Kraftquelle Wasser. Von Hof bei Salzburg über Fuschl, Thalgau und St. Lorenz bis Unterach am Attersee


Fachbuch, 2018
102 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1 Vorwort und Einleitung

2 Historische Wasserkraftnutzungen mit Bildern
2.1 Thalgau
2.2 Hof
2.3 Der Tüftler Anton Gruber in Hof

3 Tabelle: Aktive Wasserkraftanlagen

4 Beschreibungen und Bilder der Kraftwerke
4.1 Waldachmühle in Hof bei Salzburg
4.2 Enzinger, Sägewerk in Hof bei Salzburg
4.3 Schöndorfer, Sägewerk in Hof bei Salzburg
4.4 Klementsäge,Thalgau (Wörndl-Aichriedler)
4.5 Speigner-Gastager, Thalgau
4.6 Strumegger Martin, Thalgau
4.7 Ruchti, Thalgau
4.8 Etter, Thalgau
4.9/10 Kaltenbrunner, St.Lorenz
4.11 Freunberger, St.Lorenz
4.12 Essl, Mag. St. Lorenz
4.13 Hohlweger, Mag. Mondsee
4.14 Laganda, Kraftwerk an der Seeache, Unterach a. Attersee
4.15 EBEWE-Pharma, Kraftwerk an der Seeache, Unterach a. A.

5 Sonstige Kraftwerke am Brunnbach:
5.1 Strumegger Johann, Thalgau
5.2 Ehem. Zuckerstätter-Seywald, Thalgau, verkauft

6 Die eingesetzten Turbinenarten

7 Bilder zum Verlauf der Fuschlerache

8 Schluss

9 Glossar

10 Quellen und Literatur

11 Dank!

12 Übersicht: Bisherige Veröffentlichungen

1 Vorwort und Einleitung

Die Nutzung der Wasserkraft der Fuschlerache (früher auch Grießlerache genannt) und auch des Brunnbaches (auch Mitterbach genannt, weil er zwischen Fuschlerache und Fischbach liegt) und des Fischbaches geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Als Antrieb für Getreidemühlen, Kugelmühlen, Schmiede- hämmer für Sensen- und Pfannenschmieden, Blasbälge und Sägewerke standen ausschließlich Wasserräder zur Verfügung, denn die Erfindungsgeschichte der Wasserturbinen begann erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nicht zuletzt begünstigt durch die Nutzungsmöglichkeiten der Wasserkraft blühten schon frühzeitig Gewerbebetriebe im Umkreis der Fuschlerache und ihrer Zuflüsse in Hof (seit 1951 Hof bei Salzburg), Thalgau und St.Lorenz. Auch der Rettenbach war eine wichtige Lebensader, die vom 16. bis ins 20. Jahrhundert den Betrieb von Mühlen in der Plötz und die Ausübung des Lodenmachergewerbes im „Lodagei“ (heute Ortschaft Hinterschroffenau der Gemeinde Hof bei Salzburg) ermöglichte. Besonders aber am Brunnbach in Thalgau, konnten wegen seiner Quellenspeisung, die ihn im Winter eisfrei hielt, bereits um 1350 neun Mühlen und Sägewerke entstehen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde auch der etwa 800 m lange Mühlbach gegraben, um mit einer gemeinsamen Ausleitungswehr aus dem Brunnbach mehrere hintereinander angeordnete Wasserräder für Sägen und Mühlen betreiben zu können. Die erste Mühle in Thalgau war die Mayermühle[1] in Oberdorf, deren Existenz schon auf das späte 12. Jahrhundert zurückgeht, in welchem am so genannten Grieß[2], bereits eine Ansiedlung bestanden hatte. 1688 stellte man mit der Errichtung des etwa 400 m langen Almkanals[3] eine Verbindung von der Fuschlerache (abzweigend beim Bauernhof Helsenhub) zum Brunnbach oberhalb der Ausleitung des Mühlbaches her, um diesem bei Bedarf zusätzlich Wasser zuleiten zu können. Im 18. und 19. Jahrhundert existierten allein in Thalgau schon ungefähr 20 Mühlen, Sägen und Hammerschmieden. Bis zur Errichtung von Wasserleitungen ab 1895 waren am Brunnbach auch noch etliche Schöpfräder für die Wasserversorgung in Verwendung. Die Elektrifizierung Thalgaus geht auf eine Initiative des Unternehmers August Heuberger (1873-1960) zurück. Erste Pläne wurden schon im Jahre 1910 erstellt. In den Jahren 1911-1918 entstanden Elektrizitätswerke in der heute nicht mehr existierenden Weidachmühle in Vetterbach (zuerst mit Wasserrad), in der Säge zu Unterdorf[4] -auch Griesmühle und Sag zu Unterdorf bezeichnet, mit einem stationären Dampflokomobil, 30 PS mit Transmission zum Antrieb der Säge und eines Gleichstromdynamos14 KW; in der Zehenthofsäge (mit Wasserrad zum Antrieb eines Gleichstromdynamos) und in der „Müll und Sag zu Mülleiten“, auch Zischkenmühle[5] genannt, mit stationärer Dampfmaschine. Es handelte sich damals um ein Gleichstrom-Dreileitersystem mit einer Spannung von 2 x 170 Volt. Das erste in Betrieb genommene Kleinkraftwerk in der Weidachmühle wurde schon bald wegen des größeren Leistungsbedarfes umgebaut und mit zwei Zwillings-Francisturbinen[6] (67PS und 39 PS mit gleicher Drehzahl von 165 UpM) der Fa. Voith St. Pölten und einem Drehstromgenerator 90 KVA ausgerüstet.[7] In Thalgau und in der Ortschaft Unterdorf wurden Trafostationen errichtet und mit einer Freileitung mit dem Kraftwerk in Vetterbach verbunden. Mit der Inbetriebnahme dieses Werkes im Jahre 1918 wurde die Anlage in der Zehenthofsäge aufgelassen. Im Konkursverfahren 1935 erwarb die OKA (Oberösterreichische Kraftwerke AG) das E-Werk mit den Verteilanlagen.

