Die Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung


Ausarbeitung, 2015

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Notwendigkeit der Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung

2. Grundlegendes zur Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung

3. Möglichkeiten der Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung
3.1 Grenzen der Risiko-Abbildung durch Wagniskosten
3.2 Einsatz von Simulationen zu Planungszwecken
3.3 Einsatz von Simulationen zu Steuerungszwecken

4. Weitere betriebliche Anwendungsgebiete der Simulationstechnik ..

Literaturverzeichnis

1. Notwendigkeit der Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung

Wie an aktuellen Entwicklungen weltweit, etwa den sinkenden Ölpreisen oder dem VW-Abgas-Skandal, zu erkennen ist, bringt jedes unternehmerische Handeln unausweichlich Risiken mit sich. Dass solche Risiken eine Gefahr für Unternehmen und Investoren darstellen wurde bereits vom Gesetzgeber erkannt, der mit dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz, kurz KonTraG, die Verpflichtung zur Einführung eines Risikomanagements durchgesetzt hat.[1] ) In der Literatur wird dabei gefordert, dass das Risikomanagement in die Prozesse des Unternehmens integriert und nicht als isolierte Insellösung gesehen wird.[2] ) Deshalb wird, um auch zukünftig entscheidungsorientierte Informationen für das Management liefern zu können, eine stärkere Verzahnung des Controlling mit dem Risikomanagement im Bereich der Kostenrechnung verlangt.[3] ) Dies führt zu einem Abgang von der bisherigen Vorgehensweise der einwertigen hin zu einer mehrwertigen Planung und damit der Schaffung zusätzlicher Transparenz über das Risiko der Geschäftstätigkeit. Ziel dieser Arbeit ist dabei das Aufzeigen möglicher Ansatzpunkte für eine Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung.

2. Grundlegendes zur Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung

Wirtschaften wird allgemein als das Entscheiden über knappe Güter in Unternehmen definiert.[4] ) Die Schwierigkeit liegt dabei vor allem darin, dass die Auswirkungen der Entscheidungen nicht exakt vorhergesagt werden können. Im Grundmodell der Entscheidungstheorie lassen sich dabei Entscheidungen als solche, die unter Sicherheit getroffen werden und solche, die unter Unsicherheit getroffen werden, einordnen. Von Entscheidungen unter Sicherheit spricht man, wenn mit den Handlungs- alternativen jeweils das Ergebnis einwertig festgelegt ist, bei Entscheidungen unter Unsicherheit können pro Handlungsalternative mehrere Umweltzustände auftreten und das Ergebnis damit mehrwertig werden.[1] ) Falls die Wahrscheinlichkeiten der Umweltzustände dabei bekannt sind, spricht man von Entscheidungen unter Risiko, andernfalls von Entscheidungssituationen unter Ungewissheit.[2] ) Die Unsicherheit in der Ent- scheidungssituation erhöht dabei nicht nur die Komplexität der Entscheidung, sondern vor allem auch die Komplexität der adäquaten Ent- scheidungsvorbereitung durch das betriebliche Informationssystem. Zur Entscheidungsvorbereitung spielt dabei vor allem das interne Rechnungs- wesen eine wichtige Rolle, da zu dessen Aufgaben die Aufbereitung von Zahlen zur Verwendung in Planungs-, Entscheidungs- und Steuerungs- prozessen gehört, welche sich als Adressaten an interne Informations- empfänger richten.[3] ) Es ist dabei als Instrument dem Controlling zuzu- rechnen. Controlling wird hierbei als die Koordination in den Führungs- teilfunktionen und zwischen ihnen verstanden.[4] ) Nebenaufgaben in Bezug auf das interne Rechnungswesen bestehen dabei vor allem in der Informationsbereitstellung und der Entscheidungsunterstützung. Es lässt sich dabei weiterhin in die Rechensysteme der Kosten- und Leistungsrechnung und der Investitionsrechnung unterteilen. Typische Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung umfassen dabei die Dokumentation und Analyse, die Prognose, sowie die Entscheidungs- unterstützung, hauptsächlich im Bereich unterjähriger Entscheidungen.[5] ) Ansatzpunkte für die Risiko-Abbildung lassen sich dabei in der Prognose und Entscheidungsunterstützung identifizieren, da diese häufig mit unsicheren Informationen arbeiten müssen. Klassischen Lehrbüchern folgend´, wird eine pauschale Risikoberücksichtigung mittels sogenannter kalkulatorischer Wagnisse vorgeschlagen. Diese sollen als eine Art

