Eine wesentliche Entwicklung der letzten Jahre an internationalen Finanzmärkten hat der Einsatz von Asset Backed Securities (ABS) zur Unternehmensfinanzierung erfahren. Für Industrieunternehmen stehen die Reduzierung der Finanzierungskosten durch Zugang zum internationalen Kapitalmarkt und die Schaffung von Finanzierungsalternativen zur herkömmlichen Kreditfinanzierung im Vordergrund. Grundgedanke dieses Finanzinstrumentes ist die Verbriefung ursprünglich nicht handelbarer Aktiva in fungible Wertpapiere. Unter Asset Securitisation versteht man klassisch die Umwandlung von Cash-Flow generierenden vormals weitgehend illiquiden Aktiva (Assets) in handelbare Wertpapiere (Securities). Dazu werden zunächst ausgewählte Assets regresslos an eine eigens für die Transaktion gegründete Zweckgesellschaft verkauft. D. h. die Forderungen werden regresslos, unter Überleitung des Bonitätsrisikos an das SPV übertragen (Zession, § 398 BGB). Diese wiederum finanziert den Kaufpreis durch Begebung von Wertpapieren im Kapitalmarkt, welche durch die Cash-Flow generierenden Assets besichert (Backed) sind. Anhand dieser Definition lassen sich die drei Hauptbeteiligten identifizieren. Zum einen der Forderungsveräußerer (Originator), die Zweckgesellschaft als Käufer der Forderungen und Emittent der Wertpapiere und natürlich die Investoren, die die Wertpapiere erwerben. ABS werden zum Bilanz- und Steuermanagement des Unternehmens eingesetzt. Die Verwaltung der übertragenen Vermögensgüter wird durch den Originator im Auftrag der Zweckgesellschaft übernommen. Dabei wird die Änderung der Eigentumsverhältnisse, d. h. meist die Abtretung der Forderungen, grundsätzlich gegenüber den einzelnen Schuldnern des Originators nicht offen gelegt. Hierin liegt ein wesentlicher Unterschied gegenüber dem ansonsten rechtlich artverwandten Factoring. Das sich darin zu ABS unterscheidet, dass die Forderungen als Sicherheit von kapitalmarktgängigen Wertpapieren dienen. ABS bedeuten also einen indirekten Kapitalmarktzugang für das Unternehmen. Ein weiterer Vorteil von ABS gegenüber traditionellen Refinanzierungsformen liegt unter anderem auch in ihren niedrigeren Zinskosten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der True Sale
- Die Verbriefung
- Struktur der Verbriefung
- Bilanzielle und rechtliche Aspekte der True Sale Verbriefung
- Rechtliche Aspekte
- Bilanzierung, Bewertung und steuerrechtliche Aspekte
- Der True Sale bei Asset Backed Securities
- Anforderungskriterien und das Prüfschema zur Ausbuchung finanzieller Vermögenswerte
- Continuing Involvement
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem True Sale bei Asset Backed Securities aus Unternehmenssicht und beleuchtet die rechtlichen und bilanziellen Aspekte dieses Finanzinstruments. Sie untersucht die Gestaltung der Verbriefung und stellt die Anforderungskriterien für einen rechtlich einwandfreien Forderungsverkauf dar. Die Arbeit richtet sich an Leser, die sich für die Finanzierungsmöglichkeiten durch Asset Backed Securities interessieren und die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen True Sale verstehen möchten.
- Rechtliche Aspekte der True Sale Verbriefung
- Bilanzielle Auswirkungen des True Sale
- Prüfschema zur Ausbuchung finanzieller Vermögenswerte nach IAS 39
- Anforderungen des True Sale an den Originator
- Bewertung des True Sale als Finanzierungsinstrument
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 2 befasst sich mit dem True Sale und der Verbriefung von Forderungen. Es stellt die grundlegende Struktur einer True Sale Verbriefung dar und erläutert die rechtliche Übertragung des Eigentums an den Forderungen auf die Zweckgesellschaft.
- Kapitel 3 beleuchtet die bilanziellen und rechtlichen Aspekte der True Sale Verbriefung. Es behandelt die rechtlichen Kriterien, die für die Qualifizierung eines Forderungsverkaufes als Kauf oder Darlehen entscheidend sind. Zudem werden handels- und steuerbilanzrechtliche Fragen diskutiert.
- Kapitel 4 untersucht die True Sale Transaktion anhand eines Prüfschemas nach IAS 39. Es stellt die Anforderungskriterien an den True Sale dar und erläutert die Bedeutung der Ausbuchung finanzieller Vermögenswerte.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den zentralen Begriffen True Sale, Asset Backed Securities (ABS), Verbriefung, Zweckgesellschaft (SPV/SPE), Forderungsverkauf, Bilanzierung, Bewertung, rechtliche Aspekte und Anforderungskriterien.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet "True Sale" bei Asset Backed Securities (ABS)?
True Sale bezeichnet den rechtlich wirksamen, regresslosen Verkauf von Forderungen an eine Zweckgesellschaft, sodass diese aus der Bilanz des Verkäufers (Originator) ausscheiden.
Warum nutzen Unternehmen ABS zur Finanzierung?
ABS ermöglichen den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt, senken oft die Finanzierungskosten und dienen der Optimierung von Bilanzkennzahlen.
Was ist eine Zweckgesellschaft (SPV)?
Eine Special Purpose Vehicle (SPV) ist eine eigens für die Transaktion gegründete Gesellschaft, die Forderungen kauft und durch die Emission von Wertpapieren refinanziert.
Wie erfolgt die Ausbuchung nach IAS 39?
Eine Ausbuchung ist nur möglich, wenn die Kontrolle über die Forderungen und die wesentlichen Risiken und Chancen vollständig auf den Käufer übergegangen sind.
Was ist der Unterschied zwischen ABS und Factoring?
Bei ABS dienen die Forderungen als Sicherheit für kapitalmarktgängige Wertpapiere, während Factoring meist eine direkte Finanzierung durch einen Factor ohne Wertpapieremission ist.
Was versteht man unter "Continuing Involvement"?
Es beschreibt eine Situation, in der der Originator nach dem Verkauf weiterhin bestimmte Risiken oder Kontrollrechte behält, was eine vollständige Bilanzausbuchung verhindern kann.
- Quote paper
- Jens Christoph Schröder (Author), 2005, True Sale bei Asset Backed Securities aus Unternehmenssicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43905