Einführung in die Pädagogischen Psychologie


Zusammenfassung, 2015
9 Seiten

Leseprobe

VO Pädagogische Psychologie WS 2014

Lernen

- Didaktik = v. griech. „didaskein“, bedeutet lehren = Lehre vom kompetenten Umgang mit Unsicherheit, kompetenter Umgang m. unvorhersehbaren Situationen
- Wie soll gelehrt werden? Lernprozesse als Voraussetzung für „wie lehrt man“
- Lehren ist nicht copy&paste, lernen hängt v. psychischen Distributionen ab à Präsenz u. Aussagen v. Lehrpersonen wirken sich bei Schülern individuell unterschiedl. aus, keine 100%-Planung möglich
- Lernen (Prozess) = relativ dauerhafte / stabile, absichtliche od. unabsichtliche Veränderung des Wissens oder Verhaltens (Verhalten = Intuieren)

Lernziele

- Lernziele = was sollen S. am Ende d. Stunde können? Produkte, Zustände
- sollen klar, bedeutsam u. erreichbar sein
- Kognitiver Bereich (cognoscere = erkennen) – Taxonomieebenen nach Bloom (unterschiedl. Komplexität):
- Wissen (häufig, erinnern, reproduzieren, leicht zu überprüfen)
- Verstehen (m. eig. Worten erklären, Wesentliches erkennen)
- Anwenden (auf neue Situationen übertragen, Transfer)
- Analyse (Beziehungen erkennen, in Teile zerlegen)
- Synthese (neues Produkt erstellen, neues Problem angehen)
- Evaluation (bewerten)
- Affektiv (Internalisierung): aufnehmen, reagierenn, bewerten, ins eigene Wertesystem integrieren
- Psychomotorisch (Koordination): imitieren, Ablauf verbessern
- Klarheit: informierender Unterrichseinstieg (Ziele nennen u. begründen – Bedeutsamkeit nach Kramis, Kurzüberblick, wie wird Lernzuwachs festgestellt)
- Funktionsrhythmus: Input – Verarbeitung – Kontrolle (wichtig Varianz an Methoden, Transparenz über Ablauf, Kontrollphase)

Lerntheorien

- 3 Paradigmen: Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus
- Behaviorismus: jedes Verhalten ist Reiz-Reaktion (input – black box – output)
- klassische Konditionierung (Pawlow, Reiz löst Reaktion aus)
- operante Konditionierung (Belohnungen u. Bestrafungen)

programmierter Unterricht – drill & practice (eindeutige Lernziele, festgelegte Abfolge, Aufgaben lösbar, Lerntempo berücksichtigt, selbstständige Bearbeitung, unmittelbare Rückmeldung, Belohnung) à genau vorgegebener Lernstoff, Faktenwissen, Routineverhalten, z.B. Vokabellernen, 1x1, Maschinschreiben bei Lernprogrammen ansteigender Schwierigkeitsgrad – Scheitern am Ende, keine Motivation mehr à besser: alternierender Schwierigkeitsgrad, zum Schluss fallend, mehr Motivation durch gelöste Aufgabe, Rückmeldung ist wichtig!

Direkte Instruktion à Ziel Leistung

- Kognitivismus: Informationsverarbeitung / Problemlöseprozess im Vordergrund, Lernen aus Einsicht, S. sollen denken, durch Vorwissen und Verarbeitungsprozess variiert output (input – Verarbeitung – output), Erfolg vom Lernertyp abhängig, Lehrer ist begleitender Helfer, Beziehung zur Welt nicht berücksichtigt

Konzeptlernen, Problemlösefähigkeit, Simulationen Gruppenunterricht à Ziel Wissen

- Konstruktivismus: Lernen als aktive Wissenskonstruktion, prozessorientiert, baut auf Vorwissen auf, individuell, S. suchen Fragestellung selbst aus, Interaktion m. Umwelt u. anderen Lernenden, Lehrer ist Coach und regt Konstruktionsprozesse an (Wissen nicht vermittelbar) à selbstgesteuertes Lernen, wenig geeignet f. misserfolgsängstliche Schüler, in Schule durch Gesetze u. Ziele nicht umsetzbar

