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Die Wiener Genesis. Geburt eines Kunsttextes aus einem Kulttext

Eine Relektüre unter mythischen und ästhetischen Gesichtspunkten

Título: Die Wiener Genesis. Geburt eines Kunsttextes aus einem Kulttext

Trabajo , 2017 , 25 Páginas , Calificación: 2,3

Autor:in: Daniel Balle (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana antigua y medieval
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Die eigentümlichste Art der Kunstproduktion und ihrer Werke füllt unser höchstes Bedürfnis nicht mehr aus; wir sind darüber hinaus, Werke der Kunst göttlich verehren und sie anbeten zu können.“ In diesem Zitat von Hegel kommt zum Ausdruck, dass es zwischen der Kunst und dem Heiligen, dass sich im Kult findet, einen Zusammenhang gibt, der in der heutigen Zeit so oftmals nicht sehr naheliegend zu sein scheint, da die Kunst doch als eigenständiges, autonomes Medium verstanden wird, das nicht vom Kult abhängt. Denkt man jedoch zurück in die Zeiten des Mittelalters so wird bewusst, dass Kult und Kunst dort nicht getrennt waren und die Kunst durch den Kult - das Religiöse sehr dominiert wurde. So waren Wissen und Poesie im Hochmittelalter noch nicht getrennt. Poesie ist ursprünglicher Artikulationsort einer christlich-mythischen Rationalität. Die heiligen Texte im Mittelalter waren in der Regel in Latein und nicht in der Volkssprache verfasst. Als jedoch die Volkssprachlichkeit Einzug in die Texte hielt erwuchs deren literarische Autonomie aus der Aneignung biblischer Inhalte. So wird z.B. die Wiener Genesis als ein bibelepischer Text, der in Volkssprache, dem frühmittelhochdeutsch verfasst ist, verstanden.

Erst in einem historischen Prozess hat sich dann die Kunst vom Kult getrennt. Der historische Prozess zwischen Kunst und Kult ist kontrovers modelliert. Das Verhältnis von Kunst und Kult kann nicht als Verhältnis einer plötzlichen Ablösung im Mittelalter gesehen werden, da diese nicht scharf durch eine epochale Zäsur zu trennen sind. So hat sich die Kunst schrittweise aus dem Kult herausgelöst. Die Kunst des Mittelalters hat memorative und bildende Funktionen gehabt, die religiöse Funktion bestand in der Transmission.

Die biblische Welt ist, was ihre Literarizität anbelangt, trotz ihres großen Einflusses, nicht besonders gegenwärtig. Die Präsenz der Bibel und die Festlegung der Figuren mache es den Schriftstellern schwer mit dem Stoff umzugehen und eine literarische Autonomie herzustellen, die künstlerischen Anspruch hat. Der biblische Gott hat jedoch auch Züge des Mythischen. Eben jenes Mythische könnte dem Text seine Literarizität verleihen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Grundlagen

2.1. Begriff und Zweck des Mythos

2.2.Der rituelle Text

2.3.Kult- und Kunsttext

2.4.Die Wiener Genesis

3.Die Wiener Genesis als Kunsttext

3.1.Schöpfung als Mythos in der Wiener Genesis

3.2. Descriptio Hominis

3.3. Die Schöpfung des Menschen als ästhetisch-erzählerisches Verfahren

4.Zusammenfassung, Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Übergang von biblischen Kulttexten zu volkssprachlichen Kunsttexten am Beispiel der Wiener Genesis. Dabei steht die zentrale Fragestellung im Fokus, durch welche ästhetischen und mythischen Prozesse die Wiener Genesis eine literarische Autonomie gegenüber ihrem ursprünglichen, heilsgeschichtlichen Kontext beanspruchen und manifestieren konnte.

  • Die Funktion und Definition des Mythos in der Literaturwissenschaft.
  • Die konstitutiven Merkmale ritueller Texte und deren Transformation.
  • Die Abgrenzung und das Spannungsfeld zwischen Kult- und Kunsttext.
  • Die Analyse der Schöpfungsgeschichte und der Descriptio Hominis als ästhetische Verfahren.
  • Die Remythisierung des biblischen Stoffs als Mittel zur literarischen Identitätsbildung.

Auszug aus dem Buch

3.1.Schöpfung als Mythos in der Wiener Genesis

In der W geht die Engelsschöpfung der Menschenschöpfung voraus. Der Schöpfungsbericht in den Genesisdichtungen konstruiert ein reichhaltiges Ursprungsszenario. Hierin unterscheidet sich die W vom biblischen Buch Genesis. Wie oben beschrieben, ist die Geschichtlichkeit eine wichtige Voraussetzung um den Anspruch des einen Gottes aufrechtzuerhalten. Das Einsetzen von Menschen in die Reihen der Engel wäre schwer mit einem geschichtlichen Aspekt zu begründen, was ein Risiko für die heilsgeschichtliche Planung darstellt. Im Falle des Mythos stellt sich jedoch nicht die Frage, warum die Lücke in den Reihen der Engel mit Menschen besetzt wird. Durch die entstandene Lücke drängt die Erzählung darauf, dass etwas mit Dringlichkeit geschehen muss, um diese Lücke zu schließen und zwar mit aller Umständlichkeit. Es kommt so also ein mythisches Moment zustande.

