Zusammenfassung zur Vorlesung "Sprachvariation und Sprachwandel". Sprachbetrachtung, Geschichte des Deutschen, erste und zweite Lautverschiebung, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch, Beschreibung sprachlichen Wandels.
Inhaltsverzeichnis
Sprachbetrachtung
Bittschrift Essen 19.Jh.
Grammatischer Wechsel
Was ist Deutsch?
Jargon = Sondersprache = sozial gebunden, Integration innerhalb d. Gruppe, Ausschluss anderer (Bsp. Jugendsprache, Fachsprache/sachl., Dialekt/regional – Überschneidungen möglich Bsp. Arbeitersprache/sozial+fachl.)
Dialekt = regional spezif. Variätet m. geringster räuml. Gültigkeit, fehlende Verschriftlichg.
Kontinuum Hochdeutsch-Umgangssprache-Dialekt
Hochdeutsch:
normativ, höchste Ausprägung, Standard-/Schriftdeutsch
regional/räuml., auf Basis v. Isoglossen (Punkte m. gleichem sprachl. Verhalten zu einer Linie verbunden, Bsp. Benrather Linie)
im dt. Sprachraum 3 Teile: AHD – 2.Lautverschiebung im Norden nicht eingetreten – Nord/Niederdt. Raum; 2.LV teilw. Eingetreten – Mitteldt. Raum; 2.LV vollständig eingetreten – Oberdt. Raum
german. Sprachen: Deutsch, Englisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch, Flämisch, Niederländisch, Friesisch, Afrikaans, Jiddisch, Gotisch
rekonstruiertes Germanisch mit * gekennzeichnet
bis 20.Jh. Deutsch als monzentrist. Sprache = Binnen-Deutsch (Norm, Richtigkeit, Schönheit, Bundesdeutsch) ≠ Randdeutsch (Österr. Dt., Schweizer Dt.)
Michael Clyne, Heinz Kloss: Gegenentwurf Ende 1980er – Plurizentrismus (mehrere Zentren)
Ammon: Vollzentren – Codex an Normen (Deutschland Duden, Österr. ÖWB, Schweiz CHWB); Halbzentren – ohne Codex (Liechtenstein)
Ist Deutsch plurinational? (innerhalb v. Ländern) – Nein! Pluriareal, am Kulturraum orientiert
Diaglossie (typ. f. mitteldt. u. SO-dt. Raum) = Sprache abhängig v. Kontext, Situation, Gegenüber,… gradueller Übergang, sprachl. Kontinuum an Varietäten zwischen Basisdialekt u. Standardspr.
Diglossie (norddt. Raum) = jeder Sprecher hat Pole Dialekt u. Standardspr., entweder/oder, kein gradueller Übergang
Peter Wiesinger: Spektrum d. Umgangssprache Basisdialekt – Regional(Regio)dialekt – Umgangssprache – Standardsprache (regionale Färbung) – Leseaussprache
Annahme bei Wiesinger willkürlich – besser: Implikationsskalen = Regeln f. gemeinsames Auftreten v. Phänomenen
Kookkurrenzregel: Phänomene treten gemeinsam auf, Bsp. <gesagt> [gəsa:kt] – [ksᴐkt] – wenn Hebung a zu ᴐ, dann auch Synkope v. e
Appellativum = Gattungsname; Nomen proprium = Eigenname
Vorgeschichte u. Geschichte des Deutschen
Kodierungsverfahren
Sprachentwicklung – Modelle
German. Sprachen
1. Lautverschiebung = german. LV
2. Lautverschiebung = Althochdt. LV
Mitteldeutsch
Frühneuhochdt. Diphthongierung
Frühneuhochdt. Monophthongierung
Sprachvariation und Sprachwandel
Systemat. Beschreibung d. Wandels:
Intralinguistisch: Lautlicher Wandel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegenden Unterlagen bieten einen systematischen Überblick über die grundlegenden Prozesse und Modelle der historischen Sprachwissenschaft, mit besonderem Fokus auf die Entwicklung des Deutschen. Ziel ist es, die Mechanismen von Sprachwandel, die Entstehung von Sprachvariationen sowie die zentralen lautgeschichtlichen Verschiebungen nachzuvollziehen.
- Historische Entwicklung des Deutschen (von der Vorgeschichte bis zum Frühneuhochdeutschen)
- Methoden der Sprachbetrachtung und Sprachwandeltheorien (z.B. Stammbaum- vs. Wellentheorie)
- Lautverschiebungen (Germanische und Althochdeutsche Lautverschiebung) und ihre Auswirkungen auf das System
- Soziolinguistische Faktoren und die Dynamik zwischen Sprachvariation und Sprachwandel
Auszug aus dem Buch
Systemat. Beschreibung d. Wandels:
intentional: Einführung v. Anglizismen, Sprachpolitik
nicht intentional
EU-Beitrittsvertrag: 23 Austriazismen (verbreitet nur im Ö Staatsgebiet) Marmeladenkrieg weil lt. EU Marmelade nur aus Zitrusfrüchten
meist Sprachwandel nicht intentional, sondern unbewusst – Auslöser? Beide wirken ineinander, System bietet Rahmenbedingungen f. Veränderung (Sprache als Teil sozialen Handelns)
o intralinguist. (aus d. System heraus, innersprachl.)
o extralinguist. (außersprachl., Phänomen spät untersucht u. beschrieben – Soziolinguistik 20.Jh. siehe Labov)
Zusammenfassung der Kapitel
Sprachbetrachtung: Einführung in die grundlegenden synchronen und diachronen Betrachtungsweisen sprachlicher Phänomene sowie Begriffe wie Dialekt und Soziolekt.
