Planung einer Bibliothek. Neugestaltung der Stadtbibliothek in Rheine


Hausarbeit, 2014

51 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anforderungen

3 Bibliotheksbereiche
3.1 Raumgestaltung
3.2 Eingangsbereich
3.3 Bibliothekarischer Arbeitsbereich
3.3.1 Mitarbeiterbüros
3.3.2 Kellerräume
3.4 Zielgruppenbereich
3.4.1 Theke
3.4.2 Sachliteratur
3.4.3 Belletristik
3.4.4 Q-Thek als Vorstufe eines Makerspace
3.4.5 A V-Medien
3.4.6 Kinder
3.4. Jugendliche
3.4.8 Veranstaltungsbereich
3.4.9 Leselounge
3.4.10 Zeitungen und Zeitschriften
3.5 Bibliothekscafe
3.6 Sanitärbereich

4 Technik
4.1 RFID und Selbstverbuchung
4.2 Schließanlagen
4.3 Schallschutz
4.4 Brandschutz

5 Mobiliar

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Die öffentliche Bibliothek Rheine wechselt ihren Standort. Als neue Herberge ist ein ca. 1600 m2 großes Areal im ehemaligen Einkaufszentrum vorgesehen. Somit ist der neue Standort der Bibliothek bedeutend größer als die vorherige Bibliothek, die den Bibliothekskunden nur 690 m2 Platz bieten konnte. Daher sollen in dieser Hausarbeit Überlegungen zur Umnutzung des ehemaligen Einkaufsgebäudes angestellt sowie ein Bibliotheksumbauplan entwickelt werden. Damit die Bibliotheksräume den heutigen Standards an Funktionalität und Qualität entsprechen, werden der DIN-Fachbericht 13, die Handreichung zu Bau und Ausstattung öffentlicher Bibliotheken sowie Texte von Harry Faulkner- Brown und Andrew McDonald herangezogen.

Für einen gelungenen Umbau werden vorab die Zielgruppen und die Dienstleistungen der Bibliothek Rheine evaluiert. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die Bibliothek von den unterschiedlichsten Zielgruppen angesteuert und als sozialer Treffpunkt, Bildungsmedieneinrichtung sowie als Kulturzentrum betrachtet wird. Danach wurde ein bibliothekarisches Konzept erarbeitet, um die bibliothekarischen Anforderungen an die Raumplanung, DIN-Normen sowie Mitarbeiter- und Nutzerwünsche zu bündeln. Des Weiteren wurde der Flächenbedarf ermittelt und einzelne Bibliotheksbereiche festgelegt. Die visuelle Darstellung erfolgte in einer 2D-Skizze. Weitere Überlegungen erfolgten zur Ausstattung mit Möbeln, dem Farbkonzept und die zu verwendeten Materialien in der Bibliothek. In einem 3D-M0dell konnte der gesamte Bibliotheksumbauplan konstruiert und visualisiert werden.

So entstanden verschiedene Bibliotheksbereiche, mit zahlreichen Lese- und Arbeitsmöglichkeiten, komfortable Sitzmöglichkeiten, Informationspunkten, Selbstbedienungsstationen und Servicetheke, die nicht nur ästhetische, sondern auch funktionale Verbesserungen beinhalten.

2 Anforderungen

ln der Aufgabenstellung wurden konkrete Wünsche der Mitarbeiter/Innen und Nutzer/Innen benannt, die nach Möglichkeit Eingang in das Umbaukonzept finden sollten. Gewünscht wurde folgendes:

