In der Diskussion um die Beziehung zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit sind viele verschiedene Meinungen vertreten. Uneinigkeit besteht schon bei den Definitionen von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit sowie beim Herausarbeiten ihrer genauen Ziele und Funktionen. Auch die Frage, ob es sich um eine einseitige Einflussbeziehung oder eine wechselseitige Beeinflussung handelt wurde in der Vergangenheit unterschiedlich beantwortet.
Die Determinationsthese und das Intereffikationsmodell stellen hierbei die wohl bekanntesten Ansätze dar. Während Baerns eine Einschränkung der Journalisten durch die PR-Arbeiter beschreibt, sind Bentele et. al der Ansicht, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten von Vorteil ist.
Sollte es sich tatsächlich um eine Einschränkung der Journalisten handeln, so muss das allgemein vorherrschende Bild eines objektiv berichtenden Journalismus erneuert werden. Eine dauerhafte Dominanz von PR-Arbeit in der öffentlichen Berichterstattung würde die Darstellung von Wirklichkeit verändern – zu Gunsten aller PR-betreibenden Organisationen.
Diese Arbeit verschafft einen Überblick über die Ziele des Journalismus und der Öffentlichkeitsarbeit und begründet ihre Zusammenarbeit. Des Weiteren werden die beiden genannten Ansätze erläutert und kritisiert um abschließend die Frage „Determiniert Öffentlichkeitsarbeit Journalismus?“ zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit als gesellschaftliche Funktionssysteme
2.1. Die Ziele des Journalismus
2.2. Die Ziele der Öffentlichkeitsarbeit
2.3. Die Begründung ihrer Zusammenarbeit
3. Die Determinationsthese
4. Das Intereffikationsmodell
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Abhängigkeitsverhältnis zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit (PR) und geht dabei der zentralen Forschungsfrage nach, ob Öffentlichkeitsarbeit den Journalismus determiniert oder ob eine wechselseitige Beeinflussung vorliegt.
- Analyse der Funktionssysteme Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit
- Untersuchung der Determinationsthese nach Baerns
- Erläuterung des Intereffikationsmodells nach Bentele et al.
- Diskussion der gegenseitigen Abhängigkeit und Machtverhältnisse
- Beurteilung der journalistischen Eigenrecherche als Kontrollinstanz
Auszug aus dem Buch
Die Determinationsthese
Die Determinationsthese entstand aus einer Studie von Baerns, mit welcher sie ihre Hypothese von einer Determinierung des Journalismus durch die Öffentlichkeitsarbeit bestätigen wollte. Die Studie selbst sowie die relevanten Endergebnisse werden im Folgenden skizziert und die daraus resultierenden Schlüsse vorgestellt.
Unter dem Titel „Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus“ untersuchte Baerns, sowohl im April als auch im Oktober 1987, die Berichterstattung über die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen. Das Material ergab sich aus Agenturen (lnw, dpa, ddp und ap) sowie aus allen tagesbezogenen Nachrichtenmedien (Presse, Hörfunk und Fernsehen) Nordrhein-Westfalens, unter Ausschluss der lokalen Berichterstattung. Verglichen wurden hierbei die Beiträge der Redaktionen zur Landespolitik mit ihren potentiellen Quellen, wobei das besondere Interesse auf den Primärquellen, welche das Thema bestimmen, lag (Vgl. Baerns, 1985).
Als Basis ihrer Studie bezeichnete Baerns sowohl den Journalismus als auch die Öffentlichkeitsarbeit als „Informationssysteme“ (Baerns, 1985, S. 16), mit dem gemeinsamen Ziel Wirklichkeit zu schaffen. Allerdings unterscheiden sich hierbei die Interessen der Systeme, was zum untersuchten Konflikt führt. Der Definition von Baerns zufolge ist Öffentlichkeitsarbeit eine „Selbstdarstellung partikularer Interessen durch Information“ (Baerns, 1985, S. 16), während Journalismus „als Fremddarstellung und […] als Funktion des Gesamtinteresses“ (Baerns, 1985, S. 16) gilt. Um die Komplexität der Untersuchung gering zu halten, konzentrierte Baerns sich ausschließlich auf die Beziehung zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit „unter der Voraussetzung, andere Faktoren existierten nicht“ (Baerns, 1985, S. 17) und schloss somit alle möglichen intervenierenden Variablen aus (Vgl. Baerns, 1985).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die steigende Bedeutung von PR-Informationen für den Journalismus ein und formuliert die Leitfrage nach der möglichen Determinationsmacht der Öffentlichkeitsarbeit.
2. Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit als gesellschaftliche Funktionssysteme: Dieses Kapitel definiert die Rollen und Zielsetzungen beider Systeme und beleuchtet die historischen sowie ökonomischen Hintergründe, die eine Zusammenarbeit erforderlich machen.
3. Die Determinationsthese: Das Kapitel stellt die einflussreiche Studie von Baerns vor, die den Journalismus als stark durch PR-Material determiniert beschreibt.
4. Das Intereffikationsmodell: Hier wird das Intereffikationsmodell erläutert, das die Beziehung zwischen Journalismus und PR als wechselseitigen Austausch von Induktions- und Adaptionsprozessen begreift.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass PR den Journalismus nicht determiniert, da journalistische Eigenrecherche weiterhin als korrigierender Faktor dient.
Schlüsselwörter
Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Determinationsthese, Intereffikationsmodell, Medien, Informationssysteme, Wirklichkeitskonstruktion, Public Relations, Mikroebene, Machtverhältnis, Eigenrecherche, Kommunikationsmodell, Systemtheorie, Agenturmeldungen, Medienwirklichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit und analysiert, inwieweit PR die journalistische Berichterstattung beeinflusst oder gar steuert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition der Funktionssysteme, die historische Entwicklung der Zusammenarbeit sowie die theoretische Auseinandersetzung mit der Determinationsthese und dem Intereffikationsmodell.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Forschungsfrage „Determiniert Öffentlichkeitsarbeit Journalismus?“ auf Basis bekannter wissenschaftlicher Ansätze zu beantworten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich führender kommunikationswissenschaftlicher Modelle (Baerns, Bentele et al.) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Systeme, die detaillierte Analyse der Determinationsthese sowie die darauf aufbauende Darstellung des Intereffikationsmodells samt kritischer Reflexion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Determination, Intereffikation, Journalismus, PR und Medienwirklichkeit definieren.
Welche Rolle spielt die journalistische Eigenrecherche in dieser Arbeit?
Die Eigenrecherche wird als entscheidendes Gegengewicht angeführt, das PR-Abteilungen dazu veranlasst, ihre Mitteilungen wahrheitsgemäßer zu gestalten, um nicht durch journalistische Nachprüfungen entlarvt zu werden.
Warum ist das Intereffikationsmodell für die Autorin relevant?
Das Modell ist relevant, da es die einseitige Abhängigkeitsannahme der Determinationsthese erweitert und ein dynamischeres Bild einer wechselseitigen Beeinflussung zeichnet.
- Citar trabajo
- Caroline Harsch (Autor), 2012, Determiniert Öffentlichkeitsarbeit den Journalismus?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437819