Einführung in die Literaturwissenschaft


Zusammenfassung, 2013
8 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

PS Einführung in die Literaturwissenschaft WS 2013/14

Barock (1575 – 1770, ca. 17Jhd.)

- normative Ästhetik
- guter Dichter wendet Regeln genau an! (Martin Opitz als Regelpapst – 1624: Buch von der teutschen Poeterey) = poeta doctus (gelehrter Dichter)
- memento mori (erinnere dich ans Sterben), vanitas (Nichtigkeit, Vergänglichkeit)
- Andreas Gryphius, Martin Opitz, Christian Hofmann von Hofmannswaldau

Beispiel: An die Welt v. Andreas Gryphius

- Sonett, antithetisch aufgebaut (Teilung durch Quartett u. Terzett, durch Mittelzäsur)
- Stimmung: 30jähr. Krieg 1618, Krankheiten (Pest, Seuchen)
- Intertextualität: ewig-lichtes Schloss (Off.Joh.)
- Allegorie: Spezialfall d. Metapher, Bild impliziert Fülle an Gedanken, einzelne Bildteile haben Bedeutung (Figur als Allegorie – Jedermann als Mammon, gew. Attribute)
- Anapher: gleich lautende Anfänge (Figur d. Rhetorik)
- rekurrente Elemente = Wiederhoungen

Sonett

- 2 Quartette + 2 Terzette (= 14 Zeilen gesamt)
- 6heb. Jambus (Alexandriner) mit Mittelzäsur (Teilung nach Atemrhythmus)
- männl. (= stumpf, betonte Silbe am Ende) und weibl. (klingend, unbetont) Kadenz wechseln sich ab
- Schweifreim: ccd, eed

Aufklärung (18.Jhd)

- age of enlightenment, age of reason
- Mensch als Mittelpunkt
- Descartes „Ich denke also bin ich“ – Denken zeichnet d. Menschen aus
- Immanuel Kant als wichtigster Denker d. dt. Aufklärung
- kritisches Denken gegenüber Religion: jede Religion berechtigt (Religionsfreiheit, Toleranz), Kirche als Institution, Position d. Klerus in Frage gestellt – Macht d. Kirche u. Missbrauch?
- radikale Religionskritik -> Atheismus
- Theismus (gr.): persönl. Gott
- Deismus (lat.): Schöpfermacht aber keine Person, zurückgezogen, anonym, unpersönlich
- Augenmerk auf Erziehung – Vernunft muss gefördert werden
- Frauen fragwürdig ob vernunftbegabt, aber durch Erzieherrolle relativiert, auch Nicht-Europäer nicht vernunftbegabt
- Regierungsform: Absolutismus (Herrscher von Gottes Gnaden – Erbmonarchie) – Zweifel an Gott -> Zweifel an Legitimation des Herrschers -> Revolution: entweder Herrscher gibt Macht her (konstitutionelle, parlamentar. Monarchie, Demokratie, demokrat. Republik – USA) od. Ermordung d. Königs
- um Revolution zu vermeiden: aufgeklärter Absolutismus (Herrscher vernunftbegabt erziehen
- sapere aude! (Wage zu wissen!)

Drama

- Figurenrede + Regieanweisungen
- Aufzüge / Akte, diese geteilt in Auftritte / Szenen
- aristotelisches Drama: 5 Akte, Spannungsbogen, Modell f. Tragödie, 3 Einheiten (Ort, Zeit, Handlung)
- 1.Akt: Exposition
- 2.Akt: steigende Handlung
- 3.Akt: Peripetie (Wendepunkt), fallende Handlung
- 4.Akt: retardierendes Moment (Verzögerung)
- 5.Akt: Katastrophe, Auflösung d. Konflikts
- Komödie: Peripetie – gut – ret. Mom. – schlecht – Ende doch gut
- Tragödie: Peripetie – schlecht – ret. Mom. – gut – Ende aber schlecht
- Katharsis: Läuterung, Reinigung v. Affekten
- Anagnorisis: Erkennen (fatal b. Ödipus u. „Homo Faber“ v. Max Frisch)

