allem der frühe Wittgenstein nahm sich diesen Fragen an.

Abschließend möchte ich eine Kritik vornehmen. Die Bedeutung der Sprache steht für mich nicht zur Diskussion. Wenn wir philosophieren tuen wir dies mit Wörtern. Allerdings glaube ich das Beziehungen unabhängig von Wörtern existieren. Sprache ist ein wichtiger Bestandteil, aber nicht das Wichtigste beim Philosophieren. Außerdem ist Sprache veränderbar. Sie wächst mit den Erkenntnissen. Sprache passt sich neuen Erkenntnissen an.

3. DIE WAHRHEITSTHEORIE NACH ALFRED TARSIO (1901-1983):

3.1 Wahrheitstheorien:

Was ist Wahrheit? Diese Frage zählt zu den Grundfragen der Philosophie. Sie ist umstritten und schwierig zu beantworten. Wahrheit wurde in der Vergangenheit ausführlich und eingehend untersucht. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was man unter Wahrheit versteht. Thomas Zoglauer fasste die vier wichtigsten Theorien zusammen. Dabei handelt es sich um die Pragmatische Wahrheitstheorie, die Konsens-, Kohärenz- und Korrespondenztheorie.

Die Pragmatische Wahrheitstheorie befasst sich mit dem Streben nach Erfolg: ״Das Wahre ist nichts anderes als das, was uns auf dem Wege des Denkens weiterbringt.“ (Vgl. Zoglauer 2016, s. 29) Bei der Konsenstheorie wird Wahrheit als diskursiver Konsens verstanden: ״Eine Aussage ist genau dann wahr, wenn sie von der Allgemeinheit akzeptiert wird.“ (Vgl. Zoglauer 2016, s. 30) Ein wichtiger Vertreter ist Jürgen Habermas mit seiner Diskurstheorie. Er betont den intersubjektiven Charakter der Wahrheit im dialogischen Geschehen: ״Die Bedingung für die Wahrheit von Aussagen ist die Zustimmung aller anderen.“ (Vgl. Habermas 1982, s. 124) Die Kohärenztheorie bezieht ihre Stärke aus einer Schwäche der Korrespondenztheorie: ״Aussagen lassen sich nicht in einem absoluten Sinne mit der Realität konfrontieren. Es bleibt nur die Möglichkeit sie mit anderen Aussagen zu vergleichen. Eine Aussage oder eine Theorie gilt als wahr, so lange sie nicht mit sich selbst oder mit anderen Sätzen im Widerspruch steht.“ (Vgl. Zoglauer 2016, s. 31)

Als wichtigste Wahrheitstheorie gilt die Korrespondenztheorie: ״Eine Aussage ist wahr genau dann, wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Einen wahren Satz zeichnet aus, dass er in einer bestimmten Beziehung zur Welt steht.“ (Vgl. Zoglauer 2016, s. 27) Traditionell nennt man diese Beziehung ״Korrespondenz“ oder ״Übereinstimmung“. Eine Aussage ist wahr, wenn der von ihr behauptete Sachverhalt tatsächlich existiert, sonst ist sie falsch. Die Wahrheit eines Satzes hängt nicht von der Meinung oder dem Kontext ab. Sie legt den Wert der Wahrheit darin fest, dass die subjektive Aussage mit dem Objekt korrespondiert. Es gibt verschiedene Varianten der Korrespondenztheorie. So gehen Wittgenstein und Russell von einer ״Strukturgleichheit von Aussage und Wirklichkeit aus.“ (Vgl. Goeres 2000, s. 37) Sie sprechen von Tatsachen: ״Eine wahre Aussage stellt eine Tatsache dar, denn die ganze reale Welt besteht aus lauter Tatsachen. Jede Tatsache lässt sich auch durch einen wahren Satz darstellen, und umgekehrt ließe sich auch zu jedem wahren Satz eine entsprechende Tatsache angeben.“ (Vgl. Zoglauer 2016, s. 28)

Ich möchte an dieser Stelle drei Einwände gegen die Korrespondenztheorie hervorbringen. Erstens: Die Korrespondenztheorie erklärt Wahrheit durch die Übereinstimmung mit einer Tatsache. An dieser Stelle stellt sich für mich die Frage: Was heißt Übereinstimmung und was ist mit Tatsachen gemeint? Eine Klärung dieser Begriffe ist notwendig. Zweitens: Die Korrespondenztheorie erklärt Wahrheit ohne Rückgriff auf epistemisches Vokabular, wie ״glauben“ oder ״überprüfen können“. Aber muss Wahrheit nicht etwas mit dem zu tun haben, was wir glauben sollten? Drittens: Die Korrespondenztheorie setzt voraus, dass man Aussagen mit der Realität vergleichen kann. Aber ein Vergleich von Aussagen und Realität macht meiner Meinung nach keinen Sinn. Kritisiert wird die Korrespondenztheorie aufgrund ihrer Schwierigkeit, abstrakte Sachverhalte so zu generalisieren, dass sie sich in die Theorie einfügen lassen. In einer weiteren Seminararbeit könnte man diesen Fragen nachgehen. Eine Untersuchung wäre empfehlenswert, aber umfangreich. Deshalb werde ich im Folgenden darauf verzichten und mich im nächsten Kapitel Tarski zuwenden.

3.2 Tarskis Wahrheitsverständnis und Konvention (W);

Die Frage nach dem Begriff der ״Wahrheit“ gehört zu den Hauptproblemen der Philosophie und wurde von den verschiedensten Denkern unterschiedlich beantwortet. Tarski entwickelte in den 1930er Jahren in verschiedenen Arbeiten sein semantisches Konzept.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wahrheits- und Bedeutungstheorie.Was verbindet Alfred Tarski und Donald Davidson?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V437713
ISBN (eBook)
9783668778450
ISBN (Buch)
9783668778467
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tarski, Wahrheitstheorie
Arbeit zitieren
Michael Schubert (Autor:in), 2018, Wahrheits- und Bedeutungstheorie.Was verbindet Alfred Tarski und Donald Davidson?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437713

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