Heute sind insgesamt 17 Kleinwasserkraftwerke in Betrieb, von welchen 15 ganz oder teilweise mit Wasser aus der Fuschlerache gespeist werden, dazu zählen auch zwei Kraftwerke an der Seeache, zwischen Mondsee und Attersee. Die Gesamtleistung aller dieser Kraftwerke beträgt rund 900 KW, das Jahresarbeitsvermögen rund 4,600.000 KWh. Zwei Kraftwerke, jenes von Johann Strumegger und der Fa. Zuckerstätter-Seywald (dieses nun verkauft) sind am Brunnbach in Betrieb, ohne Zusatzwasser von der Fuschlerache. Die Höhenlage der Seen beträgt: Fuschlsee 664m, Mondsee 481m, Attersee 477m; das Gesamtgefälle beträgt 187m. Aus dem Fuschlsee fließen jährlich etwa 30 Millionen m3 Wasser ab, das entspricht einem durchschnittlichen Abfluss von 951 l/s. Das Fassungsvermögen des Fuschlsees beträgt ca.95 Millionen m3.

2. Übersicht und Bilder zur Geschichte der Wasserkraftnutzung

Historische Wasserkraftnutzung in Thalgau und Hof

2.1 Thalgau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der linken Spalte ist neben der Bezeichnung der Anlage, in Klammer auch das betreibende Gewässer angegeben. Die eingetragenen Seitennummern beziehen sich auf das Buch: Thalgau in alten Ansichten und Chroniken, Band III, 1870-1930, Salzburg 2001, von DDr. Berhard Iglhauser, in dem viele Details und Bilder zu den in der Tabelle erwähnten Mühlen und Sägebetrieben enthalten sind. Die grün markierten Anlagen sind in Betrieb bzw. betriebsbereit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Martin Strumegger sen. der „Sager“

Informant für Waserräder und Turbinen in Thalgau; früher Inhaber der Liegenschaft Mautmühle am Brunnbach und des Wasserkraftwerkes Martin Strumegger, heute Martin Strumegger jun.

