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Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues - Charakterisierung der Theorie

Title: Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues - Charakterisierung der Theorie

Thesis (M.A.) , 2003 , 75 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Marek Bartos (Author)

Philosophy - Early Modern Philosophy (approx. 1350-1600)
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Nikolaus von Kues (1401 – 1464) gilt als der bedeutendste Philosoph seines Jahrhunderts. Als Kardinal und Bischof von Brixen hatte er zudem für die Theologie seiner Zeit große Wichtigkeit. Trotz dem von der Theologie geprägten Denken ist seine Vorgehensweise immer darauf bedacht gewesen streng philosophischen Ansprüchen zu genügen. Sein Denken lässt sich nicht leicht in eine bestimmte Epoche eingliedern, da es sowohl von mittelalterlichem Gedankengut und ihren spezifischen Problematiken geprägt ist, als auch bereits moderne Denkformen der beginnenden Renaissance enthält.
Zur zentralen Problemstellung wird ihm die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu Gott, bzw. die Frage nach der erkenntnistheoretischen Möglichkeit des Erfassens dieses Verhältnisses und der Grenzen dieses Erfassens.
Diese Arbeit widmet sich dem cusanischen Kerngedanken, der coincidentia oppositorum und seiner Herkunft.
Zu Beginn soll daher gezeigt werden, wie das Thema der Gegensätze die Philosophiegeschichte seit ihren Anfängen zentral beschäftigt hat. Dabei wird zu erörtern sein, wie die von Cusanus im besonderen rezipierte neuplatonische Tradition sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat.
Aus dem Mittelalter, das vom Konflikt zwischen Metaphysik und Logik geprägt war, ist dann exemplarisch das Denken des Johannes Scotus Eriugena und Meister Eckharts ausgewählt worden. Zum Abschluss des historischen Abrisses soll noch die Entstehung des Begriffes der Koinzidenz und der cusanischen coincidentia oppositorum angeführt werden.
Nach einer systematischen Vorbemerkung zur Vorgehensweise des Nikolaus von Kues wird die erste inhaltliche Formulierung des Koinzidenzgedankens in De docta ignorantia sowie seine Präzisierungen in De coniecturis betrachtet. Dadurch tritt im folgenden Abschnitt die Frage nach dem Verständnis der coincidentia oppositorum auf, welche sich mit den Grenzen des aristotelischen Nichtwiderspruchsprinzips befasst. Im weiteren werden die besonderen Gottesnamen posse ipsum und non aliud des Kusaners betrachtet. Abschließend wird auf das Verhältnis von negativer Theologie zu affirmativer Theologie und der Überwindung beider bei Cusanus eingegangen sowie gezeigt, dass seine Philosophie systematisch als Geistmetaphysik verstanden werden kann.
Diese Arbeit versteht sich auch als Einführung in die für Nikolaus von Kues spezifische und immer noch aktuelle Problematik des Verhältnisses zwischen Logik und Metaphysik bzw. dessen Lösungsversuch im cusanischen Denken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Philosophiegeschichtlicher Abriss der Herkunft des Themas der Koinzidenz

1. Prinzip der Gegensätze

a) Vorsokratiker

b) Platon

c) Aristoteles

2. Prinzip des Einen

a) Plotin

b) Proklos

c) Pseudo-Dionysios Areopagita

3. Metaphysik und Logik

a) Beispiele des Konfliktes

b) Johannes Scotus Eriugena

c) Meister Eckhart

4. Der Begriff der Koinzidenz

III. Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues - Charakterisierung der Theorie

1. Systematische Vorbemerkung

2. maximum und minimum

a) Das Größte fällt mit dem Kleinsten zusammen

b) Geometrische Beispiele

c) Das Größte ist alles, was sein kann

3. coincidentia contrariorum und contradictorium

a) Konträre Gegensätze

b) Kontradiktorische Gegensätze

c) Das Eine als Koinzidenz oder jenseits der Koinzidenz

4. Die Gültigkeit des Nichtwiderspruchsprinzips

a) Der Satz vom Nichtwiderspruch als Prinzip des Verstandes

b) Die Gründung des Nichtwiderspruchsprinzips in der Vernunft

5. Vertiefung der Methode

a) Der Beryll

b) Die Mauer der Koinzidenz

6. Die Gottesnamen

a) possest

b) posse ipsum

c) non aliud und idem

7. Überwindung der negativen Theologie

8. Geistmetaphysik

IV. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Charakterisierung und historische Herkunft des zentralen cusanischen Gedankens der coincidentia oppositorum (Zusammenfall der Gegensätze). Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie dieser Begriff in Nikolaus von Kues’ Philosophie systematisch verankert ist, wie er sich von der neuplatonischen Tradition abhebt und welche Bedeutung er für das Verhältnis von menschlicher Vernunft, Logik und Metaphysik hat.

  • Die Philosophiegeschichte der Gegensätze und des Einen von den Vorsokratikern bis zur Scholastik.
  • Die systematische Ausarbeitung der coincidentia oppositorum in den Werken des Cusanus.
  • Das Verhältnis von menschlichem Verstand und göttlicher Vernunft.
  • Die Rolle der docta ignorantia (belehrte Unwissenheit) als Methode des Denkens.
  • Gottesnamen wie possest, posse ipsum und non aliud zur Annäherung an das Unendliche.

