Ein ’Bilderbogen’ in unserem heutigen Sprachgebrauch betitelt meist eine Fotoserie oder ähnliches. Bis vor einem Jahrhundert war das jedoch noch ganz anders. Gerade Kinder fanden um 1900 an den bunten Bildern und kurzen Geschichten helle Freude und bastelten aus den Vorlagen kleine Häuschen und Figuren. Aber wie sieht die Geschichte dieser Publizierungsform aus und warum ist sie vom Pressemarkt verschwunden? Wie und in welchem Maße hatten die Bilderbogen Einfluss auf die Gesellschaft und welche Bedeutung haben sie als Kommunikationsmittel?
Dazu muss man sich außerdem fragen, was ein Kommunikationsmittel eigentlich ist. Nach dem Lexikon verhilft jenes zur Kommunikation zwischen ’Sender’ und ’Empfänger’. In unserem Fall wären das der Verleger/ Hersteller und die Bevölkerung. Man unterscheidet zwischen zweiseitiger und einseitiger Kommunikation, wobei erstere z.B. in einem Gespräch stattfindet. Die einseitige Kommunikation findet man heutzutage beispielsweise beim Hören einer Rundfunksendung oder auch beim Lesen einer Zeitung/ Zeitschrift. Inwieweit der Bilderbogen zu den einseitigen Kommunikationsmitteln gehört, soll ebenfalls hier geklärt werden.
Was hier nicht behandelt werden kann ist eine detaillierte Beschreibung von Aufbau und Gestalt der verschiedenen Bilderbogen und ihrer komplexen Inhalte. Dennoch sollen jene kurz vorgestellt werden, denn nur so lässt sich der Bilderbogen erklären und verstehen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Definition
2. Hauptverlagsorte
2. 1. Süddeutschland
2. 2. Norddeutschland
3. Graphische Technik
4. Verbreitung
5. Motive und Themen
5. 1. Frühphase
5. 2. Spaltung und Politisierung
5. 3. Massenproduktion
6. Untergang der Bilderbogen
7. Zusammenfassung
Fazit
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des Bilderbogens als einflussreiches, einseitiges Kommunikationsmittel, dessen Verbreitung eng mit technischen Entwicklungen der Druckindustrie verknüpft war und das maßgeblich zur gesellschaftlichen Meinungsbildung beitrug.
- Historische Entwicklung und Blütezeit der Bilderbogen
- Einfluss technischer Innovationen auf Produktion und Verbreitung
- Wandel der Motive und Themen von der Frühphase bis zur Massenproduktion
- Die Rolle des Bilderbogens bei der politischen Meinungsbildung
- Ursachen für das Verschwinden vom Pressemarkt
Auszug aus dem Buch
5. 1. Frühphase
Vor und im 15. Jahrhundert liegt die Wiege des Bilderbogens in geistlichen Andachts- und Heiligenbildchen. Wie die Malereien in den Kirchen boten sie der größtenteils analphabetischen Bevölkerung Zugang und Bezug zum Glauben. Bilder von Schutzheiligen wurden beispielsweise im Haus oder Stall aufgehängt, um Unheil abzuwenden. Die religiösen Bilderbogen sind vor allem in „religiösen oder politischen Krisen- oder Umbruchszeiten“ präsent, also beispielsweise nach dem Thesenanschlag Luthers 1517 und der darauf folgenden Reformationszeit. Immer mehr Menschen konnten lesen lernen, da Luther die Bibel aus dem Lateinischen übersetzt hatte. Und so kamen innerhalb der allumfassenden Umbruchsphase der Reformationszeit auch die ersten politischen Bilderbogen auf, die das Volk für Probleme in der Gesellschaft sensibilisierten.