Foto: Martin Gschwandtner, 12.07.2018.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sag zu Unterdorf, Um 1400 erwähnt, ab1918 Heuberger,

ab 1936 Gastager-Spaltsäge (= Bandsäge) bis 1975

Foto: Martin Gschwandtner, 14. Juli 2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wasserrad der „Sag zu Unterdorf“

Foto: Martin Gschwandtner, 14. Juli 2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stationäre Dampfmaschine zum Antrieb eines Gleichstromgenerators

in der ehemaligen „Mühl und Sag zu Mülleiten“. Heute zu Vorführzwecken

von Martin Haas auf Antrieb mit Pressluft umgebaut.

Foto: Martin Gschwandtner, 04. Juli 2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gleichstromgenerator in der ehemaligen Zischkenmühle (Mühl und Sag zu

Mülleiten). Foto: Martin Gschwandtner, Foto: Martin Gschwandtner, 04.Juli 2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ehemaliger Standort der Mühl und Sag zu Mülleiten (auch Zischkenmühle genannt).

Heute Car-Service Irlach GmbH, Martin Haas, Irlachstraße 21.

Foto: Martin Gschwandtner, 14. Juli 2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ehemalige „Lohstampfe“ oder „Ehemühle am Zehenthof“.

Tafel am heutigen Gebäude. Foto: Martin Gschwandtner, 03. Juli 2014.

Die Gerbung der großen und schweren Häute für Sättel und Saumzeug, Sohl-und Schuhleder erfolgte mit gemahlener Loh (Loh= Eichen-und Fichtenrinde), vegetabilische Gerbung genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Zehenthof heute: Zehenthofweg1.

Foto: Martin Gschwandtner, 03.Juli 2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ehemalige Weidachmühle.

Foto: Martin Gschwandtner, 07. Juni 2013.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ehemalige Hubmühle in Vetterbach. Seit 1984 Eigentum der

Fam. Dr. Herbert Braumiller. Adresse Hubmühlweg 18.

Links im Bild alte Mühlsteine. Foto: Franz Fuchs, 25. Mai 2013.

Kugelmühlen in Salzburg

Das Gewerbe der Kugelmühlen gab es im ganzen Gebiet des heutigen Flachgaues. Es galt als freies Gewerbe und Kugelmühlen wurden meist ohne behördliche Bewilligung errichtet und nur in wenigen Fällen wurde von der Grundherrschaft für die Benützung von Grund und Wasserkraft ein jährlicher Zins verlangt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zweigängige Kugelmühle links im Bild, mit Museumshäuschen bei der

Hundsmarktmühlein Thalgau-Egg. Foto: Martin Gschwandtner, 14.Juli 2018.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zweigängige Kugelmühle

Foto: Martin Gschwandtner, 14.Juli 2018.

Später war der Betrieb von einer Genehmigung (Konzession) abhängig, die von der fürsterzbischöflichen Hofkammer verliehen wurde. Weitum bekannt waren die Kugelmühlen in Fürstenbrunn am Untersberg, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet wurden. Auch Im Gericht Wartenfels wurde das Gewerbe insbesondere In Thalgau ausgeübt. Maria Reinizhuberin, Häuslerin in der Holzleithen erzeugte 1792 in 18 Gängen 200.000 „Detscher“ (kleine Kugeln). Deren Hofname ist bis heute als „Kugelmühle“ erhalten (Familie Niederbrucker, Thalgau-Oberdorferstr. 51). Weitere Kugelmühlen waren auch in Finkenschwand (Thalgauberg) und Mahdtleiten am Fuschlsee. Unter einem Mühlgang verstand man eine komplette Kugelmühle, bestehend aus dem unteren fixen Schleifstein, dem Schleifer oder Gleger aus Sandstein und dem Läufer mit der Wasserzuführung. Unter Reißer verstand man eine Mühle, in der die zugehauenen rohen Steine durch wegreißen der Ecken für die eigentliche Feinbearbeitung in einer anderen Kugelmühle vorbereitet wurden. Die Errichtung einer Kugelmühle kostete Ende des 17. Jahrhunderts bis zu 20 Gulden. Ein Gulden war unterteilt in 60 Kreuzer, die kleinste Münzeinheit war damals der Heller, wobei ein Kreuzer acht Heller wert war. Der Tageslohn eines Maurers oder Zimmerers (12 Stunden tägliche Arbeitszeit) betrug um das Jahr 1700 etwa 15-20 Kreuzer; 1/2 kg Rindfleisch kostete etwa 5 Kreuzer, 1kg Brot 2 Kreuzer.

