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Selbstinszenierung von Briefschreibenden durch die Schreibszene. Analyse eines Briefes von Droste-Hülshoff an Levin Scheckig

Título: Selbstinszenierung von Briefschreibenden durch die Schreibszene. Analyse eines Briefes von Droste-Hülshoff an Levin Scheckig

Trabajo , 2016 , 22 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Master of Arts Elisa Kapp (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Ein literarisches Werk – wie beispielsweise ein Brief – entsteht, indem es geschrieben wird. Was banal klingen mag umschließt bei näherer Betrachtung eine geistige und gleichzeitig sinnlichkörperliche Vielfalt an Erfahrungen für den Schreibenden (und später für den Lesenden). Der Akt des Schreibens konstruiert – vereinfacht nach Roland Barthes – loslösbar vom Autor das Werk als solches. Schreiben als Tätigkeit ist eine sinnliche Erfahrung des ganzen Körpers, insbesondere, wenn klecksende Tinte und ein kratzender Federkiel, rauer Löschsand zur Vermeidung von Tintenflecken und glattes, faltbares Papier den Schreibvorgang rahmen. Ein Brief gilt schon seit jeher als Mittel der Kommunikation und der Selbstdarstellung. Der Privatbrief bot früher einen Raum für die schriftlich-literarische Darstellung von intimen Gedanken und Gefühlen, die Möglichkeit zur realen und fiktiven Selbstdarstellung und zur Selbstreflexion. In der florierenden Briefkultur des 18./19. Jahrhunderts nutzen insbesondere Frauen diesen Weg, weil sie durch das Briefeschreiben neben der Kontaktpflege einen Zugang zur Literaturszene und ersten Autorschaft bekamen. Das weibliche Leben und Erleben konnten in Briefen den Ausdruck finden, der in der Literaturlandschaft noch nicht gewährt wurde. Auch konnten Frauen im Rahmen des Briefeschreibens leichter Beziehungen eingehen und unterhalten, als es ihnen im täglichen Leben möglich war. Ein Brief diente daher im 18./19. Jahrhundert nicht nur der Übermittlung von Informationen, sondern ersetzte die vielen Facetten, die auch eine direkte Begegnung aufweisen würde: Das tiefgehende Gespräch, die sinnliche Berührung von Hand (zu Papier) zu Hand, die in der Handschrift erkennbare individuelle Gestik eines Menschen, das hörbare Knistern des Papiers und die sichtbare Einzigartigkeit der Schrift mitsamt Schönheitsflecken und Korrekturen und sogar im erotischen Sinne das Erleben vom „Entkleiden“ des Briefes beim Aufbrechen des Siegels, Entfalten und (glatt) Streiche(l)n des Papiers.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die schriftliche und zeichnerische Inszenierung des Schreibens

2.1. Die Schreibszene

2.2. Das Schreibwerkzeug

2.3. Räumlichkeiten

3. Beigefügte Skizzen und Zeichnungen von Räumlichkeiten in Briefen

4. Intentionen und Selbstdarstellung am Beispiel von Levin Schücking

4.1. Der Brief: Schücking an Droste

4.2. Die Zeichnung: Das Zimmer

5. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Selbstinszenierung von Levin Schücking anhand seines Briefes inklusive Zimmerzeichnung an Annette von Droste-Hülshoff vom 7. Dezember 1840. Dabei wird analysiert, wie der Autor durch die bewusste Gestaltung der Schreibszene – sowohl in textueller als auch in zeichnerischer Form – ein bestimmtes Bild seiner Identität konstruiert und eine intime, raumgreifende Kommunikationsebene mit der Adressatin etabliert.

  • Die theoretische Verortung des Konzepts der "Schreibszene".
  • Die Bedeutung von Schreibwerkzeugen und Räumlichkeiten für den Schreibprozess.
  • Die Funktion von Briefen als "Heterotopien" und virtuelle Kommunikationsräume.
  • Die Analyse der textuellen Selbstinszenierung durch Schückings Briefstil.
  • Die Bedeutung der beigefügten Zimmerzeichnungen für die Selbstdarstellung.

Auszug aus dem Buch

4.1 Der Brief: Schücking an Droste

Schon beim ersten Lesen des kurzen Briefes von Levin Schücking an Annette Droste-Hülshoff können die Zeilen auf den Lesenden eine Faszination und Anziehungskraft ausüben, die nichts mit dem sachlichen Inhalt zu tun hat.

Schückings Brief beginnt mit der Tageszeit: Montag Abend. Diese Angabe erinnert an einen Tagebucheintrag und verdeutlicht die Absicht, genau in diesem Augenblick etwas zu Papier zu bringen. Der Moment, in dem geschrieben werden soll, wird also eingefangen, bevor der Schreibakt ausgeführt wurde; die Entscheidung zum Prozess des Schreibens und zur Konstruktion eines Werkes ist vor der schriftlichen und vielleicht auch gedanklichen Fixierung eines Inhalts gefallen. Damit wird dem Schreibakt die Zufälligkeit eines spontanen Einfalls genommen: Es soll geschrieben werden, um des Schreibens willens, nicht (nur) um des Inhalts willens. Der Brief beginnt ohne offizielle Anrede, direkt im Text

Montag Abend. Ich wollte, Sie wären eben ein Viertelstündchen hier gewesen, mein Mütterchen, es war so wunderhübsch hier auf meinem Zimmer; durch die Wappenscheiben warf der Mond die tageshellen, blanken Strahlen wie in ein Gemach aus dem 15. Jahrhundert, ...