- ein kleines Café,
- ein Veranstaltungsraum von 50 m2 für Veranstaltungen mit durchschnittlich 50, oft auch 70, Besuchern, der bei Bedarf unterteilt werden sollte um Z.B. für Gruppen einen zusätzlichen Arbeitsraum bereit zu halten,
- 100 m2 für den AV-Bereich mit der Möglichkeit, dort in Hörbücher hinein zu hören,
- in naher Zukunft soll RFID und die Selbstverbuchung eingeführt werden,
- ein größerer Sozialraum von mind. 40 m2,
- ein Büro für die Leitung von 25 m2, da hier auch Besprechungen stattfinden,
- die 6 Mitarbeiter erhalten zu zweit Büros,
- ein weiteres Büro zur Buchpflege und Rücknahme der zurückgekommenen Medien,
- Serverraum/Kopierraum für die Mitarbeiter in Büronähe,
- für die Jugendlichen was ״zum chillen und abhängen“ sowie 4 Arbeitsplätze, 6 Einzelplätze (CDs hören, lesen) und 1 Bibliothekskatalog-Platz (dies gilt auch für den Kinderbereich). Auch in dieser Altersgruppe besteht der Wunsch nach einem Café. Der Jugendbereich sollte in der Nähe der AV-Medien liegen,
- ein Kuschelpodest im Kinderbereich (nutzbar auch für Klassenführungen),
- eine ״Leselounge“ für den Belletristik-Bereich,
- 10 Arbeitsplätze im Sachbuchbereich,
- ein Info-Point (Beratungstheke) für den Belletristik- und Sachbuchbereich,
- Bibliothekskataloge und Kopierer (insgesamt 11 Bibliothekskatalog-Plätze sowie 1 Kopierer für die Nutzer/Innen),
- zudem sollen Trends im Bibliothekswesen (Q-Thek/ Makerspace) und deren Beeinflussung der Architektur berücksichtigt werden.

In der Hausarbeit geht es neben der Raumplanung auch darum, sich damit auseinanderzusetzen, ob und wie diese Wünsche umsetzbar sind, wie sinnvoll bestimmte Wünsche im Hinblick auf die Größe der Bibliothek und vor dem Hintergrund des DIN Fachberichts sind, und wo möglicherweise Abstriche gemacht werden müssen.

3 Bibliotheksbereiche

3.1 Raumgestaltung

Bei der Gestaltung der Wände, Böden und des Mobiliars der öffentlichen Bibliothek Rheine wurde die Farbergonomie berücksichtigt. Damit die Räume der Bibliothek freundlich und aufheiternd erscheinen, wurden die Wandflächen in einem einheitlichen hell-matten Ton gehalten. Dabei wurde nach DIN 5035-1,2 auf einen reinen Weißton verzichtet und der Reflexionsgrad von 40 bis 60 % eingehalten.[1] Der Bodenbelag wurde bewusst mit einem dunkelgrauen Teppich ausgelegt. Auf den ״Wow- Effect“ nach Andrew McDonald, eine Bibliothek mit einem hellen Fußboden auszustatten, wurde gezielt verzichtet. Aus der Erfahrung der Gruppenmitglieder heraus benötigt der dunkle Bodenbelag weit weniger Pflegeintensität. So auch in den Unterlagen Ulrich Naumanns wird eine dunkle Farbumgebung des Bodens empfohlen, da dieser Standfestigkeit vermittelt.[2] Darüber hinaus eignet sich der Teppichboden als eine gute Absorptionsfläche von Geräuschen und sorgt für ein warmes und behagliches Gefühl nicht nur im Kinderbereich.

Um die Orientierung in der Bibliothek zu fördern, wurde den einzelnen Bereichen eine Farbe zugeordnet. So trägt der Belletristikbereich mit der angrenzenden Leselounge die Farbe Blau, da dieser Flarmonie, Zufriedenheit und Ruhe zugeschrieben wird. Das grüne Farbkonzept im Sachbuchbereich steht für Durchsetzungsvermögen, Frische und Beharrlichkeit, aber auch für Ruhe und Entspannung. Der Jugendbereich wird mit der Farbe Orange versehen, da diese für Freude, Lebhaftigkeit und Spaß steht. Die Heiterkeit und Freundlichkeit der gelben Farbkomposition spiegelt sich in dem Kinderbereich wider. Der AV-Bereich zeichnet sich durch die violette Farbe aus.[3] Dieses Farbkonzept wird in den einzelnen Nutzerbereichen in Form von Bestuhlung, Beleuchtung und zeichenorientierte Systeme (Beschilderung) eingesetzt.