Versicherungsprämie für selbst übernommene Risiken fungieren.[1] ) Eine differenziertere Risiko-Abbildung ohne pauschale Kostenansätze kann über die entscheidungstheoretischen Überlegungen erfolgen. Die Abbildung kann dabei zunächst durch wenige Umweltzustände und diskrete Wahrscheinlichkeiten geschehen.[2] ) Zweite Möglichkeit wäre die Abbildung vieler Umweltzustände mit kontinuierlichen Wahrscheinlichkeitsfunktionen, die durch allgemeine Standardfunktionen z. B. einer Normalverteilung abgebildet werden können. Der dritte Fall umfasst wieder die Abbildung vieler Umweltzustände, diesmal mit kontinuierlichen und diskreten Wahrscheinlichkeitsverteilungen, wobei diese keiner Standardfunktion entsprechen. Die Schwierigkeit bildet dabei die Ermittlung der Verteilungen der Zielgrößen. Zur Lösung im ersten Fall mit diskreten Wahrscheinlich- keiten bietet sich eine Zuordnung einer Wahrscheinlichkeit pro Umweltzustand an, die Zielgröße kann dann enumerativ pro Alternative einzeln berechnet werden. Im zweiten Fall mit stetigen Verteilungen, die aber Standardfunktionen folgen, lässt sich von den Eingangs- auf die Zielgrößenverteilung schließen, was allerdings eher der Ausnahme entspricht. Häufiger wird der dritte Fall eintreten, bei dem verschiedene kontinuierliche und diskrete Verteilungen auftreten. Zur Risiko-Abbildung in solchen Situationen bietet sich die Simulation an.[3] )

3. M ö glichkeiten der Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung

3.1 Grenzen der Risiko-Abbildung durch Wagniskosten

Im Zusammenhang mit der Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung trifft man unweigerlich in der Literatur auf den Vorschlag zum Ansatz kalkulatorischer Wagniskosten im Rahmen der Kostenartenrechnung.[4] ) Als kalkulatorische Wagnisse werden dabei nicht versicherte, kalkulierbare Einzelrisiken verstanden.[1] ) Diese werden vom nicht kalkulierbaren, allgemeinen Unternehmerwagnis abgegrenzt, dessen Deckung sich aus dem Gewinn ergeben muss.[2] ) Der Ansatz von kalkulatorischen Wagnissen stellt also eine Art Versicherungsprämie für selbst übernommene Risiken dar. Grundidee ist dabei nicht die zeitlich korrekte Erfassung der Kosten, sondern eine Verteilung der möglichen Kosten über den Zeitablauf, da der Zeitpunkt des Kostenanfalls nicht richtig geschätzt werden kann. Die Auszahlungen sollen sich also auf längere Sicht wieder ausgleichen.[3] ) Typischerweise werden die Wagnisse dabei in verschiedene Arten untergliedert, etwa für Schwankungen in den Beständen oder Mehrkosten in der Produktion. Der Ausfall einer Maschine etwa kann im Bereich des Anlagenwagnisses eingeordnet werden. Als Konsequenz können sich höhere Personalkosten, Materialkosten durch Ausschuss, Energiekosten usw. ergeben, die im Anlagenwagnis einkalkuliert werden müssten. Daran ist zu erkennen, dass Wagniskosten eine Art Sammeltopf aus anderen Kostenarten bilden. Altenburger definiert Wagniskosten sogar als unsichere Teile übriger primärer Kostenarten.[4] ) Problematisch ist hierbei, dass primäre Kostenarten jetzt in unsichere und sichere Teile aufgeteilt werden müssten, damit eine Zuordnung zur primären Kostenart oder zu den Wagniskosten erfolgen kann. Es entsteht also ein Abgrenzungsproblem zwischen sicheren und unsicheren Kostenanteilen.[5] ) Zudem sorgt der Sammeltopfcharakter der Kosten für eine höhere Intransparenz. Mit der zunehmenden Internationalisierung von Unternehmen kommt es auch zu einer Zunahme von Risiken, etwa über Mengen-, Preis- oder Währungsschwankungen, was sich in einer Erweiterung der Wagniskosten auswirken würde.[6] ) Dies führt zu einer undifferenzierten, pauschalen Risikoberücksichtigung durch eine Aufblähung der Wagniskosten, die durch einen Kumulationseffekt weit über die eigentlichen Gefahren hinausgehen dürfte.[1] ) Zusätzlich entspricht die Idee der Verteilung der Wagniskosten über die Zeit kaum einem entscheidungslogischen Vorgehen für Planungsrechnungen, da durch die Durchschnittsbildung nicht auf die tatsächlichen Umstände der Planperiode eingegangen wird.[2] ) Der traditionelle Ansatz zur Risiko-Abbildung über Wagnisse ist daher für entscheidungslogische Zwecke abzulehnen, bessere Alternativen werden in der expliziten Berücksichtigung der Unsicherheit durch Wahrscheinlichkeitsverteilungen in den jeweiligen Kostenarten gesehen, sodass Wagniskosten für selbst übernommene Risiken entfallen.[3] )

