Blackbox von Benjamin Stuckrad-Barre. "Darüber lachen sie sehr, aber das Lachen wollen sie nicht speichern, das war nicht echt."

Medienkonsum


Akademische Arbeit, 2018

7 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

״ Darüber lachen sie sehr, aber das Lachen wollen sie nicht speichern, das war nicht echt. ‘1

In der vorliegenden Arbeit soll das oben genannte Zitat erörtert und durchleuchtet werden. Es stammt aus dem Jahr 2005 erschienenen Buch Blackbox von Benjamin Stuckrad-Barre. Dieser Autor zählt zu den wichtigsten deutschen Autoren unserer Zeit. Seine Werke prägen die sogenannte Popliteratur und beeindrucken durch ihre schamlose Ehrlichkeit. Stuckrad-Barre erzählt die Geschichte von verschiedenen Individuen, die in der heutigen medial-geprägten Gesellschaft untergehen. Er sticht wegen seiner Offenheit in einer nach Perfektion strebenden Gesellschaft heraus. Drogenkonsum, Medien und Schönheitswahn sind nur einige der Themen, mit denen der revolutionäre Autor sich beschäftigt. Stuckrad-Barre begibt sich in dem Buch auf die Suche nach dem Schuldigen. Er will der modernen Gesellschaft den Spiegel Vorhalten. Bei jeder der 8 Erzählungen wird man als Leser zum überdenken seiner eigenen Gewohnheiten angeregt.

״Im Zweifelsfall ist die Blackbox die letzte Hoffnung auf der Suche nach Ursachen für Abstürze: Was hat versagt oder wer, lag es an der Technik, am Klima, oder war es menschliches Versagen?“2 Mit diesen Worten beginnt die kurze Einleitung vorab, welche die gesamte Thematik des Buches resümiert. Die einzelnen Erzählungen unterscheiden sich nicht nur bezüglich ihrer Thematik, sondern weisen ebenfalls grundverschiedene Textformen auf. Es handelt sich um ״Protokolle, Erzählungen, Märchen, Gedichte, Dialoge [und] ein Dramolett.“3 In den 8 Erzählungen, die jeweils verschiedene Tragödien aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten, kommt es immer wieder zu Grenz- und Schwellenüberschreitungen. ״Ein sicher geglaubte[s] Ordnungssystem [weist] [...] plötzlich auftauchende[...] Störungen [auf]“4

Das bereits erwähnte literarische Zitat stammt aus der ersten Erzählung, die den Titel herunterfahren,, trägt. In dieser Erzählung geht es um Jugendliche, die ausgehen wollen. Relativ schnell wird dem Leser offenbart, dass die namenlosen Protagonisten auf der Suche nach Drogen sind. Als sie den Mann mit den ״guten Drogen“ nicht erreichen können, ändern sie ihre Suchkriterien. Es spielt keine Rolle mehr, wer oder was ihre Sucht stillt. Sie wollen einfach nur an irgendein Rauschmittel kommen, um der Wirklichkeit zu entfliehen.

Die Sprache und die Wortwahl scheinen in dieser ersten Erzählung wichtiger zu sein als die Handlung selbst. Der Rede- bzw. Schreibstil ist sehr emotionslos. Es wird eine Art Programmiersprache benutzt, die aus Computerbefehlen besteht. Durch die Aneinanderreihung von kurzen, unabgeschlossenen Sätzen entsteht ein parataktischer Satzbau. Die wiederkehrenden Algorithmen verhindern einen fließenden Ablauf des Abends. Die Figuren in dieser Geschichte werden von strukturierten Befehlen des Systems ausgebremst.

Die Hauptfiguren sind in einem viel zu schnellen Netzwerk gefangen und suchen nur nach dem Ausschaltknopf, in diesem Fall, nach den Drogen. In dieser Erzählung werden Menschlichkeit und Gefühlsausdrücke durch Software-Abfolgen und Computerbegriffe ersetzt. Es gelingt den jungen Menschen nicht, sich von diesem mächtigen Medium zu lösen. Ihre ganze Aussprache und Ideologie werden von diesem scheinbar übermächtigen System gesteuert. Die zentralen Unterschiede zwischen Mensch und Maschine liegen in der Einfühlsamkeit, den Affekthandlungen und menschlichen Gefühlsreaktionen. Da diese Eigenschaften in der Erzählung überhaupt nicht Vorkommen, kann man hier keine klare Grenze zwischen Maschine und Mensch ziehen. Es scheint nicht einmal ganz klar zu sein, ob es sich um reale Menschen handelt. Dass den Hauptfiguren weder Namen noch Charaktereigenschaften zugesprochen werden, unterstreicht ihre Distanz zur Humanität.

Obwohl die Erzählung von Stuckrad-Barre anfangs realitätsfem erscheint, ist der Hintergrundgedanke ein weitverbreitetes Phänomen. Onlinespiele, soziale Netzwerke und verschiedene Plattformen gehören zu den Alltäglichkeiten unserer Zeit. Nicht jeder, der ein Social Network-Profil besitzt oder viel Zeit am Rechner verbringt, ist süchtig nach dem medialen Konsum. Es gibt aber immer mehr Jugendliche und auch Erwachsene, die keine klare Grenze zwischen Realität und Virtualität ziehen können.

Die Neuen Medien bestimmen einen Großteil unseres Alltags. Diese Veränderung macht sich ebenfalls im modernen Sprachgebrauch bemerkbar: The medium is the message.5 McLuhan bündelt das Medium mit der Botschaft. In Stuckrad- Barres Werk Blackbox wird diese Idee aufgegriffen. In der Erzählung herunterladen lässt sich keine klare Linie mehr zwischen Medium und Botschaft erkennen. Durch den algorithmischen Sprachgebrauch ist das Medium die Mitteilung und steuert die Protagonisten.

[...]


1 Benjamin von Stuckrad-Barre: Blackbox. Köln 2005, s. 16.

2 Ebd. S.2.

3 Ebd. S.2.

4 Ebd. S.2.

5 Siehe hierzu: Marshall McLuhan: The medium is the message. In: Understanding Media : The extensions of Man. 1964.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Blackbox von Benjamin Stuckrad-Barre. "Darüber lachen sie sehr, aber das Lachen wollen sie nicht speichern, das war nicht echt."
Untertitel
Medienkonsum
Hochschule
Université du Luxembourg
Veranstaltung
Mediendidaktik
Note
2.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
7
Katalognummer
V438677
ISBN (eBook)
9783668785687
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erörterung Medien Popliteratur Stuckrad-Barre Blackbox
Arbeit zitieren
Cathy Schoetter (Autor), 2018, Blackbox von Benjamin Stuckrad-Barre. "Darüber lachen sie sehr, aber das Lachen wollen sie nicht speichern, das war nicht echt.", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438677

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