Offener Unterricht à Ziel Kompetenz

Persönlichkeitssysteminteraktionstheorie (PSI) nach Kuhl

- explizite u. implizite Befindlichkeit: jeder Mensch hat psych. Fingerabdruck = Disposition, kleinschrittig veränderbar
- Lernmethoden abhängig v. psych. Disposition
- Lernprozesse durch Verschiedenheit d. Lerngruppe gefördert (nur m. Gleichartigen lernt man gewisse Sozialkompetenzen nicht), Abwechslung anregend f. Lernende
- Intuieren (Säuglinge): ohne Plan, mögen was man tut, wichtig! ungünstig f. Erreichen v. Leistungszielen in d. Schule, aber gut f. Soziales, rechte Hemisphäre, ganzheitlich
- Denken (Kognition): Hemmung des Intuierens, zw. 3-16 Jahren entwickelt, Ziel erreichen trotz Lustlosigkeit – Pläne müssen erst umgesetzt werden, linke Hemisphäe, logisch-sequenziell à Handeln = Wechselspiel zw. Intuieren und Denken (Antagonismus ideal f. Leistungsziele)

Wer nur auf Denken fixiert ist, ist gehemmt (kann nicht offen auf andere zugehen – einem gehemmten Schüler sagen, er muss nichts machen, man versteht seine Lage), hohe Qualitätsstandards u. Bestrafung fördern Hemmung à deduktives Vorgehen (Regeln erläutern, Beispiel, Schüler selbst machen lassen) oder induktives Vorgehen (vom Beispiel auf Allgemeines schließen)

- Empfinden (Unstimmigkeitssensible Objekterkennung): Fixierung auf das was nicht gepasst hat, oft Bedrohung, Stress, negative Vorahnung, hemmt und produziert Angst à hohe Anpassung, S. wollen wenig Freiraum aber genaue Anweisung, Gefahr ist grundsätzlich ängstl. Haltung
- Fühlen: eigene Wünsche u. Interessen wahrnehmen, Selbstberuhigung Soziale Dialektik: Springen zw. Fühlen u. Empfinden – Grundhaltung Gelassenheit (nicht unangenehme Dinge berühren)

Emotionale Dialektik: bei Schrecken wieder zum Fühlen kommen (Olaf Mendel: Abkapselung gegenüber Fühlen, Bagatellisierung, merken Stress gar nicht mehr)

- Rückmeldung d. Lehrperson soll keine moral. Bewertung enthalten à Verhalten interpretieren um Situation korrekt zu lösen
- Schule: entweder Lernen auf Vorrat od. 1 Tag vor d. Prüfung à richtiger Zeitpunkt – emotionale Dialektik; S. m. 5 auf SA beobachten: Schock = mangelnde Fähigkeit zur Selbstberuhigung, od. Gleichgültigkeit
- Fühlen u. Denken erst im Heranwachsen gelernt
- Emotionale Dialektik gelernt durch Beispiel Erwachsener wie sie m. Stress umgehen
- Lehrperson soll sich um alle 4 Funktionen kümmernà ganzheitlicher Lernprozess (Konfrontation m. Neuem kann Stress auslösen)

Grundmotive und Umsetzungsformen

- Bedürfnisse, von denen ein Mensch geleitet ist – jede Verhaltensweise lässt sich Bedürfnissen zuordnen

- Anschluss / Beziehung: gleichrangig, keine Hierarchie, dyadisch (2 Personen, symmetrisch), bes. wichtig zw. 10-16 Jahre

- Leistung: Lehrer erwarten Leistungsorientierung u. Wirkungsorientierung (kooperatives Lernen kombiniert beides: Ziel in Gruppen erreicht = Motivation)

- Macht: hierarchische Strukturen, Durchsetzen, Einfluss auf andere

- Freiheit: Selbstsein, Selbstakzeptanz, Selbstwert

- Modus 1 = Intuieren (intrinsisch):

- A1: Beziehungsbedürfnis intuitiv umsetzen, keine Angst Partner zu verlieren, liebevolle Begegnung

- L1: selbstverständliche Handlung, „Flow“-Erlebnis, Freude (kann in Schule verloren gehen, intrinsische Motivation geschädigt)

- M1: möchte bei anderen was erreichen, beschützen u. helfen

- F1: selbstverständliches Erleben u. Fühlen

- Modus 2 = Intuieren (extrinsisch):