Die Kuglmacherei wurde vielfach von Müllern als Nebenerwerb ausgeübt und natürlich in Zeiten genügender Wasserführung der Bäche.

Die Qualität der Kugeln und auch die Rentabilität ihrer Erzeugung waren von der Beschaffenheit der Steine abhängig. Einen geigneten Steinbruch für die Kugelherstellung gab es in unserer Gegend nur bei der ehemaligen Burg Wartenfels am Fuße des „Schober“ und im Vetterbachgraben. Diese Steine durften nur im Gerichtsbezirk Wartenfels verwendet werden. Vielfach wurden auch Findlinge aus dem Geschiebe der Bäche verarbeitet. Kleine Kugeln waren in ca. 24 Stunden fertig, größere brauchten bis zu vier Tage. Der Handel mit Kugeln war ebenfalls ein eigenes Gewerbe. Betrieben wurde es vorwiegend von den Salzburger Kaufleuten Hagen, Heffter und Hagenauer.

Die fertigen Kugeln in der Größe von einem cm bis etwa 15 cm Durchmesser wurden über Salzburg, Nürnberg, Frankfurt nach Hamburg, Amsterdam, Rotterdam und London geliefert. Kugeln aus unserer Gegend wurden teiweise sogar bis nach Indien verschifft. Sie wurden vorwiegend für Vorderlader-Feuerwaffen, wie Musketen oder Kanonen, aber auch für Kugelspiele oder Dekorationszwecke verwendet. Die für Übersee bestimmten, in Säcken oder Fassgebinden verladenen Kugeln wurden für die Überfahrt in den damaligen Segelschiffen gleich als notweniger Balast zur Stabilierung der Schiffe verwendet. Bei der Rückreise allerdings mussten andere Gewichte (Sandsäcke oder Wasserfässer) diese Aufgabe übernehmen. Der Bedarf an solchen Kugeln war wegen der Entwicklung der Waffentechnik nur bis zum Ende des 19. Jhdts. gegeben. Für das bei Kindern beliebte „Kugelscheiben“ oder „Kuxen“ wurden nun billig herzustellende, kleine gebrannte Lehm- (Murmeln) oder Zementkugeln in verschiedenen Farben verwendet.

2.2 Wasserräder in Hof

Auch in Hof (seit 1951 Hof bei Salzburg) waren früher einige Wasserräder für den Antrieb von Mühlen und Sägewerken und für den Antrieb landwirtschaftlicher Einrichtungen (Windsichter, Dreschmaschine, Wasserschöpfräder) oder gewerblicher Maschinen und Geräte (Walkmühle, Bandsäge, Drechselbank u.a.) im Einsatz. Z.B.: an der Fuschlerache die Waldachmühle, deren beide Wasserräder (für Mühle und Sägewerk) ebenso, wie teilweise die Mühleneinrichtung noch vorhanden sind. Das ehemalige Sägewerk-Wasserrad wird zur Stromerzeugung genutzt. Erwähnenswert ist auch die Schwarzmühle, die bis ca. 1961 in Betrieb war und 1964 samt dem Bauernhaus abgebrannt ist. In der Nähe der Schwarzmühle war auch ein kleines Sägewerk mit Wasserradantrieb, dessen Gebäude aus ca. 1850 noch besteht.

