Aggression und Konflikt in der modernen Gesellschaft

Formen, Ursachen und Einflussfaktoren


Studienarbeit, 2015

32 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Aggression in der modernen Gesellschaft

2 Grundlagen: Definition, Begriffe und Formen

3 Einflüsse auf die Aggressionsentstehung
3.1 Biologische Faktoren
3.2 Psychologische Faktoren
3.3 Sozio-kulturelle Faktoren

4 Merkmale des Konflikts

5 Rollenspiel zum Frustrations-Aggressions-Prinzip in Konflikten
5.1 Methodischer Aufbau
5.2 Ergebnisse und Zielsetzung

6 Management Summary

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Erscheinungsformen und Phänomene bei aggressivem Verhalten

Abb. 2: Arten und Beispiele voraggressiver und aggressiver Emotionen

Abb. 3: Aggressionsformen und deren Merkmale

Abb. 4: Einflussfaktoren auf Aggression

Abb. 5: Gruppeneinteilung für das Rollenspiel

1 Aggression in der modernen Gesellschaft

An einem frühen Samstagmorgen in einem Offenbacher Fast-Food-Restaurant bemerkte die junge Studentin Tugce A. eine laute Auseinandersetzung zwischen jungen Männern und Frauen. Die Frauen wurden dabei von den Männern bedrängt und belästigt. Tugce A. kam daraufhin zusammen mit anderen Gästen zu Hilfe. Als sie mit ihren Freunden schließlich das Restaurant verließ, lauerten die Männer ihnen auf und eine Auseinandersetzung war die Folge, bei der die junge Studentin von einem der Männer mit einem Schlag getroffen und zu Boden geworfen wurde. Die Folgen der resultierenden Hirnverletzung bedeuteten für Tugce A. letztendlich den Tod. Dieser Fall befand sich auch Wochen nach der Tat noch in den Medien und warf unter anderem die Fragen auf, ob ethische Unterschiede zwischen den Beteiligten die Eskalation begünstigten. Die Auseinandersetzung zog außerdem eine Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der Zivilcourage von Tugce A. nach sich.[1]

Dieses ist ein Beispiel für Aggression und aggressives Verhalten, in dem die vielfältigen Einflüsse erkennbar werden, die in der modernen Zivilisation vorzufinden sind. Es gibt immer wieder Konflikte zwischen ethnischen und religiösen Gruppen und der Mensch ist heutzutage einer Fülle an Einflüssen ausgesetzt, die er durch die modernen Medien wahrnimmt (z.B. Presse, Fernsehen und Facebook). Wie im Fall von Tugce A. gezeigt wird, haben diese Auswirkungen auf das menschliche Verhalten. Im Zusammenhang mit dem Phänomen Aggression stellt sich daher die Frage, welche Faktoren Aggression und Konflikte beeinflussen. Dies soll in den nachfolgenden Ausführungen beantwortet werden.

Das zweite Kapitel stellt die grundlegenden Arten und Formen der Aggression vor sowie aktuelle Definitionen zu wichtigen Begriffen mit Erläuterung. Dadurch wird ein erstes Basiswissen vermittelt, das wichtig für das Verständnis der Arbeit ist. Die verwendete Literatur beruht unter anderem auf aktuellen Bachelorstudiengängen für Psychologie.

Im dritten Kapitel dieser Arbeit wird auf die unterschiedlichen Bereiche eingegangen, in denen Faktoren oder Prozesse zu finden sind, die Aggression beeinflussen. Diese bilden den Kern der Arbeit und werden anhand von Praxisbeispielen und experimentellen Nachweisen erklärt.

Das vierte Kapitel stellt knapp dar, worum es sich bei Konflikten handelt, indem seine Merkmale zusammengefasst werden. Dadurch bildet sich ein direkter Bezug zu Aggression, die dabei mitschwingt.

Im fünften Kapitel wird ein Rollenspiel zum Frustrations-Aggressions-Prinzip in Konflikten vorgestellt, das mit Probanden in Kleingruppen durchgeführt werden kann. Entscheidend ist dabei, wie sich die Situationen entwickeln und welche Einflüsse die Teilnehmer bemerken. Dabei soll zunächst der methodische Aufbau beschrieben und dann die Zielsetzung des Spiels verdeutlicht werden.

