Globalisierung, die wachsende Entgrenzung von Arbeit und immer größere Anforderungen an Arbeitnehmer führen zu starken Veränderungen der Arbeitszeiten und Arbeitsverhältnisse in Deutschland. Während sozial starke Gruppen von diesem Trend profitieren und ihre Arbeit immer flexibler ihrer individuellen Lebensgestaltung anpassen können, tragen Arbeitnehmer sozial schwacher Schichten zumeist andere Folgen. Dabei ist der Faktor Arbeitszeit im Bereich der Lebensgestaltung und Lebensqualität als fundamental anzusehen. In der heutigen Informations-, Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft rückt die Schichtarbeit immer weiter in den Hintergrund. Instituiert im Laufe des 19. Jahrhunderts, gehörte diese Form des Arbeitsverhältnisses, beruhend auf festen immer wiederkehrenden Arbeitszeitblöcken, zu einer aus technologischen und wirtschaftlichen Zwängen heraus entstandenen Norm. Derzeit arbeiten in Deutschland ca. 24 Millionen Erwerbstätige in Schichtarbeit. Und obwohl Schichtarbeit nicht mehr so verbreitet scheint, wie in den letzten Jahren, ist auf Grund der Tertiarisierung der Wirtschaft mit einer Zunahme zu rechnen.Der Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit ist in zahlreichen Studien untersucht worden und äußert sich in vielen kleinen Faktoren wie Schlafmangel oder dem Konsum von ungesunden Genussmitteln.
Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, welchen Einfluss die Arbeit im Schichtbetrieb im Vergleich zu einer Tätigkeit in Normalarbeitszeit auf den subjektiven Gesundheitszustand hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Betrachtung
2.1 Begriffsklärung: Schichtarbeit und subjektive Gesundheit
2.2 Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit
2.3 Schichtarbeit als Faktor sozialer Ungleichheit
2.4 Hypothesenbildung und Auswahl der Kontrollvariablen
3. Empirisch-statistische Betrachtung
3.1 Datengrundlage und Methodik
3.2 Operationalisierung und Variablen
3.3 Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse
4. Fazit
5. Anhang: Syntax
Zielsetzung & Themen der Forschungsarbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss von Schichtarbeit auf das subjektive Gesundheitsempfinden von Erwerbstätigen in Deutschland empirisch zu untersuchen und zu prüfen, ob ein kausaler Zusammenhang besteht.
- Analyse von Schichtarbeit als soziologischer Faktor für soziale Ungleichheit.
- Untersuchung der psychischen und physischen Folgen von Schichtarbeit.
- Durchführung einer multivariaten Regressionsanalyse auf Basis der ALLBUS 2014-Daten.
- Überprüfung des Einflusses von Kontrollvariablen wie Arbeitsbelastung und Coping-Strategien.
- Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund theoretischer Erwartungen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit
Zentraler Forschungsgegenstand der arbeitswissenschaftlichen und arbeitsmedizinischen Disziplinen ist seit je her die Auseinandersetzung des Menschen mit seinem Arbeitsumfeld und die psychischen und physischen Folgen, die sich daraus ableiten. Dabei wird auch der Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit untersucht und diskutiert (vgl. Fleischmann 2014: 37). Allgemeiner Konsens ist dabei, dass Schichtarbeit und ganz besonders Nachtarbeit als Risikofaktor für diverse körperliche und geistige Beeinträchtigungen gesehen wird (vgl. Kachisi/Kutscher 2015: 1). Dies erklärt die Relevanz einer Untersuchung der zeitlichen Variation von Arbeit und deren Einfluss auf die Gesundheit des Arbeitsnehmers.