In der Möblierung wurde auf Vielzwecklösungen gesetzt. Die flexiblen Buchregale der Bibliothek sind mit Rollen ausgestattet. Daher ist es möglich, dass die Bibliothek Rheine tagsüber als öffentliche Bibliothek genutzt werden kann und abends die Räume als Veranstaltungsfläche zur Verfügung stehen können. Hinsichtlich des weichen Teppichbodens wurde bei den Stuhl- und Möbelrollen auf harte Rollen geachtet.

Für den Energiehaushalt der Bibliothek Rheine sind Sonnenschutzmaßnahmen unabdingbar. Durch die Anbringung der Sonnenblenden von außen wird die Überhitzung, ohne Beeinträchtigung des Tageslichtes, verhindert und gleichzeitig der Buchbestand der Bibliothek vor Sonneneinstrahlungen geschützt.[4]

3.2 Eingangsbereich

Der Eingangsbereich einer Bibliothek ist das Erste, was Nutzer sehen - ein erster und sehr wichtiger Eindruck. Dieser Bereich muss einladend gestaltet sein, um auch neue Nutzer für die Einrichtung zu begeistern. Der Eingangsbereich prägt ob der Nutzer einen positiven Eindruck erhält, und verdient deswegen bei der Planung besondere Aufmerksamkeit.[5] Allerdings ist auch zu beachten, dass man einen guten Zwischenweg findet, denn wenn der Eingang richtig gestaltet ist, wirkt er oft wie eine Schranke auf Nutzer, welche zeigt, dass ab hier an ein anderer Bereich herrscht, ein ruhiger Bereich als in diesem Beispiel im Kaufhaus.[6]

Um die Bibliotheksbesucher und Mitarbeiter vor Zugluft zu schützen, sind die Eingangstüren mit einem Windfang versehen.

Direkt im Eingangsbereich befindet sich der Nahbereich mit 2000 Medieneinheiten in welchen immer saisonale Literatur zu finden ist. Zum Zeitpunkt dieses Projektentwurfs sind hier Medien rund um das Thema Weihnachten und Silvester zu finden.

Rechter Hand des Eingangsbereiches befindet sich eine Trennwand zum Bereich Jugendliteratur. An dieser werden immer aktuelle Prospekte über alle relevanten Themen ausgehangen, so kann der Nutzer sich sofort einen Überblick aber bevorstehende Veranstaltungen oder Erneuerung in der Bibliothek machen.

Zusätzlich werden im Eingangsbereich vier RFID - Verbuchungsterminals angeboten, an denen Nutzer die Medien selber ausleihen, aber auch zurückgeben können.

Ebenfalls bietet die Bibliothek im Eingangsbereich ein OPAC-Stehterminal für die Schnellsuche und zur Erstinformation an.

Der Eingangsbereich ist mit einem Besucherzählgerat mit integrierter RFID-Sicherungsanlage versehen. Somit dient der Eingangsbereich nicht nur zur Erstinformation sondern auch als Ein- und Ausgangskontrolle.[7]

Im Eingangsbereich befindet sich auch die Garderobe, welche 72 Schließfächer bietet. Die Schließfächer sind sowohl für große Taschen als auch für kleines Gepäck geeignet.

Der Eingangsbereich umfasst ca. 113,76 m2, wobei der Windfang mit ca. 12 m2 außerhalb des Raumes liegt.