Beispiel: Nathan der Weise v. Gotthold Ephraim Lessing

- Exposition: Brand – Rettung, Nathan nach Hause
- Steigende Handlung: Nathan möchte Retter danken und finanziell entlohnen, Daja möchte Reche mit Tempelherr vermählen
- Peripetie: Ringparabel u. Reaktion des Sultans, Aufklärung d. Herrschers
- Retardierendes Moment: Patriarch möchte Nathan als Juden verbrennen (keine Aufklärung)
- Ringparabel: finanzieller Hintergrund, stammt aus Decamerone (Novellensammlung) v. Giovanni Boccaccio (Intertextualität)
- Schreibanlass: Lessings Streit m. Hauptpastor Goeze (richtige Religion ist Christentum, Lessing aus Pastorenfamilie aber moderner Standpunkt – weiß nicht, welche Religion d. richtige ist), Lessing umgeht Zensur durch Theaterstück (Verpackung seiner Kritik wie in d. Ringparabel d. Antwort), Patriarch als Goeze (aufklärungsresistent)
- Stück ist ein dramatisches Gedicht, weil in Versen = Blankvers (ungereimter 5heb. Jambus als klass. Dramenvers v. Shakespeare übernommen)
- Tragische Elemente: Brutalität d. Patriarchen, Diskussion über Religion, Nathans Frau u. Kinder v. Christen getötet (Pogrom), Liebe zw. Recha u. Tempelherr (Fleischliches ausgeblendet, keine Liebespaare – Lessings Frau stirbt kurz vor d. Stück, keine Aufklärung wenn Leidenschaft im Spiel)
- anfangs als Komödie, komödiantische Elemente aber zurückgedrängt
- Nathan: alttestamentar. Prophet – erzählt König David d. Geschichte vom reichen u. armen Mann u. d. Schafen als Gleichnis, dass dieser m. einer verheirateten Frau geschlafen hatte (Intertextualität)

Sturm & Drang (1765 – 1785, Strömung während d. Aufklärung)

- Jean-Jacques Rousseau: Zurück zur Natur! (Provokation, polit. Parole)
- Herder als Vaterfigur
- Aufstrebendes Bürgertum gegen höf. Adel (Prunksucht) – gegen denaturierte Standesgesellschaft
- Genuss des Hier & Jetzt! (keine Transzendenz)
- Natur m. versch. Interpretation: Überleben d. Stärkeren, natürl. Auslese, Nietzsche „Stiefmutter Natur“
- kann als Gegenbewegung zur Aufklärung gesehen werden: nicht auf Verstand / Vernunft konzentriert
- Natur als Projektionsraum, Zielvorstellung, Kraft tanken um Veränderung zu realisieren
- Genie-Ästhetik (Original-Genie), spontane Kreativität

Beispiel: Auf dem See v. Johann Wolfgang von Goethe

- 1.Strophe: 4heb. Jambus, männl. Kadenz, jede 2.Zeile 3heb. Jambus, männl. Kadenz, Kreuzreim
- 2.Strophe: 4heb. Trochäus, weibl. und männl. Kadenz, Paarreim
- 3.Strophe: 2 Trochäen umschl. Daktylus, weibl. Kadenz, Kreuzreim
- Kraft schöpfen aus d. Natur, Flucht vor Vergangenheit
- allg. histor. Kontext: Verbindung zu Ideen d. Aufklärung u. d. frz. Revolution
- biograph. Kontext: Goethe auf Reise in d. Schweiz (Zürcher See), verlobt m. Lilli Schönemann -> Einengung, Druck!

Romantik (Wende 18./19.Jhd.)

- Volk bekam nationale Bedeutung
- Nationalgefühl entwickeln, einheitl. Kultur, einheitl. Sprache, dt. Identität stärken (kulturelles Erbe – Wörterbücher d. Brüder Grimm)
- Volk als Gesellschaftsschicht: unverbildet, unterdrückt
- Gegenentwurf zur Industrialisierung (1830) – Natur nicht ausbeuten!
- Flucht in d. Natur, weil in d. Gesellschaft resigniert, Sehnsucht
- Glaube an Veränderbarkeit endet m. frz. Revolution -> Bürgerkrieg, Hinrichtung, Unterdrückung – Romantiker resignieren, träumen sich hinaus aus d. Gesellschaft

Beispiel: Mondnacht v. Joseph von Eichendorff

- 3 Strophen, je 4 Verse, 3heb. Jambus, männl. und weibl. Kadenz, Kreuzreim, unreiner Reim (Himmel – Schimmer)
- volksliedhaft, einfach verständlich
- zeitl. Ablauf: Frühling – Sommer – Herbst, vgl. mit Leben
- Eichendorff: adeliges Kind aus Schlesien, sehr katholisch – nicht kompatibel m. Nationalgedanken
- Religiöse Bilder: Seelenflug nach Hause (sterben), örtl. und zeitl. Sinn von „zu Hause“ (z.B. Kindheit)
- Natur personifiziert
- parataktischer Satzbau (Hauptsatzreihen) [vs. hypotaktischer Satzbau = verschachtelte Nebensätze]
- Konjunktiv II (Konjunktiv irrealis)
- Rahmenstruktur: 1. u. letzter Vers, parallele Strukturen – Adjektiv „still“
- Katachrese = Bild, das nicht stimmig ist
- Oxymoron = Gegensatzpaar (schwarze Milch – Paul Celan)
- griech. Mythologie: Zeugungsakt zw. Himmelsgott und Erdgöttin
- Mond als Sinnbild d. Sehnsucht (unerreichbar)

