Kommunikationsmittel Bilderbogen. Zu Aufbau und Gestalt des Bilderbogens


Seminararbeit, 2001

15 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Definition

2. Hauptverlagsorte
2. 1. Süddeutschland
2. 2. Norddeutschland

3. Graphische Technik

4. Verbreitung

5. Motive und Themen
5. 1. Frühphase
5. 2. Spaltung und Politisierung
5. 3. Massenproduktion

6. Untergang der Bilderbogen

7. Zusammenfassung

Fazit

Bibliographie

Vorwort

Ein ’Bilderbogen’ in unserem heutigen Sprachgebrauch betitelt meist eine Fotoserie oder ähnliches. Bis vor einem Jahrhundert war das jedoch noch ganz anders. Gerade Kinder fanden um 1900 an den bunten Bildern und kurzen Geschichten helle Freude und bastelten aus den Vorlagen kleine Häuschen und Figuren. Aber wie sieht die Geschichte dieser Publizierungsform aus und warum ist sie vom Pressemarkt verschwunden? Wie und in welchem Maße hatten die Bilderbogen Einfluss auf die Gesellschaft und welche Bedeutung haben sie als Kommunikationsmittel?

Dazu muss man sich außerdem fragen, was ein Kommunikationsmittel eigentlich ist. Nach dem Lexikon verhilft jenes zur Kommunikation zwischen ’Sender’ und ’Empfänger’.[1] In unserem Fall wären das der Verleger/ Hersteller und die Bevölkerung. Man unterscheidet zwischen zweiseitiger und einseitiger Kommunikation, wobei erstere z.B. in einem Gespräch stattfindet. Die einseitige Kommunikation findet man heutzutage beispielsweise beim Hören einer Rundfunksendung oder auch beim Lesen einer Zeitung/ Zeitschrift. Inwieweit der Bilderbogen zu den einseitigen Kommunikationsmitteln gehört, soll ebenfalls hier geklärt werden.

Was hier nicht behandelt werden kann ist eine detaillierte Beschreibung von Aufbau und Gestalt der verschiedenen Bilderbogen und ihrer komplexen Inhalte. Dennoch sollen jene kurz vorgestellt werden, denn nur so lässt sich der Bilderbogen erklären und verstehen.

1. Definition

Hilscher stellte zu diesem Thema fest,

„daß geschlossene Definitionen sehr selten sind, daß versuchte Deskriptionen und Definitionen meistens einzelne Teilaspekte berücksichtigen, aus deren Zusammenstellung erst ein Gesamtbild als Ausgangspunkt weiterer Überlegungen zusammenzufügen ist.“[2]

Trotzdem hat der Bilderbogen ein paar Eigenschaften, die nur ihm zugeschrieben werden können, und diese sollen hier kurz zusammengefasst werden.

Bei Bilderbogen handelt es sich um Einblattdrucke, die meistens verschiedenfarbig koloriert sind. Zeitlich eingrenzen lässt sich ihre Erscheinungsphase grob vom „ausklingenden Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts“[3], wobei die Hochphase „um die Mitte des 19. Jahrhunderts“[4] anzusetzen ist. Wie der Begriff schon andeutet, sind auf den Blättern verschiedenster Größe hauptsächlich Bilder gezeigt, die von einem kurzen Text kommentiert sind. Auf manchen Bögen ist nur ein großes, sehr detailliertes Bild zu sehen, auf anderen mehrere kleine Bilderreihen.

Als Druckerzeugnisse sind die Bilderbogen sehr stark von der Druckindustrie abhängig, und diese hängt wiederum eng an der Textil- bzw. Holzindustrie.[5] Daher war die Produktion von Bilderbogen hauptsächlich in Städten möglich, die beides bieten konnten. Die Produktion der Bilderbogen in Deutschland verteilte sich auf zwei Schwerpunktgebiete, die im Folgenden näher vorgestellt werden sollen.