3.3 Bibliothekarischer Arbeitsbereich

3.3.1 Mitarbeiterbüros

Für die Tätigkeiten im Hintergrund wie Katalogisierung, Erwerbung, Buchpflege etc. sind Büroräume nötig, in denen das Personal Tätigkeiten durchführen kann ohne vom Tagesgeschäft mit den Nutzern abgelenkt zu werden. Für sechs Mitarbeiter wurden Büros konzeptioniert, die jeweils zu zweit bezogen werden sollen. Die Bibliotheksleitung erhält ein eigenes Büro, in dem ebenfalls ausreichend Platz für das Abhalten von Personalgesprächen etc. vorgesehen ist.

Auf Grund der hohen Auslastung der Quadratmeter durch die Medienbestände und der Bereiche wie Leselounge, Café und Chillout- Area für die Jugendlichen, mussten für die Büroarbeitsplätze der Mitarbeiter einige Kompromisse eingegangen werden. Für die drei je doppelt belegten Büroräume stehen jeweils lediglich ca. 15 m2 zur Verfügung. Auch der Sozialraum erhält nicht die geforderten 40m2 sondern bietet mit 32 m2 Platz für zwei Tische mit acht Sitzplätzen und einer voll ausgestatteten Küchenzeile mit Herdplatten, Kühlschrank und Hängeschränken.

Architektonisch bietet der Lageplan vor allem Tageslicht über die beiden geschwungenen Fensterfronten. Diese sind vorwiegend aus Gründen der Besucherattraktivität für den Benutzungsbereich wie Z.B. Lernarbeitsplätze oder das Café eingeplant worden. Dennoch wurde sich entschieden auch den Mitarbeitern den Zugang zum Tageslicht an ihren Arbeitsplätzen zu ermöglichen, was sich vor allem positiv auf deren Wohlbefinden auswirken soll.[8] [9] Sowohl die Bibliotheksleitung als auch die Büros 1 und 2 grenzen direkt an die Fensterfront, die in diesen Bereichen aber aus

Diskretionsgründen und auch vor dem Schutz vor übermäßigem Lichteinfall mit Jalousien ausgestattet sind. Das Büro 3 hat keinen direkten Zugang zur Fensterfront, muss deswegen aber dennoch nicht auf Licht von außen verzichten. Ein installiertes Oberlicht gewährt in begrenzten Umfang den Blick in den Benutzungsbereich. Somit ist dieses Büro nicht ausschließlich auf die künstlichen Beleuchtungsmittel im Raum angewiesen und vermittelt somit nicht den Eindruck von völliger Isolation. Das Fenster soll allerdings hoch genug angebracht sein, damit die Nutzer an den Lernarbeitsplätzen im Sachbuchbereich keinen direkten Einblick in das Büro erhalten.

Auf ähnliche Weise wird auch der Sozialraum etwas offener gestaltet, hier sollen zwei ebenfalls erhoben installierte Sichtfenster den Blick in den Benutzungsbereich ermöglichen. Auch diese Sichtfenster erhalten auf Wunsch eine Sichtschutzbarriere mittels Jalousie.

Bei der Ausstattung der Büromöbel wurde auf ergonomisches Sitz- und Arbeitsmobiliar geachtet. Der Platz von 15 m2 ist sehr begrenzt, bietet aber dennoch Aufstellmöglichkeiten für je zwei Tische mit EDV- Ausstattung und zugehöriger Bestuhlung, zwei Schränke für dienstliche und private Belange und Ablagefläche mittels Wandregale für die zu bearbeitenden Medien. Die Bibliotheksleitung erhält zusätzlich eine kleine Sitzlandschaft die Besprechung von dienstlichen Angelegenheiten für bis zu vier Personen bietet. Die drei Mitarbeiterbüros haben direkten Zugang zu einem Dienstkopierer, welcher sich auf dem Flur befindet, der in den Benutzungsbereich führt.