Auch der Baderbach trieb mehrere Wasserräder an: Der Baderluckwirt nützte ab ca.1850 mit einem unterschlächtigen Wasserrad den Baderbach zum Betrieb einer kleinen Mühle; das zugehörige Wasserecht wurde 2008 gelöscht. Das Unterhöfnergut und das Bauerngut Strumegg sind je zur zur Hälfte Eigentümer der mit einem oberschlächtigen Wasserrad ausgestatteten, 1823 errichteten Gmachlmühle am oberen Teil des Baderbach-Wasserfalles, welche noch existiert, aber seit ungefähr 1957 stillgelegt und nicht mehr funktionsfähig ist.

Der Kirchbichlbauer Josef I. Stöllinger errichtete um ca. 1850 eine Mühle mit oberschlächtigem Wasserrad am westlichen Arm des Baderbachwasserfalles, die bis in die 1930er- Jahre in Betrieb blieb.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kirchbichl-Mühle am westlichen Arm des Baderbach-Wasserfalles.Errichtet

um ca. 1850. Aufgelassen und abgebrochen ca 1939. Foto von Josef IV. Stöllinger

(geb. 1929), der sich an die Mühle noch erinnern kann, zur Verfügung gestellt.

Nachdem Stefan Stöllinger in das Gut Vorderwaldach (Waldachmühle) einheiratete, wurde die Mühle am Baderbach nicht mehr benötigt.

Ebenso betrieb vor dem II.Weltkrig das Waldachgut (Landauer) eine Getreidemühle für den Eigenbedarf, die später als die Kirchbichl-Mühle errichtet wurde. Ihr Standort war ungefähr gegenüber der Kirchbichl-Mühle, jedoch am Fuße des östlichen Armes des Baderbach- Wasserfalles. Von ihr sind noch Teile des Fundamentes erhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Roter Pfeil: Lage der Kirchbichl-Mühle. Blauer Pfeil: nachgetragene Lage der Waldach-Mühle.

Plan um 1870, Landesarchiv Salzburg.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vom Adelsgeschlecht und Ansitz der „Kirchpüchler“ bis zur Familienfolge

der „Stöllinger“auf dem Bauerngut Kirchbichl. Stammtafel im Besitz von

Josef IV. Stöllinger (*1929).

Der Amtmann (auch Urbarprobst genannt) verwaltete den Besitz seines Grundherrn und übte auch die Niedere Gerichtsbarkeit aus für jene Fälle, die keine todeswürdigen Verbrechen betrafen. Ein solches Urbaramt war auf dem Ansitz der Kirchpüchler eingerichtet. Dort wurden auch die jährlichen Stiftstaidinge (Gerichtstage) abgehalten.

Auch der im Wasserbuch genannte, aber heute weitgehnd unbeachtete „Bäckermühlbach“ wurde als Energielieferant genutzt. Er kommt aus einer Quelle in der Nähe des Gasthofes „Alten Tanne“ und mündert westlich des Sägewerkes Enzinger in die Fuschlerache Er trieb früher, vermutlich bis nach dem ersten Weltkrieg, die so genannte Bäckermühle“ an, die wahrscheinlich dem damaligen „Hofer Bäck“ gehörte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Florian Schöndorfer, ehem. „Denggensager“ am Bäckermühlbach in Hof

Foto: Martin Gschwandtner, 17. Juli 2018.

Beim Unterengelbrechtgut, Riedlstraße 8 (Johann Gschaider) entspringt unterhalb des Bauernhauses eine Quelle; diese speiste ein Speicherbecken, das- nachdem es voll gelaufen war- eine gewisse Zeit mittels eines oberschlächtigen Wasserrades über einem Seilzug den Antrieb einer Transmission ermöglichte (Dreschmaschine u.a.). Diese Einrichtung aus dem Jahre 1931 wurde nach dem II.Weltkrieg aufgelassen. Das Gerinne fließt als rechter Zubringer in die Fuschlerache.