Zum Abschluss der Arbeit wird ein kurzes Fazit mit Bezug auf die zentrale Fragestellung gegeben, das mitunter aus der Zusammenfassung der übrigen Kapitelinhalte besteht. Darüber hinaus wird ein möglicher Ausblick auf weitere Forschung und Maßnahmen zur Aggressionsbewältigung in Aussicht gestellt.

2 Grundlagen: Definition, Begriffe und Formen

Es gibt verschiedene Definitionen von Aggression, die sich im Entwicklungsverlauf der Psychologie verändert haben. Die aktuellste und allgemeinste Definition stammt von Baron und Byrne und wurde im Jahr 2002 aufgestellt.[2] Ihnen zufolge handelt es sich bei Aggression um „das absichtliche Zufügen von Schaden gegenüber anderen“[3], sie schließt also die willentliche Schädigung durch Verhalten ein. Diese Schadensintention ist modernen Aggressionsdefinitionen gemein.[4] Nolting konstatiert neben den Definitionsbestandteilen Schaden und Intention auch die Normabweichung, die sich aus dem allgemeinen Verständnis von Aggression ergibt und für die psychologischen Definitionen nicht typisch ist.[5]

Ein weiterer Begriff, der im Zusammenhang mit Aggression verwendet wird, ist die Aggressivität, also der Grad an Aggressionsbereitschaft eines Individuums als dessen Eigenschaft. Nimmt aggressives Verhalten schwerwiegende Formen mit massiven Konsequenzen für die Beteiligten an, so ist von Gewalt die Rede, wird aggressives Verhalten gegenüber einer schwächeren Person hingegen über einen längeren Zeitraum hinweg geäußert, so ist dies Mobbing oder Bullying im Bereich der Schule. Gewalt kann sich, wie häufig zitiert, auch strukturell oder indirekt auswirken, also als latente Schädigung von Personengruppen durch ein ungerechtes Gesellschaftssystem. Dies ist laut Definition keine Aggression, wenn die Schädigung nicht zielgerichtet herbeigeführt wird. Als voraggressiv bezeichnet man beispielsweise Verhalten eines schlagenden, tretenden und schreienden Kleinkindes, weil es nicht willentlich schädigen kann und sein Verhalten sich auf die Abneigung gegen ein Objekt und nicht gegen einen Menschen bezieht.[6] Bei Aggression spielen auch die Ebene des Verhaltens und der Emotion eine Rolle. Für aggressive Verhaltensweisen gibt es unterschiedliche Erscheinungsformen. Diese sind mit zugehörigen Phänomenen in folgender Übersicht zusammengefasst:

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Erscheinungsformen und Phänomene bei aggressivem Verhalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nolting, H.: Lernfall Aggression – Wie sie entsteht – Wie sie zu vermindern ist – Eine Einführung, 6. Auflage, Rowolth Taschenbuch Verlag: Reinbek, 2014, S. 20.

Unter die relationale Erscheinungsform fällt vor allem die indirekte Aggression, da hier aggressives Verhalten nicht in unmittelbarer Interaktion mit der betroffenen Person ausgeführt wird.[7]

Betrachtet man aggressive Emotionen oder Stimmungen, so lassen diese sich nach den beiden Kriterien voraggressiv und aggressiv ordnen und weiter unterteilen, wie sich in folgender Abbildung zeigt (der Unmut stellt dabei eine Zwischenposition dar):

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2 : Arten und Beispiele voraggressiver und aggressiver Emotionen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nolting, H.: Lernfall Aggression – Wie sie entsteht – Wie sie zu vermindern ist – Eine Einführung, 6. Auflage, Rowolth Taschenbuch Verlag: Reinbek, 2014, S. 23