3.3.2 Kellerräume

Das ehemalige Warenlager des Einkaufszentrums bietet eine Stellfläche von 225 m2 und soll mit entsprechender Renovierung und technischer Ausstattung ebenfalls Räumlichkeiten bieten, die für Bibliotheksbenutzer zugänglich sind. Um dem Bedarf nach Gruppenarbeitsräumen nachkommen zu können, hat sich die Arbeitsgruppe dazu entschlossen, diese im ersten Untergeschoß unterzubringen. Dies mag zunächst nicht sehr attraktiv wirken, bietet aber den entscheidenden Vorteil, dass durch die durch Gruppenarbeit entstehende Lärmentwicklung in diesem, vom Rest der Bibliothek abgeschirmten, Bereich keine Auswirkungen auf den beruhigten Bereich im Erdgeschoß hat. Dadurch können die Schülergruppen auch ungezwungener mit einander diskutieren, da auch sie nicht fürchten müssen andere zu stören. Auf Grund des Raumkonzeptes im Erdgeschoß wäre eine Realisierung von Arbeitsräumen dort aus Platzmangel nicht mehr möglich gewesen, darum hielt die Arbeitsgruppe eine Unterbringung im Untergeschoß für möglich und auch sinnvoll.

Dies ist natürlich nur dann gewährleistet, wenn in diesem Bereich dennoch ein gewisser Wohlfühlfaktor erzeugt werden kann. Eine Ausstattung mit Teppichboden und Tageslichtlampen kann dies entsprechend unterstützen. Darüber hinaus müssen aber ebenso die klimatischen und auch die Bedingungen für die Luftqualität und den Brandschutz eingehalten werden. Für Letzteres soll in den beiden Gruppenarbeitsräumen, neben dem normalen Zugang über die Treppe, eine Fluchtmöglichkeit mittels Oberlichter ermöglicht werden. Diese führen genau wie die darüber liegende Fluchttür im Erdgeschoße im Brandfall zu einem sicheren Sammelplatz.

Die beiden Gruppenarbeitsräume bieten je ca. 55 m2 Stellfläche, auf der Gruppenarbeitstische mit Sitzplätzen für bis zu acht Personen, Whiteboards, Pinnwände oder auch eine Projektionsfläche für PowerPoint­Präsentationen und Ähnliches untergebracht werden kann. Beide Gruppenarbeitsräume haben eine eigene Zugangstür, so dass jede angemeldete Gruppe ungestört arbeiten kann.

Die Gruppenarbeitsräume bieten darüber hinaus Möglichkeiten für die Nutzung im Hinblick auf neuere Bibliothekstrends. Mehr dazu im Kapitel 3.4.4 Q-Thek als Vorstufe zum Makerspace. Zu beachten ist, dass der Zugang zum Untergeschoß wegen der Treppe nicht barrierefrei ist.

Gegenüber den Gruppenarbeitsräumen befindet sich auf dem Flur noch ein Zugang zu einem Magazinraum bzw. Lagerraum (ca. 39 m2 ) für Veranstaltungstechnik und das Lagern von Stühlen für Veranstaltungen zu denen Besucherzahlen bis zu 70 Personen zu erwarten sind. Bei der Auswahl der Stühle ist darauf zu achten, dass diese stapelbar und über die Treppe mittels Sackkarre transportierbar sind. Eine Unterbringung im Erdgeschoß wäre für den Auf- und Abbau sehr viel komfortabler gewesen, um den Arbeitsaufwand für die Mitarbeiter zu reduzieren. Dies ließ sich aber aus Platzmangel so nicht realisieren.

In dem Raum sind zusätzlich sechs Doppelregale untergebracht, um dort den Bestand unterzubringen, der für den saisonal wechselnden Nahbereich vorgesehen ist. Hier können Schwerpunktthemen wie Weihnachten, Ostern, Halloween etc. und ggf. auch alte Zeitungen und Zeitschriftenjahrgänge aufbewahrt werden.