Die Mühlen in der Plötz sollen nicht unerwähnt bleiben, denn drei der fünf Mühlen, die sich knapp an der Gemeindegrenze zu Hof, aber noch auf Ebenauer Gemeindegebiet befinden, gehören zu drei Bauerngütern in der Hinterschroffenau: die Schroffenaumühle des Gutes Großschroffenau (ca.1540-1954, Eckschlager), die Edermühle je zur Hälfte dem Edergut (1742-1956, Pöckl) in Hinterschroffenau und dem Peilstengut (Zwinger) in Ebenau gehörig, sowie die Pertillermühle (1711-1963, Gut Oberegg, Pertiller). Die genannten Gmachl-Mühlen sind Teil des Naturdenkmals Plötz und liegen am Südabfall des Rettenbaches. Weiter unten befinden sich noch die Schindlaumühle und die Hofbauermühle.

Der Rettenbach entspringt im Koppler Moor, durchfließt die Hinterschroffenau und mündet in Ebenau in den Schwarzbach, der zum Wiestalstausee führt. Rettenbach bedeutet „roter Bach“ wegen seiner zeitweise rötlichen-braunen Färbung, die dadurch entsteht, weil aus dem Torf Huminsäuren im Wasser angereichert und als gelöste Farbstoffe mitgeführt werden. Er wurde früher auf Grund des bis ins 18. Jahrhundert in der Hinterschroffenau („Lodagei“) betriebenen Weber-und Lodenmachergewerbes, wozu man viel Wasser brauchte, „Weberbach“ genannt.

In Erinnerung geblieben sind auch noch zwei nicht mehr existierende Getreidemühlen in der Hinterschroffenau: Die Neumannmühle (Obergschwandtner) an einem Bächlein (rechter Zubringer zum Rettenbach) und die zum Karlgut (Oberascher) gehörige Karlmühle.

Die weit verbreitete Meinung, dass sich der Name „Gmachmühle“ oder auch „Gmachlmühle“ auf eine kleine Mühle beziehe, die in einem einzigen Raum (Gemach) untergebracht wäre, ist falsch! Der Name „Gmachlmühle“ bezeichnet einen Rechtsstatus, weil in den Zeiten der Grundherrschaft (bis 1848) manche der untertänigen Bauern das Recht erhielten (Gemächtnis = Abmachung, Vereinbarung; Gemach = Ordnung, Gesetz), eine Mühle für sich allein oder gemeinsam mit anderen Bauern zu errichten und zur Deckung des eigenen Bedarfs zu betreiben. Der Grundherr selber betrieb je nach Bedarf eine oder mehrere Mühlen, die „Mautmühlen“ genannt wurden und bei denen Bauern gegen Abgabe einer Maut, meist ein Teil des Mahlgutes, ihr Getreide mahlen lassen konnten bzw. mussten. Gemahlen wurde meist Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Es gab früher z.B. auch Gemachwege und Gemachzäune, die ebenso auf einer Abmachung mit dem jeweiligen Grundherrn beruhten. Auch In Fuschl am Ellmaubach (Zufluss zum Fuschlsee) ist noch die Rumingmühle perfekt restauriert als Schaumühle in Betrieb, ebenso die Wistauermühle an einem Zufluss zur Fuschlerache in St. Lorenz unterhalb der Drachenwand. Die Wasserkraftnutzung einst und jetzt im ehemals sehr bedeutenden Industrieort Ebenau, in Hintersee und Faistenau, ist einer weiteren Schrift vorbehalten.