Doch auch allgemein- weltliche Themen, die nicht unbedingt auf eine bestimmte politische Gesinnung ausgelegt waren, verbreiteten sich im 16. Jahrhundert. Dazu gehörten besonders die Sensationsnachrichten und Abbildungen von ’Missgeburten’ oder ’Wundern’. Diese waren am Jahrmarkt sehr gefragt, wo die fahrenden Händler oder Schausteller mit wundersamen Geschichten und grausigen Erlebnissen den Bilderbogen erst richtig schauriges Leben einhauchten. Der Wahrheitsgehalt wird wohl in etwa dem der heutigen Sensations- und ’Schmierblättchen’ entsprechen, also relativ gering sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Thematik des Bilderbogens als historisches Kommunikationsmittel und Abgrenzung zum heutigen Begriffsverständnis.
1. Definition: Erörterung der Schwierigkeit einer geschlossenen Definition und Zusammenfassung wesentlicher Eigenschaften der Bilderbogen.
2. Hauptverlagsorte: Darstellung der Bedeutung von Papierherstellung und Verkehrslage für die Produktionszentren in Süd- und Norddeutschland.
3. Graphische Technik: Analyse der Entwicklung von der Holzschnitt-Technik bis hin zur Lithographie und deren Einfluss auf die Produktqualität.
4. Verbreitung: Untersuchung der Vermarktungsstrategien über fahrende Händler, Druckereien und Tauschhandel.
5. Motive und Themen: Übersicht über die thematische Vielfalt der Bilderbogen, unterteilt in historische Entwicklungsphasen.
6. Untergang der Bilderbogen: Erklärung der Ablösung des Bilderbogens durch die Illustrierte infolge graphischer Weiterentwicklungen.
7. Zusammenfassung: Resümee über die Abhängigkeit des Mediums von der Drucktechnik und seine Rolle als Vorläufer der modernen Presse.
Schlüsselwörter
Bilderbogen, Kommunikationsmittel, Drucktechnik, Lithographie, Holzschnitt, Meinungsbildung, Massenproduktion, Mediengeschichte, Illustrierte, 19. Jahrhundert, Publizierung, Volkskunde, Druckindustrie, Neuruppin, Reformationszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle des Bilderbogens als eines der bedeutendsten einseitigen Kommunikationsmittel vom späten Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Abhängigkeit von der Drucktechnik, die geographische Verlagerung der Produktionszentren und der Wandel von religiösen Motiven hin zu politischer und unterhaltender Berichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie Bilderbogen als Kommunikationsmittel fungierten, welchen Einfluss sie auf die Gesellschaft ausübten und warum sie letztlich vom Pressemarkt verschwanden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literaturgeschichtliche und medienhistorische Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und technikhistorischer Zusammenhänge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der Definition und den technischen Grundlagen über die Verbreitung und thematische Motivwahl bis hin zum ökonomischen Aufstieg und dem schließlichen Untergang durch das Aufkommen illustrierter Zeitschriften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Bilderbogen, Kommunikationsmittel, Mediengeschichte, Lithographie und Druckindustrie einordnen.
Warum war der Bilderbogen für die politische Bildung wichtig?
Durch die Kombination von leicht verständlichem Bild und Text konnten politische Inhalte und Missstände auch in den weniger gebildeten Schichten verbreitet werden, was unter anderem zur Mobilisierung während der Revolution von 1848 beitrug.
Welche Rolle spielte der Standort Neuruppin?
Neuruppin entwickelte sich mit den Werkstätten von Gustav Kühn zu einem bedeutenden Zentrum der industriellen Massenproduktion von Bilderbogen, was maßgeblich zum enormen Absatzanstieg im 19. Jahrhundert beitrug.
Inwiefern beeinflusste der Bilderbogen moderne Medien?
Das Prinzip der Kombination von Bild und Text sowie die gezielte Nutzung von Sensationslust und visueller Auffälligkeit finden sich heute in Comics und der sogenannten Regenbogenpresse wieder.
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- Kim Thiel (Author), 2001, Kommunikationsmittel Bilderbogen. Zu Aufbau und Gestalt des Bilderbogens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4389