2. Hauptverlagsorte

2. 1. Süddeutschland

Wie schon erwähnt, kann es die Druckindustrie ohne die Papierherstellung nicht geben. Daher wird sich die Druckindustrie nur in der Nähe einer Papierproduktion niederlassen, um die damaligen Transportprobleme weitestgehend auszuschalten. Nürnberg hatte einen entscheidenden Vorteil, denn die „erste sicher nachgewiesene P.[apier]mühle in D[eu]tschl[an]d ist die [...] um 1389 vor den Toren von Nürnberg erbaute Gleismühle.“[6] So entstanden in der Gegend von Nürnberg viele Druckereien und Verlage. Nürnberg als Handels- und Verkehrsmittelpunkt bot zusätzlich die Möglichkeit die ’Druckware’ anschließend auch in entfernten Städten und Dörfern zu verbreiten.

Nach Roth- Wölfle war der Nürnberger Paulus Fürst um 1600 der erste Großverleger für Bilderbogen.[7] Ihm folgten viele andere wichtige Verleger, besonders um 1800, die Nürnberg zu einer Hauptproduktionsstätte von Bilderbogen werden ließ. Und auch die Tatsache, dass sogar Albrecht Dürer und Hans Sachs bei der Gestaltung einiger Bilderbogen mitwirkten ist bemerkenswert. Stammen jene doch aus dem Bereich der ’hohen’ Kunst, die meist eher für die reichen Schichten produzierte.

Im süddeutschen Raum gab es jedoch auch noch andere Städte, die für genug Stoff am Bilderbogen- Markt sorgten. Besonders die Verleger in Augsburg und München, aber auch in Stuttgart fanden zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert reißenden Absatz und konnten ihre Ware sogar im Ausland vertreiben.[8] Als wichtige Handelszentren war es allen diesen Städten überhaupt erst möglich geworden, derartigen Erfolg zu haben. Jedoch hängt der Erfolg einer Verlagsfirma nicht nur an ihrem Standort, sondern auch an der Person des Verlegers. Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte des Neuruppiner Verlags von Gustav Kühn.

[...]


[1] Bertelsmann Universal Lexikon in 20 Bänden. Band 10. S. 36.

[2] Hilscher, Elke: Die Bilderbogen im 19. Jahrhundert. München 1977. S. 15.

[3] Spamer, Adolf : Der Bilderbogen von der geistlichen Hausmagd. Ein Beitrag zur Geschichte des religiösen Bilderbogens und der Erbauungsliteratur im populären Verlagswesen Mitteleuropas. Göttingen 1970. [Ohne Seitenangabe] Einführung.

[4] Vogel, Heiner: Bilderbogen, Papiersoldat Würfelspiel und Lebensrad. Volkstümliche Graphik für Kinder aus fünf Jahrhunderten. Lizenzausgabe für Edition Popp, Würzburg, 1981. Leipzig 1981. S. 9.

[5] Papier wurde zuerst aus Textilresten hergestellt, und erst seit der Mitte des 19.Jhd. vorwiegend aus Holz. Nach Bertelsmann Universal Lexikon in 20 Bänden. Band 13. Gütersloh 1992. S. 251.

[6] Bertelsmann Universal Lexikon in 20 Bänden. Band 13. Gütersloh 1992. S. 251. [Vervollständigung durch die Verfasserin].

[7] Roth- Wölfle, Lotte: Bücher Blätter Bibliotheken. Schriften einer Antiquarin. Aufsatzsammlung herausgegeben von Christine und Karl H. Pressler. München 1982. S. 126.

[8] Roth- Wölfle, Lotte: Wie Anm. 7. S. 127.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kommunikationsmittel Bilderbogen. Zu Aufbau und Gestalt des Bilderbogens
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Volkskunde)
Veranstaltung
Grundkurs I
Note
2+
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V4389
ISBN (eBook)
9783638127226
ISBN (Buch)
9783668148048
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Aus dem Bereich zu Volkskunde/ Europäische Ethnologie (Massenmedien). Bilderbogen sind mit dem Flugblatt eng verwandt (einseitig bedruckte, bunte Blätter mit vielen Bildern) und waren im Laufe ihrer Geschichte (14. bis Anfang 20. Jhd.) sowohl Unterhaltungsmedium als auch politisches Vermittlungsmedium. 119 KB
Schlagworte
Kommunikationsmittel, Bilderbogen, Grundkurs
Arbeit zitieren
Kim Thiel (Autor), 2001, Kommunikationsmittel Bilderbogen. Zu Aufbau und Gestalt des Bilderbogens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4389

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