Biedermeier (1815 – 1848)

- Beginn m. Ende d. napoleon. Kriege, Wr. Kongress, Ordnung Europas
- Polizeistaat, Spitzelwesen, Denunziantentum, keine Meinungsfreiheit, keine Versammlungsfreiheit – Zensur!
- Fabeln, Metaphern, Allegorienspiele, Improvisation (Nestroy: im Skript anders als auf d. Bühne) um Zensur zu umgehen
- Beidermeier-Möbel, Bilder (Waldmüller)
- scheinbare Idylle, Rückzug, Hausmusik
- Fürst Metternich als Staatskanzler
- Vormärz: Revolution im März 1848

Beispiel: Der arme Spielmann v. Franz Grillparzer

- publiziert in Almanach für 1848 (= Lesebuch für 1 Jahr, mit Geschichten, Gedichten,…), ersch. 1847
- Erzählung (eig. ähnl. d. Novelle: 1 Handlungsstrang, 1 präzises Ereignis, leichtes bis triviales Lesefutter)
- 2 Handlungsstränge parallel – Erzählung in einer Erzählung (Rahmenerzählung auktorial, Binnenerzählung m. Ich-Erzähler Spielmann)
- semant. Ebenen (Isotopie): Wasser als semant. Klammer der Rahmenerzählung (Donau als idyll. Fluss, später Überschwemmung), Bewegung vs. Stillstand
- Metapher: „wogende Menge“, bildhafte Umschreibung, Übertragung d. Eigenschaften, Metapher Naturkatastrophe f. Revolution
- Vergleich: mit Worten „wie“, „als“,…
- politische Lesart: polit. Utopie durch Wassermetaphorik,
- Erzähler: zwischen d. Zeilen: niedrigere Gesellschaftsschicht, Distanz, Stellung d. Künstlers nicht zum Volk nicht zur Oberschicht gehörig – auffällige Verwendung v. Bildungsgut
- Ordnung vs. Unordnung: Wohnung d. Spielmanns, Liebe zu Barbara – Kuss durch Glasscheibe, lat. Spruch „Alles hat seine Grenzen“

Erzählperspektiven

- auktorialer Erzähler: allwissend, außerhalb d. Handlung
- Ich-Erzähler: Teil d. Handlung, erzählt seine Geschichte
- personale Erzählsituation: Erzählung aus d. Perspektive einer Person aber in 3.Pers. geschrieben, auch neutral (Franz Kafka „Der Prozess“)
- Erzähler ist nicht Autor!
- s. Stenzels Theorie des Erzählens – Erzählperspektiven als Uhr

Bürgerl. / Poet. Realismus (ca. 1850 – Jahrhundertwende)

- Schreibweise simpel, real, wenig Symbole, aber 2.Bedeutungsebene darüber (disguised symbolism) – Surplus, zusätzl. Bedeutung
- Adel relativ verbürgerlicht, bürgerl. Jobs, aufstrebendes Bürgertum (Industriebarone) – Bürgertum und Adel nähern sich an

Beispiel: Effi Briest v. Theodor Fontane

- Fontane: in einem guten Buch ist alles im 1.Kapitel bereits enthalten
- spielt ca. 1890
- Name suggeriert kleines unschuldiges Ding, bewusst gewählt
- Negativ konnotierte Wörter (böses Omen): „Häupte“ am „Strick“, „mächtige Platanen“, Kirchhofsmauer suggeriert Friedhof / Tod / Vergänglichkeit
- Motiv Licht/Schatten
- Pflanzen als wichtige Rolle: kleinblättriger Efeu (Effi), Rhabarber(Nutzpflanze), Canna Indica (indisches Rohr)
- Seme: Wasser (negativ, angeketteltes Boot, Sicherheit im Hafen, aber Einschränkung, Effis Kleidung matrosenhaft), Luft (Wetterhahn vergoldet – Prestigeobjekt, flatterhaft, Fähnchen im Wind, Effi als Tochter der Luft, als Objekt anderer Kräfte)
- Kindheit vs. Dame (s. Kleidung v. Effi)
- Effi als Erziehungsobjekt f. Ehemann, keine Zwangsehe aber aus eig. Stücken d. Vernunft folgend

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Details

Titel
Einführung in die Literaturwissenschaft
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,00
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V437798
ISBN (eBook)
9783668779990
ISBN (Buch)
9783668780002
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturwissenschaft, Einführung Literaturwissenschaft, Epochen, Literaturgeschichte
Arbeit zitieren
Bianca Lehner (Autor), 2013, Einführung in die Literaturwissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437798

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