2.3 Anton Gruber (1875-1936), Rechenmacher, Tüftler und Erfinder.

Eine weitere Wasserkraftnutzung in Hof betrifft den Betrieb des Vorgängers des heutigen Tischlereibetriebes Franz Schmeisser, Anton Gruber, geb. am 20. März 1875 in Köstendorf, Sommerholz 28, gestorben am 15. Juni 1936 in Hof. Er war seit 1899 mit der aus Bergheim gebürtigen Maria Bachmaier verheiratet, gest. am 18. März 1929 in Hof, und hatte den Beruf eines Rechenmachers erlernt. Er erwarb um 1912 von Gastwirt Eduard Mayer ein Grundstück im Faistenauer Graben (EZ 178, KG Hof) und errichtete dort mit Unterstützung seiner Frau im Jahre 1913 ein landwirtschaftliches Gebäude einschließlich einer Werkstätte, in der er sein Rechenmacherhandwerk ausübte. Die dazu nötigen Vorrichtungen und Maschinen (z.B. Drechselbank, Bandsäge) baute sich der begabte Tüftler selber. Zum Antrieb seiner Maschinen nützte er die Wasserkraft. Zwei kleine (namenlose) Bächlein, die vom Lidaun kommend vor seinem Haus zusammenflossen, speisten ein von ihm hinter dem Haus angelegtes Wasserbecken. Mit dem Wasser aus diesem Speicherbecken konnte er bei Bedarf ein kleines, von ihm gezimmertes Wasserrad von 1,5 m Durchmesser beaufschlagen, das über einen Seilzug auf eine Tranmissionswelle wirkte und seine Maschinen antrieb. Der Abfluss des Triebwassers vom Wasserrad weg lief in den Baderbach.

Mit Anton Gruber ist noch eine andere interessante Geschichte verbunden. Er konstruierte in den Jahren um 1925 einen weiteren Vorläufertyp für einen „Skibob“, allerdings in Holzbauweise, nachdem sich schon andere Tüftler mit dem „Sitzen beim Skifahren“ befasst hatten und dazu auch Fahrradgestelle verwendeten, bei denen sie die Räder durch Kufen bzw. ganz kurze Skier ersetzten. Er nannte es als hölzerne Variante zu einem einspurigen Gerät aus Metallrohren eines füheren Erfinders ebenfalls „Monogleit“. Als Beispiele seiner Vorerfinder seien angeführt: der Amerikaner John C. Stevens in Hardfort (Connecticut, USA), der bereits am 19. April 1892 das Patent Nr. 473.434 für einen einspurigen, lenkbaren Schlitten (Ice Velocipede) bekam, der allerdings nicht aus der Erprobungsphase heraus kam. Weiters der Österreicher Toni Lenhardt in Bruck an der Mur, der einen einspurigen Gleitschltten baute, den er „Monogleit“ nannte. Nach langwierigen Versuchen bekam er 1912 ein Patent auf einen einspurigen Motorschltten (Österr. Patent Nr. 62434).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Transkription des Briefes:

„Lieber Freund!

Deinen lieben Brief habe ich erhalten. Mit dem Winter wird’s schon bald aus sein, aber vielleicht kommt noch ein wenig Schnee, damit Du mit meinem Vehikel ein wenig monogleiten kannst. Das Fahren ist wie beim Fahrrad nur darf man die Lenkstange nicht zu fest halten. Füße zusammen vorne am Fußraster und der Körper muss mit dem Schlitten immer eine Gerade bilden bez. der vertikalen Achse Dies sind jedoch Vorteile, die jeder Fahrer mit einiger Übung selbst herausfindet. Bei schneller Fahrt gilt dasselbe […].“

Doch erst dem Wagnermeister und Skimacher Engelbert Brenter (1897-1976) aus Hallein, der auf die Erfahrungen von mehreren Vorläufern zurückgreifen konnte, gelang 1949 der Durchbruch. Er hatte durch die Kombination aus Vorder -und Hinterski in Verbindung mit einem Federungssystem und Fußskiern den „Skibob“ (andere Bezeichnungen: Sitz-Ski, Snowbike, Skibike) zu einem Sportgerät mit guten Fahreigenschaften gemacht, mit dem Gleiten und Schwingen möglich war. 1952 wurde sein Sportgerät als „Gleitfahrzeug“ mit der Patentschrift des österreichischen Patentamtes Nr. 178275 patentiert[8].

Das Ehepaar Gruber hatte keine Kinder und deshalb nahmen sie die Nichte von Anton Gruber, Stefanie Wührer an und zogen sie auf.