- A2: Spaß, suche Leute die Anschlussbedürfnis befriedigen

- L2: möchte etwas gut machen

- M2: anderen aufgabenbezogen helfen, machtdominierte Berufe z.B. Krankenpfleger

- F2: möchte im Mittelpunkt stehen, Selbstwert bestätigen, Anerkennung

- Modus 3 = nicht zuzuordnen (selbstständige Bewältigung, unterschiedliche Ressourcen um Bedürfnis umzusetzen, hoffnungsvolle Zielorientierung à nimmt aus den ersten beiden die positive Energie u. aus den letzten die Information, dass man auch scheitern kann)

- A3: hoffe auf neue Beziehung wenn Beziehung scheitert, ohne Angst

- L3: konstruktive Bewältigung v. Misserfolg

- M3: integrativ führen können, Beachtung meiner u. anderer Bedürfnisse

- F3: Selbstwachstum, Zuversicht, Maßnahmen der Stabilisierung, Mut zur Wahrheit

- Modus 4 = Empfinden, Ängstlichkeit (Stress à Scheitern verhindern)

- A4: alles machen, damit Beziehung nicht scheitert, kann Beziehung nicht genießen

- L4: Misserfolg vermeiden, auswendig lernen ohne Verstehen, erschöpfende Anstrengung, Orientierung an Leistung d. anderen

- M4: Dominanz, Befehle geben, Abwenden eigener Ohnmachtsgefühle (Selbstschutz)

- F4: rechtfertigen

- Modus 5 = Empfinden, Fühlen (hoher Stress)

- A5: Einsamkeit, keine Hoffnung, Angst vor erneutem Scheitern (passive Vermeidung)

- L5: Misserfolg – Ratlosigkeit, Enttäuschung

- M5: alles verloren, kann nichts ändern

- F5: Erfahrung des Selbstwertverlustes, Schamgefühle, fühlt sich unnütz

- Schule: gefährlich – durch Leistungsbeurteilung Flow nicht möglich (Schüler in Flow-Zustand unbedingt in Ruhe lassen), Ziel: lifelong learning Machtmotiv f. Lehrperson wichtig (Verantwortung, helfen, weiterbringen, offenes Ohr haben, kümmern – intuitiv, intrinsisch – aufgabenbezogenes Helfen gefährlich, wichtig wie man hilft!)

Peer coaching: S. schreibt Lösung ab = passive Vermeidung, nicht vorteilhaft!

Lernmotivation in Bildungsinstitutionen

Lernen in der Schule

- defensives Lernen: Schwierigkeiten vermeiden, Mittelpunkt ist nicht Erreichen v. Lernziel od. Erwerb v. Fähigkeit sondern notenfixiert (Angst vor schlechten Noten), Fehler vermeiden, Lehrperson als Zensor, leistungsorientiert, kein Flow-Zustand (Bildungsstandards brauchen Output-Orientierung), Sozialmotiv ausschlaggebend, passive Vermeidung
- Leistungsmotiv L2 und L4:L2 = Annährung an Sache intuitiv extrinsisch, Zielorientierung, Empfinden ausgeblendet, Leistungen auf Leistungsbeurteilung ausgerichtet; L4 = Augen zu und durch, Abneigung zu best. Fächern, Empfinden / Fehlervermeidung ganz stark
- offensives Lernen: individuelle Bezugsnormorientierung, Hoffnung auf Erfolg
- träges Wissen: nicht in kognitive Struktur integriert, nie angewendet, ohne Anwendungserfahrung abgespeichert (abstraktes Wissen), nicht abgerufen, nur für Prüfung gelernt, dann vergessen
- vieles ist noten- und prüfungsrelevant, weiterer Bildungsweg davon abhängig

Selbstbestimmungstheorie der Motivation (Deci & Ryan)

