In der Mitte des 20. Jahrhunderts gipfelte in Mitteleuropa der Antisemitismus in scheußlich verdichteten Judenhass, der bis zum Massenmord führte. Doch wie weit beeinflusste dies die christliche Theologie? Erfuhr auch diese einen antijudaistischen Höhepunkt zu Zeiten des zweiten Weltkrieges? Oder führte gar ein stetig mit schwelgendes antijüdisches Bild zur Ideologie der Nationalsozialisten?
Dies sind Fragen, die sich im Umfang dieser Hausarbeit nicht beantworten lassen. Dennoch möchte ich einen Blick in ausgewählte Psalmenkommentare zu Psalm 2 des 19. und 20. Jahrhunderts werfen, um festzustellen, in welchem Maße sich antijudaistische Interpretationen und Sprachmuster finden und damit direkt und indirekt Judenfeindlichkeit unterstützen. Unter dem Begriff Antijudaismus verstehe ich eine hauptsächlich religiöse, genauer christlich-theologisch, begründete Judenfeindschaft. Die Grundlage dieser Feindschaft bezieht sich auf den Vorwurf des „Christus-” bzw. „Gottesmordes“. Zudem zeichnet sich eine deutliche Infragestellung bis hin zur Ablehnung des Ranges der Juden als auserwähltes Volk Gottes ab. Der Antisemitismus hingegen begründet sich antinationalistisch-rassistisch. Oft ökonomisch begründet, weil sie sich, aufgrund der Berufsstruktur der Juden im Mittelalter, auf den Finanz- und Handelssektor spezialisierten. Somit wurden und werden sie als Wucherer und Betrüger bezeichnet. Eine strikte Trennung der beiden Begriffe ist jedoch kaum möglich. Beide Begriffe wirken sich in der Praxis negativ für die Juden aus und oftmals sind Anschuldigungen weder rein religiös noch rein antinationalistisch geprägt.
In dieser Arbeit werde ich mich zunächst der Exegese von Psalm 2 widmen, um einen besseren Zugang und ein besseres Verständnis des Textes vorzuweisen. Im Anschluss habe ich drei Exegeten ausgewählt, deren Kommentare ich einzeln genauer betrachten und erörtern werde. Bei der Auswahl der Kommentatoren habe ich versucht, eine möglichst breite Zeitspanne abzudecken, um das Stimmungsbild im groben Verlauf des 19. Und 20. Jahrhunderts dazustellen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kleine Exegese von Psalm 2
- Einordnung des Textes
- Übersetzung
- Gattung
- Gliederung
- Literarkritik
- Auffälligkeiten in Psalm 2
- Ergebnis
- Antijudaistische Perspektiven in Psalm 2
- Bernhard Duhm
- Zur Person
- Kommentar
- Kommentar Franz Delitzsch
- Zur Person
- Kommentar
- Kommentar Alfred Bertholet
- Zur Person
- Kommentar
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit der Frage, inwieweit antijudaistische Interpretationen und Sprachmuster in Psalmenkommentaren des 19. und 20. Jahrhunderts zu finden sind und damit direkt und indirekt Judenfeindlichkeit unterstützen. Im Fokus steht dabei eine Analyse ausgewählter Kommentare zu Psalm 2.
- Antijudaistische Interpretationen in der Exegese von Psalm 2
- Die Rolle von Sprachmustern in der Konstruktion von Judenfeindlichkeit
- Die Frage nach dem Einfluss des antijudaistischen Denkens auf die christliche Theologie
- Analyse der Kommentare von Duhm, Delitzsch und Bertholet
- Die Bedeutung von Psalm 2 in der Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Kontext der Arbeit dar und führt in das Thema des Antijudaismus in der Exegese ein. Sie beschreibt die Ziele der Arbeit und erklärt die Methodik. Im zweiten Kapitel wird eine kleine Exegese von Psalm 2 präsentiert, welche den Text in seiner Bedeutung und Struktur erläutert.
Das dritte Kapitel widmet sich der Analyse antijudaistischer Perspektiven in Psalm 2. Es werden die Kommentare von Bernhard Duhm, Franz Delitzsch und Alfred Bertholet analysiert und auf antijudaistische Tendenzen untersucht.
Schlüsselwörter
Psalm 2, Antijudaismus, Exegese, Psalmenkommentare, Judenfeindlichkeit, Christentum, Judentum, Sprachmuster, Interpretationen, Bernhard Duhm, Franz Delitzsch, Alfred Bertholet
- Citation du texte
- Dinah Gessert (Auteur), 2017, Antijudaismen in Psalm 2. Eine Exegese, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438268