3.4 Zielgruppenbereich

3.4.1 Theke

Die runde bzw. geschwungene Ausleih- und Informationstheke ist zwischen den Bereichen Belletristik und Sachbuchbereich platziert. Diese Theke dient als zentraler Informations- und Kommunikationsort für die Besucher. Die praktische Ausstattung ist für eine qualitative Arbeit der Angestellten ausschlaggebend.

An der Ausleihtheke werden neue Benutzer angemeldet sowie Vorbestellungen entgegengenommen und Leihfristverlängerung ausgeführt. Des Weiteren befinden sich hier der Kassenbereich und die Ablage von Medien.[10]

Bei der Theke sollte möglichst eine höhenverstellbare Variante gewählt werden jedoch eine Mindesthöhe von 740 mm gegeben sein. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass diese sich auf einem erhöhten Podest befindet, damit die Kommunikation zwischen den stehenden Kunden und dem sitzenden Mitarbeiter fast auf Augenhöhe möglich ist.

Auf Grund der Rundung ist es möglich mittig im Thekenbereich Präsentationselemente einzubauen. Diese Präsentationsmöbel werden innenseitig als Medienschrank bzw. als Stauraum für zurückgegebene Medien dienen. Da es hinsichtlich der AV-Medien kein Stellvertretersystem geben wird muss im Hintergrund der Ausleihtheke kein weiterer Stauraum gewährleistet werden.

Die Neuanschaffungen hinsichtlich der IT-Hardware sind gemäß den Anforderungen bzgl. der RFID-Transponder-Technologie zu tätigen. Neben Quittungsdrucker, Rechner, Bildschirm und Verbuchungsscanner ist ein tragbares Telefon mit integriertem Anrufbeantworter nötig. Ein Farbdrucker in Kombination mit einem A4-Scanner sowie ein Faxgerät sind wünschenswert. Zwei Monitore bzw. digitale Bilderrahmen an der Säule montiert sind sinnvoll um Neuanschaffungen oder bevorstehende Veranstaltungen zu bewerben. Auf der Oberfläche der Theke muss ein Areal eingeplant werden, auf welchem Informationsmaterial zur Mitnahme platziert werden kann.

Alle technischen Geräte und Materialien sind dahingehend auszuwählen, dass diese so wenige Geräusche wie möglich verursachen. (Siehe Schallschutz)

3.4.2 Sachliteratur

Der ca. 153 m2 große Sachbuchbereich wird vom Kinder-, AV-, Jugend- und Bürobereich umschlossen. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Theke mit der zentralen Auskunft. Die 10500 Medien werden in 43 Regalen untergebracht. Es handelt sich hier um Doppelregale, die von beiden Seiten begehbar sind. Diese sind mit fünf Regalböden ausgestattet (siehe Abbildung 5 im Kapitel 5 Mobiliar). Für die Regalsysteme werden ca. 132 m2 Fläche benötigt, die auch die Mindestbreite für rollstuhlgerechte Gänge von 1,50 m beinhaltet.[11]

Der Rest der Fläche wird für einen OPAC und 8 Arbeitsplätze beansprucht. Von den gewünschten 10 Arbeitsplätzen seitens der Mitarbeiter/Innen und Nutzer/Innen wird abgesehen. Aufgrund des niedrigen Medienbestandes entscheiden sich die Gruppenmitglieder, in dem Sachbuchbereich 8 Arbeitsplätze zu integrieren. Davon befinden sich 2 Arbeitsplätze in der Nähe des angrenzenden Jugendbereichs, um diese je nach Bedarf aus zwei Zielgruppenbereichen flexibel nutzen zu können.

Die Einzelarbeitsplätze der Benutzer ermöglichen ein konzentriertes Arbeiten in der Bibliothek Rheine. Dabei wurden die Richtlinien aus dem DIN-Fachbericht 13, was die Größenfestlegung der Arbeitsplätze betrifft, berücksichtigt. Somit haben die Nutzer genügend Platz, nicht nur für Bücher oder Unterlagen sondern auch für die Nutzung eines Laptops. Die ergonomisch gestalteten Stühle tragen durch die unterstützende Sitzfläche ebenso zu effizienter Arbeit bei.

