In der täglichen Arbeit als rechtlicher Betreuer wird man im Zuge einer Übernahme einer Betreuung zunehmend mit älteren Menschen und insbesondere deren krankheitsbedingten Einschränkungen konfrontiert. Speziell bei dementiell Erkrankten ist oft Handlungsbedarf angezeigt, der in der Praxis aufgrund der krankheitsbedingten Einschränkungen des Klienten mit einer unverzüglichen Suche nach einer geeigneteren als der aktuell vorhandenen Wohnform einhergeht. Die zentrale Frage, die ich mir als Betreuer in dieser Situation stellt, ist die, in welchem Erkrankungsstadium sich der Betroffene befindet, ob aufgrund dessen ein Wechsel der derzeitigen Wohnsituation notwendig ist und welche Wohnformen für einen an Demenz erkrankten Menschen in dem vorliegenden Stadium als ideale Versorgungsform existieren.
Da in der rechtlichen Betreuung das Wohl und der Wille des Betreuten an erster Stelle steht, gilt es für den rechtlichen Vertreter idealerweise zu wissen, welche Form des Wohnens für den an Demenz erkrankten Betreuten existieren, welche Vor- und welche Nachteile diese Wohnformen mit sich bringen und welche Formen für welche Schweregrade der Erkrankung geeignet sind.
Die Erkrankung der Demenz ist eine große Belastung für den Klienten und seinen Betreuer und setzt fundierte Kenntnisse über dieses Krankheitsbild voraus. Diese Arbeit stellt das Krankheitsbild der dementiellen Erkrankung vor, um zu veranschaulichen, welche Belastungen mit der Krankheit einhergehen. Anschließend werden Versorgungsformen und Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt, die von dem Klienten, dem Betreuer und den Familienangehörigen des an Demenz Erkrankten (Betroffener) in Anspruch genommen werden können. Besonders fokussiert werden hierbei nach der häuslichen Versorgung durch Angehörige die ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsformen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Demographischer Wandel und Epidemiologie
2.1 Definition Demenz
2.2 Klassifikation der Demenz nach ICD-10
2.3 Formen der Demenz
2.3.1 Vaskuläre Demenz
2.3.2 Demenz vom Alzheimer-Typ
2.4 Stadien der Demenz
2.4.1 Stadium I
2.4.2 Stadium II
2.4.3 Stadium III
2.5 Diagnose
2.6 Behandlung
2.6.1 Medikamentöse Behandlung
2.6.2 Nicht-medikamentöse Behandlung
2.6.3 Prävention
3 Bedürfnisse dementiell erkrankter Menschen
3.1 Unterstützung der Angehörigen
3.1.1 Bauliche Maßnahmen
3.1.2 Ernährung
3.1.3 Bewegung
3.1.4 Pflege
4 Wohnformen für dementiell erkrankte Menschen
4.1 Ambulante Hilfe
4.2 Teilstationäre Einrichtungen
4.2.1 Tagesstätte
4.2.2 Tagespflege
4.2.3 Tageskliniken
4.3 Stationäre Einrichtungen
4.3.1 Kurzzeitpflege
4.3.2 Demenz-Wohngemeinschaften
4.3.3 Hausgemeinschaften
4.3.4 Pflegeheim
4.3.5 Milieutherapeutischer Ansatz
4.3.6 Die Pflegeoase
5 Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Studienarbeit besteht darin, rechtlichen Betreuern eine fundierte Wissensgrundlage für die Auswahl geeigneter Wohnformen für an Demenz erkrankte Menschen zu bieten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Wohnformen in Abhängigkeit vom jeweiligen Krankheitsstadium eine ideale Versorgung darstellen und wie Betreuer den Übergang in eine neue Wohnsituation im Sinne des Betroffenen gestalten können.
- Epidemiologie und Krankheitsbilder der Demenz
- Bedürfnisse und pflegerische Anforderungen von Betroffenen
- Ambulante und teilstationäre Unterstützungsangebote
- Stationäre Versorgungsmodelle wie Wohngemeinschaften und Pflegeoasen
- Kriterien für die Entscheidungsfindung in der rechtlichen Betreuung
Auszug aus dem Buch
4.3.2 Demenz-Wohngemeinschaften
Alle Versorgungsformen Demenzkranker beeinflussen den Verlauf der Demenzkrankheit. Je natürlicher der Umgang mit den Betroffenen ist, desto positiver wirkt sich das auf den Krankheitsverlauf aus. Soll die Unterbringung einer an Demenz erkrankten Person außerhalb der Häuslichkeit erfolgen, stehen neben den teil- und vollstationären Angeboten Wohngemeinschaften zur Verfügung, die speziell auf die Bedürfnisse der Betroffenen ausgerichtet sind.
Es wird damit konzeptionell ein alternativer Weg eingeschlagen, der den Betroffenen in seinem Krankheitsverlauf berücksichtigt. Die Wohngemeinschaften werden als pflegesatzfinanzierte und zugelassener vollstationäre Einrichtungen betrieben. Sie gelten als Heime und unterliegen dem Heimgesetz.