3.2 Einsatz von Simulationen zu Planungszwecken

Einer der Rechnungszwecke des internen Rechnungswesens betrifft die Informationsaufbereitung für Planungen. Die Planung selbst ist dabei als ein Prozess zu sehen, der die Phasen der Zieloperationalisierung, der Problemstrukturierung, der Alternativensuche und -bewertung, sowie die Entscheidung durchläuft.[4] ) Im Anschluss daran folgt die Realisation des Plans und die Kontrolle auf Planabweichungen. Die Kosten- und Leistungs- rechnung übernimmt hierbei die Aufgabe der Alternativenbewertung. Sie stellt als Instrument eine Plankostenrechnung bereit, welche typischerweise als Teilkostenrechnung aufgebaut ist. Es erfolgt somit eine strenge Trennung fixer und variabler Kosten, auf Kostenträger selbst werden nur Kosten zugerechnet, die direkt oder indirekt von ihm abhängen.[5] ) Die anzusetzenden Preise und Kostensätze werden hierbei als Plangrößen berücksichtigt.[6] ) In der klassischen Plankostenrechnung erfolgt die Ermittlung der Planwerte dabei deterministisch, d.h. es werden nur einwertige Planwerte vorgegeben, die als zu erwartete Durchschnittswerte

[...]


[1] ) vgl. [AktG] § 91 Abs. 2

[2] ) vgl. Diederichs [Risikomanagement] 163

[3] ) vgl. auch im Weiteren Gleißner/Kalwait [Integration] 23 f.

[4] ) vgl. Schweitzer [Risiko] 519

[1] ) vgl. Eisenführ/Weber/Langer [Entscheiden] 23 f.

[2] ) vgl. Troßmann [Investition] 237

[3] ) vgl. Troßmann/Baumeister [Internes ReWe] 3

[4] ) vgl. auch im Weiteren Troßmann [Controlling] 12 ff.

[5] ) vgl. Troßmann/Baumeister [Internes ReWe] 14

[1] ) vgl. Friedl/Hofmann/Pedell [Kosten] 189 f.

[2] ) vgl. auch im Weiteren Troßmann [Investition] 238

[3] ) vgl. Troßmann [Investition] 275

[4] ) vgl. Schweitzer/Küpper [Systeme] 111 f. und Friedl/Hofmann/Pedell [Kosten] 189 f.

[1] ) vgl. Altenburger [Kostenarten] 731

[2] ) vgl. Schweitzer/Küpper [Systeme] 112

[3] ) vgl. Schweitzer/Küpper [Systeme] 112

[4] ) vgl. Altenburger [Kostenarten] 733

[5] ) vgl. Altenburger [Kostenarten] 733 f.

[6] ) vgl. Schweitzer [Risiko] 522

[1] ) vgl. Koch [Unsicherheit] 53

[2] ) vgl. Koch [Unsicherheit] 54

[3] ) vgl. Altenburger [Kostenarten] 734

[4] ) vgl. auch im Weiteren Troßmann [Controlling] 73 f.

[5] ) vgl. Troßmann/Baumeister [Internes ReWe] 232

[6] ) vgl. Kilger/Pampel/Vikas [Plankosten] 515 f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V437758
ISBN (eBook)
9783668779792
ISBN (Buch)
9783668779808
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kostenrechnung, Simulation, Risiko, Preisgrenze, Kalkulation, Unsicherheit
Arbeit zitieren
Fabian Kremer (Autor:in), 2015, Die Risiko-Abbildung in der Kostenrechnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437758

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