Im Fokus steht also die Schichtarbeit und die Gesundheit im Gegensatz zu einer Normalbeschäftigung. Laut Rutenfranz liegt die Krux im biologischen Rhythmus des Menschen. Dieser sorgt dafür, dass innerhalb des täglichen Zyklus ganz bestimmte Mechanismen im menschlichen Körper stattfinden, die essenziell für dessen Gesundheit sind. Neben dem Schlafrhythmus und der Verdauung kann dies auch die Einnahme von B-Vitaminen in Form von Sonnenstrahlen sein. Arbeitet ein Mensch nun vermehrt außerhalb von normalen Arbeitszeiten, die es ihm nicht erlauben beispielsweise nachmittags Feierabend zu machen, kann auf Dauer ein Mangel an B-Vitaminen entstehen, der wiederum zu Trägheit, Müdigkeit und sogar einer leichten Depression führen kann (vgl. Knauth/Hornberger 1997: 25). Als Ursache für eine große Anzahl an Erkrankungen, kann also dieses biologische Ungleichgewicht angeführt werden. Im Fokus einer negativen Beeinflussung der Gesundheit steht also nicht die Arbeitstätigkeit per se, sondern der durch unnatürliche Zeiten gestörte Biorhythmus. Die Intensität und Dauer möglicher Beeinträchtigungen wird zusätzlich maßgeblich durch individuelle Einflussgrößen, wie Alter, Persönlichkeit, Biorhythmus, Anpassungsfähigkeit etc. bedingt (vgl. ebd.: 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt und führt in die Fragestellung ein, wie Schichtarbeit die subjektive Gesundheit im Vergleich zu Normalarbeitszeiten beeinflusst.
2. Theoretische Betrachtung: In diesem Kapitel werden Begriffe definiert, der soziologische Kontext der Schichtarbeit beleuchtet und Hypothesen hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen formuliert.
3. Empirisch-statistische Betrachtung: Das Kapitel beschreibt die Datenbasis des ALLBUS 2014 sowie die methodische Umsetzung der multivariaten Regressionsanalyse zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Befunde zusammen, reflektiert die Ablehnung der Ausgangshypothese und diskutiert mögliche Gründe für die Diskrepanz zwischen Theorie und statistischem Ergebnis.
5. Anhang: Syntax: Der Anhang dokumentiert die statistischen Befehle, die für die Datenbereinigung, Variablenumcodierung und Regressionsanalyse in der Software verwendet wurden.
Schlüsselwörter
Schichtarbeit, Subjektive Gesundheit, Regressionsanalyse, Arbeitszeit, Soziale Ungleichheit, ALLBUS, Biorhythmus, Kontrollvariablen, Arbeitsbelastung, Coping-Verhalten, Gesundheitsempfinden, Lebensqualität, Empirische Sozialforschung, Arbeitsverhältnisse, Stress.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und der subjektiven Gesundheit von Erwerbstätigen in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf den Auswirkungen durch unregelmäßige Arbeitszeiten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den arbeitswissenschaftlichen Grundlagen der Gesundheit, der Rolle von Schichtarbeit als Faktor sozialer Ungleichheit sowie der methodischen Anwendung multivariater Regressionsmodelle.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet, welchen Einfluss die Arbeit im Schichtbetrieb im Vergleich zu einer Tätigkeit in Normalarbeitszeit auf den subjektiven Gesundheitszustand der betroffenen Personen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt eine multivariate OLS-Regressionsanalyse, um den Einfluss von Schichtarbeit auf das Konstrukt der "subjektiven Gesundheit" unter Einbeziehung verschiedener Kontrollvariablen zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Hypothesen sowie einen empirischen Teil, in dem Daten des ALLBUS 2014 aufbereitet, operationalisiert und statistisch ausgewertet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Schichtarbeit, subjektive Gesundheit, soziale Ungleichheit, Biorhythmus, Arbeitsbelastung sowie statistische Validierung durch Regressionsmodelle.
Warum konnte die aufgestellte Hypothese (H1) statistisch nicht bestätigt werden?
Die Analyse ergab, dass nach Einbezug der Kontrollvariablen kein signifikanter negativer Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit mehr nachweisbar war, was die ursprüngliche Hypothese widerlegt.
Welche Rolle spielen die Kontrollvariablen für das Ergebnis?
Die Kontrollvariablen wie körperliche und geistige Arbeitsbelastung, Wohnumgebung und Coping-Strategien erklären einen Teil der Varianz, wodurch der direkte Effekt der Schichtarbeit im zweiten Modell nahezu vollständig verschwindet.
- Arbeit zitieren
- Maria Korosteljow (Autor:in), 2018, Wie beeinflusst Schichtarbeit die subjektive Gesundheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438850