Gregor von Tours wurde als Georgius Florentius am 30. November 538 oder 539 in Clermont geboren und entstammte einer Familie des römischen Senatorenadels. Bedingt durch seine Abstammung war er, wie zuvor schon einige Verwandte, für ein hohes Amt qualifiziert. Zu diesen zählte beispielsweise sein Onkel Gallus, der das Amt des Bischofs von Clermont inne hatte. Eben dieser nahm sich, nach dem frühen Tod seines Bruders Florentius, seines Neffen Georgius an. In den Jahren von 548 bis 551, in dem Gallus am 14. Mai starb hielten sich Gregor und seine Mutter viele Male in Clermont auf, wo er des Öfteren in Kontakt zu seinem Onkel trat. Zu dieser Zeit litt Gregor unter einer schweren Magenerkrankung. Er gelobte in den Klerikerstand einzutreten, sollte er nach seiner Pilgerfahrt an das Grab des hl. Illidius geheilt werden. Entgegen der eigentlichen Familienplanung, in der Gregor zur Weiterführung des Geschlechts vorgesehen war, verschrieb er sich der Kirche und begann seine Ausbildung bei Avitus in Clermont. Während einer zweiten schweren Erkrankung im Jahre 563, von der er sich keine Heilung versprach, pilgerte Gregor an das Grab des hl. Martin. Auf der Rückreise wurde seinem Gefährten in einer Vision aufgetragen, die von ihm mitgenommene Reliquie an den Diakon Gregor („Gregorio diacono“ VM I 355) zu überreichen. Für die folgenden zehn Jahre bis zu seiner Erhebung zum Bischof von Tours gibt es kaum Informationen über die Tätigkeiten Gregors. Schließlich empfing er im Jahr 573 die Weihe zum Bischof.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG - DAS LEBEN GREGORS VON TOURS
2. DIE OBJEKTIVITÄTSPROBLEMATIK HISTORISCHER QUELLEN
3. DIE GRUNDSÄTZE MITTELALTERLICHER GESCHICHTSSCHREIBUNG
3.1. HISTORIARUM LIBRI DECEM -- EIN BEISPIEL DER HEILSGESCHICHTLICHEN AUSRICHTUNG MITTELALTERLICHER GESCHICHTSSCHREIBUNG
3.2. SPEZIFISCHE PROBLEMATIKEN DER MITTELALTERLICHEN GESCHICHTSSCHREIBUNG
4. BETRACHTUNG AUSGEWÄHLTER AUSZÜGE AUS DEN 10 BÜCHERN GESCHICHTE
5. FAZIT – DIE INTENTION GREGORS VON TOURS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Objektivität in den Historiarum libri decem des Gregor von Tours. Dabei wird analysiert, inwieweit mittelalterliche Geschichtsschreibung durch didaktische Motive und eine heilsgeschichtliche Weltsicht geprägt war, anstatt eine reine, objektive Faktenaufzeichnung anzustreben.
- Methodische Grundlagen der historischen Quellenkritik
- Charakteristika mittelalterlicher Historiographie
- Die Bedeutung der heilsgeschichtlichen Orientierung
- Subjektivität in der Darstellung von Herrscherfiguren
- Kontrastierung von "gutem" und "schlechtem" Königtum
Auszug aus dem Buch
3.1. Historiarum libri decem -- Ein Beispiel der heilsgeschichtlichen Ausrichtung mittelalterlicher Geschichtsschreibung
Eine Heilsgeschichtliche Orientierung war bei mittelalterlichen Historiographen weit verbreitet. Nicht zuletzt ist dies darauf zurückzuführen, dass es sich bei den Geschichtsschreibern der damaligen Zeit überwiegend um Geistliche handelte. So auch bei Gregor von Tours, der seine Zehn Bücher Geschichte in den göttlichen Heilsplan einbettet. Doch was bedeutet dieser Sachverhalt nun für die Geschichtsschreibung?
Der Einbettung in einen göttlichen Heilsplan liegt eine deterministische Weltanschauung zur Grunde, die davon ausgeht, dass alle Ereignisse vorbestimmt und nicht beeinflussbar sind. Daher wird die Schöpfung als Ausgangspunkt der menschlichen Geschichte angenommen, wie es auch in den Historiarum libri decem der Fall ist, als Gregor nach dem verschriftlichten Glaubensbekenntnis im ersten Kapitel die Schöpfung der Erde beschreibt und von Adam und Eva berichtet. Dieser Einstieg verdeutlicht die Orientierung an dem heilsgeschichtlichen Schema der Universalchronistik, welches nach der Schöpfungsgeschichte noch das Alte, sowie das Neue Testament beinhaltet.
