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Die Umsetzung der Kollektiv- und Arbeitserziehung nach A. S. Makarenko in den Jugendwerkhöfen der DDR

Title: Die Umsetzung der Kollektiv- und Arbeitserziehung nach A. S. Makarenko in den Jugendwerkhöfen der DDR

Term Paper , 2018 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Elisabeth Poch (Author)

Pedagogy - General
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Die Umerziehung und Resozialisation straffällig gewordener Heranwachsender ist eine pädagogische Herausforderung, die nicht nur heute relevant ist. In der DDR war sie ein zentraler Bestandteil der Heimerziehung Heranwachsender, die aus dem Rahmen des totalitären Systems fielen. In manchen Fällen führten die Heimpraktiken zu schwerwiegenden Folgeschäden; zahlreiche Bücher berichten über einprägsame Einzelschicksale der Tortur in Spezialheimen, für die die Betroffenen noch heute Hilfe erhalten. Daraus ergibt sich die Frage, woran sich diese teils folgenreichen Praktiken orientierten. Diese Arbeit hat zum Thema, inwiefern das Konzept der Kollektiv- und Arbeitserziehung nach A. S. Makarenko in den Jugendwerkhöfen der DDR umgesetzt wurde.

Im ersten Abschnitt wird das Erziehungskonzept Makarenkos erläutert. Dabei wird zunächst knapp das Erziehungsziel des „neuen Menschen“ betrachtet. Darauf aufbauend wird seine Theorie der Kollektiverziehung dargestellt, wobei besonders auf die Struktur des Kollektivs und die Bedeutung der Disziplin eingegangen wird. Anschließend wird sein Konzept der Arbeitserziehung anhand seiner praktischen Arbeit dargestellt. Im zweiten Abschnitt wird das Konzept der Umerziehung in den Jugendwerkhöfen der DDR mit Blick auf Makarenko betrachtet. Hierbei wird ebenfalls das Konzept der Kollektiverziehung unter den gleichen Gesichtspunkten wie im ersten Abschnitt dargelegt. Daran anschließend wird die Arbeitserziehung auch im Hinblick auf ihre Entwicklung erläutert. Abschließend wird im Fazit die Umsetzung der Theorie Makarenkos anhand der Befunde kritisch reflektiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Erziehungskonzept Makarenkos

2.1 Erziehungsziel: Der „neue Mensch“

2.2 Kollektiverziehung

2.3 Arbeitserziehung

3 Umerziehung in den Jugendwerkhöfen

3.1 Kollektiverziehung

3.2 Arbeitserziehung

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Umsetzung des Erziehungskonzepts von A. S. Makarenko – speziell dessen Ansätze zur Kollektiv- und Arbeitserziehung – in den Jugendwerkhöfen der DDR. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit diese theoretischen pädagogischen Grundlagen in der DDR-Heimerziehung Anwendung fanden und welche Auswirkungen dies auf die Umerziehung straffällig gewordener oder schwererziehbarer Jugendlicher hatte.

  • Pädagogisches Erziehungskonzept nach A. S. Makarenko
  • Strukturen der Kollektiverziehung und ihre Anwendung
  • Die Rolle der Arbeitserziehung im Sozialismus
  • Praxis und Probleme der Umerziehung in DDR-Jugendwerkhöfen
  • Kritische Reflexion der Disziplinierung und Resozialisierung

Auszug aus dem Buch

2.2 Kollektiverziehung

Die Idee der gemeinsamen Entwicklung von Kollektiv und Persönlichkeit, die Makarenko unterstützte, entstammte dem Marxismus-Leninismus (Gatzemann, 2009, S. 27). Marx und Engels gingen davon aus, dass Menschen erst im Miteinander fähig werden, ihre Dispositionen allseitig zu entfalten (Marx & Engels, 1978, S. 74). Damit wurde das Kollektiv in der sozialistischen Gesellschaft zur zentralen Daseinsform (Gatzemann, 2009, S. 27). Kommunistische Erziehung basierte dementsprechend auf der „Erziehung im Kollektiv und durch das Kollektiv“ (ebd., S. 30). Der Adressat der Erziehung war nicht die Einzelperson, sondern die Gesamtheit des Kollektivs (Makarenko, 1956, S. 242).

Die Struktur eines Kollektivs wie zum Beispiel in der Gorki-Kolonie beschrieb Makarenko wie folgt:

Man stellt sich ein Kollektiv nicht richtig vor, wenn man bloß an eine Summe einzelner Individuen denkt. Das Kollektiv ist ein sozialer, lebendiger Organismus. Es ist deshalb ein Organismus, weil es Organe besitzt: Es gibt Vollmachten und Verantwortlichkeiten, wechselhafte Beziehungen und ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis. (ebd., S. 241)