Stefanie erlernte bei hrem Ziehvater ebenfalls die Rechenmacherei, machte sich nach dessen Tod selbständig und bildete dabei auch einen Lehrling aus. Sie war offensichtlich sehr tüchtig, denn ihre Rechen waren wegen ihrer guten Qualität weitum bekannt und begehrt. Sie heiratete später einen Franz Schmeisser, den Großvater des heutigen Tischlermeisters Franz Schmeisser und begründete damit die Familienfolge der Schmeisser im Faistenauer Graben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Rechenmacherhaus: Anton Gruber mit Stieftochter Stefanie Wührer

und deren Sohn Josef Wührer. An dieser Stelle befindet sich heute die „massive Kleintischlerei“ des Tischlermeisters Franz Schmeisser. Aufnahme um 1932, von

Franz Schmeisser zur Verfügung gestellt. Im hinteren Anbau befand sich die

Tenne mit einem Stall für etwa 2 Kühe und Kleinvieh. Hinten rechts unten sieht man

das Fenster von Grubers Werkstätte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anton Grubers einspuriges Wintersportgerät „Monogleit“, gebaut ca. 1925.

Foto: Franz Schmeisser 2018.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anton Grubers Konstruktionsskizzen für seinen „Skibob“

Er nannte dieses Wintersportgerät nach Lenhardt „Monogleit“, weil es im Gegensatz

zu einem Schlitten nur auf einer Kufe (einspurig) glitt. Die Eisenteile

sind rot gekennzeichnet. Bild von Franz Schmeisser zur Verfügung gestellt.

3 Aktive Wasserkraftanlagen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersichtskarte mit Fuschlerache, Brunnbach und Fischbach im Bereich Hof bei Salzburg, Plainfeld und Thalgau. Quelle: Wasserbuch Salzburg [Juni 2013],

rote Symbole: Wasserräder, grüne Symbole: Turbinen; kleine gelbe Kreise kennzeichnen die Ausleitungen aus den Bächen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mühlschmiede: Strumegger Johann sen. und Johann jun.

Foto: Martin Gschwandtner, 21. August 2015.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abzweigung des Almkanals aus der Fuschlerache

beim Bauerngut Helsenhub in Thalgau. Blick flussabwärts.

Foto: Martin Gschwandtner, 3. Juli 2013.

[...]


[1] Eiterer, Paul: Die Chronik von Thalgau und seiner Umgebung. Thalgau 1928, S. 36.

[2] Grieß: eine Überschwemmungszone bei einem Bach, wo Sand und Schotter angeschwemmt wird.

[3] Eiterer, Paul: S. 35.

[4] Haas, Karl: Thalgauer Heimatbuch, S. 238 (Haus Nr. 20).

[5] Ebda, S. 236 (Haus Nr. 15).

[6] Zwillingsturbinen (zwei Laufräder auf einer gemeinsamen Welle) wurden eingesetzt, um die Drehzahl des Aggregates zu erhöhen. Dadurch konnte die Übersetzung von der Turbine auf den Generator kleiner gewählt werden oder u.U. gänzlich vermieden werden.

[7] Pfarrhofer, Hedwig: Heuberger -Thalgau 1902 -1977, hrsg, von Heuberger, Augustin,

Salzburg 1977, S. 41- 48. Vergl: Eiterer, Paul (wie Anm. 1), S. 36.

[8]:URL: http://motorang.com/sonstiges/schifahrrad.htm [01.08.2018].

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Details

Titel
Kraftquelle Wasser. Von Hof bei Salzburg über Fuschl, Thalgau und St. Lorenz bis Unterach am Attersee
Autor
Jahr
2018
Seiten
102
Katalognummer
V438249
ISBN (eBook)
9783668795211
ISBN (Buch)
9783668795228
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kraftquelle, wasser, salzburg, fuschl, thalgau, lorenz, unterach, attersee
Arbeit zitieren
Martin Gschwandtner (Autor), 2018, Kraftquelle Wasser. Von Hof bei Salzburg über Fuschl, Thalgau und St. Lorenz bis Unterach am Attersee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438249

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