Immer häufiger werden Katastrophen oder Tragödien als touristische Attraktionen aufbereitet. Dieser sogenannte „dunkle Tourismus“ sucht den direkten Bezug zum Thema Tod und Leid. Der Erfolg dieses Phänomens legt nahe, dass ein Teil des menschlichen Naturells eine makabre Faszination an Horror und Gewalt in sich zu bergen scheint.
Michael Fischer geht in dieser Publikation der Frage nach, was Menschen dazu treibt, Orte zu besuchen, die von Tod und Leid geprägt sind. Der Autor untersucht zudem, ob und inwiefern die KZ-Gedenkstätte Dachau innerhalb des Phänomens des dunklen Tourismus einzuordnen ist.
Aus dem Inhalt:
- Dunkler Tourismus;
- Tourismus;
- Konzentrationslager;
- KZ-Gedenkstätte Dachau;
- Dachau
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Überlegungen
2.1 Definition und Abgrenzung
2.1.1 Schwarze Stätten
2.1.2 Thanatourismus
2.1.3 Dunkler Tourismus
2.2 Das dunkle Tourismusspektrum
2.2.1 Politischer Einfluss und Ideologie
2.2.2 Pädagogischer oder unterhaltender Ansatz
2.2.3 Geschichtlicher oder kultureller Hintergrund
2.2.4 Interpretation
2.2.5 Örtliche Authentizität
2.2.6 Zeitliche Komponente
2.2.7 Zweck der Einrichtung
2.2.8 Touristische Infrastruktur
2.3 Sieben dunkle Anbieter
2.3.1 Dunkle Vergnügungsattraktionen
2.3.2 Dunkle Ausstellungen
2.3.3 Dunkle Verliese
2.3.4 Dunkle Ruhestätten
2.3.5 Dunkle Schreine
2.3.6 Dunkle Konfliktzonen
2.3.7 Dunkle Stätten des Genozids
2.4 Die KZ-Gedenkstätte Dachau als Destination des dunklen Tourismus
2.4.1 Geschichte des Standorts
2.4.2 Einordnung der Stätte im dunklen Tourismus Spektrum
2.5 Reisemotive und Motivationsfaktoren
2.5.1 Schub- und Zug-Faktoren
2.5.2 Motive im dunklen Tourismus
3 Methodik
3.1 Stichprobe
3.2 Messinstrument
4 Ergebnisse
5 Interpretation
5.1 Selbstfindung
5.2 Bildung
5.3 Erinnerung und Empathie
5.4 Zweckdienlichkeit des Besuchs aufgrund der Lage
5.5 Religiöse Gründe
5.6 Neugierde
5.7 Affirmation und Bestätigung
5.8 Sonstige Gründe
5.9 Einfluss der Informationskanäle
5.10 Wirkung der Schub- und Zug-Faktoren auf die Besucher
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Reisemotive von Besuchern der KZ-Gedenkstätte Dachau, um die Forschungslücke zur Motivation im "dunklen Tourismus" zu schließen und den Einfluss von Schub- und Zug-Faktoren auf dieses Besucherverhalten zu analysieren.
- Analyse des "dunklen Tourismus" als touristisches Phänomen
- Kategorisierung der KZ-Gedenkstätte Dachau im Tourismusspektrum
- Quantitative Erhebung der Besuchermotive vor Ort
- Untersuchung von Schub- und Zug-Faktoren der Reisemotivation
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Gedenkstätten-Betreiber
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Lennon und Foley stellten bereits im Jahr 1999 fest: „… there has been significant growth in tourism associated with sites of death, disaster and depravity”.