Seit Ende der neunziger Jahre begann man in Deutschland, sich mit kleinräumigen Wohnformen auseinanderzusetzen.
Die Idee zur Entwicklung dieses Konzeptes war, ältere Menschen, die vorrangig nicht somatisch, sondern psychisch erkrankt waren, möglichst lange „…gemeindenah zu betreuen und die Nachteile einer klinisch geprägten Versorgung zu vermeiden“ (Heeg/Bäuerle, 2012, S. 24). Es wird dabei versucht, das normale, lebenslang gewohnte Wohnverhalten beizubehalten. Erfolgt ein Wechsel eines an Demenz erkrankten Menschen aufgrund des in der Häuslichkeit nicht mehr zu bewältigenden Pflegeaufwandes in eine Demenz-Wohngemeinschaft, so liegt dies in erster Linie in der Wahrung der Individualität und der häuslichen, familiären Atmosphäre.
Demenz- Wohngemeinschaften lassen sich in vorhandenen Wohnhäusern einrichten. In einer Gruppe werden meistens zwischen fünf und zwölf an Demenz erkrankte Menschen betreut. Jeder Bewohner verfügt über individuellen Bereich in Form eines eigenen Zimmers. Darüber hinaus gibt es Gemeinschaftsräume inklusive einer Küche und eines Essbereiches, die von allen Bewohnern gemeinsam benutzt werden können.
Eine Wohngemeinschaft für dementiell Erkrankte vereint Wohnen, Pflege und Versorgung. Diese alternative Wohnform ist nicht nur die Bewohner sehr sinnvoll konzipiert, sondern häufig auch monetär günstiger als eine herkömmliche Altenpflegeeinrichtung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen bei der Wahl geeigneter Wohnformen für an Demenz erkrankte Menschen aus der Perspektive eines rechtlichen Betreuers.
2 Demographischer Wandel und Epidemiologie: Dieses Kapitel erläutert die steigende Relevanz der Demenzerkrankungen aufgrund des demographischen Wandels, definiert verschiedene Demenzformen und beschreibt deren Stadien sowie diagnostische und therapeutische Ansätze.
3 Bedürfnisse dementiell erkrankter Menschen: Hier werden die psychosozialen und physischen Bedürfnisse der Betroffenen sowie die Belastungen der Angehörigen analysiert, inklusive notwendiger Anpassungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld.
4 Wohnformen für dementiell erkrankte Menschen: Dieses zentrale Kapitel klassifiziert und vergleicht verschiedene Versorgungsangebote, von ambulanter Hilfe über teilstationäre Einrichtungen bis hin zu stationären Wohnmodellen wie Pflegeoasen.
5 Ergebnis: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und betont, dass bei der Auswahl der Wohnform stets die individuellen Bedürfnisse des Betroffenen im Mittelpunkt stehen sollten.
Schlüsselwörter
Demenz, Alzheimer, rechtliche Betreuung, Wohnformen, Pflege, Epidemiologie, Demenz-Wohngemeinschaft, stationäre Pflege, ambulante Betreuung, Biografiearbeit, Milieutherapie, Pflegeoase, Lebensqualität, Krankheitsstadien, häusliche Versorgung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik, für an Demenz erkrankte Menschen im Rahmen der rechtlichen Betreuung geeignete Wohnformen zu finden, die den krankheitsbedingten Einschränkungen gerecht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die medizinischen Grundlagen der Demenz, die spezifischen Bedürfnisse der Betroffenen, die Belastungssituation pflegender Angehöriger sowie ein detaillierter Überblick über ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgungsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, in welchem Erkrankungsstadium ein Wechsel der Wohnsituation notwendig wird und welche Wohnformen als ideale Versorgungsoptionen für den Betroffenen existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, die klinische Definitionen, sozialwissenschaftliche Ansätze zur Wohnraumgestaltung und rechtliche Rahmenbedingungen miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Demenz-Epidemiologie und Stadien, die Analyse der Bedürfnisse von Betroffenen (inklusive baulicher und therapeutischer Maßnahmen) sowie eine umfassende Vorstellung verschiedener Wohnkonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Demenz, rechtliche Betreuung, Wohnformen, Pflegeoasen, ambulante/stationäre Versorgung und personenzentrierter Ansatz charakterisiert.
Warum spielt die Biografiearbeit bei der Betreuung eine so große Rolle?
Die Biografiearbeit ermöglicht es dem Betreuer, die Bedürfnisse und die individuelle Erlebenswelt des Betroffenen besser zu verstehen, was eine gezieltere und menschlichere Versorgungsplanung erlaubt.
Was unterscheidet eine Pflegeoase von einem herkömmlichen Pflegeheim?
Pflegeoasen sind auf kleine Gruppen im schweren Stadium der Demenz ausgerichtet, bieten eine permanente Präsenz von Pflegepersonal in einem Mehrpersonenraum und zielen primär auf eine palliative Lebensqualität ab, statt auf die typische Stationsroutine.
- Arbeit zitieren
- Rene Heinze (Autor:in), 2016, Wohnformen für an Demenz erkrankte Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438885