Ein weiterer Aspekt dieser Art von Geschichtsschreibung ist die Grundvoraussetzung der sich wiederholenden Geschichte. Es wird also davon ausgegangen, dass es ähnliche Situationen im Verlauf der Geschichte bereits gegeben hat, auf welche dann Bezug genommen wird. Meist werden dabei biblische Schilderungen als Vergleichsobjekt herangezogen. Begründet wird diese Ansicht damit, dass diese großen Ereignisse von Gott verursacht wurden. In der Forschung wird diese Art der Historiographie auch als Exegese interpretiert. Somit wären beispielsweise auch militärische Erfolge oder Misserfolge von Königen ein Zeichen für Gottes Einflussnahme.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG - DAS LEBEN GREGORS VON TOURS: Biographischer Überblick über den Werdegang Gregors, seine kirchliche Laufbahn und sein politisches Wirken unter den Merowingerkönigen.
2. DIE OBJEKTIVITÄTSPROBLEMATIK HISTORISCHER QUELLEN: Theoretische Untersuchung der quellenkritischen Herausforderungen, insbesondere der Unterscheidung zwischen Überrest und Tradition sowie der Standortgebundenheit von Autoren.
3. DIE GRUNDSÄTZE MITTELALTERLICHER GESCHICHTSSCHREIBUNG: Darstellung der didaktischen Zielsetzung und der chronologischen Struktur mittelalterlicher Werke sowie der theologischen Einflüsse auf die Historiographie.
3.1. HISTORIARUM LIBRI DECEM -- EIN BEISPIEL DER HEILSGESCHICHTLICHEN AUSRICHTUNG MITTELALTERLICHER GESCHICHTSSCHREIBUNG: Analyse der Einbettung des Werkes in den göttlichen Heilsplan und die Interpretation von Ereignissen als Gotteswirken.
3.2. SPEZIFISCHE PROBLEMATIKEN DER MITTELALTERLICHEN GESCHICHTSSCHREIBUNG: Diskussion des didaktischen Motivs als Risiko für die Objektivität sowie Kritik an der mangelnden Quellenprüfung bei mittelalterlichen Autoren.
4. BETRACHTUNG AUSGEWÄHLTER AUSZÜGE AUS DEN 10 BÜCHERN GESCHICHTE: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf konkrete Textbeispiele, insbesondere die Charakterisierung von König Chilperich und Gunthchramn.
5. FAZIT – DIE INTENTION GREGORS VON TOURS: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach die subjektive Einordnung in den Heilsplan das didaktische Leitmotiv Gregors bildet.
Schlüsselwörter
Gregor von Tours, Historiarum libri decem, Mittelalter, Geschichtsschreibung, Objektivität, Heilsgeschichte, Quellenkritik, Merowinger, Didaktik, Standortgebundenheit, Historiographie, Quellenkunde, Chilperich, Gunthchramn, Christentum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht die Frage, wie objektiv die historische Berichterstattung Gregors von Tours in seinem Hauptwerk Historiarum libri decem ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Quellenkritik, die Spezifika mittelalterlicher Geschichtsschreibung sowie die Analyse von Gregors subjektiver, didaktisch geprägter Darstellung der Merowingerzeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Gregor von Tours Geschichte nicht wertneutral festhielt, sondern diese aktiv in einen göttlichen Heilsplan einbettete, um den Leser didaktisch zu belehren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenorientierte Analyse durchgeführt, die theoretische Grundlagen der Geschichtswissenschaft mit der hermeneutischen Interpretation ausgewählter Textstellen aus den Zehn Büchern Geschichte kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Objektivitätsproblematik, eine Charakterisierung mittelalterlicher Historiographie und eine praktische Anwendung dieser Kriterien an Fallbeispielen aus Gregors Werk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Objektivitätsproblematik, Heilsgeschichte, mittelalterliche Geschichtsschreibung und didaktische Motivation.
Wie unterscheidet Gregor von Tours zwischen "guten" und "schlechten" Herrschern?
Er bewertet Herrscher oft anhand ihres Verhältnisses zum Christentum; so wird Gunthchramn als "bonus rex" gelobt, während Chilperich aufgrund seines Verhaltens als "Nero und Herodes" diskreditiert wird.
Welche Rolle spielt die wörtliche Rede in Gregors Schriften?
Die wörtliche Rede dient Gregor als stilistisches Mittel, um die Charakterisierung der Akteure zu verstärken und deren Handlungen innerhalb seines moralisch-religiösen Rahmens als vorbildlich oder verwerflich einzuordnen.
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- Christopher Horn (Autor), 2018, Die Objektivitätsproblematik der mittelalterlichen Geschichtsschreibung am Beispiel Gregors von Tours, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438040