Das Kollektiv entsprach der Gesamtheit aller Zöglinge, die in Subeinheiten unterteilt wurde: Die kleinste Einheit, die Grundkollektive, bestand aus sieben bis 15 Personen und erhielt bestimmte Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten (Makarenko, 1956, S. 267f.). Den Grundkollektiven stand jeweils ein Kommandeur vor, dem aber keine Privilegien zukamen (Makarenko, 1958, S. 218); alle Kommandeure gemeinsam organisierten sich im leitenden Rat der Kommandeure (Makarenko, 1956, S. 270). Das oberste Gremium der Selbstverwaltung war die Vollversammlung, die allen Mitgliedern offenstand und weitreichende Entscheidungen traf (ebd., S. 21f.) Zusätzlich zu den Kommandeuren wurden zeitlich begrenzte „Einsatzabteilungen“ ernannt, die Makarenko als einen der bedeutsamsten Bestandteile des Kollektivs bezeichnete, da so ein Großteil der Mitglieder nicht nur zur Arbeit, sondern auch zur Organisation verpflichtet wurde (ebd., S. 218ff.). Daraus entstand ein vielfach verstricktes Netz aus wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnissen, aus dem resultierte, dass sich einzelne Mitglieder nicht über andere oder das Kollektiv erheben konnten (ebd., S. 221). Um dies weiter zu intensivieren, wurden möglichst viele Bevollmächtigte eingesetzt (ebd., S. 221). Die Mitglieder lernten in dieser Struktur, sowohl Befehle zu erteilen als auch anzunehmen sowie Verantwortungsbewusstsein auszubilden (ebd., S. 299f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Umerziehung und Resozialisation von Heranwachsenden in der DDR ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.

2 Das Erziehungskonzept Makarenkos: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament Makarenkos, insbesondere das Erziehungsziel des „neuen Menschen“ sowie die Prinzipien der Kollektiv- und Arbeitserziehung.

2.1 Erziehungsziel: Der „neue Mensch“: Der Abschnitt fokussiert auf die Überwindung des Individualismus zugunsten sozialistischer Werte wie Disziplin und kollektivem Verantwortungsgefühl.

2.2 Kollektiverziehung: Hier wird die Struktur des Kollektivs als „sozialer Organismus“ mit spezifischen Hierarchien, Verantwortlichkeiten und Selbstverwaltungsmechanismen dargestellt.

2.3 Arbeitserziehung: Dieser Teil beleuchtet die marxistische Bedeutung der Arbeit als unabdingbares Mittel zur ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung und deren praktische Anwendung.

3 Umerziehung in den Jugendwerkhöfen: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Makarenko-Konzepte auf die praktische Realität der DDR-Jugendwerkhöfe.

3.1 Kollektiverziehung: Es wird analysiert, wie das Kollektivmodell in der DDR-Heimpraxis zur Disziplinierung der Heranwachsenden instrumentalisiert wurde.

3.2 Arbeitserziehung: Hier wird aufgezeigt, wie die erzieherische Arbeit oft hinter wirtschaftliche Interessen und bloße Beschäftigung zurückfiel.

4 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion, die feststellt, dass die Umsetzung der Makarenko-Theorie in der DDR oft zur formalistischen Deformation degenerierte.

Schlüsselwörter

A. S. Makarenko, DDR-Heimerziehung, Jugendwerkhof, Kollektiverziehung, Arbeitserziehung, Disziplin, Resozialisation, neuer Mensch, Umerziehung, Pädagogik, Sozialismus, Eberhard Mannschatz, Disziplinierung, Sonderheime, Persönlichkeitsentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche und praktische Anwendung des pädagogischen Erziehungskonzepts von A. S. Makarenko innerhalb der Jugendwerkhöfe der DDR.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Kollektiv- und Arbeitserziehung sowie deren Übertragung auf die Heimpraxis und Umerziehungsmaßnahmen der DDR.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu analysieren, ob und wie Makarenkos Konzepte in den Jugendwerkhöfen umgesetzt wurden und welche Konsequenzen dies für die Jugendlichen hatte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der pädagogische Fachliteratur und Dokumente zur Heimerziehung der DDR kritisch zueinander in Bezug gesetzt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst Makarenkos Originaltheorien dargelegt und anschließend die Transformation sowie die praktische Umsetzung dieser Theorien durch DDR-Funktionäre wie Eberhard Mannschatz in den Jugendwerkhöfen beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Makarenko, Jugendwerkhof, Kollektiverziehung, Arbeitserziehung, Disziplin und Resozialisation.

Inwieweit unterschied sich die Praxis in den Jugendwerkhöfen von der Theorie Makarenkos?

Obwohl die Jugendwerkhöfe theoretisch auf Makarenko basierten, wurden seine Konzepte in der DDR oft „mechanisch“ angewandt, was zu einer Formalisierung und in manchen Fällen zu entwürdigenden Strafpraktiken führte, die Makarenkos Intentionen widersprachen.

Was kritisiert das Fazit besonders an der Kollektiverziehung in der DDR?

Das Fazit hält fest, dass die Kollektiverziehung oft zur Mitwirkungsfarce wurde und dass die notwendige Harmonisierung von Einzel- und Gesellschaftsinteressen faktisch zu einer repressiven Disziplinierung führte.

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Details

Title
Die Umsetzung der Kollektiv- und Arbeitserziehung nach A. S. Makarenko in den Jugendwerkhöfen der DDR
College
University of Erfurt
Course
Seminar Pädagogik in der DDR
Grade
1,7
Author
Elisabeth Poch (Author)
Publication Year
2018
Pages
16
Catalog Number
V438925
ISBN (eBook)
9783668789852
ISBN (Book)
9783668789869
Language
German
Tags
Makarenko Mannschatz Pädagogik DDR Jugendwerkhof Torgau Erziehungswissenschaft Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisabeth Poch (Author), 2018, Die Umsetzung der Kollektiv- und Arbeitserziehung nach A. S. Makarenko in den Jugendwerkhöfen der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438925
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