Nach Quast liegt hier die Geburt der Geschichte aus dem Geist mythischer Umständlichkeit vor. Eine mythische Rationalität markiert den blinden Fleck der Schöpfung und durch den Mythos wird Licht in das Dunkel des biblischen Anfangs gebracht. Der Ursprungsmythos der W stellt ein Gegengewicht zur geschichtlichen Erzählung des Buches Genesis dar. Die Schöpfung gründet im Mythos. Dies hilft der Verstehbarkeit des Textes, da er nun durch den Mythos zugänglicher wird. Die Schöpfung des Menschen wird nicht geschichtlich begründet, sondern mythisch, in dem der Mensch die Reihen der Engel vervollständigen soll.

Ein mythischer Mächtedualismus bildet in der W den Rahmen für eine linear konstruierte Heilsgeschichte. Die bibelepischen Dichtungen bauen den Geschichtsanspruch ab, in dem sie ein Gegen- und Miteinander von Mythos und Geschichte darstellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Es wird die theoretische Ausgangslage zwischen Kunst und Kult im Mittelalter beleuchtet und die Forschungsfrage formuliert, wie ein Kulttext in einen eigenständigen Kunsttext transformiert werden kann.

2.Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Mythos und ritueller Text sowie deren spezifische Bedeutung im Kontext der biblischen Genesis und der Herausbildung volkssprachlicher Literatur.

3.Die Wiener Genesis als Kunsttext: Der Hauptteil analysiert die Schöpfungsdarstellung und die Beschreibung des Menschen in der Wiener Genesis, um die mythisierenden und ästhetisierenden Verfahren nachzuweisen, die den Text von der biblischen Vorlage abheben.

4.Zusammenfassung, Fazit und Ausblick: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Wiener Genesis durch die Remythisierung und ästhetische Freiheit ihre Autonomie gegenüber dem biblischen Kulttext begründet und öffnet Perspektiven für weitere Untersuchungen des Verhältnisses von Kult und Kunst.

Schlüsselwörter

Wiener Genesis, Kulttext, Kunsttext, Mythos, Schöpfungsgeschichte, Descriptio Hominis, Volkssprachlichkeit, Mittelalter, Literarizität, Heilsgeschichte, Remythisierung, Ästhetik, biblische Genesis, Autonomie, Anthropologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Prozess der literarischen Emanzipation eines Textes von einem strengen, religiösen Kultrahmen hin zu einem autonomen Kunsttext am Beispiel der mittelalterlichen Wiener Genesis.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Felder sind die Differenz zwischen Kunst- und Kulttext, die Funktion des Mythos als Mittel zur literarischen Gestaltung sowie die spezifische mittelalterliche Beschreibungstechnik des menschlichen Körpers.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit fragt danach, mit welchen Mitteln die Wiener Genesis den biblischen Stoff bearbeitet, um sich als eigenständiges Kunstwerk zu etablieren und den geschichtlichen Anspruch der Vorlage durch mythische und ästhetische Aspekte zu unterlaufen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich primär auf eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Heranziehung prominenter Forschungspositionen, insbesondere von Bruno Quast und Hans Blumenberg, um das Spannungsfeld zwischen Heilsgeschichte und mythischer Gestaltung zu erschließen.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Schöpfung des Menschen und der sogenannten „Descriptio Hominis“ (Beschreibung des Menschen), um die angewandten ästhetischen Verfahren im Detail nachzuweisen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Remythisierung, bibelepische Dichtung, Descriptio, Autonomie, Kult vs. Kunst und Volkssprachlichkeit charakterisiert.

Warum ist die „Descriptio Hominis“ für die Argumentation wichtig?

Sie dient als konkretes Beispiel für eine ästhetische Erweiterung, die in der Wiener Genesis vorgenommen wird, um den biblischen Stoff durch eine anthropologische Detailbeschreibung zu episieren und so zu einer eigenständigen Erzählform zu gelangen.

Welche Rolle spielt die Darstellung der inneren Organe?

Die detaillierte Beschreibung der Organfunktionen verdeutlicht den Übergang zu einem literarischen Interesse, das über die bloße Wiedergabe des biblischen Textes hinausgeht und beim damaligen Leser gezielt Faszination sowie Fragen nach dem Sinn des Menschenbildes auslösen sollte.

Final del extracto de 25 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Wiener Genesis. Geburt eines Kunsttextes aus einem Kulttext
Subtítulo
Eine Relektüre unter mythischen und ästhetischen Gesichtspunkten
Universidad
University of Constance
Calificación
2,3
Autor
Daniel Balle (Autor)
Año de publicación
2017
Páginas
25
No. de catálogo
V438749
ISBN (Ebook)
9783668790674
ISBN (Libro)
9783668790681
Idioma
Alemán
Etiqueta
Genesis Wiener Genesis Mediävistik Ältere deutsche Literatur Mythos Kult Hamano
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Daniel Balle (Autor), 2017, Die Wiener Genesis. Geburt eines Kunsttextes aus einem Kulttext, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438749
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