- Wie kann man defensives Lernen vermeiden? Wann lernen S. intrinsisch motiviert?
- L. muss Maßnahmen setzen, damit S. sich m. Zielen identifizieren können – auch Ziele v. außen können zu intrinsisch motiviertem Lernen führen (extr.-intr. keine Dichotomie = entweder/oder, sondern Anstoß v. anderen Richtung Selbstzugang)
- 3 motivationsfördernde Faktoren: Autonomie (ich selbst bleiben, innere Zustimmung), Selbstwirksamkeitserleben (mein Einsatz lohnt sich, ich bin kompetent), soziale Eingebundenheit
- Konsequenzen f. Unterricht: Kooperative Planung, informierender Einstieg, Aufgaben die Selbstwirksamkeitserleben fördern (Inhaltsorientierung, Schwierigkeitsgrad), Achtung auf Lernklima
- OIT (Organismic Integration Theory): v. externaler Regulation (Belohnung, Bestrafung) über introjizierte Regulierung (Erwartungen v. Eltern erfüllen) u. identifizierte / integrierte Regulation (m. etwas was man nicht geglaubt hat identifizieren) zur intrinsischen Regulation (Selbstbestimmung, intrinsich motiviert, höchste Stufe) à Teil des Unterr. verwenden um diesen Prozess bei S. abzubilden (Stoff soll S. interessieren, S. f. Stoff begeistern)

- 4 Strategien zur Autonomieförderung:
- Motivation d. S. nutzen (Interessen, Kompetenzen – Wahlmöglichkeiten)
- Sprache: Druck, Zwang u. Kontrolle vermeiden – informatorische Sprache
- Relevanz v. uninteressanten Themen erklären, erwünschtes Verhalten begründen (Ich-Botschaften)
- Widerstand anerkennen u. ausdrücken lassen
- Erziehungsziele: Autonomieförderung u. Struktur
- Autonomie fördernd: hoch strukturiert, wenig Kontrolle
- kontrollierend: hoch strukturiert, viel Kontrolle
- fordernd, inkonsequent: viel Kontrolle, wenig strukturiert
- zulassend: wenig Kontrolle, wenig strukturiert

Förderung von Selbststeuerungskompetenzen

- nicht alle S. motiviert, glücklich u. kompetent à Welche Räder müssen ineinandergreifen damit S. motiviert an Sache herangeht?
- STAR-Modell als Verständnisgrundlage f. Erst- u. Zweitreaktion
- unterschiedl. Erstreaktion je nach Bedürfnis (Anschluss, Leistung, Macht, Selbst-Integration) u. Umsetzungsform (intuieren, empfinden, denken, fühlen)
- Leistung – intuieren: Schwierigkeits- u. Anstrengungsvermeidung, Ressource Offenheit u. Begeisterung, Risiko impulsives Handeln
- Leistung – denken: Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit, Ressource Genauigkeit in Planung, Risiko Aufschub der Handlung
- Leistung – fühlen: Zuversicht, Ressource Ruhe bewahren, Risiko stoische Ruhe
- Leistung – Sozialvergleich: besser sein als andere oder nicht schlechter
- Leistung – empfinden: selbstkritisch, besorgt, Ressource Respekt vor Neuem, Risiko hohe Sensibilität in Bezug auf Anforderungen
-ptimal wäre fühlen und denken!
- Zweitreaktion (Kompetenzelemente v. Selbststeuerung): Erstreaktion in Hinblick auf best. Situation adaptieren dass gute Situationsbewältigung möglich, durch Beispiel der Lehrperson gefördert, Stärkung durch positive Formulierung vom Umgang m. Motivationsproblemen – Maßnahmen:
- Intuieren: Selbstbremsung (Zeit lassen, Ziele vor Augen halten, zusammenarbeiten m. jemand Planvollem)
- Denken: Selbstmotivierung (zweite Chance geben, nicht Perfektes erlauben, Lust entdecken)
- Fühlen: Selbstkonfrontation (negative Gefühle u. Feedback heranlassen, Selbstberuhigung üben, Verantwortung übernehmen wenn nicht alles passt)
- Empfinden: Selbstberuhigung (sich selbst wieder spüren, eigenes Handeln als wertvoll sehen, eigene Ziele ausloten)
- Prozessorientierung im Unterr: hinterfragen warum etwas nicht funktioniert, entwicklungsfördernd, keine Zeitvorgaben, individuelles Lerntempo, Kontrolle hemmt Selbstmotivierung

[...]

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Details

Titel
Einführung in die Pädagogischen Psychologie
Hochschule
Universität Salzburg
Autor
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V437824
ISBN (eBook)
9783668779594
ISBN (Buch)
9783668779600
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Psychologie, Pädagogische Psychologie, Lernen, Lerntheorien, Motivation, Didaktische Settings, Schule
Arbeit zitieren
Bianca Lehner (Autor), 2015, Einführung in die Pädagogischen Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437824

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