Dokumentierte Erhebungen der vergangenen Jahrzehnte belegen diese These. So vermeldete das Anne-Frank-Haus in Amsterdam bereits zur Jahrtausendwende 885.000 Besucher, die durch das schwenkbare Bücherregal in das Hinterhaus gelangten, welches einst acht jüdische Flüchtlinge während des Zweiten Weltkrieges beherbergte. Im gleichen Jahr gab das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 434.000 Touristen an, welche den Ort aufsuchten, an dem 1.500.000 Menschen während des Zweiten Weltkrieges ihr Leben verloren. Kontinuierlich konnten vermehrt Besucherrekorde dieser Destinationen verzeichnet werden. Im Jahr 2017 zählte das Anne-Frank-Haus bereits 1.266.966 Besucher. Das KZ Auschwitz-Birkenau vermeldete indes 2.100.000 Touristen. Ferner hat die Ausstellung „Körperwelten“, welche sowohl echte präparierte menschliche, als auch tierische Körper demonstriert, weltweit bereits mehr als 45.000.000 Besucher angelockt. So scheint Dachau kein Einzelfall zu sein.
Auch die Veranstalter sowie Betreiber, reagieren inzwischen auf dieses Phänomen und Aktivitäten, wie ein Spaziergang zu Reaktorblock 4 des heute stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl, ein Ausflug zum National September 11 Memorial & Museum oder ein Marathonlauf durch die Straßen in Pjöngjang finden ihren Weg in die Reisekataloge.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die historische Relevanz des Standorts Dachau sowie das Phänomen des "dunklen Tourismus" und definiert das Ziel der Studie.
2 Theoretische Überlegungen: Bietet eine umfassende Aufarbeitung der Fachliteratur zu Definitionen, Kategorisierungen und Motiven im dunklen Tourismus.
3 Methodik: Erläutert das Forschungsdesign der quantitativen Umfrage und das verwendete Messinstrument.
4 Ergebnisse: Präsentiert die empirisch gewonnenen Daten der persönlichen Befragung von 50 Besuchern.
5 Interpretation: Analysiert die Studienergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund der Schub- und Zug-Faktoren.
6 Fazit: Fasst die Kernergebnisse zusammen und bietet einen Ausblick für zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Dunkler Tourismus, KZ-Gedenkstätte Dachau, Reisemotive, Schub-Faktoren, Zug-Faktoren, Holocaust, Tourismusforschung, Quantitative Umfrage, Gedenkstätte, Motivation, Authentizität, Todestourismus, Besuchsgründe, Bildungsauftrag, Nationalsozialismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Reisemotive und die Motivation von Besuchern der KZ-Gedenkstätte Dachau im Kontext des sogenannten dunklen Tourismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit behandelt die Einordnung von Stätten des dunklen Tourismus, die theoretische Definition von Reisemotiven und die empirische Untersuchung von Besucherverhalten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, welchen Einfluss Schub- und Zug-Faktoren auf die Besucher der KZ-Gedenkstätte Dachau haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Mischform aus Literaturrecherche und einer quantitativen, standortbasierten Umfrage mittels halbstrukturierter Fragebögen verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Literaturaufarbeitung und die praktische Analyse der Umfrageergebnisse zur Motivation der Besucher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind dunkler Tourismus, Reisemotive, Schub- und Zug-Faktoren sowie Gedenkstätten-Besuche.
Wie lässt sich die KZ-Gedenkstätte Dachau im Tourismusspektrum einordnen?
Die Arbeit kategorisiert sie anhand von Stones Modell klar als "dunkle Stätte des Genozids", wobei der Bildungsauftrag stark im Vordergrund steht.
Welches Ergebnis lieferte die Befragung hinsichtlich der Beweggründe?
Das Hauptmotiv für den Besuch ist der Bildungsaspekt, gefolgt von der Zweckdienlichkeit aufgrund der räumlichen Nähe zu München.
Welche Bedeutung haben die Informationskanäle für die Besucher?
Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Besucher während ihrer Schulzeit von der Gedenkstätte erfuhren, was auf eine eher passive Rolle der direkten touristischen Vermarktung hindeutet.
- Citar trabajo
- Michael Fischer (Autor), 2018, Reisemotive im Dunklen Tourismus. Eine Einordnung der KZ-Gedenkstätte Dachau, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439003