Bittschrift Essen 19.Jh.: Analyse eines historischen Textbelegs hinsichtlich palataler Lautentwicklungen und graphemischer Besonderheiten.
Grammatischer Wechsel: Erläuterung systematischer Konsonantenwechsel in verwandten Wörtern und die Rolle der Frequenz bei der Ausgleichung irregulärer Muster.
Was ist Deutsch?: Diskussion über den Status des Deutschen als pluriareale Sprache und die Problematik von Sprachnormierungen und dem Homogenismus.
Vorgeschichte u. Geschichte des Deutschen: Überblick über die Ursprünge des Deutschen, die Probleme der Verschriftlichung und die genetische Verwandtschaft indogermanischer Sprachen.
Kodierungsverfahren: Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Sprachstrukturen hinsichtlich der Informationskodierung.
Sprachentwicklung – Modelle: Darstellung zentraler Modelle wie das Stammbaum-Modell und die Wellentheorie zur Erklärung sprachlicher Diversifikation.
German. Sprachen: Darstellung der Stammesgliederungen und der ältesten überlieferten germanischen Sprachzeugnisse.
1. Lautverschiebung = german. LV: Erläuterung des Übergangs vom Indogermanischen zum Germanischen und die Folgen für die Akzentuierung.
2. Lautverschiebung = Althochdt. LV: Beschreibung des Prozesses der lautlichen Veränderung, der zur Ausgliederung hochdeutscher Varietäten führte.
Mitteldeutsch: Betrachtung regionaler Lautentwicklungen und geographischer Sprachräume.
Frühneuhochdt. Diphthongierung: Erläuterung des Prozesses der Diphthongierung und der Theoriebildung der Junggrammatiker.
Frühneuhochdt. Monophthongierung: Analyse der Rückbildung von Diphthongen im Mitteldeutschen und deren Periodisierung.
Sprachvariation und Sprachwandel: Diskussion über das gegenseitige Bedingungsverhältnis von Variation und Wandel sowie soziolinguistische Einstellungen.
Systemat. Beschreibung d. Wandels: Differenzierung zwischen intentionalem und nicht-intentionalem Wandel sowie intralinguistischen und extralinguistischen Faktoren.
Intralinguistisch: Lautlicher Wandel: Untersuchung von Assimilationserscheinungen und Analogiebildungen als Prinzipien morphologischen Wandels.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Sprachvariation, Lautverschiebung, Dialekt, Soziolekt, Germanisch, Althochdeutsch, Synkope, Umlaut, Analogie, Soziolinguistik, Tokenfrequenz, Typologie, Morphologie, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Skript grundsätzlich?
Das Skript bietet eine grundlegende Einführung in die historische Linguistik und die Sprachgeschichte des Deutschen, wobei Prozesse des Sprachwandels und der Variation im Zentrum stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören Lautverschiebungen, die Systematisierung des Sprachwandels, die Unterscheidung zwischen verschiedenen Sprachmodellen sowie die soziolinguistische Einordnung von Sprachvarietäten.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Ziel ist es, das Verständnis für die Entwicklung der deutschen Sprache zu schärfen und die Mechanismen aufzuzeigen, wie sich Sprachsysteme über die Zeit hinweg verändern und differenzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden verschiedene Methoden der historischen Sprachwissenschaft angewandt, darunter die vergleichende Sprachwissenschaft, die Analyse von Isoglossen, Modellbildungen (wie das Stammbaum-Modell) und die deskriptive Linguistik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen der Lautverschiebungen, die Entwicklung von Diphthongierungs- und Monophthongierungsprozessen sowie die theoretische Erfassung von intralinguistischem und extralinguistischem Sprachwandel.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Begriffe sind Lautverschiebung, Analogie, Sprachvarietät, Diachronie, Synchronie, sowie die soziolinguistischen Konzepte von "overt" und "covert prestige".
Was ist der Unterschied zwischen der 1. und 2. Lautverschiebung?
Die 1. Lautverschiebung (Grimm's Law) betrifft den Übergang vom Indogermanischen zum Germanischen, während die 2. Lautverschiebung (Althochdeutsche LV) eine spezifisch hochdeutsche Lautentwicklung darstellt.
Warum ist die Unterscheidung von Token- und Typefrequenz wichtig?
Diese Unterscheidung hilft zu erklären, warum häufig gebrauchte Wörter eher zu irregulären oder abweichenden Bildungen neigen, während seltenere Wörter eher den produktiven (schwachen) Mustern folgen.
Welche Rolle spielt die Soziolinguistik bei der Analyse?
Die Soziolinguistik untersucht extralinguistische Faktoren, wie den Einfluss von Prestige oder sozialer Identität, die bestimmen, warum sich bestimmte sprachliche Veränderungen durchsetzen oder abgelehnt werden.
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- MA Bianca Lehner (Autor), 2016, Sprachvariation und Sprachwandel. Eine Zusammenfassung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437832