Auszug aus dem Buch

b) Geometrische Beispiele

Für Nikolaus von Kues steht also fest, „dass das schlechthin Größte nicht zu den Gegenständen gehören kann, die wir wissen können und zu begreifen vermögen“. Über bloße Ähnlichkeit ist damit kein besseres Verstehen des Größten möglich. Cusanus bedient sich daher der Mathematik, genauer gesagt der Geometrie, um sich symbolhaft an das unendlich Größte anzunähern:

„Alles Mathematische ist endlich und lässt sich anders gar nicht vorstellen. Wenn wir deshalb für den Aufstieg zum schlechthin Größten das Endliche als Beispiel verwenden wollen, so müssen wir zunächst die endlichen mathematischen Figuren mit ihren Eigenschaften und Verhältnissen betrachten und entsprechend die Verhältnisse auf gleichartige unendliche Figuren übertragen.“

Dazu bedarf es einer „Ablösung von aller Figürlichkeit“. Löst sich jedoch unsere Vorstellung von der Figürlichkeit einer geometrischen Figur, scheint damit aber gerade ihr Wesentliches dabei verloren zu gehen. Cusanus muss aber beim Aufweis des zu Grunde liegenden wahren Wesens der Figur in ihrer Unendlichkeit genau diese unsere Vorstellung bei Seite räumen. Für den menschlichen Verstand vermag eine unendliche Figur ohne Figürlichkeit nicht mehr vorstellbar zu sein, aber gerade hierin eröffnet sich in ihr das spezifisch Unendliche – und damit ihr innerstes Wesen (oder die Form ihrer Form) – für den Betrachter: „Erst dann wird unsere Unwissenheit in einer nicht begreifenden Weise belehrt werden, in Rätselbildern sich mühend, über das Höchste in einer richtigeren und wahreren Weise zu denken“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Denken des Nikolaus von Kues ein und benennt die coincidentia oppositorum als zentralen Kerngedanken seiner philosophisch-theologischen Arbeiten.

II. Philosophiegeschichtlicher Abriss der Herkunft des Themas der Koinzidenz: Hier werden die antiken und mittelalterlichen Vorläufer, insbesondere die Prinzipien der Gegensätze bei Platon und Aristoteles sowie die neuplatonische Tradition, kritisch beleuchtet.

III. Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues - Charakterisierung der Theorie: Der Hauptteil erläutert systematisch die cusanische Lehre, insbesondere das Zusammenfallen von Maximum und Minimum, das Nichtwiderspruchsprinzip und die Rolle spezieller Gottesnamen.

IV. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und betont die cusanische Methode als Weg, durch die Erkenntnis der eigenen Unwissenheit zur philosophischen Einsicht in das göttliche Sein zu gelangen.

Schlüsselwörter

Nikolaus von Kues, Coincidentia oppositorum, Zusammenfall der Gegensätze, Docta ignorantia, Absolute Einheit, Metaphysik, Vernunft, Verstand, Nichtwiderspruchsprinzip, Possest, Non aliud, Geistmetaphysik, Negative Theologie, Unendlichkeit, Erkenntnistheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die philosophische Theorie des "Zusammenfalls der Gegensätze" bei Nikolaus von Kues, ihre historischen Wurzeln und ihre systematische Bedeutung für sein Verständnis von Gott und menschlicher Erkenntnis.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Einen, der Unendlichkeit, der Grenzen des menschlichen Verstandes sowie das Verhältnis von Logik und Metaphysik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den cusanischen Ansatz der coincidentia oppositorum als Methode und ontologisches Prinzip darzustellen, die den Menschen über logische Widersprüche hinaus zu einer höheren Vernunfterkenntnis führen soll.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philosophiehistorische Analyse, um die Begriffe des Kusaners durch den Vergleich mit Vorläufern (wie Plotin, Proklos oder Eckhart) und die Exegese seiner eigenen Hauptwerke zu erschließen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die systematische Vorbemerkung, die mathematische Symbolik der Koinzidenz, die Rolle des Nichtwiderspruchsprinzips sowie spezifische Gottesnamen und deren Funktion für das menschliche Denken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Coincidentia oppositorum, Docta ignorantia, Non aliud, Possest sowie die Differenzierung von Vernunft (intellectus) und Verstand (ratio).

Wie unterscheidet Cusanus zwischen Verstand und Vernunft?

Der Verstand (ratio) ist an das Nichtwiderspruchsprinzip gebunden und denkt in Unterscheidungen, während die Vernunft (intellectus) in der Lage ist, Gegensätze in einer höheren Einheit zu verbinden.

Was bedeutet der Begriff "belehrte Unwissenheit"?

Sie beschreibt den Zustand eines Wissens, das sich seiner eigenen Begrenztheit und der Unerreichbarkeit des absoluten Wesens Gottes bewusst ist, was die höchste Form der menschlichen Erkenntnis darstellt.

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Details

Title
Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues - Charakterisierung der Theorie
College
Munich School of Philosophy
Grade
2,0
Author
Marek Bartos (Author)
Publication Year
2003
Pages
75
Catalog Number
V43788
ISBN (eBook)
9783638415125
ISBN (Book)
9783638707145
Language
German
Tags
Nikolaus Kues Charakterisierung Theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marek Bartos (Author), 2003, Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues - Charakterisierung der Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43788
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