Auch nichtaggressive Emotionen wie Angst, Furcht, Trauer, Machtgefühle können Aggression auslösen.[8] Neben den oben beschriebenen aggressiven Verhaltensweisen und direkter bzw. indirekter Aggression gibt es noch die Unterscheidung zwischen instrumenteller und feindseliger Aggression. Erstere liegt vor, wenn durch eine aggressive Handlung ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll, was in Kriegen der Fall ist, die auf den Zugewinn von Land oder Ressourcen gerichtet sind. Parallel dazu gibt es milde Formen, wie der körperliche Einsatz beim Fußballspiel. Im Gegensatz zur instrumentellen dient die feindselige Aggression einzig dem Zufügen von Schaden und Schmerz. Sie geht meist mit aggressiven Gefühlen als emotionaler Antrieb einher und tritt als Folge von wahrgenommenen Provokationen auf. Sie ist daher als reaktiv bzw. affektiv anzusehen.[9]

Auf Basis der obigen Unterteilungen können abschließend für 2.1 verschiedene Aggressionsformen nach Art der zugrundeliegenden Motivation unterschieden werden. Nolting stellt diese in folgender Tabelle dar und gibt Erkennungsmerkmale:

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 3 : Aggressionsformen und deren Merkmale

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nolting, H.: Lernfall Aggression – Wie sie entsteht – Wie sie zu vermindern ist – Eine Einführung, 6. Auflage, Rowolth Taschenbuch Verlag: Reinbek, 2014, S. 126.

3 Einflüsse auf die Aggressionsentstehung

Bei näherer Betrachtung von aggressivem Verhalten in Konfliktsituationen wird deutlich, aus welchen grundsätzlichen Bereichen die Einflüsse auf gegenwärtige Aggression stammen. Diese bedingen sich gegenseitig und lassen sich unterteilen in:[10]

- Innere Prozesse: Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle, Motivation
- Situationsfaktoren: Anlass, Umgebung, anwesende Personen (externe Faktoren)
- Personale Dispositionen: Einstellungen, Empfindlichkeiten, Kompetenzen
- Entwicklungsbedingungen: Ursprung der Dispositionen (erlernt oder vererbt)
- Interpersonale Beeinflussung und Bezogenheit: Kommunikation, Interaktion, Beziehung

Zur Erklärung der spezifischen Einflüsse auf Aggression ist eine Überschneidung verschiedener Disziplinen unerlässlich, die auf eigenen Forschungsgrundlagen Untersuchungen durchführen. Die Schilderung der nachfolgenden Einflussfaktoren ist jeweils mit Studien hinterlegt. Am Ende des dritten Kapitels findet sich eine zusammenfassende Grafik, in der die wichtigsten Einflüsse enthalten sind.

3.1 Biologische Faktoren

Zu den biologischen Faktoren zählen alle genetisch, neuronal und biochemisch bedingten Einflüsse. Sie werden von Vertretern des biologischen Ansatzes der Aggressionsentstehung untersucht, die aus Tierversuchen gewonnene Erkenntnisse auf Menschen übertragen.[11]

[...]


[1] Vgl. Bartsch (15.12.2014)

[2] Vgl. Fischer/Asal/Krueger (2014), S. 62

[3] Fischer/Asal/Krueger (2014), S. 62

[4] Vgl. Fischer/Asal/Krueger (2014), S. 62

[5] Vgl. Nolting (2014), S. 14

[6] Vgl. Nolting (2014), S. 16f.

[7] Vgl. Nolting (2014), S. 21

[8] Vgl. Wahl (2009), S. 76

[9] Vgl. Fischer/Asal/Krueger (2014), S. 62

[10] Vgl. Nolting (2014), S. 35f.

[11] Vgl. Fischer/Asal/Krueger (2014), S. 65

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Aggression und Konflikt in der modernen Gesellschaft
Untertitel
Formen, Ursachen und Einflussfaktoren
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
32
Katalognummer
V437843
ISBN (eBook)
9783668779631
ISBN (Buch)
9783668779648
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggression, Konflikt, Wirtschaft, Psychologie
Arbeit zitieren
Armin Stühler (Autor:in), 2015, Aggression und Konflikt in der modernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437843

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