Die Zielsetzung der Arbeit besteht darin, das Phänomen der Guerillakommunikation aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. In einem ersten Schritt wird aus theoretischer Perspektive dargelegt, welchen Ursprung Guerillakommunikation hat und welche unterschiedlichen Facetten hierbei eine wichtige Rolle spielen. Daran anschließend wird anhand des Beispiels "Peng! Collective" ein Praxisbezug hergestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
2 Guerillakommunikation - Irritation von kulturellen Codierungen
2.1 Umberto Ecos semiologische Guerilla
2.2 Kulturelle Grammatik
3 Entwicklung der Guerillakommunikation
3.1 Kommunikationsguerilla
3.1.1 Strategien und Taktiken
3.1.2 Prinzipien der Kommunikationsguerilla
3.1.3 Aktionsräume
4 „Peng! Collective“- Transformationen einer Kommunikationsguerilla
4.1 Allgemeines zum Politkollektiv
4.2 Kampagnen und Taktiken
4.2.1 „Vattenfake“
4.2.2 Aktionsräume und Taktiken
4.2.3 Folgen und Erfolgen
5 Fazit
6 Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Guerillakommunikation als Mittel der gesellschaftlichen Kritik. Dabei wird analysiert, wie durch den bewussten Einsatz von Irritation und den Bruch mit kulturellen Codierungen bestehende Machtverhältnisse hinterfragt werden, wobei das „Peng! Collective“ als konkretes Praxisbeispiel dient.
- Theoretische Grundlagen der semiologischen Guerilla nach Umberto Eco
- Unterscheidung zwischen Strategie und Taktik im Kontext von politischem Aktivismus
- Einsatz von Verfremdung und Überidentifizierung als kommunikative Prinzipien
- Analyse von Aktionsräumen wie Internet und Massenmedien
- Fallstudie zur „Vattenfake“-Kampagne des „Peng! Collective“
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Strategien und Taktiken
Der französische Soziologe und Kulturphilosoph Michel de Certeaus differenziert in seinem Werk „Kunst des Handelns“ aus dem Jahr 1988 klar die Begriffe „Strategie“ und „Taktik“.
Als Strategie bezeichnet er „eine Berechnung von Kräfteverhältnissen, die in dem Augenblick möglich wird, wo ein mit Macht und Willenskraft ausgestattetes Subjekt […] von einer ‚Umgebung‘ abgelöst werden kann. Sie setzt einen Ort voraus, der als etwas Eigenes umschrieben werden kann und der somit als Basis für die Organisation einer bestimmten Außenwelt […] dienen kann“. Das bedeutet mit anderen Worten, dass ein eigener Ort, der in Form einer autonomen Organisationsstruktur existiert und der somit abgelöst von der Struktur der Gesellschaft sein kann, für das strategische Handeln vorausgesetzt wird. Somit handelt es sich bei der Strategie um „den Versuch, die Logik der eigenen Struktur auf die Umwelt zu übertragen“.
Eine Taktik hingegen definiert Michel de Certeaus als „ein Kalkül, das nicht mit etwas Eigenem rechnen kann und somit auch nicht mit einer Grenze, die das Andere als eine sichtbare Totalität abtrennt. Die Taktik hat nur den Ort des Anderen. Die dringt teilweise in ihn ein, ohne ihn vollständig erfassen zu können. Sie verfügt über keine Basis, wo sie ihre Gewinne kapitalisieren, ihre Expansion vorbereiten und sich unabhängig gegenüber den Umständen bewahren kann“. Taktik ist somit gegenteilig zu einer Strategie, da kein eigener Ort vorausgesetzt wird. „Taktisches Handeln ist also daran gebunden, dass eigene Strukturen nur in Abhängigkeit von anderen Strukturen existieren […]“. Eine Intervention innerhalb und gegen solche Strukturen ist taktisch und beschreibt somit die Kommunikationsguerilla. Schlussfolgernd lässt sich sagen: „Kommunikationsguerilla funktioniert nicht als Strategie, sondern nur als Taktik“ und ist weder lokal noch temporal begrenzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Guerillakommunikation ein und umreißt die Zielsetzung, Phänomene der Irritation und den Bruch mit Konventionen zu untersuchen.
2 Guerillakommunikation - Irritation von kulturellen Codierungen: Hier werden die theoretischen Grundlagen durch Umberto Ecos Konzept der semiologischen Guerilla und den Begriff der kulturellen Grammatik gelegt.
3 Entwicklung der Guerillakommunikation: Dieses Kapitel widmet sich der historischen und konzeptionellen Herleitung, insbesondere der Differenzierung von Strategie und Taktik sowie den Prinzipien der Verfremdung und Überidentifizierung.
4 „Peng! Collective“- Transformationen einer Kommunikationsguerilla: Der Praxisteil analysiert das Berliner Politkollektiv und insbesondere die „Vattenfake“-Kampagne hinsichtlich ihrer taktischen Durchführung und Wirkung.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Guerillakommunikation eine Form der Medienkritik darstellt, die durch Irritation gesellschaftliche Normalitätsvorstellungen hinterfragt.
6 Literatur- und Quellenverzeichnis: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendeten wissenschaftlichen Quellen, Internetressourcen und Dokumentationen auf.
Schlüsselwörter
Guerillakommunikation, Irritation, Politkollektiv, Peng! Collective, Vattenfake, Strategie, Taktik, semiologische Guerilla, Umberto Eco, kulturelle Grammatik, Medienkritik, Verfremdung, Überidentifizierung, gesellschaftliche Kritik, Aktivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Kommunikationsguerilla als einer Form der politischen und gesellschaftlichen Kritik, die durch den gezielten Einsatz von Irritation bestehende Machtstrukturen hinterfragt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen medienwissenschaftliche Theorien der Kommunikation, die Analyse von Taktik versus Strategie sowie die Untersuchung von politischem Aktivismus im digitalen Zeitalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den theoretischen Ursprung der Guerillakommunikation darzulegen und deren Anwendung durch das „Peng! Collective“ in der Praxis kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung medienwissenschaftlicher Konzepte und führt eine qualitative Fallstudienanalyse an einem praktischen Beispiel durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Ecos semiologische Guerilla, kulturelle Grammatik, Unterscheidung Strategie/Taktik) und die anschließende Analyse des „Peng! Collective“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Guerillakommunikation, Irritation, semiologische Guerilla, kulturelle Grammatik, Taktik und ziviler Ungehorsam.
Wie genau lässt sich das Prinzip der „Überidentifizierung“ erklären?
Überidentifizierung bedeutet, allgemein bekannte, aber tabuisierte Aspekte des gesellschaftlich Gewohnten exzessiv und offen anzusprechen, um durch die Übersteigerung die zugrunde liegenden Normen offenzulegen.
Was war das Ergebnis der „Vattenfake“-Kampagne des „Peng! Collective“?
Obwohl die Kampagne keine direkte Rücknahme der unternehmerischen Entscheidungen von Vattenfall bewirkte, konnte sie das Ziel einer erfolgreichen Guerilla erreichen: Sie erregte großes mediales Aufsehen und regte eine breite öffentliche Debatte an.
- Arbeit zitieren
- Leonie Hüs (Autor:in), 2017, Guerillakommunikation. Irritation als Gesellschaftskritik am Beispiel des "Peng! Collectives", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438736