Im Kontrast zu dieser wahrscheinlichen Schreibabsicht klingt Schückings Briefanfang doch wie eine spontane Eingebung, entstanden durch den Wunsch, diesen magischen Moment der Mondnacht zu teilen. Der Eindruck täuscht jedoch, wie sich im Folgenden zeigen wird. Ein „Viertelstündchen“ nur sollte Annette von Droste-Hülshoff, die er mit Mütterchen anspricht, bei ihm gewesen sein. Die Sehnsucht, für die der Mond ein Symbol ist, gilt also nicht dem intensiven Beisammensein, sondern einem kurzen, gemeinsamen, intimen Moment. Die Szenerie erinnert an ein Nachtstück, was sich in den folgenden Zeilen intensiviert

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der sinnlichen Erfahrung des Schreibens und die Funktion des Briefes als Mittel der Selbstdarstellung und Kontaktpflege.

2. Die schriftliche und zeichnerische Inszenierung des Schreibens: Theoretische Untersuchung der Schreibszene, der Bedeutung von Schreibwerkzeugen sowie des Konzepts der Räumlichkeiten als Heterotopien.

3. Beigefügte Skizzen und Zeichnungen von Räumlichkeiten in Briefen: Analyse der Funktion von Zeichnungen als nicht-lineare Ergänzung zum Brieftext und als Mittel der persönlichen Selbstdarstellung.

4. Intentionen und Selbstdarstellung am Beispiel von Levin Schücking: Detaillierte Untersuchung des Briefes von Levin Schücking an Annette von Droste-Hülshoff hinsichtlich der textuellen und bildlichen Strategien der Selbstinszenierung.

5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, in der die Bedeutung des Schreibzimmers und die bewusste Konstruktion des Autoren-Ichs im Brief hervorgehoben werden.

Schlüsselwörter

Selbstinszenierung, Briefkultur, Schreibszene, Levin Schücking, Annette von Droste-Hülshoff, Heterotopie, Schreibwerkzeug, Materialität, Romantik, Raumkonzept, Briefanalyse, Identitätskonstruktion, Epistolarik, Zeichenprozess, Zeichnung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Selbstinszenierung des Autors Levin Schücking in seinem Brief an Annette von Droste-Hülshoff vom 7. Dezember 1840, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen Text und beigelegter Zimmerzeichnung im Fokus steht.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Materialität des Schreibens, das Konzept der „Schreibszene“, die Funktion von Briefen als Orte der Kommunikation (Heterotopien) sowie die literarische Identitätskonstruktion im 19. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schücking durch die bewusste Beschreibung und Skizzierung seines Schreibraums eine intime Atmosphäre schafft, um sich selbst gegenüber der Adressatin als gebildeter und reflektierter Gesprächspartner zu inszenieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (u.a. von Rüdiger Campe, Vilém Flusser und Michel Foucault) auf das konkrete Beispiel eines historischen Privatbriefes anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Schreibszene und des Schreibwerkzeugs sowie eine detaillierte Interpretation des Brieftextes und der beigefügten Zimmerzeichnungen Schückings.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselwörter wie Selbstinszenierung, Schreibszene, Heterotopie, Briefanalyse, Identitätskonstruktion und Materialität fassen den Kern der Untersuchung zusammen.

Wie interpretiert die Autorin die Rolle des „Mütterchen“ in der Anrede?

Die Anrede wird als bewusste Kodierung interpretiert, die ein Mutter-Sohn-Verhältnis suggeriert und somit einen unschuldigen, aber dennoch intimen Austausch ermöglicht, der Kritikern die Angriffsfläche nimmt.

Warum ist die beigefügte Zeichnung des Zimmers für die Analyse so wichtig?

Die Zeichnung fungiert als Ergänzung zum Text, die dem Betrachter die freie Wahl der Blickrichtung lässt und den Autor als physisch anwesendes Zentrum seiner selbsterschaffenen „Heterotopie“ darstellt.

Welche Bedeutung kommt dem Schreibwerkzeug im Brief zu?

Das Schreibwerkzeug – hier der Gänsekiel – wird als Symbol verhandelt, das im Spannungsfeld zwischen „Bischofsstab“ (Macht) und „Kinderklapper“ (Bescheidenheit) die Kontrolle und Autorschaft über den Schreibprozess thematisiert.

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Detalles

Título
Selbstinszenierung von Briefschreibenden durch die Schreibszene. Analyse eines Briefes von Droste-Hülshoff an Levin Scheckig
Universidad
Technical University of Braunschweig
Calificación
1,7
Autor
Master of Arts Elisa Kapp (Autor)
Año de publicación
2016
Páginas
22
No. de catálogo
V438087
ISBN (Ebook)
9783668785816
ISBN (Libro)
9783668785823
Idioma
Alemán
Etiqueta
Droste-Hülshoff Levin Schücking Briefroman Schreiben Schreibszene Schreibwerkzeug Selbstinszenierung Selbstdarstellung Schreibende Frauen Inszenierung Raum Briefwechsel
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Master of Arts Elisa Kapp (Autor), 2016, Selbstinszenierung von Briefschreibenden durch die Schreibszene. Analyse eines Briefes von Droste-Hülshoff an Levin Scheckig, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438087
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