3.4.3 Belletristik

Für die 6200 Medien der ״schönen Literatur“ sind 26 Doppelregale (Maße konform mit Sachbuchbereich) mit angrenzender Leselounge und Lesecafe geplant. Damit ausgewählte Medien gut präsentiert werden können, werden 6 Ausstellungsböden im gesamten Bereich nötig. Diese ״schrägen“ Regalböden werden auf Augenhöhe in die Regale eingebaut. Auf Grund der erfahrungsgemäß hohen Umlaufquote dieser Bestandsgruppe ist dies ohne weiteres möglich. Es wird innerhalb der Belletristik einen gesonderten Bereich für Krimis & Thriller geben. Eine weitere thematische Aufstellung der Medien ist nicht vorgesehen. Für die eigenständige Bestandsrecherche steht den Nutzern der OPAC an der naheliegenden Ausleihtheke zur Verfügung, gleichzeitig natürlich auch die Anfrage an den Mitarbeiter. Die Fläche für den Bestand der Belletristik ist auf 82 m2 veranschlagt.

3.4.4 Q-Thek als Vorstufe eines Makerspace

״Ein Makerspace ist ein Raum, der für eine bestimmte Community oder auch allgemein öffentlich zugänglich ist, und der »Tools« für die gemeinschaftliche Nutzung bereithält. »Tools« steht dabei für Hilfsmittel, Werkzeuge, Instrumente, Geräte jeglicher Art.“[12]

Als Makerspace versteht man vorrangig das Angebot des gemeinsamen Lernens, eigenständigen Experimentierens und Kommunizierens. Dazu ist ein Raum (Space) notwendig, der den Ideen der ״Macher“ (Maker) die technische und räumliche Infrastruktur bietet, um diese umzusetzen. Das Konzept der Q-Theke (siehe Abbildung 17 im Kapitel 5 Mobiliar) beinhaltet ein modular aufgebautes Mobiliar, welche den schnellen Umbau von Einzel- zu Gruppenarbeitsplätzen gewährleistet. Des Weiteren bietet die Q-Theke viele technische Hilfsmittel wie bspw. einen Multi-Touchscreen. Für die Umsetzung eines Makerspace ist die Anschaffung von geeigneter Hardware bspw. in Form von Laptops und Tablets notwendig. Das Thema 3D-Drucker ist in vielen deutschen Großstadtbibliotheken bereits diskutiert und in einigen Bibliotheken umgesetzt worden. Die Grundidee ist jedoch für öffentliche Bibliotheken nicht neu: Die Bibliothek als Lernort und gleichzeitig als Versuchsort für neue Technologien. Die Bibliothek Rheine wird vorerst keinen 3D-Drucker anschaffen sondern versucht den Makerspace anderweitig umzusetzen. Denkbar wären Workshops für Schüler um bspw. die Grundlagen der Webseiten-Programmierung in Kombination mit Webdesign zu bewerkstelligen. Die Fähigkeiten zur Produktion von Videos oder Podcasts bis hin zur professionellen digitalen Fotobearbeitung können in Workshops oder im ״Selbst-Experimentieren“ erworben werden. Weiterhin sind bspw. Szenarien denkbar in welchen die Gründung einer lokalen Geocaching Community im Fokus steht und die Bibliothek einen Gruppenraum (im Keller der Bibliothek) mit allen nötigen technischen Notwendigkeiten bietet. Die Ideen für den Makerspace sind zahlreich. Tätigkeiten, welche für eine Minderheit alltäglich erscheinen, wie bspw. das Digitalisieren von VHS-Kassetten oder Schallplatten, die Verwendung von TipToi-Stiften oder aber die richtige Handhabung von Büchern und den dazugehörigen Augmented Reality Apps, sind mögliche Anwendungsbeispiele. Auch die klassischen Kreativ-Werkstätten wie bspw. eine Schreibwerkstatt sind nicht ausgeschlossen sondern ausdrücklich erwünscht. Auch Nutzerschulungen bzgl. der Onleihe und dem gesamten Thema ״digitale Medien“ können in dieser Q-Theke abgehalten werden und erfüllen damit den Leitgedanken eines Makerspace.

Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass der Makerspace eine Art Volkshochschule ist. Hierbei ist jedoch zu unterscheiden das an VHS der theoretische Unterricht im Vordergrund steht. Die Philosophie des Makerspace ist jedoch die ״Fabrikation“ von etwas Neuem auf sehr vielfältige und informelle Weise.[13]

Ein Makerspace ist zukünftig Voraussetzung damit Bibliotheken ihre Funktion als Bildungsinstitution wahrnehmen können.

״[...] wobei neben [den] Aktivitäten zur Unterstützung der formalen Bildung nunmehr verstärkt das informelle Lernen in seinen verschiedenen Erscheinungsformen in den Blickpunkt rückt und hierbei insbesondere das Lernen durch Experimentieren, Erfahren und Tun.“[14]

Die Q-Theke bildet die optimale Grundvoraussetzung um langfristig eine räumliche Flexibilität zu gewährleisten und das innovative Dienstleistungsangebot ״Raumgebung für Ideen“ weiter auszubauen.

3.4.5 AV-Medien

Die audiovisuellen Medien in Form von CDs und DVDs sind rund um die Q-Theke untergebracht. Dieses Areal eignet sich dafür in perfekter Weise, weil mit Hilfe der Q-Theke diese Medien gekonnt in Szene gesetzt werden. Des Weiteren werden in dieser Zone auch die digitalen Medien wie Ebooks und Eaudios mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Technik beworben und die Funktionsweise erläutert. Die räumliche Nähe zum Jugendbereich ist gewollt, da der gewünschte „Chillout-Effekt“ durch die moderne Lichtinstallation in Kombination mit den zugehörigen Sitzmöbeln der Q-Theke gefördert wird.

[...]


[1] Vgl.: Naumann: Bibliotheksbau, s. 36 [Online],

[2] Vgl.: Ebd., s. 38.

[3] Vgl.: Naumann: Bibliotheksbau, s. 37 [Online],

[4] Vgl.: DIN-Fachbericht 13, s. 68.

[5] Vgl.: DIN-Fachbericht 13, s. 50.

[6] Vgl.: Depping, Ralf; Können Bibliotheksbau und -ausstattung verhaltenssteuernd wirken?, sT 112.

[7] Vgl.: DIN-Fachbericht 13, s. 50.

[8] Vgl.: DIN-Fachbericht 13, s. 17.

[9] Vgl. Arbeitsstättenverordnung vom 12. August 2004 (BGBl. I s. 2179), Abschnitt 3.4 [Online],

[10] Vgl.: Handreichung zu Bau und Ausstattung öffentlicher Bibliotheken, s. 11 [Online],

[11] Vgl.: Handreichung zu Bau und Ausstattung öffentlicher Bibliotheken, s. 18 [Online],

[12] Meinhardt, Haike: Das Zeitalter des kreativen Endnutzers, s. 479.

[13] Vgl.: Meinhardt, Haike: Das Zeitalter des kreativen Endnutzers, s. 480.

[14] Ebd., s. 481.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Planung einer Bibliothek. Neugestaltung der Stadtbibliothek in Rheine
Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
51
Katalognummer
V438389
ISBN (eBook)
9783668790568
ISBN (Buch)
9783668790575
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bibliothek Konzept Planung
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Planung einer Bibliothek. Neugestaltung der Stadtbibliothek in Rheine, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438389

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